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Tetraethylzinn

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Vorlage:Infobox Chemikalie

Tetraethylzinn ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Zinnorganischen Verbindungen und hat die Konstitutionsformel Sn(C2H5)4.

Geschichte

Die Verbindung wurde erstmals im Jahr 1852 vom deutschen Chemiker Carl Löwig als Stannäthyl beschrieben.<ref name="Soukup_anorg">Rolf Werner Soukup: Chemiegeschichtliche Daten anorganischer Substanzen, Version 2020, S. 154 pdf.</ref><ref name="Löwig">C. Löwig: Über Zinnäthyle in Ann. Chem. Pharm. 84 (1852) 308–335.</ref>

Gewinnung und Darstellung

Tetraethylzinn kann durch Reaktion von Ethylmagnesiumbromid mit Zinn(IV)-chlorid gewonnen werden.<ref name="kerk">Vorlage:OrgSynth</ref>

<math>\mathrm{SnCl_4 + 4 \ C_2H_5MgBr \longrightarrow (CH_3CH_2)_4Sn + 4 \ MgBrCl}</math>

Eigenschaften

Tetraethylzinn ist eine entzündliche farblose Flüssigkeit, die praktisch unlöslich in Wasser ist.<ref name="GESTIS" />

Reaktivität

Bei der Reaktion von Tetraethylstannan mit Iod entsteht Triethyliodstannan:<ref name="Hauptmann1">Siegfried Hauptmann: Organische Chemie, 2. durchgesehene Auflage, VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig, 1985, S. 552, ISBN 3-342-00280-8.</ref>

Triethyliodstannan-Synthese
Triethyliodstannan-Synthese

Verwendung

Tetraethylzinn wird als Reaktionsgas im CVD-Verfahren zur Herstellung funktioneller Schichten und leitfähiger transparenter Schichten verwendet. Es wurde auch als Pestizid, Fungizid und Bakterizid verwendet.<ref name="Metall">Vorlage:Literatur</ref>

Es wurde in den 1920er Jahren kurzfristig für den Einsatz als Antiklopfmittel für Ottokraftstoffe untersucht, jedoch schnell durch das effektivere Tetraethylblei ersetzt.<ref name="Vaclav Smil Distinguished Professor University of Manitoba">Vorlage:Literatur</ref>

Sicherheitshinweise

Die Dämpfe von Tetraethylzinn können mit Luft ein explosionsfähiges Gemisch (Flammpunkt 53 °C) bilden.<ref name="GESTIS" /> Im Körper wandelt es sich zu dem toxischeren Triethylzinn um.<ref name="cremer">Jill E. Cremer: The biochemistry of organotin compounds. The conversion of tetraethyltin into triethyltin in mammals. In: Biochem J. 68, 1958 (4), S. 685–692, Vorlage:PMC.</ref> Diese Verbindung wurde 1953/54 als neurotoxische Substanz bekannt, als in Frankreich 110 Todesfälle durch das bakterizid wirkende Präparat Stalinon auftraten, das 10 % Triethylzinn enthielt.<ref name="Pathologie">Vorlage:Literatur</ref> Triethylzinn hemmt die oxidative Phosphorylierung, die Glucose-Oxidation sowie den Einbau von Phosphaten in Phospholipide und ist immunotoxisch.<ref name="buch">Vorlage:Literatur</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

<references />