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Technikdeterminismus

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Technikdeterminismus oder technologischer Determinismus ist ein in der allgemeinen und der Industrie-Soziologie gebräuchlicher Begriff mit der Bedeutung, dass

  • die Technik soziale, politische und kulturelle Anpassungen hervorruft und
  • technische Entwicklungen sozialen und kulturellen Wandel zur Folge haben.

Technologischer Determinismus in der Gesellschaftstheorie

Fälschlicherweise wird häufig Karl Marx ein Technikdeterminismus nachgesagt, weil er die Produktivkräfte als das bewegende Moment (Movens) der Gesellschaftsentwicklung interpretiert hat. Übersehen wird dabei, dass sein Konzept der Produktivkräfte nicht auf die technischen Produktionsmittel reduziert werden kann, sondern mit Bezug auf die Arbeit insgesamt weit umfassender zu verstehen ist.<ref>Marx-Engels-Begriffslexikon, C. H. Beck, München 1984, S. 269 ff.</ref>

Der Soziologe William F. Ogburn hat in seiner Theorie der kulturellen Phasenverschiebung Erfindungen und Technik (materielle Kultur) als eine unabhängige Variable konzipiert, die als Schrittmacher des sozialen Wandels mit unterschiedlicher Geschwindigkeit die immaterielle Kultur (Institutionen, Werte und Ideen) zum Wandel zwingt. Die Phasenverschiebung zwischen materieller und immaterieller Kultur bezeichnete er als cultural lag.<ref>Rainer Winter: William F. Ogburn: On Culture and Social Change. In: Dirk Kaesler, Ludgera Vogt (Hrsg.): Hauptwerke der Soziologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 396). Kröner, Stuttgart 2000, ISBN 3-520-39601-7, S. 326 ff.</ref>

Im Anschluss an Jacques Elluls Buch über die „technologische Gesellschaft“ hat Helmut Schelsky die These aufgestellt, dass der wissenschaftlich-technische Fortschritt Sachzwänge produziere, „denen eine funktionalen Bedürfnissen gehorchende Politik folgen muß“.<ref>Jürgen Habermas: Technik und Wissenschaft als ‚Ideologie’. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1968, S. 81.</ref>

Der Technikphilosoph Günter Ropohl bezeichnet das technikinhärente Fortschreiten der Entwicklung als genetischen Determinismus, die aus dem Fortschreiten der Entwicklung folgende Anpassung kultureller Elemente als konsequentiellen Determinismus. Dieses Konzept weist Ähnlichkeiten mit der Theorie von William F. Ogburn auf.

Technologischer Determinismus in der Industriesoziologie

Als theoretisches Erklärungsmuster für den sozialen Wandel in der Arbeitswelt und der Arbeitsorganisation findet sich auch in der Industriesoziologie und dem Wissenschaftszweig der ’’Industrial Relations’’ die These vom technologischen Determinismus.<ref>Walther Müller-Jentsch: Technik als Rahmenbedingung und Gestaltungsoption industrieller Beziehungen. In: Ders.: Arbeit und Bürgerstatus. VS Verlag. Wiesbaden 2008, S. 213 ff.</ref> Die vornehmlich in den 1950er und 1960er Jahren vertretene These lautete, dass Technik und technischer Wandel ihre Anwendungsbedingungen im Arbeitsprozess gleichsam zwingend vorschreiben. Ein prominenter Vertreter dieser These ist der amerikanische Industriesoziologe Robert Blauner, der in seinem Buch „Alienation and Freedom“ (1964) ein Phasenmodell der produktionstechnischen Entwicklung mit den zugehörigen Arbeitsformen (handwerkliche Arbeit, entfremdete Maschinenarbeit und Fließbandfertigung, nicht-entfremdete Arbeit in der automatisierten Industrie) konzipiert hat.

Kritik

Der Technikdeterminismus gilt innerhalb der Techniksoziologie als widerlegt und überholte These.<ref>Vgl. Nina Degele: Einführung in die Techniksoziologie. München 2002, S. 28 ff.</ref> Dennoch prägt er immer noch die populäre Vorstellung von der technischen Entwicklung, wie auch, im Anschluss an Marshall McLuhan, weite Teile der Medientheorie. Ob McLuhan Technikdeterminist war, ist umstritten. In der Industriesoziologie wich die Determinismus-These dem Verständnis, dass die Produktionstechnologie die Arbeitsorganisation zwar strukturiere, aber nicht determiniere. Die Arbeitsorganisation wird als ein sozio-technisches System begriffen, das Wahl- und Gestaltungsfreiheiten zulasse, so dass bei gleicher Produktionstechnik unterschiedliche Formen der Arbeitsorganisation möglich sind.

Bibliographie

  • Robert Blauner: Alienation and Freedom. The Factory Worker and His Industry. Chicago 1964.
  • {{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}, ISBN 0-465-04732-7.
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  • {{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}
  • David F. Noble: Maschinenstürmer oder Die komplizierten Beziehungen der Menschen zu ihren Maschine. Berlin : Wechselwirkung-Verlag, 1986 – Kritik des Technikdeterminismus
  • {{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}
  • Helmut Schelsky: Der Mensch in der wissenschaftlichen Zivilisation. Köln 1961.
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Einzelnachweise

<references />