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Szlichtyngowa

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Vorlage:Infobox Ort in Polen Szlichtyngowa [[[:Vorlage:IPA]]], deutsch Schlichtingsheim, ist eine Stadt mit 1300 Einwohnern (Stand 30. Juni 2014) in der Stadt- und Landgemeinde Szlichtyngowa im Powiat Wschowski der Woiwodschaft Lebus in Polen.

Geographie

Die Stadt liegt auf halber Strecke zwischen Głogów (Glogau) und Leszno (Lissa) und zwei Kilometer nördlich der Mündung der Bartsch (Barycz) in die Oder.

Geschichte

Datei:Posen 1905.png
Schlichtingsheim südwestlich von Posen und nordöstlich von Glogau

Schlichtingsheim war eine Ansiedlung protestantischer Exulanten, die während der Gegenreformation nach Polen geflohen waren. Eineinhalb Kilometer hinter der Grenze, in Großpolen, gründete der Besitzer des Rittergutes Gurschen (Górczyna), Johann Georg von Schlichting (Vorlage:PlS), Oberlandrichter in Fraustadt<ref name="HW">Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 435–436.</ref> mit Erlaubnis des polnischen Königs Władysław IV. Wasa im Jahre 1644 eine Stadt, die seinen Namen erhielt. Der ursprüngliche Name der Siedlung war Schlichtinkowo, wobei der deutsche Ortsname genauso gebräuchlich war. Schlichting legte die Bürgerrechte fest wie auch die Statuten der Innungen der verschiedenen Handwerke. Die Stadt wurde um einen rechteckigen Marktplatz mit regelmäßigen Straßenzügen angelegt und nahm ursprünglich eine Fläche von 14 Hektar ein. 1653 wurde Schlichtingsheim durch König Johann II. Kasimir das Niederlagsprivileg für Leinen und Leinenprodukte verliehen.

1793 gelangte die Stadt an Preußen, 1806 kam sie zum Herzogtum Warschau und letztlich 1815 wieder an Preußen. Durch Verheiratung einer Freiin von Schlichting kam die Stadt im 18. Jahrhundert in den Besitz eines Herrn Cannabens.<ref name="HW" />

Bis zur Auflösung der Provinz Posen infolge des Versailler Vertrags von 1919 gehörte die in den Landkreis Fraustadt eingegliederte Kleinstadt dieser Provinz an. Danach gehörte Schlichtingsheim zur Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen und ab dem 1. Oktober 1938 zur Provinz Schlesien. Schlichtingsheim war eine Stadt des Handwerks, die klein und beschaulich blieb. Ihre Einwohner waren fast ausschließlich Deutsche. Erst 1927 wurde in Schlichtingsheim ein Rathaus erbaut.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Schlichtingsheim im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel es nach Kriegsende 1945 an Polen und wurde in Szlichtyngowa umbenannt. Die einheimische deutsche Bevölkerung wurde – soweit sie nicht vorher geflohen war – weitgehend vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner waren teilweise Zwangsumgesiedelte aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war.

Kirchspiel

Der evangelischen Kirchengemeinde stand bis 1945 die historische Holzkirche zur Verfügung, die noch aus der Zeit der Stadtgründung stammte und von Johann Georg von Schlichting gestiftet worden war,<ref name="SJE">Siegismund Justus Ehrhardt: Presbyterologie des Evangelischen Schlesiens. Teil III, Band 1: Protestantische Kirchen- und Prediger-Geschichte der Stadt und des Fürstenthums Gros-Glogau. Liegnitz 1783, S. 242–249.</ref> Die evangelischen Pfarrer, die im Zeitraum von 1645 bis etwa 1780 in Schlichtingsheim wirkten, sind namentlich bekannt.<ref name="SJE" />

Die zuvor evangelische Kirche wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Übergang an Polen der katholischen Kirchengemeinde übertragen. Sie brannte am 14. April 1995 nieder. Ende 2002 war der Aufbau einer neuen Kirche, die sich in ihrer Gestaltung an den Vorgängerbau anlehnt, abgeschlossen.

Gemeinde (Gmina Szlichtyngowa)

Die Stadt- und Landgemeinde Szlichtyngowa umfasst ein Territorium von 100 Quadratkilometern mit 5161 Einwohnern. Dazu gehören folgende Ortschaften (deutsche Namen bis 1945):

  • Kowalewo (Kabel)
  • Nowe Drzewce (Neu Driebnitz)
  • Stare Drzewce (Alt Driebnitz)
  • Szlichtyngowa (Schlichtingsheim)
  • Wyszanów (Schwusen)
  • Zamysłów (Hinzendorf)

Verkehr

Der Bahnhof Szlichtyngowa lag ebenso wie der Haltepunkt Dryżyna an der Bahnstrecke Bojanowo–Odrzycko, der Dienstbahnhof Stare Drzewce liegt an der Bahnstrecke Łódź–Forst (Lausitz). Seit 1906 war die Stadt an das Eisenbahnnetz angeschlossen, die Strecke von Glogau nach Guhrau führte über Schlichtingsheim.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen
1793 Vorlage:0748
1800 Vorlage:0733 darunter 134 Juden<ref name="HW" />
1803 Vorlage:0830 <ref name="AAMB5" />
1816 Vorlage:0836 davon 634 Evangelische, 58 Katholiken und 144 Juden;<ref name="AAMB5" >Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 368–375, Ziffer 638.</ref>
1818 Vorlage:0836 <ref name="AAMB4" >Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 4: P–S, Halle 1823, S. 247, Ziffer 1895.</ref>
1821 Vorlage:0817 in 131 Privatwohnhäusern<ref name="AAMB5" />
1837 Vorlage:0952 neun öffentliche Gebäude und 136 Wohnhäuser (nach anderen Angaben 157 oder gar 230 Häuser)<ref name="HW" />
1843 Vorlage:0987 <ref name="HW" />
1861 1017 <ref name="HW" />
1867 1034 am 3. Dezember<ref name="StatBüro" />
1871 1023 darunter 833 Evangelische, 101 Katholiken, sechs sonstige Christen und 33 Juden;<ref name="StatBüro">Königliches Statistisches Büro: Die Gemeinden und Gutsbezirke des preussischen Staates und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Teil IV: Die Provinz Posen, Berlin 1874, S. 102–103, Ziffer 4 (Digitalisat, S. 109–110).</ref> nach anderen Angaben 1023 deutsche Einwohner, darunter 880 Evangelische, 80 Katholiken und 50 Juden<ref name="Neumann">Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 145–146, Ziffer 4.</ref>
1885 Vorlage:0922 <ref name="MR">Vorlage:Verwaltungsgeschichte.de</ref>
1905 Vorlage:0748 meist Evangelische<ref name="Meyers">Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 17, Leipzig/Wien 1909, S. 866.</ref>
1910 Vorlage:0771 am 1. Dezember, davon 643 Evangelische, 123 Katholiken und fünf Juden (eine katholische Person mit polnischer Muttersprache);<ref>Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1912, Heft IV: Regierungsbezirk Posen, S. 14–15, Ziffer 2.</ref> nach anderen Angaben 773 Einwohner auf 14 ha Fläche<ref>Meyers Gazetteer – Schlichtingsheim</ref>
1925 Vorlage:0953 <ref name="MR" />
1933 1034 <ref name="MR" />
1939 1037 <ref name="MR" /> auf 0,54 km²
Jährliche Anzahl Einwohner nach dem Zweiten Weltkrieg
  • 1961: 1017 (auf 1,47 km²)
  • 1970: 1220
  • 2004: 1348
  • 2005: 1363
  • 2014: 1320

Persönlichkeiten

Literatur

  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 435–436.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Navigationsleiste Städte und Gemeinden im Powiat Wschowski

Vorlage:Normdaten