Zum Inhalt springen

Sumpf-Läusekraut

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />

Sumpf-Läusekraut
Datei:PedicularisPalustris.jpg

Sumpf-Läusekraut (Pedicularis palustris)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae)
Gattung: Läusekräuter (Pedicularis)
Art: Sumpf-Läusekraut
Wissenschaftlicher Name
Pedicularis palustris
L.

Das Sumpf-Läusekraut (Pedicularis palustris) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Läusekräuter (Pedicularis).

Beschreibung

Datei:Plantarum indigenarum et exoticarum icones ad vivum coloratae, oder, Sammlung nach der Natur gemalter Abbildungen inn- und ausländlischer Pflanzen, für Liebhaber und Beflissene der Botanik (16087843701).jpg
Illustration
Datei:Pedicularis palustris bluete.jpeg
Zygomorphe Blüte

Vegetative Merkmale

Das Sumpf-Läusekraut ist eine ein- oder zweijährige bis ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 15 bis 40 Zentimetern. Der hohle, aufrechte Stängel ist nur geringfügig verzweigt.

Die gegenständigen Laubblätter sind in einen kurzen Blattstiel und eine Blattspreite gegliedert. Die doppelt fiederspaltige Blattspreite ist bei einer Länge von bis zu 8 Zentimetern im Umriss länglich.

Generative Merkmale

Die rosafarbenen bis violetten Blüten sind einzeln in Blatt- und Triebachseln angeordnet und bilden eine Ähre. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph mit doppelter Blütenhülle; die Krone schwach schraubig tordiert. Der Kelch ist blasig aufgetrieben. Die Oberlippe ist ungespalten, kapuzenförmig endend und fast sichelförmig gekrümmt, die Unterlippe ist dreilappig.

Die zweifächrige Kapselfrucht ist kugelig bis eiförmig und öffnet sich nach oben. Die dunkelbraunen Samen sind bis zu 2,4 Millimeter lang.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.<ref name="Oberdorfer2001" />

Ähnliche Arten

Eine Verwechslungsmöglichkeit besteht mit dem Wald-Läusekraut, das aber nur am Grund verzweigt ist und liegende Stängel hat.

Ökologie

Das Sumpf-Läusekraut ist ein einjährig winterannueller bis zweijähriger Therophyt oder ein Hemikryptophyt. Es ist eine Sumpfpflanze und ein Halbschmarotzer.

Blütenökologisch handelt es sich um eine homogame „Eigentliche Lippenblume“. Die Blüten stehen horizontal und setzen daher für den richtigen Anflug der Insekten eine hohe Lernfähigkeit voraus, man spricht deshalb auch von einer „Intelligenzblume“. Um an den vom Diskus abgesonderten Nektar zu gelangen, müssen die Hummeln als Bestäuber die nur 0,5 mm breite Öffnung der Kronröhre auseinanderdrücken; unter diesem Aspekt spricht man auch von einer „Kraftblume“. Zuerst wird die Narbe berührt. Wenn der Kopf tiefer in die Blüte eindringt, wird der trockene Pollen ausgestreut. Erdhummeln können nur durch seitliches Aufbeißen der Kronröhre („Blüteneinbruch“) an den Nektar gelangen („Nektarraub“), da ihr Rüssel mit nur 7 bis 9 Millimeter Länge zu kurz ist. Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis Juli.

Da der trockene Stängel elastisch ist, und die Kelchblätter als Wind- und Regentropfenfänger fungieren, ist das Sumpf-Läusekraut ein Windstreuer und ein Regentropfenballist. Seltener wirkt sie auch als Tierstreuer durch vorbeistreifende sich verhakende Tiere. Das Sumpf-Läusekraut ist ein Lichtkeimer. Die Fruchtreife erstreckt sich von August bis Oktober.

Datei:Pedicularis palustris2.jpg
Habitus im Habitat

Vorkommen und Gefährdung

Das Sumpf-Läusekraut ist in Europa zwischen Nordeuropa, Norditalien und dem Ural verbreitet. Darüber hinaus kommt es in Kasachstan, im asiatischen Russland, in der nördlichen Mongolei und in China vor.<ref name="FoC" /> Es kommt in Europa in fast allen Ländern vor und fehlt nur in Island, Bosnien-Herzegowina, Albanien, Nordmazedonien, Griechenland, Moldau un d im europäischen Teil der Türkei.<ref name="Euro+Med" /> Es bevorzugt Nieder- und Zwischenmoore sowie Feuchtwiesen. Es ist in Mitteleuropa eine Scheuchzerio-Caricetea-fuscae-Klassencharakterart, die vor allem in Caricion-lasiocarpae-Gesellschaften vorkommt.<ref name="Oberdorfer2001" /> Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 4+w+ (nass aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

In den Allgäuer Alpen steigt es im Kleinen Walsertal an der Ifersgundalpe und an der Schwarzwasserhütte bis in eine Höhenlage von 1700 Meter auf.<ref name="Dörr-Lippert" />

In Deutschland gilt das Sumpf-Läusekraut als stark gefährdet und ist nach der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) besonders geschützt.

Taxonomie und Systematik

Die Erstveröffentlichung von Pedicularis palustris erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum Band 2 Seite 607. Ein Synonym von Pedicularis palustris <templatestyles src="Person/styles.css" />L. ist Pedicularis palustris subsp. serotina <templatestyles src="Person/styles.css" />Squivet.<ref name="Euro+Med" />

Von Pedicularis palustris gibt es mehrere Unterarten:<ref name="Euro+Med" />

  • Pedicularis palustris <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. palustris
  • Pedicularis palustris subsp. borealis <templatestyles src="Person/styles.css" />(J.W.Zetterst.) Hyl.: Sie kommt in Norwegen, Schweden, Finnland im nördlichen Russland und auf den Färöer-Inseln vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Pedicularis palustris subsp. karoi <templatestyles src="Person/styles.css" />(Freyn) Tsoong (Syn.: Pedicularis karoi <templatestyles src="Person/styles.css" />Freyn): Sie kommt in Russland, in der Mongolei und in China vor.<ref name="FoC" />
  • Pedicularis palustris subsp. opsiantha <templatestyles src="Person/styles.css" />(Ekman) Almq. (Syn.: Pedicularis opsiantha <templatestyles src="Person/styles.css" />Ekman): Sie kommt in West-, in Nord-, in Mittel-, in Südosteuropa und in der Türkei vor.<ref name="Euro+Med" />

Literatur

  • Werner Rothmaler: Exkursionsflora von Deutschland – Gefäßpflanzen: Grundband. Heidelberg, Berlin, 1999, ISBN 3-8274-0912-8.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Portrait. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.

Einzelnachweise

<references> <ref name="Oberdorfer2001">Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 860.</ref> <ref name="Dörr-Lippert">Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 474.</ref> <ref name="Euro+Med">Karol Marhold, 2011: Scrophulariaceae: Datenblatt Pedicularis palustris. In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.</ref> <ref name="FoC">Yang Han-bi; Noel H. Holmgren, Robert R. Mill: Pedicularis Linnaeus. – textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 18: Scrophulariaceae. Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis 2010</ref> <ref name="InfoFlora">Pedicularis palustris L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> </references>

Weblinks

Commons: Sumpf-Läusekraut (Pedicularis palustris) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien