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Suitbertusschrein

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Datei:Düsseldorf-Kaiserswerth, Suitbertusschrein.jpg
Suitbertusschrein in Düsseldorf-Kaiserswerth

Der Suitbertusschrein ist ein 1264 geschaffener Reliquienschrein aus vergoldetem Kupferblech, das auf Eichenholz montiert wurde. Er enthält die Reliquien des hl. Suitbert sowie des hl. Willeicus und gehört zum Kirchenschatz der Kirche St. Suitbertus in Düsseldorf-Kaiserswerth. Er gilt als eines der bedeutendsten Werke mittelalterlicher Goldschmiedekunst im Rhein-Maas-Gebiet.<ref name="KD"/>

Datei:Düsseldorf, Kaiserswerth, St. Suitbertus, 2011-10 CN-05.JPG
Standort des Suitbertusschreins in der Apsis der Kirche St. Suitbertus in Kaiserswerth (2011)

Beschreibung

Paul Clemen beschreibt 1894 in Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Kreises Düsseldorf<ref name="Clemen"> Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Dritter Band. I. Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Kreises Düsseldorf. Im Auftrage des Provinzialverbandes der Rheinprovinz. Düsseldorf 1894, S. 137 f.</ref> ausführlich das Kunstwerk, das eine Verbindung von spätromanischen, frühgotischen und französischen Formen darstellt.

Giebelseiten

Die Giebelseiten zeigen verschiedene Figuren. Auf der einen Giebelseite befindet sich unter einem Kleeblattbogen eine sitzende Figur des Suitbertus auf einem Thron, der in seiner linken Hand einen Stern und in seiner rechten Hand einen Bischofsstab hält. Auf der rechten Seiten wird der Heilige von den Figuren des Hausmeiers Pippin und der hl. Plektrudis flankiert. Darüber, über dem Kleeblattbogen, sind in den Halbkreisen die Halbfiguren von drei Engeln zu sehen. Die Zwickel zwischen dem Kleeblattbogen sind mit „Email brun“<ref name="Clemen"/> gefüllt. Die Inschriften lauten: „REGINA PLECDRUDIS * SANCTUS SUITBERTUS * REX PIPPI(nus).“<ref name="Clemen"/>

Auf der anderen Giebelseite befindet sich in der Mitte eine sitzende Marienfigur auf einem Thron, die in ihrer rechten Hand einen Apfel hält. Ein bekleidetes Kind sitzt auf ihrem linken Knie. Maria wird von zwei kleineren, weiblichen Heiligenfiguren flankiert, die Büchsen in den Händen tragen. Eine lateinische Inschrift ist zu lesen: „Über dem Kleeblattbogen, der in Grubenschmelz auf dunkelblauem Grunde die Inschrift trägt: AVE MARIA GRATIA PLENA DOMINUS TECUM, BENEDICTA TU IN MULIERIBUS.“<ref name="Clemen"/> (Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir, gebenedeit bist du unter den Frauen.) In drei Halbkreisen sind die Figuren des Gottvaters und zweier Engel zu sehen. Der Grund ist mit „Email brun“<ref name="Clemen"/> ausgearbeitet.

Längsseiten

Die beiden Längsseiten zeigen unter Kleeblattbögen jeweils sechs sitzende Apostelfiguren. Sie sind alle mit Büchern, einige zusätzlich mit anderen Symbolen ausgestattet. Darüber die Namen der Apostel: „Die Bögen, die in Grubenemail auf wechselnd dunkel- und hellblauem Grunde die Namen der zwölf Apostel tragen – links SS. Petrus, Paulus, Bartholomeus, Andreas, Matheus, Johannes, rechts SS. Jacobus, Thomas, Simon, Philippus, Matthias, Jacobus min. –, ruhen auf je zwei romanischen, ornamentierten Säulchen mit Eckblattbasen und Kelchkapitellen, hinter denen sich Streifen mit Email brun befinden.“<ref name="Clemen"/> In den Zwickeln befinden sich die „getriebenen Dreiviertelsfiguren von Engeln mit Büchern, Bandrollen oder Weihrauchfässern in Hochrelief.“<ref name="Clemen"/>

Deckel

Der Deckel, der die Form eine Satteldaches hat, ist überreich geschmückt: Er „zeigt acht getriebene Darstellungen in flachem Basrelief, links die Verkündigung, Geburt, Anbetung der Könige, Darstellung im Tempel, rechts Taufe, Kreuzigung (erneut) Auferstehung, Himmelfahrt. Den Abschluss des Firstes bildet eine schön stilisierte Weinranke mit grossen Trauben, gekrönt von fünf reich verzierten Knäufen mit Krystallkugeln, deren Aufsätze und Fassungen zum Teil erneut sind. Von den Blattfriesen, die die Giebelseiten zieren, ist nur der über der Madonna alt.“<ref name="Clemen"/>

Reliquien

Der Schrein beinhaltet die Reliquien des am 1. März 713 in Kaiserswerth verstorbenen hl. Suitbert und des hl. Willeicus. Die Reliquien wurden am 6. Juli 1267 feierlich übertragen. Im Innern des Schreines befinden sich diese in einem einfachen, hölzernen Kasten und sind in Seide eingewickelt. Bleitäfelchen mit lateinischer Inschrift in Unzialen liegen dabei: „ISTAE SUNT RELIQUIAE BEATI SWIBERTI CONFESSORIS, QUARUM FACTA EST HAEC TRANSLATIO A. D. MCCLXIV IN OCTAVA APOSTOLORUM PETRI ET PAULI TEMPORE URBANI PAPAE QUARTI. ISTAE SUNT RELIQUIAE BEATI WILLEICI CONFESSORIS, QUAE EODEM TEMPORE SUNT TRANSLATE.“<ref name="Clemen" /> (Dies sind die Reliquien des seligen Suitbert des Bekenners, deren Überführung im Jahr 1364 n. Chr. in der Oktav der Apostel Petrus und Paulus unter Papst Urban IV. angeordnet wurde. Dies sind die Reliquien des seligen Willeicus des Bekenners, die zur selben Zeit überführt wurden.)

Kunstgeschichtliche Bedeutung

Vorlage:Hinweisbaustein Der Schrein gehört zur „Reihe der bedeutenden mittelalterlichen Reliquienschreine des Rhein-Maasgebietes“. Der Schrein bildet den Abschluss der durch die Tumba von Xanten eröffneten Reihe der niederrheinischen Schreine aus Aachen, Deutz, Köln, Siegburg. Im Aufbau und Dekoration zeigt der Schrein die Formensprache des Karlsschreines aus Aachen, der im Jahre 1215 vollendet wurde. Während das Gehäuse noch spätromanisch ist, sind die Figuren bereits frühgotisch. Die Figuren des hl. Suitbertus und die Marienfigur erinnern an französische Skulpturen.

Der Schrein wurde im Laufe seiner Geschichte mehrmals restauriert, unter anderem 1767 durch den Düsseldorfer Goldschmied N. Meyer, 1846 durch Kaiserswerther Silberschmied Peter Anton Bahner, um 1896 durch die Düsseldorfer Werkstatt Conrad Anton Beumers sowie nach einem Raub im Jahr 1945. Die letzte, gründliche Restaurierung fand ab 2021 in der Goldschmiede und Metallrestaurierungswerkstatt des Kölner Doms statt. Im Zuge der Restaurierung wurden 1100 vergoldete Kupfer- und Silberbeschläge abgenommen, dokumentiert und konserviert. Nach der abgeschlossenen Restaurierung wurde der Schrein bis zum 31. Januar 2026 in einer Sonderausstellung in der Kölner Domschatzkammer gezeigt.<ref name="KD">Der Kaiserswerther Suitbertusschrein in Restaurierung Kölner Dom, abgerufen am 27. März 2026</ref>

Literatur

  • Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Dritter Band. I. Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Kreises Düsseldorf. Im Auftrage des Provinzialverbandes der Rheinprovinz. Düsseldorf 1894, S. 137–138 (Digitalisat).
  • Leonie Becks (Hrsg.): Der Kaiserswerther Suitbertusschrein in Restaurierung. Kölner Domschatzkammer, Köln 2025 (Digitalisat).

Weblinks

Einzelnachweise

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