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Straßenbahn Pjöngjang

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Straßenbahn Pjöngjang
Datei:Pyongyang Tram (Tatra T3).jpg
Bild
Basisinformationen
Staat Nordkorea
Stadt Pjöngjang
Eröffnung 15. April 1991
Elektrifizierung ja
Betreiber Transport and Communication Commission
Infrastruktur
Streckenlänge 53,5 km
Spurweite 1435 mm, 1000 mm
Betriebsart Einrichtungsbetrieb
Tunnelbahnhöfe 0
Betriebshöfe 3
Betrieb
Linien 3
Fahrzeuge Be 4/4, Tatra T3, Tatra T4, Tatra T6B5, Tatra KT8D5
Datei:Pyonyang Metro and Tram.svg
Netzplan

Die Straßenbahn Pjöngjang ist eine elektrische Straßenbahn in Pjöngjang, der Hauptstadt von Nordkorea.

Straßenbahnen sind Teil des ÖPNV-Netzes und erschließen diejenigen Teile der Stadt, die nicht mit der Metro oder dem dortigen Oberleitungsbus zu erreichen sind. Dem ÖPNV kommt eine Schlüsselrolle zu, weil es in Nordkorea kaum private Autos gibt.

Geschichte

Datei:Heijo Tram.JPG
Straßenbahn in der japanischen Kolonialzeit

Die Anfänge des Straßenbahnnetzes in Pjöngjang gehen zurück auf die Zeit, in der Korea eine Kolonie Japans war. Im September 1905 wurde die Gesellschaft gegründet, die eine zweigleisige Strecke vom Bahnhof in die Stadt baute. Die 24 Wagen für je vier Personen wurden von Menschen (Kuli-Bahn) geschoben. Die Fahrgastzahlen lagen 1911 bei etwa 90.000, 1912 bei rund 80.000 und etwa 75.000 im Jahr 1913.<ref>平壌の路面電車1(平壌市街鐵道). Abgerufen am 15. Mai 2023.</ref> Im Jahr 1914 bestand eine etwa zwei Kilometer lange Strecke mit einer Spurweite von 610 mm.<ref>1. Preyer-Elberfeld, Dr.: Die Eisenbahnen in Korea. 1914
   2. Norbert Weber: Im Lande der Morgenstille, Seite 387: Bild aus dem Jahr 1911, das einen handbetriebenen Straßenbahnwagen für vier Personen zeigt</ref>

Im Jahr 1922 wurde die erste elektrische Straßenbahn anstelle der bisher verwendeten handbetriebenen Straßenbahn in Betrieb genommen. Die erste zweigleisige Strecke, ausgehend vom Bahnhof, wurde vom April bis zum 12. Juli 1922 gebaut. Ein weiterer Ausbau erfolgte 1925 und 1927.<ref>平壌の路面電車2(平壌府営電車). Abgerufen am 15. Mai 2023.</ref>

Datei:1946 Map of Pyongyang, Army Map Service, US Army.jpg
Karte Pjöngjangs kurz nach der Unabhängigkeit von Japan. Zu sehen sind die während der Kolonialzeit entstandenen Straßenbahnlinien im Endausbau. Angegeben sind die koreanischen und dahinter in Klammern die japanischen Namen.

Nach dem Koreakrieg wurde der Straßenbahnbetrieb wegen starker Zerstörungen aufgegeben. Da Nordkorea Erdöl importieren muss und die Treibstoffe bevorzugt dem Militär zugewiesen wurden, setzte Pjöngjang auf die elektrisch betriebenen Verkehrsmittel U-Bahn und O-Bus. Als die Kapazitäten der O-Busse nicht mehr ausreichten, entschloss sich die Stadtverwaltung, wieder ein Straßenbahnnetz einzurichten.

Die feierliche Eröffnung der ersten neuen Straßenbahnlinie (Songsin–Man’gyŏngdae) fand am 15. April 1991, dem 79. Geburtstag von Kim Il-sung, statt. Drei Tage später wurde sie für die Allgemeinheit geöffnet. Im Jahr 1992 kam eine zweite Linie (T’osŏng–Rangrang–Munsu) hinzu. Diese beiden sind normalspurig.

Ende der 1990er Jahre kam es aus Mangel an Brennstoff und wegen des desolaten Zustands der Elektrizitätsversorgung zu Stromabschaltungen, von denen auch die Straßenbahn betroffen war. In den letzten Jahren hat sich diese Situation gebessert.

Am 7. August 2008 kollidierten vier Straßenbahnzüge miteinander, wobei rund 400 Schüler verletzt wurden.<ref>Tramline Cars Collide, 400 Students Injured. In: www.dailynk.com. Abgerufen am 16. September 2015.</ref>

Streckennetz

Das Netz bestand im Vollausbau aus vier Linien:

  • Man’gyŏngdae (만경대) – P’yŏngyang-yŏk (평양역) – Sŏngyo (선굔) – Songsin (손신). Der Abschnitt P’yŏngyang-yŏk – Songyŏ wurde 2003 wegen des schlechten Zustands der Brücke über den Taedong stillgelegt, wodurch die Linie in zwei Teile geteilt wurde. Die östliche Teilstrecke Sŏngyo – Songsin wurde eingestellt und nachfolgend auf Obusbetrieb umgestellt.<ref>D. Budach: Erneuerung des Wagenparks und Streckenerweiterung. In: www.trolleymotion.eu. 2. Februar 2015, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 26. Januar 2016; abgerufen am 16. September 2015.</ref>
  • T’osŏng (토성) – Munsu (문수). Diese Linie wurde am 25. Dezember 2024 eingestellt.<ref name=":15">Bernhard Kussmagk: Chronik Weltweit. In: Straßenbahn Magazin. Straßenbahn Jahrbuch 2026. GeraMond Verlag, München 2025, ISBN 978-3-9870222-3-4, S. 109.</ref>
  • Sŏp’yŏngyang (서평양) – Rangrang (락랑)
  • Kŭmsusan-Linie: Samhŭng (삼흥역) – Kumsusan-Palast der Sonne (금수산기념궁전). Diese Linie ging 1996 in Betrieb. Ihre Spurweite beträgt 1000 mm, im Gegensatz zu anderen mit 1435 mm. Sie dient ausschließlich als Zubringer von der U-Bahn-Station Samhung zum Mausoleum von Kim Il-sung und ist mit dem Normalspurnetz nicht verbunden.

Liniennummern werden nicht verwendet. Die Zahl auf einer Plastik-Platte, die im Fenster des Straßenbahnwagens hängt, zeigt an, dass der Wagen nur an entsprechend nummerierten Haltestellen hält.

Tarif

Seit 2006 beträgt der Fahrpreis 5 nordkoreanische Won pro Strecke. Es sind auch Coupon-Tickets (시내 차표; sinae ch’ap’yo) verfügbar. Die Tickets sind in Geschäften erhältlich und auch für Omnibus, Oberleitungsbus und Metro gültig. Sie kosten umgerechnet weniger als einen Eurocent und müssen beim Fahrtantritt in eine Zahlbox geworfen werden.<ref name=":0">Wirtschaftswoche: Grün und günstig: Kim Jong Uns Traum von Pjöngjangs modernem Nahverkehr. In: www.wiwo.de. Handelsblatt GmbH, 23. Februar 2019, abgerufen am 11. Dezember 2019.</ref>

Fahrzeuge

Datei:Tatra T6B5K 1162, Pyongyang, 2005.jpg
Tatra-Wagen Typ T6B5K
Datei:Tram North Korea PY.jpg
Ein Schweizer Standardzug auf der Linie 3

In Pjöngjang gibt es drei Depots für die Fahrzeuge der Straßenbahn. Ab Beginn des Betriebs wurden vorerst tschechoslowakische Tatra-Wagen der Typen T6B5K und KT8D5K<ref>Blickpunkt Straßenbahn, Ausgabe 4/91, Berlin 1991, S. 216–218</ref> sowie aus China importierte – dem Tatra KT4 ähnliche – Kurzgelenkwagen eingesetzt. Später wurden einige der Kurzgelenkwagen, die als Shenyang ST4 bekannt sind, in Großraumwagen umgebaut.<ref>Pyongyang, Shenfeng KT4 mod. Pyongyang Nr. 1213; Pyongyang — Historical photos — Tramway and Trolleybus (1991+) — Foto. Abgerufen am 17. November 2022.</ref>

In den Jahren 1996 bis 1998 wurden auch über 100 gebrauchte Straßenbahnwagen des Typs Tatra T4D gekauft, die vorher in Dresden, Magdeburg und Leipzig eingesetzt worden waren. Ebenfalls von 1997 bis 1999 wurden 168 U-Bahn-Wagen der Baureihen GI und D aus Berlin für die Metro beschafft.

Auf der Kŭmsusan-Linie sind meterspurige Schweizer Standardwagen des Untertyps Ib in Verwendung, die von der Straßenbahn Zürich stammen.

Datei:Tram in Pyongyang - 01.jpg
Tongil 181 im Linienbetrieb

Seit August 2018 werden Fahrzeuge des Typs "Tongil 181"<ref>【4K】PYONGYANG TRAM & TROLLEYBUS - Travels (2019). Abgerufen am 11. Dezember 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> im Streckennetz eingesetzt.<ref>개발창조형의 궤도전차 생산. In: sogwang.com. 14. August 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 14. September 2018; abgerufen am 25. Januar 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/sogwang.com</ref> Sie fassen 300 Personen.<ref name=":0" /> Es werden insgesamt 17 Fahrzeuge, die eine modernisierte Variante des KT8D5K darstellen, eingesetzt.<ref>Nordkorea, Tatra KT8D5K "Thongil-181" — Fahrzeugliste. Abgerufen am 17. November 2022.</ref>

Literatur

  • Preyer-Elberfeld, Dr. in Archiv für Eisenbahnwesen, S. 402–418, 720–743: Die Eisenbahnen in Korea. Verlag von Julius Springer, 1914
  • Norbert Weber: Im Lande der Morgenstille. Reiseerinnerungen an Korea, Verlag Karl Seidel, München 1915

Weblinks

Commons: Straßenbahn in Pjöngjang – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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