Stollgraben
Der Stollgraben, im Unterlauf (Straßberger) Flösse, veraltet oberer Rödelbachgraben und fälschlich auch als Rieschengraben bzw. Röschengraben bezeichnet, ist ein alter Kunstgraben in Straßberg und Teil des Unterharzer Teich- und Grabensystems in der Montanregion Harz.
Beschreibung
Aus dem Jahr 1610 datiert die erste urkundliche Erwähnung im Straßberger Grundbuch als oberer Rödelbachgraben mit Dorfrösche (heute Stadtweger Rösche).<ref name="wasserregal" /><ref name="bergbau" /> Das Jahr der Errichtung ist nicht bekannt, dürfte aber nicht viel vor dem Jahr 1610 anzusetzen sein.<ref name="krause" />
Der Anfang des Stollgrabens liegt am Frankenteich, wobei ein Teil des Wassers von der Talsperre Kiliansteich, ursprünglich vom unteren Kiliansteich, zugeführt wird. Der Graben folgt nun als höhenlinienparalleler Hanggraben der 415-m-Höhenlinie. Kurz bevor er nördlich etwas oberhalb am Maliniusteich vorbeifließt, wird am Fuße des Großen Heiligenbergs der Bach vom Kohlberg gekreuzt. Hinter dem Maliniusteich nähert sich der Stollgraben dem Rödelbach bis auf knapp 50 Meter, fließt dann aber der Höhenlinie folgend etwas weiter östlich, bis zum Eintritt in die Stadtweger Rösche.<ref name="topo" /> Nach 800 Metern endet die Rösche und der Graben läuft oberirdisch weiter.<ref name="bergbautannen">Straßberg–Bergbautannen</ref>
Ab dem Mundloch der Stadtweger Rösche wird der Graben Straßberger Flösse genannt. Kurz unterhalb der Stadtweger Rösche zweigte ab etwa 1693 (Wiederaufnahme des Bergbaus im Straßberger Raum) der Glasebacher Zuführgraben ab, der Wasser aus dem Stollgraben ins Glasebachtal zur Radkammer der Grube Glasebach führte. Das restliche Wasser floss über den erhaltenen Wasserlauf weiter in den Ort Straßberg, wo es als Aufschlagwasser für Straßberger Pochwerke genutzt wurde.<ref name="bergbau" /><ref name="krause" /> Wasser konnte auch über einen Hanggraben (heute oberster Poetenweg) zum Seigerschacht der Grube Neuhaus-Stolberg am Wickenhöfen geleitet werden.<ref name="bergbautannen" />
Der Graben führt von hier aus mit deutlich größerem Gefälle als vor dem Eintritt in die Rösche weiter, vielfach über Privatgrundstücke.<ref>Hinter der Stadtweger Rösche verläuft die Flösse erstmals über ein Privatgrundstück.</ref><ref>Die Flösse auf Privatgrundstück, künstlicher Wasserlauf hier gut im Knick erkennbar.</ref>
Am Fuße des Flößbergs ist an der Flösse ein kleiner Rastplatz angelegt, an dem ein kleines unterschlächtiges Wasserrad aufgebaut ist.<ref name="rastplatz">Rastplatz an einem Wasserrad</ref> Mangels Bergbautanne oder Hinweisschild ist der Grund für das Wasserrad nicht klar. Der Lageskizze der Wasserwirtschaftsanlagen im Straßberge Revier (nach einer Krause 1987) nach ist dies aber wahrscheinlich der Standort eines ehemaligen Kunstschachtes.<ref name="bergbau" /> Etwa in diesem Bereich mündete um 1750 noch ein weiterer Graben hier in den Stollgraben. Dieser Graben zweigte kurz hinter dem Treuen Nachbarteich vom Glasebach ab und schnitt zwei von dessen natürlichen Zuflüssen an der Quelle an.<ref name="krause" />
Einige Hundert Meter später mündet die Flösse nach dem Passieren des Kochsbergs auf einer Höhe von etwa 405 m, an Fließkilometer 56,0, rechtsseitig in die Selke.<ref>Mündung der Straßberger Flösse in die Selke</ref><ref>Selke (Fließkilometer 56,0) – hier mündet die Flösse</ref><ref name="topo" />
Bei der Sanierung der Kiliansteiche und der damit einhergehenden Entstehung der Talsperre Kiliansteich wurde der Erhalt des Grabens durch eine ständige Wasserabgabe von 4 l/s sichergestellt.<ref name="bergbautannen" />
Weblinks
Einzelnachweise und Anmerkungen
<references> <ref name="bergbau"> Vorlage:Literatur </ref> <ref name="krause"> Vorlage:BibISBN </ref> <ref name="wasserregal"> Vorlage:Literatur </ref> </references>