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Steifhaariger Löwenzahn

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Steifhaariger Löwenzahn
Datei:Leontodon hisp hyos1.jpg

Steifhaariger Löwenzahn (Leontodon hispidus)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Cichorioideae
Gattung: Löwenzahn (Leontodon)
Art: Steifhaariger Löwenzahn
Wissenschaftlicher Name
Leontodon hispidus
L.

Der Steifhaarige Löwenzahn (Leontodon hispidus), auch Gewöhnliches Raues Milchkraut<ref name="InfoFlora" />, Rauer oder Rauher Löwenzahn genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Leontodon (Löwenzahn) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae).

Beschreibung

Datei:Leontodon hispidus sl2.jpg
Laubblattrand mit Sternhaaren
Datei:Leontodon hispidus W.jpg
Blütenkörbchen
Datei:Leontodon hispidus sl6.jpg
Korb mit Früchten
Datei:Ареал распространения distribution map Leontodon hispidus POWO.jpg
Verbreitung
Datei:Leontodon hispidus hyoseroides.jpg
Steifhaariger Löwenzahn (Leontodon hispidus) in der Unterart subsp. hyoseroides
Datei:Leontodon hispidus ssp. hyoseroides leg. Franz Schuhwerk Botanische Staatssammlung München.jpg
Steifhaariger Löwenzahn (Leontodon hispidus subsp. hyoseroides), Herbarbeleg mit den charakteristisch schief wachsenden Wurzeln

Vegetative Merkmale

Der Steifhaarige Löwenzahn ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 10 bis 60 Zentimetern erreicht.<ref name="Hegi1987" /> Je Pflanzenexemplar ist ein oder zu mehrere Stängel vorhanden. Der aufrechte oder schief bis bogig aufsteigende Stängel ist unverzweigt und<ref name="Hegi1987" /> einköpfig mit bis zu zwei Schuppenblättern.

Die Laubblätter sind in einer grundständigen Rosette angeordnet. Die Blattspreiten sind vielgestaltig länglich, ganzrandig bis fiederspaltig und grasgrüne bis gräulich-grün. Die Laubblätter sind bei den einzelnen Unterarten kahl bis sehr dicht behaart.

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Juni bis Oktober, wobei die Blüten etwa von 5 bis 15 Uhr geöffnet sind. Die Blütenkörbe sind vor der Anthese nickend.<ref name="Hegi1987" /> Die Blütenhülle weist einen Durchmesser von 12 bis 17 Millimetern auf und besteht aus lanzettlichen, dunkelgrünen bis schwärzlichen Hüllblättern.<ref name="Hegi1987" /> Die Hüllblätter der äußeren Reihe sind lanzettlich, stumpf und locker abstehend, die übrigen sind linealisch-lanzettlich und stumpf oder kurz zugespitzt.<ref name="Hegi1987" /> Die Zungenblüten sind gelb und deutlich länger als die Korbhülle.

Die Achänen sind 5 bis 8 Millimeter lang, hell-braun und nach oben schnabelartig verschmälert.<ref name="Hegi1987" /> Der Pappus ist schmutzig weiß oder bräunlich und länger als die Achäne;<ref name="Hegi1987" /> die innere Reihe ist fedrig, die äußere borstig.<ref name="Hegi1987" />

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 14.<ref name="Oberdorfer2001" />

Ökologie

Beim Steifhaarigen Löwenzahn handelt es sich um einen Hemikryptophyten.

Blütenbesucher sind Apiden, Tenthrdiniden, Bombyliden, Syrphiden, Conopiden und Schmetterlinge.<ref name="Hegi1987" />

Gallbildungen werden durch Cystiphora taraxaci, Trioza dispar und eine Anguillulidarum-Art hervorgerufen.<ref name="Hegi1987" /> Der Steifhaarige Löwenzahn ist Wirtspflanze für die Pilzarten Bremia lactucae, Puccinia leontodontis, Sphaerotheca humuli und Synchytrium aureum.<ref name="Hegi1987" />

Verbreitung

Die Art ist in Europa, in Westasien und im Kaukasusraum heimisch.<ref name="GRIN" /> Sie wurde nach Nordamerika eingeschleppt. Dort kommt sie in Ontario, Connecticut, Kansas, New York, Ohio, Georgia und Pennsylvania vor.

Die nominotypische Unterart der Gattung kommt auf nährstoffreichem Grünland, auf Nasswiesen und auf Halbtrockenrasen vor. Die Pflanze findet sich oft an Weg- und Straßenrändern. Wichtige Begleitarten sind Gemeine Schafgarbe, Spitzwegerich oder Gewöhnliches Ruchgras. Die Unterart subsp. hyoseroides bevorzugt Kalkfelsen, Geröll- und Schutthalden. Hier sind wichtige Begleitarten Kalk-Blaugras, Huflattich oder Berg-Reitgras. In den Allgäuer Alpen steigt die Art in ihrer Unterart Leontodon hispidus subsp. montanus im Tiroler Teil auf der Rothornspitze bis zu einer Höhenlage von 2300 Meter auf.<ref name="Dörr und Lippert" /> Sonst findet sich Leontodon hispidus im Kanton Wallis bis zu einer Höhenlage von 2500 Meter und in Graubünden bis 2700 Meter.<ref name="Hegi1987" />

Systematik

Die Erstveröffentlichung von Leontodon hispidus erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, Seite 799.<ref name="SpPl" />

Innerhalb der Gattung ist es die Art mit der stärksten Variabilität. Sie ist jedoch nicht in allen ihren Verbreitungsgebieten gleich variabel; besonders variabel zeigt sich Leontodon hispidus im Alpen- und Voralpengebiet, wo er in zahlreiche Unterarten gegliedert wird.<ref>Helga Pittoni 1977: Leontodon L. In: K. H. Rechinger (Hrsg.): Flora Iranica. Compositae II - Lactuceae, Lfg. Cont. No. 112, Juni 1977. Akademische Druck- u. Verlagsanstalt, Graz. Hier S. 125</ref> Nach De Groot (1977) sind sie aber nur von geringer Stabilität. Diese Unterarten sind wahrscheinlich nicht genetisch fixiert, sondern wohl eher Standortmodifikationen. In Kulturversuchen zumindest erwiesen sich die meisten Merkmale als hochvariabel. Die einzige Ausnahme bildet wohl Leontodon hispidus subsp. hyoseroides <templatestyles src="Person/styles.css" />(Rchb.) Murr, die vor allem hinsichtlich der Blattdicke und Form eine gewisse Konstanz aufweist. Die Abgrenzung von Leontodon hispidus subsp. hispidus und Leontodon hispidus subsp. glabratus beruht wohl ausschließlich auf der Dichte der Behaarung und ist mit äußerster Vorsicht zu betrachten.<ref name="Groot1977" />

Je nach Autor gibt es einige Unterarten:<ref name="Euro+Med" />

  • Leontodon hispidus subsp. brumatii <templatestyles src="Person/styles.css" />(Rchb.) Wraber (Syn.: Leontodon brumatii <templatestyles src="Person/styles.css" />Rchb.): Sie kommt nur in Italien und Slowenien vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Loentodon hispidus subsp. dubius <templatestyles src="Person/styles.css" />(Hoppe) Pawłowska (Syn.: Leontodon scaber <templatestyles src="Person/styles.css" />Miel. ex Hoppe): Sie kommt in den Nördlichen und Südlichen Kalkalpen zwischen Bayern, Österreich, Slowenien und Norditalien (Dolomiten) vor.<ref>Wolfgang Lippert, Solveig Maria Tietz 2000: Beitrag zur Kenntnis des Formenkreises Leontodon hispidus L. - Leontodon hispidus L. subsp. dubius (Hoppe) Pawłowska, eine verkannte Sippe. In: Preslia, Band 72, S. 519–528</ref>
  • Leontodon hispidus subsp. hastilis <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Corb. (Syn.: Leontodon hastilis <templatestyles src="Person/styles.css" />L.): Sie kommt in Europa und Vorderasien vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Leontodon hispidus subsp. hispidus: Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für diese Unterart: Feuchtezahl F = 2+w (frisch aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />
  • Leontodon hispidus subsp. hyoseroides <templatestyles src="Person/styles.css" />(Rchb.) Murr (Syn.: Leontodon hyoseroides <templatestyles src="Person/styles.css" />Rchb., Leontodon hyoseroides subsp. pseudocrispus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Bisch.) Greuter): Sie kommt in Frankreich, Deutschland, in der Schweiz, in Österreich, Liechtenstein, Italien, Slowenien und in der Slowakei vor.<ref name="Euro+Med" /> Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für diese Unterart: Feuchtezahl F = 3w (mäßig feucht aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 2 (subalpin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />
  • Leontodon hispidus subsp. montanus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Ball) Greuter (Syn.: Leontodon hastilis subsp. montanus <templatestyles src="Person/styles.css" />Ball, Leontodon hispidus subsp. alpinus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Jacq.) Finch & P.D.Sell): Sie kommt in Frankreich, der Schweiz, Österreich, Polen, in der Slowakei und in Rumänien vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Leontodon hispidus subsp. opimus <templatestyles src="Person/styles.css" />(W.D.J.Koch) Finch & P.D.Sell: Sie kommt in Italien, in der Schweiz, in Deutschland, Liechtenstein, Österreich, Montenegro, Bulgarien und Rumänien vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Leontodon hispidus subsp. pseudoincanus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Hayek) Soó: Sie kommt nur in Ungarn vor.<ref name="Euro+Med" />

Verglichen mit europäischen Aufsammlungen bieten Pflanzenpopulationen aus dem vorderen Orient (Iran) ein wesentlich einheitlichere Bild. So fehlen kahle Formen völlig, die Pflanzenexemplare variieren in der Größe und in der Blattlänge. Den iranischen Pflanzenpopulationen ist die Blattbehaarung mit zweistrahligen Haaren (Gabelhaare) eigen, was in Europa selten vorkommt.<ref>Helga Pittoni 1977: S. 125</ref> Als einzige Varietät wird aus dem Nord-Iran die var. mazanderanicus <templatestyles src="Person/styles.css" />Rech. mit besonders auffällig langschäftigen und kleinköpfigen Pflanzen anerkannt.

Kultur

Die unterirdischen Pflanzenteile des Steifhaarigen Löwenzahns enthalten Inulin.<ref name="Hegi1987" /> In Kriegszeiten wurden diese geröstet als Kaffeeersatz genutzt.<ref name="Hegi1987" /> Die Pflanze wird von Vieh gerne gefressen, wobei die Zunge der Rinder die angedrückten Blattrosetten aufnehmen kann, den zähen Blütenschaft jedoch meist stehen lässt.<ref name="DAV" />

Quellen

Literatur

  • Christian Zidorn: Phytochemie, Pharmakologie, Chemotaxonomie und Morphologie von Leontodon hispidus. Shaker, Aachen 1998, ISBN 3-8265-3935-4 (Dissertation Universität Innsbruck).
  • David J. Bogler: Leontodon. In:

Einzelnachweise

<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Groot1977"> De J. De Groot: Variation and reproductive behaviour in some Swiss populations of Leontodon hispidus s.l. – a preliminary report. In: Berichte des Geobotanischen Institutes der Eidgenössischen Technischen Hochschule, Stiftung Rübel. Band 44, 1977, S. 147–180, doi:10.5169/seals-377688. </ref> <ref name="InfoFlora"> Leontodon hispidus L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="DAV"> Annette Saitner: Pflanzengeschichten, Brauchtum, Sagen und Volksmedizin zu 283 Pflanzen. Deutscher Alpenverein e. V., München, Mai 2002, (PDF-Datei; 2,2 MB). </ref> <ref name="SpPl"> Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 799, Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A669%26volume%3D2%26issue%3D%26spage%3D799%26date%3D1753~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001, ISBN 3-8001-3131-5. </ref> <ref name="Dörr und Lippert"> Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 659. </ref> <ref name="Euro+Med"> Werner Greuter (2006+): Compositae (pro parte majore). In: W. Greuter, E. von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae. Datenblatt Leontodon hispidus In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Hegi1987"> Gerhard Wagenitz et al.: Familie Compositae II. S. 1026–1030. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage Band VI, Teil 3, Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg 1987, ISBN 3-489-86020-9. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Steifhaariger Löwenzahn (Leontodon hispidus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien