Stammzuchtverein
Als Stammzuchtverein wurde im 19. Jahrhundert in Bayern ein Verein bezeichnet, in dem sich Züchter einer Rasse von Rindvieh in einer Region genossenschaftlich zusammengeschlossen haben.
Grundlage der Vereine war, dass die ortsansässigen Landwirte zur Zucht auf die Haltung von unkastrierten männlichen Rindern, also Stieren, angewiesen waren, es für den einzelnen Landwirt aber unprofitabel war, Stiere zu halten, die nur Kosten verursachten und nichts einbrachten (analog zur Haltung von Ebern in der Schweinezucht). Deshalb wurde die Haltung der Stiere auf die ganze Gemeinde verlagert. Hinzu kam, das von Staats wegen Zuchtgebiete ausgewiesen wurden, in denen die Haltung bestimmter Rassen vom Staat gefördert wurde. Deshalb wurden in Bayern sogenannte Stammzuchtbezirke ausgewiesen, in denen die Reinzucht einer bestimmten Rasse angestrebt wurde, also Kreuzungen mit Rindvieh anderer Rassen vermieden werden sollte. Ein Stammzuchtverein war also eine besondere Form einer Zuchtgenossenschaft. Die Zuchtstiere waren Eigentum dieser Genossenschaft. Der Halter der Stiere erhielt von den Genossenschaftsmitgliedern einen jährlichen Kostenzuschuss.
In Bayern existierten etwa unter anderem die Stammzuchtvereine Bibart-Scheinfeld, Obergünzburg (für das „Einfarbige Gebirgsvieh“), Uffenheim, Ellingen (für das „Ellinger Rindvieh“), in Kleinerdlingen und Reimlingen (für das „Rieser Vieh“). Insgesamt existierten in Bayern im Jahr 1893 insgesamt 418 Rindviehzuchtvereine mit einer Mitgliederzahl von 23.070 Landwirten.
Ziel eines solchen Vereines war also die Verbesserung der Tiere der jeweiligen regionalen (aus einer Landrasse hervorgegangenen) Rasse durch Zucht. Dieses Ziel wurde im Wesentlichen durch Haltung von guten männlichen Tieren und Selektion der Tiere erreicht.
Die Stammzuchtvereine waren Vorläufer von Zuchtverbänden.
Quellen
- Martin Reuter: Die Bestimmung über die bayerische Rindviehzucht: Kommentar zum Gesetze vom 5. April 1888 betreffend die Haltung und Körung der Zuchtstiere nebst den dazu gehörigen Vollzugsbestimmungen. J.Schweizer Verlag, München 1896.
- Bildungsstätte des Bayerischen Bauernverbandes (Hrsg.): Findbuch zum Bestand Landwirtschaftlicher Verein (Laufzeit 1810–1937). Herrsching 1989. PDF download, Agrarhistorische Bibliothek, Landwirtschaftlicher Verein in Bayern.