Die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (Abkürzung SWLB) sind ein kommunales Unternehmen und der zentrale Versorgungs- und Infrastrukturdienstleister für die Stadt Ludwigsburg, Kornwestheim und die umliegende Region. Die Eigentümer sind die Städte Ludwigsburg (74,9 %) und Kornwestheim (25,1 %). Im Geschäftsjahr 2024 erzielten die Stadtwerke einen Umsatz von 317,9 Millionen Euro mit durchschnittlich 395 Mitarbeitern.<ref name="NR2024" />
Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs bei den Stadtbevölkerungen in Deutschland der Wunsch nach einer guten Straßenbeleuchtung. 1857 beschloss die Stadtverwaltung von Ludwigsburg, nachdem sich besonders der Kommunalpolitiker Louis Bührer dafür eingesetzt hatte, den Bau einer städtischen Gasanstalt. Das Gas diente zunächst ausschließlich zur Gasbeleuchtung.<ref name="laibacher" /> 1858 ging diese in Betrieb; erster Pächter war der britische Unternehmer H. P. Stephenson. Dabei wurden 20 Kandelaber und 117 einfache Laternen in dem damals rund 7.000 Einwohner zählenden Ludwigsburg angezündet. Nachdem sich Stephenson aus dem Deutschlandgeschäft zurückgezogen hatte, übernahm am 1. August 1860 die Stadtgemeinde Ludwigsburg den Betrieb ihres Gaswerks auf eigene Rechnung und gründete die Stadtwerke.<ref name="bergan">Günther Bergan: Mehr Licht für Ludwigsburg. Das städtische Gaswerk – Eine Hommage an Louis Bührer. In: Simon Karzel (Hrsg.): Ludwigsburger Energiebündel. Die Geschichte der Wasser-, Gas- und Stromversorgung in Ludwigsburg. Ludwigsburger Stadtarchiv, Ludwigsburg 2018, ISBN 978-3-9813701-2-6, S.118–139 (d-nb.info).</ref><ref name="laibacher">Ludwig Laibacher: Licht für den industriellen Aufbruch. In: Stuttgarter Zeitung, Ausgabe Kreis Ludwigsburg. 24. Juli 2010, S.24.</ref>
1862 wurden erste Verwaltungsnormen aufgestellt. 1866 begannen die Stadtwerke Ludwigsburg, neben Gas auch Wasser zu liefern.<ref name="laibacher" />
20. Jahrhundert
Im Jahr 1912 gehörten die Stadtwerke Ludwigsburg zu den Gründungsmitgliedern der neu geschaffenen Landeswasserversorgung.<ref>Julia Schweizer: Plädoyer für einen sorgfältigeren Umgang mit dem kostbaren Nass. In: Stuttgarter Nachrichten, Kornwestheim & Kreis Ludwigsburg. 30. März 2013, S.IV.</ref> Vier Jahre später wurde die Stadt Ludwigsburg an die Landeswasserversorgung angeschlossen.<ref>Ludwig Laibacher: Ludwigsburg: Wirklich historische Brunnen sind rar. In: Stuttgarter Zeitung. 17. Juli 2014, abgerufen am 16. November 2025.</ref> Ab 1928 wurde damit begonnen in Ludwigsburg die Gaslaternen durch elektrische Beleuchtung zu ersetzen, was schrittweise bis 1966 umgesetzt wurde.<ref name="bergan" />
Seit 1958 bezieht die Stadt zusätzlich Trinkwasser von der Bodensee-Wasserversorgung.<ref>Franz Domgörgen: Das begehrte Wasser vom Bodensee. In: Südkurier. 26. Juli 2018, S.22.</ref> Nachdem ab 1858 insgesamt 105 Jahre lang Gas vor Ort produziert worden war, legten die Stadtwerke Ludwigsburg im Jahr 1963 ihre Gasproduktionsanlagen still. Fortan wurde das Gas per Fernleitung bezogen.<ref name="bergan" /> 1971 wurde das städtische Unternehmen in eine GmbH umgewandelt.<ref>Beteiligungsbericht für das Geschäftsjahr 2020 und Bericht über die Minderheitsbeteiligungen 2020. (PDF) In: Stadt Ludwigsburg. Dezember 2021, S. 11, abgerufen am 16. November 2025.</ref>
Im Herbst 1998 übertrug die Stadt Ludwigsburg den Stadtwerken die Kunsteisbahn am Stadionbad, nachdem die vorherigen privaten Betreiber der Eisbahn ihren Vertrag nicht verlängert hatten. Bereits zuvor hatten die Stadtwerke ein Schwimmbad geführt und stiegen damit in den Freizeitbereich ein.<ref>Manfred Bornemann: Stadt übernimmt Eishalle: Private Betreiber wollen Vertrag nicht verlängern. In: Stuttgarter Zeitung. 10. Oktober 1998, S.30.</ref>
21. Jahrhundert
Gemeinsam mit den Stadtwerken Bietigheim-Bissingen gründeten die Stadtwerke Ludwigsburg im Jahr 2001 in Pattonville, einem ehemaligen US-Truppenstandort, die PEW (Pattonville Energie & Wasser GmbH) zur Energie- und Wasserversorgung in dem zwischen beiden Orten gelegenen Pattonville.<ref>Wir über uns. In: PEW Pattonville. Abgerufen am 16. November 2025.</ref><ref name="Buchmeier">Frank Buchmeier: Neue kommunale Kooperation für Pattonville. In: Stuttgarter Zeitung. 19. Mai 2001, S.28.</ref>
In den 2000er-Jahren planten die Stadtwerke Ludwigsburg zunächst, gemeinsam mit dem Energieversorger EnBW Energie Baden-Württemberg zum Stromlieferanten zu werden. Nachdem eine Partnerschaft mit EnBW am Widerstand von Kartellrechtlern gescheitert war, stiegen die Stadtwerke Ludwigsburg im Jahr 2006 alleine ins Stromgeschäft ein.<ref>Ludwigsburg steigt ins Stromgeschäft ein. In: Stuttgarter Nachrichten. 19. Juli 2006, S.22.</ref> Im darauffolgenden Jahr übernahmen die Stadtwerke Ludwigsburg die Gasversorgung und das Gasnetz der Nachbarkommune Marbach am Neckar.<ref>Kerstin Ruchay: Marbach verkauft Gasnetz: Ludwigsburger Stadtwerke übernehmen Versorgung für 6,1 Millionen Euro. In: Stuttgarter Nachrichten. 22. Dezember 2006, S.21.</ref>
2008 fusionierten die Stadtwerke Ludwigsburg mit den benachbarten Stadtwerken in Kornwestheim, nachdem die Stadträte beider Kommunen dem Zusammenschluss zugestimmt hatten.<ref>Schwabenhochzeit: Stadtwerke Ludwigsburg und Kornwestheim fusionieren. In: energate-messenger.de. 23. Juli 2008, abgerufen am 16. November 2025.</ref> Grund des Zusammenschlusses waren finanzielle Vorteile wie günstigere Einkaufspreise und reduzierter Personalaufwand.<ref>Sascha Schmierer: Stadtwerke bündeln Kräfte. In: Stuttgarter Nachrichten. 1. Juli 2008, S.22.</ref> Seitdem bilden sie gemeinsam die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim GmbH (abgekürzt SWLB).
2013 bekamen die Stadtwerke von den Städten Ludwigsburg und Kornwestheim die Stromkonzession übertragen, die unter anderem den Betrieb der Stromleitungen auf dem Gebiet von Kommunen regelt.<ref>Spannung bei den Netzbetreibern steigt. In: Stuttgarter Zeitung. 21. August 2012, S.I.</ref>
Mitte der 2010er-Jahre fuhren die SWLB solide Gewinne ein, mussten aber auch in verschiedene Infrastrukturprojekte wie die Sanierung und Modernisierung der Schwimmbäder investieren.<ref name="Laibacher">Ludwig Laibacher: Gewinne bleiben bei Stadtwerken. In: Stuttgarter Zeitung, Ausgabe Kreis Ludwigsburg. 15. Dezember 2015, S.20.</ref> Auch arbeitet die SWLB seit 2015 in einem weiteren Großprojekt an einem flächendeckenden Ausbau des Glasfasernetzes in der Region um Ludwigsburg.<ref>Die halbe Stadt hat Glasfaser. In: Kornwestheimer Zeitung. 11. Februar 2023, S.17.</ref> Ein weiteres Projekt ist seit 2025 der Ausbau der Wärmeversorgung und des Fernwärmenetzes, an das ein Großteil der rund 15.000 Gebäude in Ludwigsburg angeschlossen werden soll.<ref name="Walf">Christian Walf: So geht der Fernwärmeausbau in Ludwigsburg weiter. In: Ludwigsburger Kreiszeitung. 3. September 2025, abgerufen am 17. November 2025.</ref>
Unternehmensstruktur und Beteiligungen
Die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim GmbH gehört zu 74,9 % der Stadt Ludwigsburg und zu 25,1 % der Stadt Kornwestheim.<ref name="GB2022">Stadtwerke Ludwigsburg – Kornwestheim GmbH, Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2022 zum 31.12.2022, veröffentlicht im Unternehmensregister am 6. Februar 2024, abgerufen am 25. August 2024.</ref>
Die SWLB hat eine Reihe an Joint Ventures mit anderen Institutionen oder Unternehmen, zudem mehrere Tochtergesellschaften:
PEW (Pattonville Energie & Wasser GmbH), eine seit 2001 gemeinsam mit den Stadtwerken Bietigheim-Bissingen betriebene Tochtergesellschaft zur Wasserversorgung von Pattonville.<ref name="Buchmeier" />
Smarte Quartiere Ludwigsburg GbR (abgekürzt SQL), 2020 zusammen mit der Wohnungsbau Ludwigsburg GmbH gegründet. Das Ziel der Smarte Quartiere ist die Vernetzung und Steuerung von Wohnungen, Gebäuden und Gebäudekomplexen für eine Verbesserung von Energieflüssen und -verbräuchen.<ref>Geschäftsbericht 2023. (PDF) In: Wohnungsbau Ludwigsburg.S. 19, abgerufen am 16. November 2025.</ref>
Netzgesellschaft SWLB/STWWN Verwaltungs-GmbH und Netzgesellschaft SWLB/STWWN GmbH & Co. KG, gemeinsame Gesellschaften mit den Stadtwerken Waiblingen.<ref name="GB2022" /> Das Unternehmen erwirbt, betreibt und baut Energieinfrastrukturen, z. B. für Strom und Gas.<ref>Gemeinsame Netzgesellschaft SWLB/STWWN GmbH & Co. KG, Waiblingen. In: North Data. Abgerufen am 17. November 2025.</ref>
Folgende eigene Anlagen werden von den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim betrieben:
Holzheizkraftwerk: Im Herbst 2009 ging das in Baden-Württemberg damals größte und modernste Holzheizkraftwerk in Ludwigsburg ans Wärme- und Stromnetz. Im März 2010 erfolgte die offizielle Inbetriebnahme, wobei das Holzkraftwerk seitens der Landesregierung als „Vorzeigeprojekt des Landes Baden-Württemberg“ bezeichnet wurde.<ref>Sascha Schmierer: Ludwigsburg nimmt größten Holzmeiler im Land in Betrieb. In: Stuttgarter Zeitung. 17. März 2010, S.22.</ref>
Biogasanlage Kornwestheim: 2012 wurde die Biogasanlage auf dem Gelände des Klärwerks Kornwestheim eingerichtet.<ref>Strom und Wärme aus dem Täle. In: Stuttgarter Nachrichten. 19. Oktober 2012, S.I.</ref>
iKWK Stotz Kornwestheim: Blockheizkraftwerk in Kornwestheim, das einen Teil der Fernwärmeversorgung in Kornwestheim übernimmt. Im Jahr 2023 wurde mit einer Erweiterung begonnen,<ref>Anne Rheingans: Abholzung ist der Beginn eines Millionenprojekts. In: Stuttgarter Nachrichten. 7. März 2023, abgerufen am 16. November 2025.</ref> die Ende Juni 2025 abgeschlossen wurde.<ref>Jens Nusser: Die SWLB schließt Arbeiten am Heizkraftwerk Stotz ab. In: Stuttgarter Nachrichten, Kornwestheimer Ausgabe. 24. Juni 2025, S.18.</ref>
Wasserturm Salonwald: Der Wasserturm beim Ludwigsburger Salonwald enthält 5000 Kubikmeter Wasser zur Wasserversorgung in Ludwigsburg.<ref>Rafael Binkowski: Ebbe im Wasserbehälter. In: Stuttgarter Zeitung. 21. April 2016, abgerufen am 16. November 2025.</ref>
Die SWLB unterstützt Vereine, Bildungsangebote, Kultur- und Freizeitveranstaltungen sowie Umweltprojekte im Raum Ludwigsburg.<ref>Engagement der SWLB. In: SWLB. Abgerufen am 16. November 2025.</ref> So ist sie Haupt- und Trikotsponsor des Basketball-Bundesligisten MHP Riesen Ludwigsburg.<ref>MHP Riesen Ludwigsburg und Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim. In: Kommunalmagazin Topinform. 23. Januar 2024, abgerufen am 16. November 2025.</ref> Ebenfalls sind die Stadtwerke Sponsor und Namensgeber des Stadtlaufes SWLB Barocklauf, der 2025 zum zweiten Mal stattfand.<ref>Michael Langjahr: 2. Barocklauf am 11. Juli 2025. In: Ludwigsburger Wochenblatt. 10. Juli 2025, abgerufen am 17. November 2025.</ref>
2020: 2. Platz beim Stadtwerke-Zukunftspreis, vergeben von Energie & Management und Euroforum. Ausgezeichnet wurden in dem Jahr 2020 Stadtwerke, die Strategien und Projekte mit Partnern umgesetzt hatten.<ref>SWLB gewinnen 2. Platz beim Stadtwerke-Zukunftspreis 2020. In: Ludwigsburg24. 19. Januar 2021, abgerufen am 16. November 2025.</ref>
2025: Platz 12 der besten Arbeitgeber Deutschlands in der Kategorie Energiewirtschaft, im Ranking des Focus.<ref>Energiewirtschaft in Deutschland 2025. In: Focus. Abgerufen am 17. November 2025.</ref>