St. Severin (Passau-Innstadt)
Die Kirche St. Severin im Passauer Stadtteil Innstadt liegt umgeben vom Friedhof der Innstadt nahe dem Inn. Sie ist heute eine Filialkirche der römisch-katholischen Pfarrei Passau-Innstadt mit der Pfarrkirche St. Gertraud.
Geschichte
Gründung und Entwicklung im Mittelalter
Die Kirche geht auf einen vorromanischen Vorgängerbau zurück, den vielleicht der heilige Severin selbst mit Kloster dort errichten ließ. Reste der Fundamente einer älteren Kirche wurden bei Ausgrabungen 1976 gefunden. Wahrscheinlich war sie mit dem Patrozinium Johannes der Täufer versehen.
In der Herrschaftszeit der Ottonen wurde ein größeres Gotteshaus errichtet, dessen Mauerwerk sich in Teilen bis heute erhalten hat. Damit ist die Severinskirche die älteste im Mauerwerk erhaltene Kirche Passaus.
Zur Zeit der frühen Kirchenorganisation im Mittelalter wurden aus dem Sprengel der Pfarre St. Severin die Pfarren St. Weihflorian und Münzkirchen gelöst und verselbständigt,<ref>Johann Ev. Lamprecht: Beschreibung der k.k. landesfürstl. Gränzstadt Schärding am Inn und ihrer Umgebungen. Wels 1860, S. 276. Als eine eigenständige Pfarre wurde St. Weihflorian erstmals 1182 bezeichnet, als sie dem „Innbruckamt“ in Passau inkorporiert wurde (ebenda, S. 275).</ref> Schardenberg und Wernstein blieben jedoch weiterhin der Innstadtpfarre unterstellt.<ref>Johann Ev. Lamprecht: Historisch-topographische Matrikel oder geschichtliches Ortsverzeichniß des Landes ob der Enns, als Erläuterung zur Charte des Landes ob der Ens in seiner Gestalt und Eintheilung vom VIII. bis XIV. Jahrhunderte, Wien 1863, S. 133, 212; digitale-sammlungen.de</ref>
Um das Jahr 1145 wurde die Innbrücke errichtet und bei der Innstadt das damit verbundene St. Ägidien-Spital angelegt. Zur Finanzierung von Innbrücke, Spital und Spitalskirche wurden St. Ägidien die Einnahmen der Pfarreien St. Severin und Münzkirchen zugesprochen, 1182 wurde die Pfarrei St. Severin mit dem für die Verwaltung der Innbrücke zuständigen „Innbruckamt“ formell dem St. Ägidien-Spital inkorporiert.<ref name="Mader">Franz Mader: Pfarrgeschichte der Pfarrei St. Severin. pfarrei-innstadt.de abgerufen am 26. September 2018.</ref> Das „Innbruckamt“ verwaltete seither auch die dem Spital inkorporierten Pfarreien, die vom jeweiligen „Bruckpfarrer“ zu vergeben waren.<ref>Hugo Lerch: Der Streit des Passauer Domherrn und Innbruckmeisters Johann von Malenthein mit dem Passauer Domkapitel 1544–1549. In: Ostbairische Grenzmarken, 1962/1963, 6, S. 249–261, hier S. 250–251.</ref> Zu diesen zählten neben St. Severin mit Schardenberg und Wernstein auch die Pfarren St. Weihflorian, Kellberg, Hauzenberg, Kopfing, Münzkirchen und Tettenweis.<ref>Hugo Lerch: Der Streit des Passauer Domherrn und Innbruckmeisters Johann von Malenthein mit dem Passauer Domkapitel 1544–1549. In: Ostbairische Grenzmarken 6 (1962/1963), S. 249–261, hier S. 250–251. — Theodor Ebner: Die Antiesenmündung. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Jahrgang 148, Linz 2003, S. 257–284, hier S. 279 (Vorlage:ZOBODAT). — Johann Ev. Lamprecht: Beschreibung der k.k. landesfürstl. Gränzstadt Schärding am Inn und ihrer Umgebungen. Wels 1860, S. 275–276; google.de/books — Johann Ev. Lamprecht: Historisch-topographische Matrikel oder geschichtliches Ortsverzeichniß des Landes ob der Enns, als Erläuterung zur Charte des Landes ob der Ens in seiner Gestalt und Eintheilung vom VIII. bis XIV. Jahrhunderte, Wien 1863, S. 133, 212; digitale-sammlungen.de</ref>
Bald nach der Inkorporation von St. Severin wurde der Sitz dieser Pfarrei in die Spitalskirche St. Ägidien/St. Gilgen verlegt.<ref name="Lamprecht276">Johann Ev. Lamprecht: Beschreibung der k.k. landesfürstl. Gränzstadt Schärding am Inn und ihrer Umgebungen. Wels 1860, S. 276.</ref> Kirche und Pfarrei St. Severin führten daher von 1182 bis 1653 ebenfalls den Namen St. Ägidien / St. Gilgen.<ref name="Mader" /> Mit der Pfarrstelle zu St. Ägidien/St. Gilgen war das Amt des „Innbruck- und Siechenmeisters“ verbunden.<ref>Hugo Lerch: Der Streit des Passauer Domherrn und Innbruckmeisters Johann von Malenthein mit dem Passauer Domkapitel 1544–1549. In: Ostbairische Grenzmarken 6 (1962/1963), S. 249–261, hier S. 250–251.</ref> Konrad II. verordnete um 1250, dass die Administration des Spitals und des „Innbruckamtes“ fortan einem Domherrn des Domkapitels Passau als Pfründe übertragen werden sollte.<ref name="Lamprecht276" />
In spätromanischer Zeit wurde das Langhaus von St. Severin noch einmal verbreitert. Der spätgotische Chor und der Turm kamen 1476 hinzu.
Verlegung des Pfarrsitzes 1787
Im Jahr 1787 wurde der Sitz der Innstadtpfarrei von St. Severin nach St. Gertraud verlegt, seit 1968 ist St. Gertraud auch offiziell Pfarrkirche. Die Pfarrei Passau-Innstadt behielt jedoch weiterhin das Patronat St. Severin.<ref name="Mader" />
Heutige Nutzung
Heute dient die Filialkirche St. Severin als Friedhofskirche der Pfarrei Passau-Innstadt. Zudem fanden hier die Studentengottesdienste der Katholischen Hochschulgemeinde statt.<ref>Gottesdienste. KSG Passau.</ref> Der Friedhof um die Kirche ist einer der ältesten im deutschen Kulturraum.
Ausstattung
Monumente
Unter der Empore steht der heute als Weihwasserbecken genutzte römische Grabaltar des Faustinianus (ediert als CIL {{#if: A | 3 |{{#if:|{{#invoke:FormatNum|roman|3|apo}}|{{#ifexpr: abs 3 < 5000|{{#invoke:FormatNum|roman|3|none}}|{{#invoke:FormatNum|roman|3|over}}}}}}}}, 05691/UEL 4480<ref>4480 Grabaltar des Faustinianus. lupa.at</ref>), der im 2. Jahrhundert nach Christus als Weihestein für einen Angehörigen der nahen Zollstation errichtet wurde (vgl. dazu den aus dem 3. Jahrhundert stammenden Jupiteraltar aus Wernstein).
In der und um die Kirche herum finden sich alte Grabsteine des 13. bis 19. Jahrhunderts.
Orgel
Die Orgel wurde 1960 als Opus 60 durch Ludwig Eisenbarth mit mechanischer Traktur errichtet.
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Koppeln: I/II, I/P, II/P
Siehe auch
Weblinks
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