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St. Nicolai (Helgoland)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Helgoland St. Nicolai 11.jpg
Kirche St. Nicolai auf Helgoland
Datei:Wd b166.JPG
Die Vorgängerkirche im Jahre 1895

Die evangelisch-lutherische St.-Nicolai-Kirche ist neben der römisch-katholischen St.-Michaels-Kirche eine der beiden Kirchen auf der Nordseeinsel Helgoland. Ihren Namen hat die Kirche vom Heiligen Nikolaus von Myra, dem Schutzpatron der Seefahrer und Kaufleute.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Evang.-luth. Kirchengemeinde Helgoland – St. Nicolai, www.kirche-helgoland.de, Kirchengemeinde (Memento vom 8. Januar 2014 im Internet Archive)</ref>

Die Kirche befindet sich in einem Wohngebiet auf dem Oberland im Schnittpunkt von Schulweg und Kirchstraße mit der Adresse Schulweg 648.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Adresse der Kirche (Memento vom 8. Januar 2014 im Internet Archive)</ref><ref name=":0"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Liste der Kulturdenkmäler im Kreis Pinneberg (Stand Februar 2009) (Memento vom 7. Dezember 2010 im Internet Archive). – PDF-Seite 78.</ref> Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Dithmarschen im Sprengel Schleswig und Holstein der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Mit 711 Gemeindegliedern (Stand Anfang 2014) gehört der Kirchengemeinde St. Nicolai rund die Hälfte der Inseleinwohner an.

Geschichte und Architektur

Vorgängerbauten

Eine erste Beschreibung einer Kirche auf Helgoland erfolgte Anfang des 17. Jahrhunderts durch Neocorus: „de Norder Sidt (der Kirche) hebben de Hillige Lander, de Suder Hellfte de Bremer buwen laten“.<ref>Wolfgang Teuchert, Arnold Lühning: Die Kunstdenkmäler des Landes Schleswig-Holstein, Kreis Pinneberg. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1961, S. 195 ff</ref> Möglicherweise hatte diese Kirche zwei parallele Satteldächer. Diese Kirche soll an der Ostecke des Oberlandes gelegen haben und wurde 1609 wegen der Gefahr eines Absturzes durch eine neue, weiter im Landesinneren gelegene ersetzt. Bereits 1685 wurde diese wegen unzureichender Größe abgebrochen. Die neue, dem heiligen Nicolaus geweihte Kirche wurde von 1685 bis 1687 errichtet. Die zunächst turmlose Kirche war ein einschiffiger Backsteinbau mit polygonalem 5/15-Chorschluss.

Datei:StNicolai-Helgoland vor 1885.jpg
Bild der Kirche mit dem von 1706 bis 1878 bestehenden Turm mit geschweifter Haube

Von 1704 bis 1706 wurde aus Backstein ein Westturm mit quadratischem Grundriss und hoher, geschweifter Haube gebaut. Dieser Turm wurde wegen Baufälligkeit 1878 abgebrochen und 1885 durch einen neuen ersetzt. Der Innenraum der Kirche war mit einer flachen, mit Ornamenten bemalten Holztonne überspannt, in welche Lichtschächte einschnitten. An der Basis der Tonne verliefen quer zur Kirche weiß gestrichene Zugbalken. Das Gestühl war in drei Blöcke geteilt, und es gab eine umlaufende Empore. Von der Ausstattung ist der überwiegende Teil bei einem schweren Bombenangriff am 18. April 1945 zerstört worden, so unter anderem der Kanzelaltar aus Mahagoni von 1821. Der Bronzetaufkessel aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts überstand den Angriff, fiel allerdings Schrottsammlern der Nachkriegszeit zum Opfer. Ein 1705 in Friedrichstadt gefertigter vergoldeter Abendmahlskelch mit mittelalterlichem Fuß und Ornamenten ist erhalten.

Neubau

Datei:Helgoland St. Nicolai 12.jpg
Innenraum mit Blick in den Altarraum (2024)

Nach der Neubesiedlung Helgolands ab 1952 wurde ab 1958 an der gleichen Stelle der Vorgängerkirche mitten auf dem mit einer zeittypischen Waschbetonmauer eingefriedeten Inselfriedhof die heutige Kirche erbaut und am 29. November (1. Advent) 1959 eingeweiht.<ref name=":1">Unsere Kirche. In: kirche-helgoland.de. Ev.-Luth. Kirchengemeinde Helgoland, abgerufen am 24. Oktober 2025.</ref> Architekten waren Peter Hübotter, Rolf Romero und Bert Ledeboer aus Hannover, die 1956 gemeinsam den deutschlandweiten Architekturwettbewerb für den Kirchenneubau gewonnen hatten.<ref>Alfred Simon, Georg Wellhausen: Wiederaufbau der Insel Helgoland. In: Bund Deutscher Architekten (Hrsg.): der architekt. Heft 2 und 3. Vulkan-Verlag Dr. W. Classen, Essen 1961, S. 25–27.</ref> Neben der Kirche steht der das Inselbild als ein Wahrzeichen prägende 30 m hohe Kirchturm, der auch absichtlich in die Sichtachsen mehrerer Oberland-Hauptraßen positioniert wurde.<ref name=":2">Jan Lubitz: Architektur auf Helgoland. Rickmers Verlag & Archiv. Helgoland 2014, ISBN 978-3-98169-150-4, S. 74.</ref> Seine Gestaltung mit einem nadelförmig gestreckten Turmhelm erinnert an ein Seezeichen.<ref name=":2" /> Die Wetterfahne stellt eine Schaluppe dar.<ref name=":3">50 Jahre nach dem Wiederaufbau der St.-Nicolai-Kirche von Helgoland müssen Turm und Kirchenschiff dringend saniert werden! Auf kirche-helgoland.de (Memento vom 4. August 2012 im Webarchiv archive.today, abgerufen am 24. Oktober 2025).</ref> Im offenen Erdgeschoss des Turms befindet sich eine Gedenkstätte für die Gestorbenen der Weltkriege.

Die Kirche hat nach dem Denkmalschutzgesetz Schleswig-Holstein den Status eines Kulturdenkmals von besonderer Bedeutung.<ref name=":0" />

Die ursprünglich in Holzfachwerk errichtete Südwand musste 1969 durch eine Backsteinwand ersetzt werden.<ref name=":2" /> 2009 ersetzte man am Kirchturm große Teile der Holzkonstruktion und die Kupferbedachung.<ref name=":3" /> 2016 und 2017 waren Renovierungsarbeiten an den Fassaden der Kirche fällig, die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unterstützt wurden. Der Beton der Dallglasfenster wies starke Verwitterungsspuren auf, weil die eingebrachten Eisenarmierungen in der salzhaltigen Luft korrodierten. Danach folgten erneut Arbeiten an der Südfassade.<ref>Helgoland, Schleswig-Holstein, St. Nicolai-Kirche. In: denkmalschutz.de. Deutsche Stiftung Denkmalschutz, abgerufen am 24. Oktober 2025.</ref><ref name="Monumente">Christiane Rossner: Wie Phönix aus der Asche. In restauro: Die Nicolaikirche auf Helgoland. In: Deutsche Stiftung Denkmalschutz (Hrsg.): Monumente. Magazin für Denkmalkultur in Deutschland. Nr. 6, 2017, ISSN 0941-7125, S. 30–31.</ref><ref>Simone Viere: Inmitten der Nordsee. Helgoländer Kirche St. Nicolai wird restauriert. In: nordkirche.de. 21. Juli 2016, abgerufen am 24. Oktober 2025.</ref>

Die Außenanlagen mit dem Friedhof entstanden nach Entwurf von Wilhelm Hübotter.<ref>Wilhelm Hübotter: Auf Helgoland ist alles anders. In: Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landespflege e. V. (Hrsg.): Garten und Landschaft. September 1963, Nr. 9. Verlag Georg D.W. Callwey, München 1963, S. 275–280.</ref>

Ausstattung

Kircheninneres

Das Kircheninnere ist ein Saal, dessen Eindruck von der offenen Holzkonstruktion des aufgeständerten Dachwerks bestimmt wird. Die Ausstattung stammt zum Teil aus der Vorgängerkirche. Die reliefierte Türflügel des Bronzeportals und der neue Taufkessel stammen vom Bildhauer Fritz Fleer. Zwei Altarleuchter, ein Kronleuchter und eine Taufschale aus dem Jahre 1783 haben die Bombardierung der Vorgängerkirche überstanden.<ref>Text über Nicolaikirche</ref> Das Innere der Kirche zieren diverse Votivschiffe, d. h. Modelle echter Boote, die von Kapitänen als Dank an Gott für die Rettung aus Seenot gestiftet wurden.<ref name=":1" />

Glocken

Eine Stahlglocke (Schlagton c1) wurde 1952 gestiftet, 1959 kamen fünf Bronzeglocken (Schlagtonfolge g1–a1–c2–d2–e2) hinzu.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Beschreibung der Kirche (Memento vom 6. Oktober 2007 im Internet Archive)</ref>

Orgeln

Vorkriegsorgel

Datei:MEYER-Orgel Helgoland 1844 - © LDSH.jpg
Meyer-Orgel von 1844 in der Vorgängerkirche

Erst 1844 erhielt Helgoland erstmals eine Orgel, ein wertvolles Instrument von Ernst Wilhelm Meyer & Söhne. Sie wurde beim großen Bombenangriff am 18. April 1945 zerstört.<ref>Gerald Drebes: Die Helgoländer Vorkriegsorgel von Ernst Wilhelm Meyer & Söhne (1844). In: Ars Organi. Jg. 68, 2020, S. 186–188 (online).</ref>

Hauptorgel

Datei:Helgoland St. Nicolai 14.jpg
Hauptorgel von 1970 (2024)

Die Hauptorgel der Kirche wurde 1970 durch Alfred Führer erbaut. Sie besitzt 24 Register, die sich auf zwei Manuale und Pedal verteilen. Das Instrument besitzt voll mechanische Schleifladen. Die Disposition ist wie folgt:<ref>Jörg R. Becker: Helgoland, Deutschland (Schleswig-Holstein) - Evangelische Sankt Nicolaikirche. In: orgbase.nl. Abgerufen am 24. Oktober 2025 (Beschreibung der Hauptorgel).</ref>

I Hauptwerk
1. Pommer 16′
2. Prinzipal 8′
3. Spillpfeife 8′
4. Oktave 4′
5. Koppelflöte 4′
6. Nasard 223
7. Gemshorn 2′
8. Rauschpfeife II 2′ + 113
9. Mixtur V 113
II Schwellwerk
10. Gedackt 8′
11. Prinzipal 4′
12. Rohrflöte 4′
13. Oktave 2′
14. Gemsquinte 113
15. Sesquialtera II
16. Scharff IV 1′
17. Schalmey 8′
Tremulant
Pedal
18. Subbaß 16′
19. Prinzipal 8′
20. Spitzflöte 8′
21. Choralbaß 4′
22. Hohlflöte 2′
23. Rauschbaß III 513
24. Hintersatz IV 223

Chororgel

Die kleinere Chororgel wurde 1972 durch Hinrich Otto Paschen erbaut. Sie besitzt acht Register auf einem Manual und Pedal und ist wie die Hauptorgel voll mechanisch auf Schleifladen errichtet. Die Disposition ist wie folgt:<ref>Jörg R. Becker: Helgoland, Deutschland (Schleswig-Holstein) - Evangelische Sankt Nicolaikirche, Chor-Orgel. In: orgbase.nl. Abgerufen am 24. Oktober 2025.</ref>

Datei:Helgoland St. Nicolai 15.jpg
Chororgel der Kirche (2024)
I Hauptwerk
1. Bordun D 16′
2. Gedackt B/D 8′
3. Principal B/D 4′
4. Rohrflöte B/D 4′
5. Nasat B/D 223
6. Gemshorn B/D 2′
7. Mixtur IV B/D 2′
Tremulant
Pedal
8. Subbaß 16′
9. Gedackt (Extension von 8.) 8′

Literatur

  • Jan Lubitz: Architektur auf Helgoland. Rickmers Verlag & Archiv. Helgoland 2014, ISBN 978-3-9816915-0-4, S. 74–77.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 54° 10′ 58,9″ N, 7° 53′ 5,1″ O

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