Zum Inhalt springen

St. Martin und Ägidius (Wald)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Wald (1).JPG
Die Kirche im Ort Wald, vom Altmühlsee her gesehen
Datei:Wald 3.JPG
Die Kirche aus nordwestlicher Richtung
Datei:Wald 4.JPG
Westansicht
Datei:Wald 5.JPG
Kanzelaltar
Datei:Wald 6.JPG
Taufbecken
Datei:Wald 7.JPG
Sitzfigur eines heiligen Bischofs (Willibald?)
Datei:Wald 8.JPG
Figur des heiligen Laurentius
Datei:Wald 9.JPG
Wappen der Familie von Falkenhausen über der Herrschaftsloge

St. Martin und Ägidius ist eine evangelisch-lutherische Kirche im klassizistischen Markgrafenstil in Wald, einem Gemeindeteil von Gunzenhausen im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen (Bayern).

Lage

Die Kirche steht im Nordosten am Ortsrand von Wald. Zu ihr gelangt man auf einer Stichstraße, die nach der Kirche bald endet. Das Kirchenareal ist von einer Mauer umgeben.

Baugeschichte

1355 ist eine Burg erwähnt, die bis zu diesem Zeitpunkt im Besitz eines Erkinger Truchseß von Wahrberg als Lehen des Bischofs von Würzburg war. Aus einer zwei Jahre jüngeren Urkunde erfährt man, dass St. Michael zu Wald, wohl eine von den Herren von Spielberg neben der Wasserburg erbaute Kapelle,<ref>Geschichte(n), S. 15.</ref> bis dahin Filiale der Pfarrei Gnotzheim war.<ref>Schuh, S. 325.</ref> Die Kapelle, ursprünglich erbaut in der Mitte des 8. Jahrhunderts als fränkische Missionskirche und um 1100 neu errichtet,<ref name="Geschichten, S. 138">Geschichte(n), S. 138.</ref> wurde in der Spätgotik (15. Jahrhundert) erweitert bzw. als Kirche neu hochgezogen. Die Reformation wurde sehr früh, 1527/28, eingeführt; der letzte katholische Pfarrer Siegmund Peuerlein († 1543) war zugleich der erste evangelische Pfarrer und brachte 1533 die Brandenburgisch-Nürnbergische Kirchenordnung zur Geltung.<ref>Geschichte(n), S. 139.</ref> Im Dreißigjährigen Krieg wurde diese Kirche zerstört.<ref name="Faltblatt zur Kirche">Faltblatt zur Kirche.</ref>

Das heutige Gotteshaus verdankt man den kunstsinnigen Brüdern Johann Wilhelm und Carl Friedrich von Zocha; die Familie Zocha herrschte seit 1626 in Wald<ref name="Winter, S. 256">Winter, S. 256.</ref> und war auch Inhaber des Patronatsrechtes.<ref name="Gröber/Mader, S. 285">Gröber/Mader, S. 285.</ref> Unter Wiederverwendung des spätgotischen Turmes des Vorgängerbaues errichtete der markgräfliche Oberhofbaurat Carl Friedrich von Zocha (* 1683; † 1749) nach dem Abriss der alten Kirche nach eigenen Plänen 1722 bis 1724 eine neue Kirche, in seiner klassizistischen Einfachheit mit wenigen barocken Anklängen in der Ausstattung einen „höchst eigenwilligen Bau dieser Zeit“.<ref name="Winter, S. 256"/> Der Turm erhielt ein oktogonales Obergeschoss mit Spitzhelm.<ref name="Dehio, S. 1080">Dehio, S. 1080.</ref> Mit dem Neubau wurde der Friedhof vor das Dorf verlegt.<ref name="Geschichten, S. 141">Geschichte(n), S. 141.</ref>

In Nachfolge der Familie von Zocha, die mit Carl Friedrich ausstarb, stattete der „Wilde Markgraf“ Karl Friedrich Wilhelm von Brandenburg-Ansbach seinen nebenehlichen, neu geadelten Sohn Friedrich Carl Freiherr von Falkenhausen mit dem Lehensgut Wald aus; die neue Herrscherfamilie errichtete sich unter der Kirche eine – öffentlich nicht zugängliche – Familiengruft, die erstmals als solche im Oktober 1757 nach dem Tod der Stammmutter dieser Familie, der schönen Weberstochter Elisabeth Winkler aus Leidendorf, belegt wurde.<ref name="Winter, S. 256"/>

1928 wurde die Kirche, deren Dach und Decke baufällig geworden waren, um 7,5 m durch einen Anbau nach Westen verlängert, so dass die „alte“ Kirche von außen gesehen nahezu zum Querhaus wurde. Die Pläne lieferte der Architekt Buck in Nürnberg.<ref name="Gröber/Mader, S. 285"/> Die neue Westfassade mit ihrem Dreiecksgiebel wurde der alten, frühklassizistischen Westfassade von 1722/24 angeglichen, eine Freitreppe führte und führt zum Portal.

Baubeschreibung

Vor dem Anbau war die Kirche eine T-förmige Querhausanlage<ref name="Dehio, S. 1080"/> mit eingezogenem Ostturm, der in seinen Fundamenten auf die Kirche von 1100 zurückgeht.<ref name="Geschichten, S. 138"/> Vor den abgemauerten ehemaligen Chor (heute Sakristei) kam die neue Altarkanzelwand.<ref>Schrenk/Zink, S. 237.</ref> Den quadratischen, 9,9 m hohen Mittelraum überspannte ein gratiges Kreuzgewölbe. Westlich, nördlich und südlich schließen sich durch Rundbogen abgetrennte tonnengewölbte Seitenarme mit Emporen an; die Treppen zu den Seitenemporen befinden sich seitlich in dem schmalen Zwischenbau zwischen dem Turm aus Hausteinquadern und dem Hauptbau, die Wendeltreppe zur Westempore stieg im südlichen Teil des alten, kurzen Westflügels empor.<ref>Gröber/Mader, S. 286.</ref> Heute führen unterschiedlich geschwungene und mit steinernen Balustraden versehene Freitreppen seitlich des neuen Anbaus von 1928 zu der verlängerten Mittelempore. Hinter dem hohen Rundbogenfenster über dem Portal befindet sich als Westempore die Herrschaftsloge. Über dem Fenster ist hier das Wappen der Familie von Falkenhausen, in Blau ein nach rechts schreitender Falke, aufgemalt.

Die Kirche hat Walmdächer und rustizierte Ecklisenen.<ref name="Dehio, S. 1080"/>

Ausstattung

Altar, Kanzel und Orgel sind übereinander angeordnet; die Gemeinde soll sich auf die Predigt und die Kirchenmusik konzentrieren. Der schlichte Altar, umgeben von einem Speisgitter mit goldenen Schnitzwerkfüllungen, weist ein Altarblatt von 1792 auf, das den Auferstandenen zeigt, wie er den Jüngern erscheint.<ref>Somplatzki, S. 12; Faltblatt zur Kirche.</ref> Die Kanzel mit einer Christusfigur als guter Hirte auf dem Schalldeckel ist wenig verziert, die Orgel in einer niedrigen, zurückgenommenen Empore weist an ihrem dreiteiligen Prospekt nur in geringem Maße Rocailledekor auf.

Ein barocker Taufstein, getragen von einer gefassten Putte, steht abseits rechts vom Altar, da vor dem Altar 1904 ein neugotischer Taufstein platziert wurde.<ref>Geschichte(n), S. 139; Somplatzki, S. 12.</ref>

Aus dem Vorgängerbau stammen zwei wohl abgelaugte, an den Westwänden der Seitenarme angebrachte Holzplastiken, die einen heiligen Bischof (vielleicht Willibald von Eichstätt)<ref name="Geschichten, S. 138"/> und den hl. Laurentius darstellen.

Orgel

Die heutige Orgel baute 2002 die Fa. Plum in Marbach; sie ersetzte eine Oettingsche Steinmeyer-Orgel von 1909.<ref name="Faltblatt zur Kirche"/> Sie verfügt über 17 Register auf Schleifladen mit mechanischer Spiel- und Registertraktur und Wechselschleifen in den Manualwerken. Das Instrument besitzt folgende Disposition:<ref>Befund 3. Novmbr 2023.</ref><ref>Gunzenhausen/Wald, St. Martin und Ägidius – Organ index, die freie Orgeldatenbank. Abgerufen am 29. März 2024.</ref>

I Manual C–
Prinzipal 8′
Gedackt 8′
Gambe 8′
Octave 4′
Traversflöte 4′
Quinte 3′
Octave 2′
Terz 135
Mixtur 113
Oboe 8′
II Manual C–
Gedackt 8′
Gambe 8′
Bifara (ab c) 8′ (Schwebung)
Traversflöte 4′
Kleingedackt 4′
Quinte 3′
Flöte 2′
Terz 135
Oboe 8′
Pedal C–
Subbass 16′
Violoctav 08′
Choralbass 04′ (Ext.)
Posaune 16′
Trompete 08′ (Ext.)
Trompete (aus HW) 08′

Glocken

1937 besaß die Kirche zwei Glocken, eine um 1400 gegossen, die andere von 1418 (mit Relief der Kreuzigungsszene).<ref>Gröber/Mader, S. 286; Geschichte(n), S. 140.</ref> Heute sind vier Glocken vorhanden.<ref name="Faltblatt zur Kirche"/>

Sonstiges

  • In die Kirchenmauer eingelassen ist eine Grabtafel des Preußischen Generalmajors Voit von Salzburg (bei Neustadt/Saale), der im Siebenjährigen Krieg als Grenadierhauptmann diente und im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg die markgräflichen, an England verkauften Regimenter anführte und am 14. Mai 1798 in Wald starb.<ref>Somplatzki, S. 12.</ref>
  • Aus der Walder Pfarrfamilie Bezzel stammte Dr. Hermann von Bezzel, * 1861, der 1891 Rektor der Diakonissenanstalt Neuendettelsau wurde und ab 1909 als Oberkonsistorialpräsident an der Spitze der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Bayern stand. Er wurde 1917 in Wald beigesetzt.<ref name="Geschichten, S. 141"/>
  • „An kirchlichen Gruppen gibt es bei uns den Posaunen- und Kirchenchor, den Seniorenkreis, den Frauenkreis, die Landjugend, den Flötenchor, die Mutter-Kind Gruppe, Kinderturnen mit Würmli sowie die Kindergottesdiensthelferinnen und über 50 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“<ref name="Faltblatt zur Kirche"/> Der Kindergarten der Pfarrei wurde um 1993 um eine zweite Gruppe erweitert.<ref>Geschichte(n), S. 143.</ref>

Würdigung

„Unter den zahlreichen sehenswerten Kirchen Altmühlfrankens hebt sich das Gotteshaus in Wald schon allein durch seine äußere Form hervor.“<ref>Somplatzki, S. 10.</ref> „Der Bau ist ein gutes Beispiel einer kargen, aber originellen Ausprägung der Kirchen im Stil der markgräflich-ansbachischen Predigtkirchen.“<ref name="Dehio, S. 1080"/>

Literatur

  • Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/3422030514 ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.
  • Karl Gröber und Felix Mader (Bearbeiter): Die Kunstdenkmäler von Mittelfranken. VI Bezirksamt Gunzenhausen. München: R. Oldenbourg-Verlag 1937, insbes. S. 284–287 (mit Abbildungen der Kirche vor 1928).
  • Heimatverein Wald-Streudorf (Hrsg.): Geschichte(n) aus Wald und Streudorf. Gunzenhausen: Emmy Riedel, Buchdruckerei und Verlag GmbH, 2009, insbes. S. 138–144.
  • Der BibISBN-Eintrag Vorlage:BibISBN/376969922X ist nicht vorhanden. Bitte prüfe die ISBN und lege ggf. einen neuen Eintrag an.
  • Johann Schrenk und Karl Friedrich Zink: GottesHäuser. Kirchenführer Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, Treuchtlingen: wek-Verlag, 2008, S. 236–238.
  • Werner Somplatzki: Kirchen in Altmühlfranken, Treuchtlingen: wek-Verlag 1990, S. 10–12.
  • St. Martin- & Ägidius-Kirche zu Wald. Faltblatt, o. O., o. J. (nach 2003)
  • M[artin] Winter: Gemeinde Wald. In: Landkreis Gunzenhausen, München, Assling: Verlag für Behörden und Wirtschaft R. A. Hoeppner, 1966, S. 254–256.

Weblinks

Commons: St. Martin und Ägidius (Wald) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references responsive />

Vorlage:Navigationsleiste Kirchengebäude im Evangelisch-Lutherischen Dekanat Gunzenhausen Koordinaten: 49° 7′ 49,1″ N, 10° 42′ 6,6″ O

 {{#coordinates:49,130306|10,701828|primary
   |dim=
   |globe=
   |name=
   |region=DE-BY
   |type=landmark
  }}