St. Magnus (Niedermarsberg)
St. Magnus ist eine katholische Pfarr- und Propsteikirche in Niedermarsberg im Hochsauerlandkreis. Die neugotische, dreischiffige Hallenkirche ist in der Denkmalliste der Stadt Marsberg eingetragen. Kirchenpatron ist der heilige Magnus von Trani.<ref>Schützenbruderschaft St. Magnus Niedermarsberg 1843 e. V. – Gemeinde</ref> St. Magnus ist eine Pfarrkirche des Pastoralen Raums Marsberg im Dekanat Hochsauerland-Ost des Erzbistums Paderborn.
Architektur und Geschichte
Erste Kirche
Den Grundstein zur ersten Kirche legte Abt Druthmar von Corvey (1019). Das Kloster Corvey hatte nämlich bereits seit dem 9. Jahrhundert die Verpflichtung, eine Kirche in Horhusen (früherer Name von Niedermarsberg) zu errichten und für die bauliche Unterhaltung zu sorgen. Am 27. Juli 1046 wurde die Kirche von Bischof Rotho von Paderborn als St.-Magnus-Kirche geweiht. Sie stand an der gleichen Stelle, an der auch die heutige Kirche steht, war aber bedeutend kleiner. Zusammen mit den nachträglich eingebauten Emporen und der Orgelbühne bot sie Platz für etwa 450 Personen. Als Ausstattung war anfänglich nur der Altartisch vorhanden, eine Orgel wurde 1653 aus Blomberg erworben. Der Aufsatz für den Hochaltar wurde 1682 gekauft und die Kanzel wurde 1696 angeschafft. Das Gebäude stand inmitten eines Friedhofes, auf dem bis 1807 die Toten beider Konfessionen bestattet wurden. Nach langer Vernachlässigung verfiel die romanische Kirche im 18. Jahrhundert, jegliche Renovierung unterblieb. Von Pfarrer Windraken OSB (1747–1756) ist folgende Aussage überliefert: Die Kirche der Gemeinde St. Magnus ist mehr einer Mördergrube als einem Gotteshause ähnlich.
Heutige Kirche
Seit 1823 versuchte die Kirchengemeinde, den preußischen Fiskus als Rechtsnachfolger des Klosters Corvey zum Bau einer neuen Kirche zu veranlassen. Die Bemühungen waren lange Zeit vergeblich, bis es dem tatkräftigen Pfarrer Theodor Caspari (1839 - 1887) nach vielen Verhandlungen 1852 gelang, eine Abmachung mit dem Fiscus über dessen Übernahme von 29.400 Taler zu erreichen.
Der Abbruch der alten Kirche begann am 14. September 1852. Nach Zukauf einiger angrenzender Grundstücke am Kirchplatz wurde am 3. August 1853 der Grundstein für die neue Kirche an der Südseite des Chores gelegt.
Die neue Kirche wurde als neugotische Hallenkirche mit drei Schiffen und fünf Jochen errichtet. Auf der Westseite ist ein quadratischer Turm vorgelagert. Treppengiebel stellen eine deutliche Abgrenzung zwischen Kirchenschiff und Turm sowie dem Chorraum dar. Der Plan stammte von dem Baukondukteur Friedrich Kronenberg.
Am 24. August 1856 wurde die Kirche durch den Paderborner Weihbischof Joseph Freusberg geweiht. Durch Urkunde des Paderborner Bischofs Konrad Martin vom 10. Mai 1973 wurde sie zur Propsteikirche erhoben.
Fenster
Die zehn Fenster des Kirchenschiffs wurden 1911 von der Glasmalereiwerkstatt Hertel in Düsseldorf angefertigt. Sie zeigen die acht Seligpreisungen der Bergpredigt sowie Szenen der Gottesmutter mit hl. Dominikus sowie die Kreuzabnahme.
Von den fünf Chorfenstern wurden 1959 die drei mittleren um 2,50 m verlängert und durch den Glasmaler Walter Klocke aus Gelsenkirchen gestaltet. Sie zeigen die drei Geheimnisse des Rosenkranzes.
Betkapelle
In der sogenannten Betkapelle im Zwischenhaus sind eine Marienkrone und der Hl. Antonius von Padua zu sehen. Er ist mit einem Franziskanergewand mit Jesuskind und Lilie gekleidet.
Die sechs bemerkenswerten Halbsäulen im Zwischenhaus sind mit walzenförmigen Schmuckkapitellen verziert. Die Ornamentik zeigt figürliche und pflanzliche Motive.
Ausstattung
Flügelaltar
Der Flügelaltar wurde 1920 in der Werkstatt der Gebrüder Marmon in Sigmaringen erbaut, ist aber nur noch in stark veränderter Fassung erhalten. Die Flügel sind beweglich und zeigen bei geöffnetem Zustand von links die Hl. Familie, die Taufe Jesu, die Auferstehung und die Hl. Dreifaltigkeit. Bei geöffneten Flügeln sind Ölgemälde mit den Motiven Christus auf dem Ölberg und Christus begegnet seiner Mutter auf dem Kreuzweg des Münchener Malers Franz Michael Ronge zu sehen. Zwischen dem Mittel- und den Seitenreliefs befinden sich vollplastische Figuren des Hl. Sturmius (links) und Hl. Magnus.
Der Tabernakel wurde 2020 wieder an ursprünglicher Stelle eingesetzt. Ebenfalls seit 2020 steht ein Holzkreuz aus dem 19. Jahrhundert wieder im Expositorium.
Bekrönt wird der Altar durch ein schlichtes Holzkreuz mit geschnitztem Corpus. Als Assistenzfiguren sind H. Maria und Hl. Johannes zu sehen.
Taufstein
Der Taufstein im vorderen westlichen Seitenschiff stammt aus dem Jahre 1874. Die Fa, Heukeshoven & Worringen aus Köln führte die Marmorarbeiten aus und die Fa. Wegmans ebenfalls aus Köln die Messingarbeiten.
Kreuzweg
Die 14 Stationen des Kreuzweges stammen aus den Jahren 1892 - 1895 und wurden durch den Niedermarsberger Künstler Franz Larenz geschaffen. Die Wiederherstellung der ursprünglichen Farbgebung und Rahmung wird angestrebt.
Triumphkreuz
Ein prächtiges Triumphkreuz befindet sich an der Stirnwand des nördlichen Seitenschiffes. Es ist eine spätgotische Arbeit vom Anfang des 16. Jahrhunderts.
Doppelmadonna
Im vorderen Langhaus befindet sich eine vom Gewölbe herabhängende Doppelmadonna. Sie wurde um 1700 von dem Bildhauer Heinrich Papen aus Giershagen geschaffen.
Kronleuchter
In der Mitte des Mittelschiffs hängt ein schmiedeeiserner zweigeschossiger aufwändiger Kronleuchter. Er wurde 1905 durch eine örtliche Kunstschmiede erstellt und war ursprünglich elektrisch beleuchtet. Nach einer zwischenzeitlichen Entfernung wurde er 1975 wieder aufgehängt und mit einer Kerzenbeleuchtung versehen.
Figurengruppe „Beweinung Christi“
An der Nordwand des linken Seitenschiffes befindet sich eine fast vollplastisch in Holz gearbeitete Figurengruppe mit Maria, Maria Magdalena und Johannes, die den Leichnam Jesu beweinen. Das Kunstwerk wurde 1939 durch die Marsberger Künstler Gebr. Larenz geschaffen.
Antependium
Das Antependium des Hochaltars der alten St. Magnuskirche ist in einer Nische des südlichen Seitenschiffs zu sehen. Es wurde 1753 von Johann Heinrich Biggen, einem Mitarbeiter der Papenwerkstatt in Giershagen, geschaffen. Dargestellt ist der Hl. Magnus mit ausgebreiteten Armen und Bischofsstab.
Relief „Heilige Familie“
Ein barockes Steinrelief mit einer Darstellung der Hl. Familie befindet sich im Turmuntergeschoß über dem Eingang zur Kirche. Es ist um 1710 von dem Bildhauer Heinrich Papen geschaffen worden und befand sich früher in der Josefskapelle.
Pfeilerheilige
Die vier Pfeilerheiligen stammen noch aus der ersten Kirche, sie stammen aus der Nachfolge der Papenwerkstatt. Der Hl. Johannes Nepomuk mit dem Birett wurde von 1740 bis 1750 von Johannes Pollmann angefertigt.
Figuren
- Der Kirchenpatron Magnus ist als Bischof mit Stab dargestellt, die Figur stammt noch aus der alten Magnuskirche, sie wurde um 1680 geschnitzt.
- Links vor dem Chor befindet sich eine Madonna. Die Arbeit stammt von den Bildhauern Gebrüder Larenz aus Niedermarsberg. Eine weitere Plastik aus derselben Werkstatt zeigt den Hl. Josef mit Jesuskind.
- Die Hl. Elisabeth von Thüringen wird gezeigt, wie sie Almosen an Bettler verteilt.
- Karl der Große ist in imposanter Pose mit Schwert und Kirche dargestellt.
- Der Abt Druthmar von Corvey ist im Benediktinergewand dargestellt, er trägt einen Abtstab.
- Der Hl. Vinzenz von Paul wird mit den Attributen Kreuz und Kind zu Füßen dargestellt.
- Der drachentötende Erzengel Michael hängt über dem Eingang zur Sakristei. Er wurde um 1750/60 von Johann Pollmann, einem Nachfolger der Papenwerkstatt geschaffen.
- Die Hl. Anna lehrt Maria das Lesen, diese Darstellung ist eine Arbeit des Johann Heinrich Biggen aus der Zeit um 1750 bis 1760.
- Die Hl. Apollonia wird mit dem Attribut eines in einer Zange gehaltenen Zahnes dargestellt.
- Der Hl. Liborius ist eine Arbeit von Heinrich Papen aus der Zeit um 1700. Das Attribut Teller mit Steinen wurde offensichtlich in späterer Zeit zugefügt.
Sonstige Ausstattung
- Es befinden sich seit 1938 Reliquien des hl. Sturmius in der Kirche.
- Ein Geläut mit elektrischen Läutemaschinen wurde 1937 angeschafft.
- Ein geschnitztes Antependium des ehemaligen Zelebrationsaltares, mit dem Kirchenpatron St. Magnus wurde 1753 von Johann Henrich Biggen hergestellt. Es zeigt den Heiligen mit ausgebreiteten Armen sowie Mitra und Bischofsstab.
- Eine weibliche Heilige aus Holz mit Lilienzweig und einem Buch stammt vom Anfang des 16. Jahrhunderts. Sie wird derzeit (2011) im Heimatmuseum ausgestellt.
- Der prächtige, zweigeschossige Kronleuchter aus Schmiedeeisen stammt vom Anfang des 19. Jahrhunderts.<ref name="Dehio">Ursula Quednau (Bearb.): Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Nordrhein-Westfalen, Band II: Westfalen. Deutscher Kunstverlag, Berlin / München 2011, ISBN 978-3-422-03114-2, S. 630.</ref> Er wurde 1905 in der Kunstschmiede Westermeyer angefertigt und war ursprünglich elektrisch zu beleuchten. Nach der Wiederentdeckung im Jahr 1976 wurde der Leuchter restauriert und die elektrische Beleuchtung wurde durch 32 Kerzenhalter ersetzt.
Orgel
Die Orgel wurde in den Jahren 2006 und 2009 von der Orgelbaufirma Fischer & Krämer (Endingen) erbaut. In diesem Instrument wurden vier Register der Vorgängerorgel wiederverwendet, die 1860 von dem Orgelbauer Franz Wilhelm Sonreck (Köln) mit 21 Registern auf zwei Manualen und Pedal erbaut worden war. Die heutige Orgel hat 32 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Trakturen sind mechanisch.<ref>Nähere Informationen zur Orgel</ref>
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- Anmerkung
- H = Historisches Register von Sonreck (1860)
Glocken
Im Turm von St. Magnus hängen fünf Kirchenglocken, die 1947 von der Glockengießerei Junker in Brilon gegossen wurden. Im Dachreiter hängt noch eine kleine Glocke von 1855, eine Kleppglocke, die als Chorglocke Verwendung findet und von 1974 - 2003 an das Marienhospital ausgeliehen war. Sie war von Glockengießer Jean Baptiste Dubois gegossen worden.<ref>Website Pastoraler Raum: Glocken von St. Magnus; hier auch Inschriften und ausführliche Informationen</ref>
| Glocke | Name | Durchmesser | Gewicht ca. | Schlagton | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Hl. Maria | 1653 mm | ca. 2550 kg | B°+3 | Festtagsglocke, läutet nur an Festtagen und zu besonderen Anlässen |
| 2 | Hl. Joseph | 1471 mm | ca. 1780 kg | c′+3 | Totenglocke; Stundenschlag |
| 3 | Hl. Magnus | 1236 mm | ca. 1100 kg | es′+8 | Glocke zu Ehren des Kirchenpatrons |
| 4 | Hl. Sturmius | 1086 mm | ca. 740 kg | f′+3 | zu Ehren des „Apostels des Diemeltals“, Viertelstundenschlag |
| 5 | Hl. Liborius | 978 mm | ca. 530 kg | g′+5 | zu Ehren des Patrons des Erzbistums Paderborn, Angelusglocke |
| VI | (Maria) | es″+12 | Kleppglocke, Chorglocke |
Literatur
- Norbert Schröer: Chronik der Propsteigemeinde St. Magnus in Niedermarsberg. Niedermarsberg 2006.
- Norbert Schröer, Ulrich Boxberger Kirchenführer: Propsteikirche St. Magnus in Niedermarsberg, Herausgeber Propsteigemeinde St. Magnus, Druck: Druckerei Boxberger
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 51° 27′ 36,6″ N, 8° 51′ 15,3″ O
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