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St. Jacobi (Göttingen)

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St. Jacobi vom Turm der St.-Johannis-Kirche aus gesehen.

St. Jacobi vom Turm der St.-Johannis-Kirche aus gesehen.

colspan="2" style="background:#CEDAF2; color:#Vorlage:Standardfarbe;" | Daten
Ort Göttingen
Baumeister Hans Rutenstein (Turm)
Baustil Gotik
Baujahr 1361–1433
Höhe 72 m

Die evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Jacobi in der Altstadt von Göttingen in Niedersachsen ist eine zwischen 1361 und 1433 errichtete dreischiffige gotische Hallenkirche. Kirchenpatron ist Jakobus der Ältere. Der Turm der Kirche ist mit seinen 72 Metern Höhe das höchste Gebäude der Göttinger Altstadt. Überregionale Bedeutung hat der gotische Flügelaltar aus dem Jahr 1402, welcher sich im Chor der Kirche befindet.

Geschichte

Gegen 1186 ließ Heinrich der Löwe oder sein Sohn Heinrich von Braunschweig den Vorgängerbau von St. Jacobi als Burgkapelle der Stadtburg Bolruz<ref>G. Eckhardt: Burgen, Schlösser und Klöster im Göttinger Land. Göttingen 2011.</ref> errichten, die 1245 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wird. Sie wurde dem heiligen Jakobus d. Ä. geweiht, dem Schutzpatron der Pilger. Ein möglicher Grund hierfür kann die Lage am Jakobsweg gewesen sein, der durch die Weender Straße verläuft.<ref>Vgl. hierzu Klara Wagner, Anna Luisa Walter: St. Jacobi. In: Göttinger Kirchen des Mittelalters. Hrsg. Christian Scholl, Jens Reiche. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2015, S. 182 f.</ref>

Diese Kapelle erwies sich jedoch mit der Zeit als zu klein, sodass 1350 von Herzog Ernst I. von Braunschweig-Göttingen erlaubt wurde, die Kirche zu vergrößern<ref>A. Arfken, K.-H. Bielefeld: St. Jacobi-Kirche Göttingen. Schnell und Steiner, Regensburg 2008.</ref>. So entstand in mehreren Bauabschnitten die heutige Kirche.

Als Erstes wurde an Chor und Langhaus gebaut. Den Baubeginn am Chor im Dezember 1361 dokumentiert eine (wohl nachträglich hierhin versetzte<ref>DI 19: Stadt Göttingen (1980) Nr. 8 Göttingen, St. Jacobikirche. In: Deutsche Inschriften Online, Niedersachsen, Bd, 19: Göttingen. Bearbeitet von Werner Arnold. 16. Dezember 2021, abgerufen am 12. Juni 2025.</ref>) Bauinschriften-Tafel<ref>Klara Wagner, Anna Luisa Walter: St. Jacobi. In: Göttinger Kirchen des Mittelalters. Hrsg. Christian Scholl, Jens Reiche. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2015, S. 152.</ref> in der Vorhalle. 1372 wurde ein päpstlicher Ablass ausgestellt, der die Spendenfreudigkeit der Gläubigen stärken sollte. 1383 ist ein Marienaltar im nördlichen Seitenschiff aufgestellt worden, sodass davon ausgegangen werden kann, dass das Kirchenschiff zu diesem Zeitpunkt bereits fertiggestellt war.

1387 wurde die nahe gelegene Stadtburg von Göttinger Bürgern vor dem Hintergrund einer Fehde mit dem amtierenden Herzog Otto III., genannt der Quade, bis auf die Grundmauern zerstört. Fortan trieben die Bürger der Stadt den Bau an St. Jacobi voran, wobei die Sakristei und der Westriegel entstanden.

1426–1433 entstand der stadtbildprägende hohe Westtum, dessen Spitze später verändert wurde und seit 1697 einen Fachwerkaufsatz mit einer barocken welschen Haube trägt.

1880/81 erfolgte nach Plänen des aus Göttingen stammenden Architekten Hans Grisebach eine Rekonstruktion der Portalvorhalle, die 1555 durch den herabstürzenden brennenden Turmhelm zerstört worden war.<ref>Klara Wagner, Anna Luisa Walter: St. Jacobi. In: Göttinger Kirchen des Mittelalters. Hrsg. Christian Scholl, Jens Reiche. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2015, S. 167, Abb. 87 (Foto des Vorzustandes) und S. 176.</ref>

Durchgreifend war die zwischen 1891 und 1898 von Conrad Wilhelm Hase geleitete Sanierung des Kirchenbaues und des Kircheninnenraums.<ref>Klara Wagner, Anna Luisa Walter: St. Jacobi. In: Göttinger Kirchen des Mittelalters. Hrsg. Christian Scholl, Jens Reiche. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2015, S. 177 ff.</ref> Dabei wurden beispielsweise am Außenbau fast alle mittelalterlichen Wasserspeier ersetzt. Von 1900 bis 1901 wurde der Innenraum unter der Leitung von Conrad Wilhelm Hase und Friedrich Jacob in Zusammenarbeit mit dem Superintendenten Karl Kayser im neugotischen Stil umgestaltet.<ref>Klara Wagner, Anna Luisa Walter: St. Jacobi. In: Göttinger Kirchen des Mittelalters. Hrsg. Christian Scholl, Jens Reiche. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2015, S. 179.</ref> Diese historistische Innenausstattung wurde 1960 bei einer Innenrenovierung wieder entfernt.<ref>Klara Wagner, Anna Luisa Walter: St. Jacobi. In: Göttinger Kirchen des Mittelalters. Hrsg. Christian Scholl, Jens Reiche. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2015, S. 150.</ref>

In den 1990er Jahren wurden die Fassaden des Kirchenschiffes nach mittelalterlicher Befundvorlage wieder verputzt. Von 2009 bis 2014 wurde das Natursteinmauerwerk des Kirchturms einschließlich des Turmaufsatzes umfassend restauriert.<ref>Klara Wagner, Anna Luisa Walter: St. Jacobi. In: Göttinger Kirchen des Mittelalters. Hrsg. Christian Scholl, Jens Reiche. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2015, S. 181.</ref><ref>Jörn Barke: Nach fünf Jahren: Kirchturm von St. Jacobi in Göttingen ist saniert. In: www.goettinger-tageblatt.de (Online-Ausgabe). Göttinger Tageblatt, 15. September 2014, abgerufen am 10. April 2021.</ref><ref>Jörn Barke: St. Jacobi: Ab Sonntag wieder mit Turmspitze. In: www.goettinger-tageblatt.de (Online-Ausgabe). Göttinger Tageblatt, 24. September 2010, abgerufen am 10. April 2021.</ref>

Turmbau

Datei:Göttingen, St. Jacobi, Turm, 2021.jpg
Turm der Jacobikirche (2021)

Der Göttinger Stadtchronist Franciscus Lubecus überliefert, dass 1426 ein dreijähriger Bauvertrag mit dem Hildesheimer Baumeister Hans (von) Rutenstein abgeschlossen wurde und der Turm 1459 mit einem damaligen Spitzhelm vollendet gewesen sei. Der Baubetrieb ist durch erhaltene Dokumente in einem Kopialbuch relativ umfangreich überliefert.<ref>Das Rechnung- und Kopialbuch der Kirche St. Jacobi in Göttingen. Bearbeitet von Josef Dolle. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-89534-989-8, S. 25 ff. – Zum Kopialbuch vgl. auch Annelies Ritter: Der Turm der Jacobikirche zu Göttingen. In: Göttinger Jahrbuch, Bd. 4, 1955/56, S. 68–75.</ref> Dabei war offenbar von Anfang an nur ein einziger, mittig über dem Westteil des Langhauses stehender Turm geplant. Steine für den Turm kamen aus der Wüstung Botleveshusen (nahe dem heutigen Mariaspring), aus Reinhausen und vom Hainberg.<ref>Das Rechnung- und Kopialbuch der Kirche St. Jacobi in Göttingen. Bearbeitet von Josef Dolle. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-89534-989-8, S. 27, 29.</ref>

Später wurde der Turm dreimal 1479, 1555 und 1642 durch Blitzschlag schwer beschädigt. Durch den dritten Schlag brannte er bis zum unteren Gewölbe aus und nur das Mauerwerk des Turmschafts blieb erhalten. Beim Wiederaufbau erhielt der Turm 1697 seinen jetzigen Fachwerkaufsatz mit einer barocken welschen Haube.<ref>Klara Wagner, Anna Luisa Walter: St. Jacobi. In: Göttinger Kirchen des Mittelalters. Hrsg. Christian Scholl, Jens Reiche. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2015, ISBN 978-3-86395-192-4 (Digitalisat, abgerufen am 12. Juni 2025), S. 150–195, hier S. 167 f.</ref> Zunächst als Provisorium gedacht, verleiht dieser Aufsatz der Kirche seither einen charakteristischen Akzent im Stadtbild. Der hohe Turm der Jacobikirche ist ein Göttinger Wahrzeichnen und ist bereits in frühen Stadtbeschreibungen als „der schönste Zierrath der Stadt Göttingen“<ref>Johann Daniel Gruber: Zeit- und Geschicht-Beschreibung der Stadt Göttingen. Nic. Försters und Sohns Erben, Hannover / Göttingen 1734, Zweityes Buch, S. 80. (Digitalisat, auf digitale-sammlungen.de, abgerufen am 11. Juni 2025)</ref> bezeichnet worden.

Architekturgeschichtlich fiel seit jeher die „frappierende Ähnlichkeit“<ref>Jens Reiche: Göttinger Kirchen des Mittelalters. Eine formgeschichtliche Einordnung. In: Göttinger Kirchen des Mittelalters. Hrsg. Christian Scholl, Jens Reiche. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2015, ISBN 978-3-86395-192-4, S. 9–48, hier S. 21 (Zitat), vgl. auch S. 36. (Digitalisat, abgerufen am 12. Juni 2025).</ref> mit den Türmen von St. Andreas in Braunschweig auf, da sich der Göttinger und die Braunschweiger Türme nur in Details unterscheiden. Bestätigt wird der formale Zusammenhang durch eine Braunschweiger Schriftquelle über die Berufung eines Baumeisters mit dem Namen „Jacob von Göttingen“. Allerdings ist in der architekturgeschichtlichen Forschung umstritten, ob die Türme von St. Andreas in Braunschweig als Vorbild desjenigen von St. Jacobi in Göttingen dienten oder umgekehrt.<ref>Jens Reiche: Göttinger Kirchen des Mittelalters. Eine formgeschichtliche Einordnung. In: Göttinger Kirchen des Mittelalters. Hrsg. Christian Scholl, Jens Reiche. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2015, ISBN 978-3-86395-192-4, S. 9–48, hier S. 37. (Digitalisat, abgerufen am 12. Juni 2025)</ref>

Die markante Vorhalle vor der Westfassade des Kirchturms war seit dem Blitzschlag und Einsturz des Turmhelms von 1555 Jahrhunderte lang eine Ruine<ref>Klara Wagner, Anna Luisa Walter: St. Jacobi. In: Göttinger Kirchen des Mittelalters. Hrsg. Christian Scholl, Jens Reiche. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2015, ISBN 978-3-86395-192-4 (Digitalisat, abgerufen am 12. Juni 2025), S. 150–195, hier S. 167, mit Abbildung der Ruine.</ref> und wurde 1880 nach Baubefunden als ein Frühwerk des Berliner Architekten Hans Grisebach wiederaufgebaut.

Die vorerst letzte umfangreiche Sanierung des Turms fand in den Jahren von 2009 bis 2014 statt.<ref>Kurzbeschreibung mit Namensnennungen der beteiligten Personen und Firmen in: Das Rechnung- und Kopialbuch der Kirche St. Jacobi in Göttingen. Bearbeitet von Josef Dolle. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-89534-989-8, S. 9 f. (Vorwort von Harald Storz).</ref>

Ausstattung

Datei:Gottingen kosciol sw Jakuba 2.jpg
Hallenkirche mit schmalen Seitenschiffen

Der bedeutendste Schatz im Kircheninneren ist der 1402 von unbekannten Künstlern gefertigte gotische Flügelaltar. Seine Alltagsseite zeigt acht Szenen aus der Legende des hl. Jakobus des Älteren, dem Patron der Kirche. Werden die Außenflügel geöffnet, zeigt sich die Sonntagsseite. Diese stellt in 16 Szenen die Jugend und Passion Jesu dar. Im vollständig geöffneten Zustand ist die Festtagsseite mit der Krönung Mariens zur Himmelskönigin, im Beisein von Heiligen zu sehen.

Zur weiteren Ausstattung gehören ein barocker Taufstein sowie die neugotische Kanzel, die im Zuge der von Jacob geleiteten Sanierung um 1900 in die Kirche kam. Ebenfalls aus dieser Zeit stammen die Glasfenster im Chor und im südlichen Seitenschiff.

Moderne Kunst findet sich in der Kirche seit 1997/98: Der fünfteilige Fensterzyklus auf der Nordseite von Johannes Schreiter übersetzt den 22. Psalm in Farbe, Linie und Licht. Seit 2002 befindet sich an der Ostwand des südlichen Seitenschiffs ein von Joachim Dunkel gestalteter Kruzifixus aus Bronze.

Die charakteristische, aus geometrischen Formen bestehende Ausmalung ist 1999 rekonstruiert worden und beruht auf spätgotischen Farbbefunden der Zeit um 1470/80.

Datei:Goettingen-St.Jacobi-Church-Tombstone.of.Marianne.Haller.1736.jpg
Grabstein der Marianne Haller († 1736) und ihres Sohnes Albert († 1738)

An den nahen Pilgerweg erinnern seit den 2000er Jahren eine bronzene Einlassung in Form einer Jakobsmuschel vor dem Westportal und eine Figur des Kirchenpatrons, die an der Ostseite der Kirche steht.

Orgeln

Datei:Göttingen St. Jacobi 03.jpg
Die Ott/Schmid-Orgel

Ott/Schmid-Orgel

Die Orgel von St. Jacobi wurde 1966 von dem Orgelbauer Paul Ott (Göttingen) erbaut. Das Instrument wurde zuletzt 2006/2007 umfassend durch Siegfried Schmid (Knottenried, Allgäu) renoviert und um neun Register in einem weiteren Schwellwerk, spielbar vom IV. Manual, und einen Subbass 32′ im Pedal erweitert. In diesem Zuge wurde die Orgel mit einer 4000-fachen elektronischen Setzeranlage ausgestattet, die die bisherige Lochkarten-Setzeranlage ersetzt. Das Instrument hat heute 67 Register auf vier Manualen und Pedal (4806 Pfeifen). Die Spieltrakturen sind mechanisch, mit Ausnahme des Subbass 32′, der elektrisch angespielt wird. Die Registertrakturen sind elektrisch.<ref>Nähere Informationen zur Orgel</ref>

I Rückpositiv C–g3
1. Praestant 8′
2. Holzflöte 8′
3. Quintade 8′
4. Oktav 4′
5. Rohrflöte 4′
6. Nasard 223
7. Superoktave 2′
8. Gemshorn 2′
9. Terz 135
10. Quinte 113
11. Mixtur IV-VII 1′
12. Dulzian 16′
13. Trichterregal 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
14. Großprinzipal 16′
15. Quintade 16′
16. Oktave 8′
17. Hohlflöte 8′
18. Oktave 4′
19. Gedackt 4′
20. Quinte 223
21. Superoktave 2′
22. Waldflöte 2′
23. Mixtur IV-VII 113
24. Scharf IV-VI 1′
25. Trompete 8′
Zimbelstern
III Brust-Schwellwerk C–g3
26. Metallgedackt 8′
27. Spitzgambe 8′
28. Prinzipal 4′
29. Spillgedackt 4′
30. Nasard 223
31. Oktave 2′
32. Flöte 2′ E
33. Tierce 135
34. Quinte 113
35. Septime 117
36. Superoktave 1′
37. Scharf IV-V 23
38. Rankett 16′
39. Krummhorn 8′
Tremulant
IV Schwellwerk C–g3
40. Bourdon 16′ N
41. Holzflöte 8′ N
42. Gambe 8′ N
43. Voix Celeste 8′ N
44. Prinzipal 4′ N
45. Traversflöte 4′ N
46. Mixtur V 223 N
47. Oboe 8′ N
48. Clarinette 8′
Tremulant N

IV Chamadenwerk C–g3
49. Spanische Trompete 16′
40. Spanische Trompete 8′
51. Spanische Trompete 4′
Pedal C–f1
52. Subbass 32′ N
53. Prinzipal 16′
54. Subbass 16′
55. Oktave 8′
56. Gedackt 8′
57. Spitzflöte 8′ N/E
58. Oktave 4′
59. Holzflöte 4′
60. Nachthorn 2′
61. Sesquialtera II 513
62. Rauschpfeife II 223
63. Mixtur VI 2′
64. Kontrafagott 32′
65. Posaune 16′
66. Trompete 8′
67. Clarine 4′
  • Koppeln: I/II, III/II, IV/I IV/II, I/P, II/P, IV/P
  • Anmerkungen:
N = 2007 (nachträglich) hinzugefügtes Register
E = Ersetztes Register (Nr. 32 bis 1985 None 89′, Nr. 57 bis 2007 Quinte 1023′)

Italienische Orgel

2014 wurde eine italienische Orgel angekauft, erbaut 1844 von Vicenzo Ragone aus Genua. Sie verfügt u. a. über ein Nachtigall-Register, das nach Vogelgezwitscher klingt.<ref>Artikel zur Orgel Hessisch Niedersächsische Allgemeine, abgerufen am 12. April 2016</ref> Die Orgel hat zudem eine besondere mitteltönige Stimmung (14 pythagoreisches Komma, a1= 440 Hz).<ref>Italienische Orgel. Abgerufen am 19. November 2016.</ref>

Manual CDEFGAH-c³, kurze Oktave
1. Principale 8′
2. Ottava 4′
3. Quintadecima 2′
4. Decimanona 113
5. Voce umana (Diskant) 8′
6. Flauto in
Duodecima (Diskant)
223
Tiratuttizug
7. Usignolo (Nachtigall)

Glocken

Datei:Inside the St. Jacobi church tower, Göttingen, Lower Saxony 02.jpg
Glockenstuhl
Datei:Goettingen-St Jacobi-20-Glockenspiel im Turm-2016-gje.jpg
Glockenspiel

Im 72 Meter hohen Turm der Kirche befindet sich ein vierstimmiges Geläute aus dem Jahre 1968, das durch eine historische Glocke von 1423 ergänzt wird. Letztere wurde vermutlich im 16. oder 17. Jahrhundert der Kirchengemeinde in Grone abgekauft und hing lange Zeit in der Laterne des Turmes, wo sie den Stundenschlag ausübte. 1942 wurde sie auf den Glockenfriedhof in Hamburg geliefert, 1947 kehrte sie zurück.

Das gleiche Schicksal hatte auch die kleine, 1626 im Eichsfeld gegossene Betglocke, die, da sie mit den anderen Glocken nicht harmoniert, gesondert geläutet wird (täglich 8.00 Uhr, 12.00 Uhr, 18.00 Uhr).<ref>Kanonen statt Glocken - Glocken statt Kanonen. (PDF) 2008, abgerufen am 19. November 2016.</ref> Zwei 1929<ref>Vor 50 Jahren: Oktober 1929. Zwei neue Glocken für St. Jacobirkirche. In: Göttinger Monatsblätter (Beilage zum Göttinger Tageblatt), 6. Jahrgang, Ausgabe 68 von Oktober 1979, S. 15.</ref> geweihte Glocken sind nicht erhalten.

Die Läuteordnung sieht vor, dass nur zu hohen Festtagen alle fünf Glocken erklingen. In der restlichen Zeit des Kirchenjahres wird abwechselnd eine ausgelassen, sodass nur vier Glocken erklingen. Drei dieser Glocken läuten wiederum am Samstag um 18.00 den Sonntag ein.

Glocke Gussjahr Gießer
(cm)
Gewicht
(kg)
Nominal
(16tel)
Anmerkung/
Besondere Verwendung
1 1968 Rincker, Sinn 134 1399 d1 Beerdigung
2 124 1078 es1
3 113 827 f1 Stundenschlag
4 1423 Henrich Heistirboum 105 625 g1
5 1968 Rincker, Sinn 84 345 b1 Taufe
Betglocke 1636 David Fobben 54 125 e2 Gesondert vom restlichen Geläut/
Morgen-, Mittags-, Abendläuten

Der Turm beherbergt zudem ein Glockenspiel, größtenteils ebenfalls von Rincker im Jahre 1968 gegossen, welches ursprünglich aus 15 Glocken bestand und bis zum Jahr 2023 auf 23 Glocken erweitert wurde.<ref>Göttingen: Ev.-luth. Kirche St.Jacobi. glockenspieler.de, abgerufen am 10. Mai 2025.</ref> Die zwei größten davon (c2 und d2) werden für den Viertelstundenschlag genutzt. Das Glockenspiel erklingt jeden Samstag um 11:30 Uhr.<ref>Orgel Glocken der Region Göttinger Tageblatt, abgerufen am 16. Januar 2015</ref><ref>Ernst Puschmann: Die Glocken von St. Jacobi: historisch, physikalisch, musikalisch. Göttingen 2011.</ref>

Sonstiges

Die heutige evangelisch-lutherische Kirchengemeinde von St. Jacobi hat etwa 2000 Mitglieder.

Die Kirche ist täglich von 11:00 Uhr bis 15:00 Uhr geöffnet, Freitag bis Sonntag häufig auch bis 18 Uhr.

Die Turmbesteigung ist seit der Schließung während der Covid-Pandemie aufgrund eines neuen Brandschutz-Gutachtens aktuell nicht mehr möglich.<ref>Jacobikirche, Aktuelles: Turmbesteigung</ref>

Literatur

(chronologisch)

  • Dieter Unckenbold, Karl-Heinz Bielefeld: Die Gotischen Pfarrkirchen in Göttingen, Heinz-Reise-Verlag, Göttingen 1953.
  • Wulf Schadendorf: Göttinger Kirchen (= Kleine Kunstführer für Niedersachsen, Heft 2). Göttingen 1953.
  • Annelies Ritter: Der Turm der Jacobikirche zu Göttingen. In: Göttinger Jahrbuch, Bd. 4, 1955/56, S. 68–75.
  • Hans Reuther: Architektur. In: Dietrich Denecke, Helga-Maria Kühn (Hrsg.): Göttingen, Geschichte einer Universitätsstadt. Band 1. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1987, S. 530, 536 f.
  • Bernd Carqué, Hedwig Röckelein (Hrsg.): Das Hochaltarretabel der St. Jacobi-Kirche in Göttingen (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 213. Studien zur Germania Sacra 27). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, ISBN 3-525-36284-6.
  • Aneliese Arfken und Karl-Heinz Bielefeld: Ev.-luth. St. Jacobikirche Göttingen (Schnell, Kunstführer Nr. 1142). Regensburg 2008
  • Yvonne Besser: Religiöse Bildsprache der nichtfigurativen Moderne: der Fensterzyklus zu Psalm 22 von Johannes Schreiter in der Jacobikirche Göttingen. Verlag Otto Lembeck, 2009.
  • Das Rechnung- und Kopialbuch der Kirche St. Jacobi in Göttingen. Bearbeitet von Josef Dolle. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-89534-989-8.
  • Klara Wagner, Anna Luisa Walter: St. Jacobi. In: Göttinger Kirchen des Mittelalters. Hrsg. Christian Scholl, Jens Reiche. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2015, ISBN 978-3-86395-192-4 (Digitalisat, abgerufen am 12. Juni 2025), S. 150–195. (Enthält auch zahlreiche historische Abbildungen)
  • Christian Scholl, Harald Storz: Sichtlich evangelisch. Die Glasfenster der Jacobikirche in Göttingen von 1900/1901 und die Hannoveraner Glasmalwerkstätten Henning & Andres und Lauterbach & Schröder. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2017 (= Katalog zur Ausstellung „Sichtlich evangelisch“ in der Göttinger Jacobikirche, 27. März – 23. Juli 2017), ISBN 978-3-86395-302-7 (Digitalisat auf univerlag.uni-goettingen.de, abgerufen am 10. Oktober 2022)

Weblinks

Commons: St.-Jacobi-Kirche (Göttingen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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Koordinaten: 51° 32′ 6″ N, 9° 56′ 8″ O

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