Zum Inhalt springen

St. Georgs-Orden (Habsburg-Lothringen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
St. Georgs-Orden
Datei:St.Georgs-Orden.png
Informationen
Protektorat Haus Habsburg-Lothringen
Großmeister Karl Habsburg-Lothringen
Prokurator Vinzenz Stimpfl-Abele
Stiftungsjahr 2008
Motto europäisch, christlich, wertkonservativ, karitativ,
elitär
Bandschnalle Datei:St. Georgs-Orden (Habsburg-Lothringen).png

Der St.-Georgs-Orden (offiziell St.-Georgs-Orden – ein europäischer Orden des Hauses Habsburg-Lothringen) ist ein „dynastischer Ritterorden“ der Familie Habsburg-Lothringen, der sich in der Tradition des ehemaligen Kaiserhauses des Heiligen Römischen Reiches, Österreichs, Ungarns und der weiteren ehemaligen Kronländer versteht.

Der Orden wird von der International Commission for Orders of Chivalry<ref>INTERNATIONAL COMMISSION FOR ORDERS OF CHIVALRY[1]</ref> als Ritterorden eines ehemals regierenden Hauses geführt.<ref>ICOC Register 2024, Seite 42</ref>

Geschichte

Gründung

Am 18. Jänner 2008 wurde unter maßgeblicher vorheriger Mitwirkung von Otto Habsburg-Lothringen, seinem Sohn Karl Habsburg-Lothringen und Vincenz Liechtenstein der St.-Georgs-Orden in vereinsrechtlicher Form geschaffen. In weiterer Folge erhielt der Orden am 24. April 2010 durch Otto Habsburg eine neue Verfassung.<ref>Die Welt – „Elitär, konservativ, europäisch“ vom 3. Februar 2008</ref> Auf dem Ordenskonvent am 30. April 2011 im Münster zu Neuberg an der Mürz wurde schließlich nach dem Tod Otto Habsburgs nach Proklamation durch den Großmeister Karl der „St.-Georgs-Orden – ein europäischer Orden des Hauses Habsburg-Lothringen“ als „Orden des Erzhauses“ bestätigt.<ref>St. Georgs-Orden: Geschichte, abgerufen am 5. September 2021.</ref> Als erster Prokurator fungierte Norbert van Handel, am Ordenskonvent in Kufstein am 22. April 2017 wurde Vinzenz Stimpfl-Abele zum Prokurator berufen. Der Schutzpatron des Ordens ist der heilige Georg als Sinnbild der Ritterlichkeit.

Vorläufer

Der Orden beruft sich auf den heiligen Georg als Schutzpatron und knüpft an die Tradition der Georgsorden im Königreich Ungarn wie im habsburgischen Österreich des Spätmittelalters an. Als Vorläufer werden der ungarische Georgsorden König Karl Roberts, der Drachenorden und der St.-Georgs-Orden Kaiser Friedrichs III. und Maximilians I. genannt. Da 2008 die Gründer des St.-Georgs-Ordens aus dem Kreis des Alten Ordens vom St. Georg stammten, wird dessen Geschichte ebenfalls angeführt, der Verweis auf eine angebliche Ordensstiftung durch Kaiser Heinrich VII. mangels Quellenmaterial verworfen.<ref>St. Georgs-Orden: Geschichte, abgerufen am 5. September 2021.</ref>

Struktur

Der St.-Georgs-Orden führt seine Geschäfte über einen Verein namens „Gesellschaft der Ritter des Sanct Georgs-Ordens (OSG) bzw. Society of Knights of the Order of St. George (OSG)“, der im österreichischen Vereinsregister eingetragen ist.<ref>Vereinsregister der Landespolizeidirektion Wien unter ZVR-Zahl 272649786. Impressum auf der Homepage des Ordens (abgefragt am 19. Juli 2023).</ref>

Der Orden versteht sich als europäisch und überparteilich. Er unterstützt den multinationalen alt-österreichischen Staatsgedanken, das verstärkte Erfordernis der Kooperation der Staaten Zentral- und Südosteuropas, bekennt sich zu einem geeinten selbstbewussten Europa und hat Komtureien in Österreich, Italien, Kroatien, Slowenien, Deutschland, Tschechien, der Schweiz, der Slowakei, Serbien, den Niederlanden, Ungarn und Großbritannien.<ref>Ordenskarte – St. Georgs-Orden. Abgerufen am 6. Februar 2026.</ref>

Ziele und Zusammenwirken

Der St.-Georgs-Orden setzt sich für ein vereintes christliches Europa und die traditionellen konservativen Werte ein.<ref>St. Georgs-Orden: Auftrag, abgerufen am 5. September 2021.</ref>

Maßgabe ist auch ein freundschaftliches Zusammenwirken der Ritter und Damen untereinander, vor allem mit dem Souveränen Malteserorden, den Johannitern, dem Deutschen Orden, den Rittern vom Heiligen Grab zu Jerusalem und dem Orden vom Goldenen Vlies.

Der St.-Georgs-Orden ist nach eigener Aussage ein karitativer Orden, der sich bemüht, das „achtfache Elend“ auf der Welt zu lindern beziehungsweise zu bekämpfen:<ref>St. Georgs-Orden: Auftrag, abgerufen am 5. September 2021.</ref>

Positionierung

Ab der russischen Invasion in die Ukraine 2022 positionierten sich der Ordensgroßmeister Karl Habsburg und der Orden gegen die russische Aggression.<ref>Karl Habsburg: "Mir fehlt jedes Verständnis, wenn man den Krieg über die Zahlungen für Energie mitfinanziert" in Der Standard vom 10. Mai 2022</ref><ref>Rede zur Zukunft Europas am 11. Jänner 2024</ref><ref>Hilfsprojekt der tschechischen Komturei für die Ukraine, März 2024</ref>

Kritik

Der Georgsorden kam im Zuge der Bundespräsidentenwahl in Österreich 2016 in öffentliche Aufmerksamkeit. Norbert van Handel, damals Prokurator des Georgsordens, engagierte sich für den FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer, selbst Ehrenritter des Ordens. Ehrenritter Erhard Busek verließ daraufhin den Georgsorden.<ref name="DiePresse-20160920" /><ref name="DiePresse-20161125">Erhard Busek verlässt elitären Ritterorden. („Der frühere Vizekanzler verlässt den St.-Georgs-Orden – zu dessen Mitgliedern auch Norbert Hofer zählt. Der Grund: Der Orden komme zusehends ‚in eine politische Optik, die ich nicht vertreten kann‘.“) In: Die Presse, 25. November 2016, abgerufen am 13. Mai 2019.</ref><ref>Offener Brief an Karl Habsburg von Lothringen von Dr. Erhard Busek. / Wien (OTS) – Geschätzter Herr Großmeister, lieber Karl! In: OTS/APA-Presseaussendung von Erhard Busek, 25. November 2016, abgerufen am 13. Mai 2019.</ref> Nach der Aussage von Karl Habsburg, dass es sich bei der EU-Fraktion Patrioten für Europa und damit auch der FPÖ um die 5. Kolonne Moskaus handelt, trat Norbert Hofer aus.<ref>"Fünfte Kolonne Moskaus": FPÖ-Politiker verlassen aus Protest St.-Georgs-Orden in: Der Standard vom 12. Jänner 2026</ref> 2019 wurde Johann Gudenus und Markus Tschank, gegen die im Zuge der Ibiza-Affäre ermittelt wurde, nahegelegt, den Orden zu verlassen.<ref name="Profil-20190904">Zu blaues Blut: Die FPÖ und der St. Georgs-Orden. In: Profil. 4. September 2019, abgerufen am 6. September 2019. („Die FPÖ hat den St. Georgs-Orden des Hauses Habsburg Schritt für Schritt unterwandert. Nun zog der Enkel des letzten Kaisers die Reißleine.“)</ref> Auch Ursula Stenzel verließ aus Protest den Orden.<ref>"Fünfte Kolonne Moskaus": Kritik an Habsburg reißt nicht ab im Standard vom 13. Jänner 2026, abgerufen am 14. Jänner 2026</ref>

Mitglieder (Auswahl)

„Der Orden ist nicht auf Österreich beschränkt, sondern hat ein weitverzweigtes internationales Netzwerk mit Schwerpunkt in den ehemaligen Habsburg-Ländern. ‚Komtureien‘, also Niederlassungen, gibt es auch in Slowenien, Kroatien, Tschechien, den Niederlanden, Ungarn, Italien und Großbritannien. Und auch international finden sich etliche prominente Mitglieder.“ (Die Presse, September 2016)<ref name="DiePresse-20160920">Martin Fritzl: Norbert Hofers elitärer Ritterorden. („Der freiheitliche Präsidentschaftskandidat Hofer ist Mitglied des St. Georgs-Ordens – so wie auch Erwin Pröll, Erhard Busek und Karl Schlögl.“) In: Die Presse, Printausgabe, 20. September 2016, abgerufen am 13. Mai 2019.</ref>

Wo es bekannt ist, ist dem Namen auch das Jahr der Aufnahme in den Orden vorangestellt. Bekannte Mitglieder (sogenannte „Ritter“, „Damen“, „Ehrenritter“, „Ehrendamen“ und „Geistliche Räte“) des St.-Georgs-Ordens sind:<ref name="StGO-Liste-20190513">St. Georgs-Orden → Struktur → Die Ordensregierung. Website des St. Georgs-Ordens in der Version vom 13. Mai 2019.</ref>

Ehrenritter und bekannte Ritter (nach Gelöbnis und Ritterschlag)

Ehrendamen und bekannte Damen (nach Gelöbnis)

  • Eva Demmerle (deutsche Autorin, Dozentin, ehemalige parlamentarische Assistentin im Europäischen Parlament von Otto Habsburg-Lothringen)
  • Camilla Habsburg-Lothringen (Unternehmerin, Protektorin der Ordensakademie des St.-Georgs-Ordens)
  • Eilika Habsburg-Lothringen (geborene Herzogin von Oldenburg, Protektorin der Ordensdamen des St.-Georgs-Ordens, Ehefrau von Georg Habsburg-Lothringen, stv. „Großmeister“)<ref name="StGO-Liste-20190513" />
  • Beatrix Karl (Bundesministerin a. D.; ÖVP)<ref name="DiePresse-20160920" /><ref name="StGO-Liste-20190513" />
  • Maria Schmidt (Historikerin, Generaldirektorin der Stiftung für die Erforschung der Geschichte und Gesellschaft Mittel- und Osteuropas (KTTKK))<ref name="StGO-Liste-20190513" /><ref>Nachlass von Kertesz steht Forschung offen. In: volksgruppen.ORF.at, 23. Dezember 2016, abgerufen am 13. Mai 2019: „Die Stiftung KTTKK wird von der umstrittenen Historikerin Maria Schmidt kontrolliert, die dem rechts-konservativen Ministerpräsidenten Viktor Orbán nahesteht. Kritiker werfen ihr vor, die Verantwortung Ungarns am ungarischen Holocaust zu leugnen.“</ref><ref>Greogor Dotzauer: Nachlass von Imre Kertész: Schicksal eines Schicksallosen. In: Der Tagesspiegel, 1. März 2018, abgerufen am 13. Mai 2019: „Mit Hafner am Tisch sitzt Mária Schmidt, die Generaldirektorin der Stiftung. Sie war zuletzt Generalbeauftragte für das Gedenkjahr 1956 und koordiniert neuerdings die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg. Schmidt, die durch das Erbe ihres Mannes András Ungár auch zu einer millionenschweren Unternehmerin wurde, der unter anderem das Wochenblatt ‚Figyelö‘ (Achtung) gehört, gilt seit Jahren als Chefhistorikerin der Fidesz-Regierung. Was Linkenhass, die rhetorische Jagd auf den Staatsfeind George Soros und antieuropäisches Ressentiment bei gleichzeitiger EU-Mitgliedschaft angeht, steht sie Viktor Orbán in nichts nach. …“</ref>
  • Gabriela Stimpfl-Abele (Unternehmerin, Präsidentin der Ordensdamen, Executive Director der IAA Austria, Bezirksrätin von Wien-Landstraße, ÖVP)<ref name="StGO-Liste-20190513" />
  • Maria Trauttmansdorff-Weinsberg<ref name="StGO-Liste-20190513" />
  • Verica Trstenjak (slowenische Rechtswissenschaftlerin, ehemalige Generalanwältin am EuGH, ehemalige Richterin am EuG.)<ref name="StGO-Liste-20190513" />
  • Silke Vollenhofer (Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats der Ordensakademie, Kunst- und Kulturwissenschaftlerin, Hochschullehrerin)<ref>Ordensakademie – St. Georgs-Orden. Abgerufen am 5. April 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Geistliche Räte

Bekannte ehemalige Mitglieder

Wappen und Ordensinsignien

Datei:Insignie des St. Georgs-Orden (Habsburg-Lothringen).png
Insignien des St.-Georgs-Ordens (Habsburg-Lothringen)

Der Orden führt eine gold- und weiß-emailliertes Malteserkreuz, überhöht von einer goldenen österreichischen Kaiserkrone. Auf dem gold umrahmten schwarzen Mittelmedaillon befindet sich die goldene Figur des berittenen und drachentötenden Heiligen Georg. Revers finden sich die goldenen Buchstaben VIRIBUS UNITIS auf schwarzem Grund.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

<references />46. https://www.tichyseinblick.de/interviews/david-engels-ritter-st-georg-orden/ 19. Mai 2024