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St. Bonifatius (Berlin-Kreuzberg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Berlin Bonifatiuskirche Kreuzung Detail.jpg
St. Bonifatius, Turmfassade zur Yorckstraße, 2011
Datei:Berlin Bonifatiuskirche Inneres2.jpg
Innenansicht, 2008
Datei:BonifatiuskircheBerlinL1130565 (2).jpg
Bonifatiuskirche, Innenhof der Kirche mit neogotischer Wohnbebauung

St. Bonifatius ist eine römisch-katholische Pfarrkirche im Berliner Ortsteil Kreuzberg. Sie wurde 1906/1907 nach Plänen von Max Hasak im neugotischen Stil zusammen mit einer Wohnanlage erbaut und dem Apostel der Deutschen geweiht. Das Patronatsfest wird am 5. Juni begangen.

Beschreibung

Die katholische St. Bonifatiuskirche ist ein Beispiel für eine späte Form der Neogotik, die in ihren Zügen schon wesentliche Ideen der Moderne aufnimmt. Dazu zählt die reduzierte Formensprache und die Abstraktion einiger Baukörper wie beispielsweise des Turmes.

Die Anlage wird im Wesentlichen durch drei Baukörper definiert, die sich auf dem rechteckigen Grundstück gruppieren. Einerseits die eigentliche Kirche und andererseits die Wohnbebauung, die das Gebäude links und rechts flankiert und sich über weite Teile im Hinterhof fortsetzt. Die Wohngebäude dienten dazu, den Bau der Kirche zu finanzieren. Die in Backstein im Klosterformat ausgeführte Kirche erstreckt sich in Nord-Süd-Ausrichtung entlang der Yorckstraße, die einen Teil des von James Hobrecht repräsentativ geplanten Generalszug darstellt. Die Wohnbauten aus Backstein im Normalformat folgen demselben Schema als Beispiel eines Binnenkomplexes, der Bezug auf die anschließende Bebauung von Riehmers Hof nimmt.

Bei dem Hauptraum handelt es sich um eine rechteckige querschifflose Halle, die nach Süden durch einen polygonalen dreiseitigen Chor abgeschlossen wird. An der Süd-West-Ecke schließt sich ein trapezförmiger Anbau an, der die gesamte Wandfläche in der unteren Zone einnimmt. Das Langhaus ist ein in fünf Jochen unterteilter Raum, der durch ein Sterngewölbe nach oben hin abgeschlossen wird. Die fünf eingezogenen und nach außen abgetreppten Pfeiler des Langhauses bilden jeweils weitere fünf Kompartimente, die an Seitenkapellen erinnern. Nach Norden wird das Bauwerk durch eine Doppelturmfassade abgeschlossen, die in ihrer Mitte noch ein Giebelfeld öffnet.

Die beiden symmetrisch gestalteten fünfgeschossigen Wohngebäude umrahmen in ihrem Grundriss die Kirche, wobei der östliche Flügel auf wesentlich mehr Fläche ausgeführt wurde.

Die Hofseitige Außenfassade ist insgesamt sehr schlicht gehalten. Die Fenster des Chores heben sich in ihrer Gestaltung nicht von den übrigen ab und bilden im oberen Bereich eine Rosette in romanischen Formen aus acht runden Feldern außen und einer größeren Öffnung innen, wobei das Mauerwerk auf dieser Fläche verputzt wurde. Darunterliegend befindet sich ein Triforium, das aus drei Spitzbogen gebildet wird, die im Bogenfeld eine runde Fensteröffnung aufweisen und jeweils zwei Felder umfassen. An den Ecken des Chores befinden sich Wasserspeier auf Höhe des Traufgesimses. Das steile Satteldach verfügt am zentralen Punkt über dem Chor über einen simpel gestalteten Dachreiter, der Platz für eine einzelne Glocke bietet. Das auffälligste Merkmal der Kirche ist die monumentale zweitürmige Nordfassade, mit einem großen Giebelfeld in der Mitte. Die unten von einem profilierten Werksteinsockel abgeschlossene Fassade ist im schlesischen Verband gemauert und bis auf drei Gesimse aus Profilsteinen vollkommen plan. Die Teilung in drei große vertikale Wandflächen erfolgt durch die fünfseitigen über die gesamte Fassade laufenden Pfeilervorlagen.

Das Bauwerk wird zentral über das mittig liegende spitzbogige Doppelportal erschlossen, das nach oben von jeweils einem Wimperg bekrönt ist. Die eigentlichen Türen mit Oberlicht sind durch einen Segmentbogen gefasst. Über dem Eingangsportal befindet sich eine sechsachsige Blendarkade, deren Fenster jeweils von einem Sechspass bekrönt sind. Zwischen Blendarkade und Giebelfeld befindet sich eine große Fensterrosette, die aus sechs Halbkreisen außen und einer Kreisblende innen gebildet wird. Das innenliegende Maßwerk aus Formziegeln ist durch wiederkehrende Nonnenköpfe und Nasen geprägt. Wie auch am Langhaus ist das umliegende Mauerwerk von weißem Putz bedeckt. Das zentrale Gestaltungselement der Fassade ist der siebenachsige abgetreppte Blendgiebel. Die untere der beiden Ebenen, die durch ein Gesims getrennt werden, ist in den einzelnen Feldern jeweils zweimal durchbrochen und endet oben in zwei kleinen kreisrunden Blenden. Nahezu das gleiche Muster findet sich auf der oberen Hälfte, wobei ein einziges sechspassiges Luftfenster mit bekrönendem Wimperg den Abschluss bildet. Das rahmende Stabwerk läuft nach oben hin in kleine Fialen aus.

Während die Türme im untersten Geschoss noch kleine Blendarkaden aufweisen, besteht der Bauschmuck im ersten Geschoss schon aus einer Fensterrosette mit Maßwerk aus Formsteinen. Im zweiten Geschoss befinden sich drei schmale Fenster, wohingegen darüberliegend nur noch ein schmales Fenster vorhanden ist. Die Türme sind auf Höhe der zweiten Ebene des Blendgiebels durchbrochen und werden durch Stabwerk gegliedert, bevor sie in einem abgetreppten Wimperg enden und daraufhin von den Turmhelmen aus grün oxidiertem Kupfer bekrönt werden. Die vier Pfeilervorlagen, die die Hauptfassade gliedern, gehen am Turmabschluss in vier eckseitige Türmchen über, die jeweils eine eigene Kupfereindeckung besitzen.

Geschichte

Im Ortsteil Kreuzberg war im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts die Zahl der katholischen Einwohner parallel zur allgemeinen Bevölkerungsentwicklung der Reichshauptstadt sprunghaft gestiegen. Nachdem in den 1890er Jahren im Großraum Berlin acht repräsentative katholische Kirchen entstanden waren, war von der Kirchenleitung jedoch ein Sammlungsstopp verfügt worden und die 1894 gegründete – inzwischen 13.000 Mitglieder umfassende – Kreuzberger St.-Bonifatius-Pfarrei sollte sich weiterhin mit einem viel zu kleinen Provisorium behelfen. 1901 gründete der damalige Pfarrer Schlenke eigenmächtig einen Kirchbauverein, dem es in wenigen Jahren gelang, einen hinreichenden Grundstock zur Baufinanzierung zusammenzubekommen. Das Grundstück in der Yorckstraße wurde gekauft und der Kirchbau so geplant, dass auf beiden Seiten der Kirche Mietshäuser angefügt wurden, die langfristig zur Schuldentilgung beitragen sollten. Am Bonifatiustag 1906 fand die Grundsteinlegung statt und bereits im Jahr darauf konnte die neue Kirche geweiht werden.

In den folgenden Jahren, unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg, erfolgte die Innenausstattung. Ab 1927 wurden auch figurenreiche Buntglasfenster eingesetzt.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude nicht zerstört, brannte allerdings vollständig aus. 1946 wurde es nach provisorischer Herrichtung wieder in Gebrauch genommen. Die heutige Innengestaltung wurde 1966 durch Paul Brandenburg geschaffen. 1969 kam das großflächige Bild von Fred Thieler hinter dem Altar hinzu.

Die Bonifatiusgemeinde sieht sich mitbetroffen vom tiefgreifenden Struktur- und Bevölkerungswandel des Ortsteils Kreuzberg und reagiert darauf mit vielfältigen Angeboten, aber auch mit Reduktions- und Konzentrationsmaßnahmen. Die Tochterkirche St. Agnes wurde aufgegeben. Ihr Pfarrgebiet wurde zusammen mit dem der St.-Johannes-Basilika zur neuen Bonifatiuspfarrei zusammengeführt.

Seit Januar 2021 ist die Kirche Pfarrkirche der durch Fusion neugegründeten Pfarrei Bernhard Lichtenberg. Diese umfasst neben St. Bonifatius die früheren Pfarreien St. Marien Liebfrauen, die Dompfarrei St. Hedwig mit St. Michael (Mitte) und Herz Jesu.

Ausstattung

Innenraum

Diese Raumgestaltung wirkt umso unmittelbarer, seit als Folge der Schäden des Zweiten Weltkriegs alle inneren Bemalungen, ornamentreichen Ausstattungsstücke und auch die farbigen Fenster verschwunden sind. Die von Paul Brandenburg geschaffenen Stücke, der monumentale Altar, der Ambo, die Tabernakelstele und das schlanke griechische Hängekreuz, stehen mit starker Eigenwirkung in der neugotischen Halle. Einen transzendenten Farbakzent setzt das bewegt abgestufte Blau des großen Hinter-Altar-Gemäldes von Thieler.

Glocken

In der Glockenstube hängt ein Geläut aus drei Gussstahlglocken, 1922 gegossen von Schilling & Lattermann.

Schlag­ton Gewicht
(kg)
Durch­messer
(cm)
Höhe
(cm)
Inschrift
cis' 2650 186 140 ANNO DOMINI MDCCCCXXII S. BONIFATI + ORA + PRO + NOBIS + PAROCHUS ROBERTUS SCHLENKE
EX AERE IN FERRUM DIRUM CONVERTIT NOS BELLUM.
e' 1570 160 117 ANNO DOMINI MDCCCCXXII S. MARIA, REGINA PACIS, DA PACEM IN DIEBUS NOSTRIS.
fis' 1150 140 103 ANNO DOMINI MDCCCCXXII S. ROBERTE, ORA PRO NOBIS ET IN BELLO DEFUNCTIS ANNO DOMINI.

Orgel

Die Orgel wurde 1992 von der Orgelbaufirma Stockmann (Werl) für die St. Agnes-Kirche erbaut, und im Jahr 2011 in die St. Bonifatius-Kirche umgesetzt. Das Instrument hat 30 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Trakturen sind mechanisch.<ref>Nähere Informationen zur Orgel</ref>

I Hauptwerk C–g3
Bordun 16′
Prinzipal 08′
Rohrflöte 08′
Oktave 04′
Spitzflöte 04′
Waldflöte 02′
Cornett V 08′
Mixtur V 02′
Trompete 08′
II Schwellwerk C–g3
Harfenprinzipal 08′
Bordun 08′
Viola da gamba 08′
Prinzipal 04′
Traversflöte 04′
Nasard 0223
Schwiegel 02′
Weitterz 0135
Larigot 0113
Mixtur IV 0113
Basson 16′
Hautbois 08′
Tremulant
Pedal C–f1
Prinzipalbass 16′
Subbass 16′
Oktavbass 08′
Gedacktbass 08′
Choralbass 04′
Posaune 16′
Trompete 08′
Clairon 04′

Des Weiteren existiert eine Chororgel, die ebenfalls 1992 von den Gebr. Stockmann errichtet wurde. Sie besitzt 5 Register auf mechanischen Schleifladen.<ref>Berlin / Kreuzberg – St. Bonifatius (Chororgel) – Orgel Verzeichnis – Orgelarchiv Schmidt. Abgerufen am 30. Dezember 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Literatur

Weblinks

Commons: St. Bonifatius – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 52° 29′ 33,7″ N, 13° 23′ 9,3″ O

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