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St. Anna (Haltern am See)

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Datei:Kapelle Haltern Annaberg.jpg
St.-Anna-Kapelle

St. Anna, gewidmet der heiligen Anna/Anna selbdritt, ist eine Wallfahrtskapelle und -kirche in Haltern am See auf dem 74,5 m hohen Sankt Annaberg, einem Südausläufer der Hohen Mark. Sie gehört zur Pfarrei St. Sixtus Haltern am See im Kreisdekanat Recklinghausen des Bistums Münster.

Geschichte

In römischer Zeit bestand auf dem Annaberg das erste der römischen Militärlager in und um Haltern.<ref>John Rich: The Augustan settlement. Roman history 53–55.9. Aris&Phillips, London 1990, ISBN 0-85668-383-3, S. 213 (Übersetzung und ausführlicher Kommentar zur Römischen Geschichte von Cassius Dio).</ref>

Die Kapelle auf dem Annaberg wurde 1378 als St. Anna selbdritt erwähnt. Der Annaberg, vormals Königsberg,<ref name="Annaberger Wallfahrt">Pfarrei St. Sixtus: Annaberger Wallfahrt. Wallfahrtsort Haltern am See. Haltern 2024, S. 5.</ref> ist seit 1556 ein Wallfahrtsort. In diesem Jahr brach auf dem Annaberg eine Quelle auf, der heilsame Wirkungen zugeschrieben wurden.<ref name="Annaberger Wallfahrt" /> 1653 wurde unter der Leitung des Pfarrers Boeker aus den Spenden der Pilger zum Annenbrunnen mit dem „heiligen Wasser“ das erste Bethaus errichtet. Der wachsende „tholoep“ (niederdeutsch: Zulauf, Zustrom) der Pilger, wie es in der Pfarrchronik heißt,<ref>Hans-Günther Schneider: Chronik des Pfarrers Antonius Thewes, Pfarrer zu Haltern von 1739–1781, Haltern 1983.</ref> beeindruckte Christoph Bernhard von Galen, Fürstbischof von Münster, der 1665 bei einem Besuch auf dem Annaberg die Wallfahrt erlebt hatte. Er bewog den Provinzial der Jesuiten, Mitbrüder als Seelsorger der Pilger zum Annaberg zu entsenden. Die Patres blieben dort auch nach der Aufhebung des Jesuitenordens, bis der letzte Jesuit in Haltern 1788 starb. Danach übernahmen die Pfarrer von St. Sixtus Haltern die Pilgerseelsorge.<ref>Aegidius Müller: Das heilige Deutschland. Geschichte und Beschreibung sämmtlicher im deutschen Reiche bestehender Wallfahrtsorte, 3. Aufl. Schafstein, Köln 1900, Band 2, S. 95.</ref>

Datei:AnnaHaltern.JPG
Gnadenbild der hl. Anna selbdritt

Die Doppelkirche St. Anna

Alte Wallfahrtskapelle St. Anna

1674 ließ Pfarrer Johannes Nottebohm die heutige schlichte Kapelle als Saalkirche erbauen, mit einem Kreuzgrat- und Stichkappengewölbe und mit einem eingezogenen Chorraum mit Fünfachtelschluss.<ref name="Ulrich Menkhaus">Art. Haltern St. Sixtus. In: Ulrich Menkhaus (Red.): Das Bistum Münster, Bd. 3: Die Pfarrgemeinden. Regensberg, Münster 1993, S. 276–279, hier S. 278: Absatz Wallfahrtskirche St. Anna, Annaberg.</ref> Den Bau finanzierte Bischof Christoph Bernhard von Galen.<ref>Olaf Manke, Alfred Stemmler: Die Tochter des Hexenjägers. Recklinghausen, die Pinkernell und die Jesuiten, Spurensuche in der Frühen Neuzeit. Books on Demand, Norderstedt 2022, ISBN 978-3-7534-2469-9, S. 183.</ref> Vermutlich 1691, auf dieses Jahr lässt jedenfalls eine dortige Inschrift schließen, wurde an den ersten Chor ein zweiter, niedrigerer Chor angebaut, ebenfalls mit Fünfachtelschluss. Ein Dachreiter mit einer Zwiebelhaube erhebt sich im Westen der Kapelle.<ref name="Ulrich Menkhaus" />

Das Ziel der Pilger ist das Gnadenbild einer Anna selbdritt, das am Ende des 15. Jahrhunderts von einem unbekannten niederrheinischem Meister geschnitzt worden war. Es stand ursprünglich in der Kapelle auf dem (heutigen) Tannenberg in der Hohen Mark bei Lippramsdorf, der deshalb damals „Annaberg“ hieß.<ref>Julia Ziegler: Findbuch J 298 zum Pfarrarchiv Haltern St. Sixtus (1385–2013), Depositum im Bistumsarchiv Münster. Münster 2024, S. III.</ref> Infolge des „Umzugs“ der Anna-selbdritt-Statue bekamen ihr alter wie ihr neuer Standort neue Namen: Aus dem „Annaberg“ wurde der Tannenberg, aus dem bisherigen Königsberg wurde der neue „Annaberg“.

Zur Ausstattung der Kapelle gehört ein Kirchenfenster mit dem Motiv des brennenden Dornbuschs.

Datei:Annabergkirchen Südansicht 2016-11-30 Haltern-9792.jpg
Die alte Wallfahrtskapelle St. Anna (rechts) und die neue Wallfahrtskirche St. Anna (links), im Vordergrund die Bänke für die Gottesdienste im Freien

Neue Wallfahrtskirche St. Anna

Von 1967 bis 1969 wurde an die alte Kapelle ein weit größeres, modernes Kirchengebäude mit 1300 Sitzplätzen angebaut.<ref name="Ulrich Menkhaus" /> Deren Orgel wurde 2026 durch die größere Klais-Orgel aus der 2025 abgebrochenen Kirche St. Laurentius in Haltern ersetzt.<ref>Thomas Drees: Die Klais-Orgel in der Annabergkirche, abgerufen am 2. März 2026.</ref>

Bei gutem Wetter wird die Heilige Messe sowohl in der Kirche als auch außerhalb vor der Kirche gefeiert.

Ein Ausschuss des Rates der Stadt Haltern entschied, dass die Kirche in die Denkmalliste eingetragen wird, nach dem der Landschaftsverband Westfalen-Lippe sie für denkmalwert erklärt hatte.<ref> Katharina Göke: Pilgerkirche St. Anna in Haltern wird Denkmal. In: Ruhr Nachrichten, Kultur, 13.03.2026. </ref>

Wallfahrtsanlage

Weiterhin existiert aus dem 17. Jahrhundert ein Kreuzweg mit teils erhaltenen Bildstöcken und mit modernen Sandsteinreliefs von Joseph Krautwald sowie eine Mariengrotte aus Halterner Sandsteinen. Letztere ist in eine Aushöhlung des Berges gebaut.

Schlesierwallfahrt

Datei:Haltern, Annaberg, Gedenksäule 01.jpg
Gedenksäule der Oberschlesier

Seit 1945 finden auf dem Halterner Annaberg die Annaberg-Wallfahrten der Schlesier statt, die an den schlesischen St. Annaberg erinnern und die Wallfahrten dorthin fortführen.<ref>Viktor Kupka: Schlesierwallfahrten zum Annaberg in Haltern. In: Halterner Jahrbuch, Jg. 8 (1994) S. 91–92.</ref> In der Nachkriegszeit kamen jährlich rund 10.000 Schlesier zum Annaberg bei Haltern.<ref>Johannes Bernard: Freundeskreis macht Annaberg wieder attraktiv. In: Kirche+Leben, 31. Oktober 2021, S. 5.</ref>

1981 wurde beim Kreuzweg durch die Landsmannschaft der Oberschlesier eine Gedenksäule errichtet.<ref>Oberschlesien im Münsterland. Der Annaberg in Haltern. In: Heimatbrief der Katholiken des Erzbistums Breslau, Jg. 1981, S. 60–61.</ref> Gestaltet wurde sie von dem in Beuthen geborenen Künstler und Franziskanerpater Laurentius Ulrich Englisch.<ref>Dietrich Hackenberg: Wallfahrtskapelle in Haltern. In: Fremde Impulse. Baudenkmale im Ruhrgebiet. Herausgegeben vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe, abgerufen am 2. März 2026.</ref> Auf der Bronzestele, die eine Anna-selbdritt-Gruppe trägt, sind Orte und Personen aus der deutschsprachigen christlichen Geschichte Schlesiens abgebildet.<ref>Laurentius Ulrich Englisch: St. Annaberg Haltern (in der Schriftenreihe Oberschlesien – Gedächtnisstätten). Herausgegeben von der Landsmannschaft der Oberschlesier, Landesgruppe Nordrhein-Westfalen. Husum Druck- und Verlagsgesellschaft, Husum 1981.</ref>

Einrichtungen auf dem Annaberg

Auf dem Annaberg gibt es – außer den Wallfahrtsstätten – ein Pilgercafé, Gästehäuser, das Könzgenhaus (eine Heimvolkshochschule der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), benannt nach Gottfried Könzgen), eine stationäre Einrichtung für Altenpflege (St.-Anna-Altenheim) und die Jugendbildungsstätte Gilwell St. Ludger der Deutschen Pfadfinder*innenschaft Sankt Georg.

Literatur

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Hans-Günther Schneider: Wallfahrtskirche Annaberg (in der Reihe Kleine Kunstführer, Heft 1340). Verlag Schnell & Steiner, Regensburg, 3. Aufl. 1998, ISBN 3-7954-5047-0.
  • Bruno Pottebaum: Wallfahrtskirche Annaberg bei Haltern und Halterner Kreuz. In: Egon Mielenbrink (Hrsg.): Die Wallfahrtsorte im Bistum Münster. Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer 2005, ISBN 3-7666-0614-X, S. 74–81.
  • Hans-Günther Schneider: Andachtsbildchen und Wallfahrtsfähnchen vom Annaberg bei Haltern. In: Halterner Jahrbuch, Jg. 2020, S. 37–41.

Weblinks

Commons: Wallfahrtsbezirk Annaberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 51° 43′ 33,1″ N, 7° 9′ 19,5″ O

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