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St.-Bartholomäus-Kapelle (Wiesenbach)

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Datei:St. Bartholomäus Kapelle 1.JPG
Die St.-Bartholomäus-Kapelle bei Sankt Vith

Die St.-Bartholomäus-Kapelle in Wiesenbach in der belgischen Eifel, etwa zwei Kilometer südöstlich der Stadt Sankt Vith (Ostkantone), wurde im 9. Jahrhundert erbaut und im Jahre 876 erstmals erwähnt. Sie ist das älteste Kulturerbe des St. Vither Landes und steht seit 1937 unter Denkmalschutz.<ref>Eintrag 30998 in der Kulturerbeliste Ostbelgiens</ref> Die Kapelle steht etwas versteckt unter uralten Lindenbäumen in einem historischen Friedhofsgelände und ist von einer naturbewachsenen Trockenmauer umgeben.

Wallfahrtsort

Datei:St. Bartholomäus (Wiesenbach) 21.jpg
Der Altarraum in der St.-Bartholomäus-Kapelle

In den vergangenen Jahrhunderten war die Kapelle als Wallfahrtsort zu Ehren des heiligen Bartholomäus, des Schutzpatrons der Gerber und der Landbevölkerung, bekannt. Dorthin pilgerte man, um dem Heiligen für eine gute Ernte zu danken und vor allem, um Segen für die Saat und gute Erträge im kommenden Jahr zu erbitten. Am Bartholomäustag, dem 24. August, kamen die Bewohner der umliegenden Orte prozessionsweise und brachten Naturalien, meistens lebende Hühner, als Opfergaben mit. Da die Verehrer des heiligen Bartholomäus nur Bauern oder mit Landprodukten Beschäftigte (wie Gerber und Lohnarbeiter) waren, wurde nach dem Gottesdienst über Getreide, Vieh, Wald und deren Nebenprodukte, Häute, Lohe und Saat debattiert und es wurden auch Geschäfte abgeschlossen. Die Vorhalle gestaltete sich zu einer Art Börse für Saatgut und andere Landprodukte.

Gerichtsstätte

Der Eifeler Geschichtsforscher Michael Bormann berichtet: „Hier selbst versammelten sich nach alter unnachweislicher Sitte jährlich auf Bartholomäus-Tag die hohen Gerichtsherrn mit Mayer und Schöffen des Gerichtshofs St. Vith, unter einer über die (antiken) Hügel errichteten Laubhütte, wo sie durch ein Mittagsmahl das Fest beschlossen. Unter dem Gerichtsherrn Philips von Baring 1793 wurde diese Feierlichkeit zuletzt begangen.“

Heinrich Neu hat die Vorhalle der Kapelle eingehend als Ort alter Gerichtsbarkeit beschrieben.<ref>Heinrich Neu: Die Kapelle Wiesenbach, eine frühe Saalkirche und eine alte Gerichtsstätte. (Schriftenreihe des Geschichtsvereins Zwischen Venn und Schneifel, Nr. 8.) St. Vith, 1974.</ref> Ein Prekarievertrag aus dem Jahre 915 gibt erste Einblicke in die frühe, kaum erforschte Vergangenheit. Er belegt die Existenz eines fränkischen Gutshofes Wison-Bronna zwischen der alten Römerstraße KölnBastogneReims und den Wasserläufen Our, Braunlauf Harne- (Enten-) und Rebach (Eiterbach) und die Verbindung des Gebietes zur Abtei Malmedy-Stavelot.

Herkunft des Ortsnamens Wiesenbach

Der oben erwähnte Michael Bormann wusste 1834 von fünf Hügelgräbern vor der Kapelle zu berichten. Alte Lindenbäume und eine überwucherte Umfassungsmauer lassen einen heiligen Hain der Urvorfahren erahnen. Die in alten Schriften überlieferte Ortsbezeichnung Wison-Bronna eröffnete Vermutungen zu einem Quellheiligtum einer vorrömischen Fruchtbarkeitsgöttin (der ubischen Schutzgöttin Wisona). Die Christianisierung ersetzte den heidnischen Kult durch den der heiligen Luzia, der „Lichtbringerin des Glaubens“, und änderte die Ortsbezeichnung auf Wisi-Bronna – die Gute Quelle. Die Mundart formte den Namen Wisebesch und das Deutsche banalisierte auf Wiesenbach.

Der mit frommen Legenden ausgeschmückte Translationsbericht eines Mönchs aus Malmedy beschreibt die geschichtlich belegte Übertragung der Reliquien der Heiligen Quirinus von Malmedy, Nicasius und Scubiculus im Jahre 876 von Frankreich nach Malmedy. Er belegt damit deren Übernachtung in einem festen Bau in der „Villula Wisi-Bronna“ und erwähnt zugleich erstmals die Wiesenbacher Kapelle.

Wandmalereien

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Fresko in der St.-Bartholomäus-Kapelle
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Fresko in der St.-Bartholomäus-Kapelle

„Eine seltene Perle“, sagte die belgische Königin Fabiola spontan bei ihrem Besuch im Juni 1989. Tatsächlich verbirgt die abseits gelegene Kapelle mit ihrer auf Säulen ruhenden Vorhalle Schätze von kulturellem und geschichtlichem Wert.

Bei Anstricharbeiten wurden 1982 im Chorraum bis dahin unbekannte, erstaunlich intakte Wandmalereien unter einer Reihe von Farbschichten entdeckt. Zur gleichen Zeit kam ein auf Holz gemaltes Bild unter einer Leinwand auf dem Altaraufbau zum Vorschein. Es stellt die drei Patrone der Kapelle dar: den heiligen Bartholomäus, die heilige Luzia und den heiligen Hubertus unter dem Kreuze.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie (Memento des Vorlage:IconExternal vom 29. Dezember 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.st.vith.com Text mit Genehmigung der Fördergemeinschaft Sankt Vith und des Autors Joseph Dries von der Homepage st.vith.com übernommen</ref>

Die Wandmalereien – vermutet wird, dass es sich um Temperamalereien handelt – wurden 1984/85 durch das Königliche Institut für das Kulturerbe in Brüssel (Institut royal du patrimoine artistique) restauriert. Datiert werden sie auf die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts, sie wurden jedoch im 17. Jahrhundert teilweise erneuert.<ref Name=Ilona details="S. 15 ff.">Ilona Hans-Collas: Sehen und Glauben. Das spätgotische Ausmalungsprogramm der Kapelle in Wiesenbach. In: Wolfgang Jenniges (Hrsg.): Gestalten und Entwicklungen. Historische Streifzüge zwischen Rhein und Maas. Festschrift für Hubert Jenniges. Löwen, St. Vith 2004.</ref>

Das Bildprogramm stellt die christliche Heilsgeschichte dar: Im Chorbogen befinden sich rechts eine Abbildung der Heiligen Katharina und links der Heiligen Barbara, neben dem Altar sind die Heiligen Petrus und Kornelius in der älteren Farbschicht sowie seit dem 17. Jahrhundert Hubertus abgebildet. Im Gewölbe befinden sich verschiedene Gott Vater- und Christusdarstellungen. Über dem Altar, heute durch den barocken Altaraufsatz verdeckt, befindet sich ein Bild von Christus als Weltenrichter, das umgeben ist von Engeln und Evangelistensymbolen. Die Chorwand im Norden zieren Szenen aus der Passion Jesu.<ref Name=Ilona details="S. 20 ff." />

Archäologische Ausgrabungen der Jahre 1996/97 bestätigten und ergänzten in erstaunlicher Übereinstimmung geschichtliche Erkenntnisse, die bis dahin eher als Vermutungen beschrieben worden waren.

Weblinks

Commons: Kapelle St. Bartholomäus (Wiesenbach) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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Koordinaten: 50° 15′ 54,3″ N, 6° 8′ 29,3″ O

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