Stängelumfassende Taubnessel
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| Stängelumfassende Taubnessel | ||||||||||||
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| Datei:Lamium amplexicaule 2005.04.10 12.23.07.jpg
Stängelumfassende Taubnessel (Lamium amplexicaule) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Lamium amplexicaule | ||||||||||||
| L. |
Die Stängelumfassende Taubnessel (Lamium amplexicaule) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Taubnesseln (Lamium) innerhalb der Familie der Lippenblütengewächse (Lamiaceae).
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Die Stängelumfassende Taubnessel ist eine einjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 10 bis 25 (2 bis 30) Zentimetern erreicht.<ref name="HegiGams1964" /> Sie wurzelt bis 20 Zentimeter tief.<ref name="Oberdorfer2001" /> Von einem verzweigten Grund steigen in der Regel mehrere Stängel auf. Die Stängel sind im unteren Teil meist kahl und oberwärts mehr oder weniger dicht flaumig behaart.<ref name="HegiGams1964" /> Die Internodien sind meist viel länger als die Laubblätter.<ref name="HegiGams1964" />
Die Laubblätter sind gegenständig am Stängel angeordnet. Die Stängelblätter sind 0,5 bis 5 Zentimeter lang gestielt, während die Hochblätter stängelumfassend sitzend sind.<ref name="HegiGams1964" /> Die Stängelblätter haben eine mit einem Durchmesser von 1 bis 2 Zentimetern kreisrunde Blattspreite und einen Rand mit jederseits zwei bis vier groben Zähnen.<ref name="HegiGams1964" />
Generative Merkmale
Die Stängelumfassende Taubnessel zeichnet sich unter den Taubnesseln durch die halbstängelumfassenden, breiten Tragblätter aus, die im oberen, blütentragenden Teil des Stängels sitzen. Die Tragblätter sind 1 bis 2 Zentimeter lang, aber bis zu 3 Zentimeter breit und tiefer und unregelmäßiger eingeschnitten als die anderen Stängelblätter.<ref name="HegiGams1964" /> Viele Blüten sitzen voneinander entfernt in dichten, kopfartigen, 10 bis 15 Millimeter breiten Scheinquirlen.<ref name="HegiGams1964" />
Die zwittrige Blüte ist zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Ihr Kelch ist röhrig, 5 bis 7 Millimeter lang und dicht wollig behaart.<ref name="HegiGams1964" /> Bei den Blüten, die sich öffnen, sind Blütenkronen fleischrosafarben und haben eine gerade, weit vorragende, 8 bis 11 Millimeter lange Kronröhre ohne Haarring innen.<ref name="HegiGams1964" /> Die Oberlippe ist 2 bis 3 Millimeter lang, gewölbt, ganzrandig, und dicht purpurfarben behaart.<ref name="HegiGams1964" /> Die Unterlippe besitzt zwei kleine zugespitzte Seitenlappen und einen größeren, stielartig abgesetzten, ausgerandeten Mittellappen.<ref name="HegiGams1964" /> Die Staubbeutel sind dicht behaart und bilden gelbe Pollenkörner.<ref name="HegiGams1964" />
Die Nüsschen sind bis zu 3 Millimeter lang mit weißlichen, meist deutlich vorragenden Höckern und einem kleinen Elaiosom.<ref name="HegiGams1964" />
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.<ref name="Oberdorfer2001" />
Ökologie und Phänologie
Bei den geöffneten Blüten findet überwiegend Selbstbestäubung statt. Neben diesen normalen Blüten werden bei schlechtem Wetter auch kleinere, geschlossen bleibende, im Kelch verborgene Blüten gebildet; diese öffnen sich nicht und befruchten sich selbst (Kleistogamie); sie bilden einen hohen Fruchtansatz.<ref name="Düll2011" />
Die Ausbreitung der Klausen erfolgt durch kleinere Ameisen-Arten (Lasius niger, Tetramorium caespitum, Messor barbarus), die sie auf dem Boden auflesen oder direkt aus den Fruchtkelchen herausholen.<ref name="HegiGams1964" /> Die größeren Waldameisen-Arten scheinen die Nüsschen in der Regel zu verschmähen.<ref name="HegiGams1964" />
Die Hauptblütezeit reicht von März bis Mai (in Hochlagen bis August) sowie im Herbst von September bis Oktober. Bei frostfreier Witterung blüht die Stängelumfassende Taubnessel auch im Winter.<ref name="HegiGams1964" />
Vorkommen
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet umfasst ganz Eurasien und das nördliche Afrika. Durch den Menschen wurde sie auch in Nordamerika eingeschleppt. Sie ist dort wie auch in Südamerika und in Neuseeland ein Neophyt.<ref name="POWO" />
Die Stängelumfassende Taubnessel wächst als „Unkraut“ an lehmigen, oft auf stickstoffreichen Standorten wie Ackerrändern, Gärten, Weinbergen oder Ruderalstellen. Sie ist in Mitteleuropa eine Charakterart der Ordnung Polygono-Chenopodietalia.<ref name="Oberdorfer2001" /> Sie gedeiht in Mitteleuropa auf sommerwarmen, mäßig frischen, nährstoffreichen, vorzugsweise kalkarmen, neutralen, oft humusarmen, leichten, lockeren, sandigen Lehmböden oder bindigen Sandböden.<ref name="Oberdorfer2001" /> Sie steigt im Engadin bis auf Höhenlagen von 1860 Meter, im Kanton Wallis am Großen St. Bernhard bis 2460 Meter und am Schwarzsee bei Zermatt bis etwa 2550 Meter auf.<ref name="HegiGams1964" />
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />
Systematik
Die Erstveröffentlichung von Lamium amplexicaule erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 579.
Je nach Autor gibt es Unterarten und Varietäten (Stand 2003):<ref name="POWO" />
- Lamium amplexicaule var. aleppicum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Boiss. & Hausskn.) Bornm. (Syn.: Lamium aleppicum <templatestyles src="Person/styles.css" />Boiss. & Hausskn.): Sie kommt von der südöstlichen Türkei bis zum Iran vor.<ref name="POWO" />
- Lamium amplexicaule <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. amplexicaule: Sie kommt in den gemäßigten Gebieten Eurasiens und von Makaronesien bis Äthiopien vor.<ref name="POWO" />
- Lamium amplexicaule var. bornmuelleri <templatestyles src="Person/styles.css" />Mennema: Sie kommt im Irak, in der Türkei, im Iran im Gebiet von Syrien und Libanon vor.<ref name="POWO" />
- Lamium amplexicaule var. incisum <templatestyles src="Person/styles.css" />Boiss.: Sie kommt von Griechenland bis zum nordwestlichen Iran vor.<ref name="POWO" />
- Lamium amplexicaule subsp. mauritanicum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Gand. ex Batt.) Maire (Syn.: Lamium mauritanicum <templatestyles src="Person/styles.css" />Gand. ex Batt.): Sie kommt in Marokko und in Algerien vor.<ref name="POWO" />
- Lamium amplexicaule var. orientale <templatestyles src="Person/styles.css" />(Pacz.) Mennema: Sie kommt von der östlichen Ukraine bis zum südlichen bis südlich-zentralen europäischen Russland vor.<ref name="POWO" />
Quellen
Literatur
- Otto Schmeil, Jost Fitschen, Werner Rauh: Flora von Deutschland und seinen angrenzenden Gebieten. 84. Auflage. Quelle & Meyer, Heidelberg 1968.
Einzelnachweise
<references> <ref name="InfoFlora"> Lamium amplexicaule L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="POWO"> Rafaël Govaerts, 2003: World Checklist of Selected Plant Families Database in ACCESS: 1-216203. The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Lamium amplexicaule. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew ScienceVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="Düll2011"> </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="HegiGams1964"> Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 4, Verlag Carl Hanser, München 1964. S. 2452–2454. </ref> </references>
Weiterführende Literatur
- Xi-wen Li, Ian C. Hedge: Lamium. In: , Lamium amplexicaule - textgleich online wie gedrucktes Werk.
- Dietmar Brandes: Urban flora of Sousse (Tunisia). Braunschweig, 2001, online.