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Spielesammlung

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Der Ausdruck Spielesammlung (gelegentlich auch Spielsammlung<ref>Korpus Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, Stichwort "Spielsammlung"</ref><ref>Arnulf Rüssel, Das Kinderspiel, Grundlinien einer psychologischen Theorie, Darmstadt 1977, S. 100 u. 101</ref><ref>Peter-Paul Schwarz (Hrsg.): Gepflegte Gastlichkeit, Falken-Verlag Sicker, Wiesbaden 1967, S. 219</ref> oder Spielemagazin) findet in der Spielpädagogik Verwendung für ein mehr oder weniger systematisch zusammengestelltes Arsenal von Spielen. Solch eine Sammlung kann in Buchform erfolgen, wobei eine größere Zahl von Spielen aufgelistet und beschrieben wird. Sie kann sich in Bildform präsentieren, wobei die Spiele als Skizzen, Gemälde oder Fotos dargestellt werden. Eine Spielesammlung kann aber auch in Realform stattfinden, wobei konkrete Spiele wie Brettspiele, Computerspiele, Würfelspiele zusammengetragen werden. Das zur Förderung des praktischen Gebrauchs meist nach Sachgebieten geordnete und alphabetisch gelistete Inventurverzeichnis einer Spielesammlung wird als Spieleregister bezeichnet.

Spielesammlungen in Buchform

Das Spiel wurde schon früh als ein wichtiges Element in der Kulturgeschichte der Menschen begriffen. So entstanden bereits im frühen europäischen Mittelalter erste Spielesammlungen, die den Bestand der Zeit in schriftlicher Form erhalten wollten. Das erste Spielbuch in Europa verfasste Alfons X., König von Kastilien, im 13. Jahrhundert.<ref>Anita Rudolf, Siegbert A. Warwitz: Spielen – neu entdeckt. Grundlagen-Anregungen-Hilfen. Freiburg 1982, S. 117.</ref> Der Dichter Rabelais hinterließ in seinem Roman „Gargantua und Pantagruel“ ein Spiegelbild der Spielkultur seiner Zeit, des beginnenden 16. Jahrhunderts.<ref>Rabelais: Gargantua und Pantagruel 1535</ref> Der Philanthrop Johann Christoph Friedrich GutsMuths gab 1796 ein Spielebuch heraus, das neben einer Sammlung erziehungsförderlicher Spiele auch bereits didaktische Reflexionen und methodische Hinweise enthielt.<ref>Johann Christoph Friedrich GutsMuths: Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und des Geistes für die Jugend, ihre Erzieher und alle Freunde unschuldiger Jugendfreuden. Schnepfental 1796</ref> Auch der als „Turnvater“ bekannte Friedrich Ludwig Jahn hat sich mit seiner Sammlung von sogenannten „Turnspielen“, die er und seine Schüler in Büchern festhielten, um Erhalt und Entwicklung des Spielguts verdient gemacht.<ref>W. Stuhlfath: Volkstümliche Turnspiele und Scherzübungen aus allen deutschen Gauen. Langensalza 1928.</ref>

Spielesammlungen in Bildform

Datei:Pieter Bruegel the Elder - Children’s Games - Google Art Project.jpg
Brueghel: Die Kinderspiele, 1560

Die wohl bekannteste Spielesammlung in Bildform stammt von dem niederländischen Bauernmaler Pieter Brueghel d. Ä. Auf seinem Gemälde aus dem Jahr 1560, das im Kunsthistorischen Museum in Wien aufbewahrt wird, sind über 80 Kinderspiele seiner Zeit festgehalten.<ref>Pieter Brueghel: Kinderspiele 1560, In: Kunsthistorisches Museum Wien.</ref>

Spielesammlungen in Realform

Datei:160409 Spielesammlung 06.jpg
Spielesammlung mit klassischen Brett-, Karten- und Würfelspielen

In Büchereien, Gemeindezentren, Krankenhäusern oder Arztpraxen finden sich häufig kleinere Spielesammlungen, die vor allem Kindern Gelegenheiten zum Spielen geben und Wartezeiten überbrücken sollen. Aber auch in den meisten Kinderzimmern sammelt sich mit der Zeit reichlich Spielgut. Die traditionelle häusliche Spielesammlung für alle Generationen enthält etwa die Brettspiele Mensch ärgere dich nicht, Mühle, Dame, Halma und Backgammon auf doppelseitigen Spielbrettern. Je nach Verlag und Ausgabe sind manchmal auch andere Spiele, wie z. B. Schachfiguren (für das Damebrett), Malefiz, Fang den Hut oder Leiterspiel enthalten. Die Spiele teilen sich Spielfiguren und Würfel.

Auch Computerspiele lassen sich sammeln. Diese Spielesammlungen können sehr unterschiedlich sein. So verkauft der Handel z. B. einfache Brettspiel-Umsetzungen als Spielesammlung. Daneben gibt es Sammlungen erfolgreicher Titel (z. B. Gold Games). Häufig werden auch Zusammenstellungen von Grundspielen und Erweiterungen als Spielesammlung bezeichnet. Größere Bekanntheit erreichte das Humble Indie Bundle, das mehrere Spiele zu einem vom Käufer selbst zu bestimmenden Preis anbietet.

Sinn und Zweck

Spielesammlungen können unterschiedliche Sinngebungen und Zielsetzungen verfolgen:<ref>Siegbert A. Warwitz, Anita Rudolf: Sinngebungen des Spiels, In: Dies.: Vom Sinn des Spielens. Reflexionen und Spielideen. 5. Auflage. Baltmannsweiler 2021. S. 37–125.</ref> Sie können beabsichtigen, das Spielgut bestimmter Zeiten und Völker museal zu sammeln, um es der Nachwelt zu erhalten.<ref>Alfred Cammann (Hrsg.): Die Welt der niederdeutschen Kinderspiele, Meissner, Elbschloss Bleckede 1970.</ref> Sie können charakteristische Merkmale unverwechselbarer Spiele bestimmter Regionen festhalten wollen.<ref>Christiane Binder: Spiele und Feste in Papua-Neuguinea, Wissenschaftliche Staatsexamensarbeit GHS, Karlsruhe 1997.</ref> Sie können aber auch einen praktischen Gebrauchswert für Freizeit und Schule intendieren.<ref>Johann Christoph Friedrich GutsMuths: Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und des Geistes für die Jugend, ihre Erzieher und alle Freunde unschuldiger Jugendfreuden. Schnepfenthal 1796.</ref><ref>Terry Orlick: Neue kooperative Spiele. Mehr als 200 konkurrenzfreie Spiele für Kinder und Erwachsene. 4. Auflage, Weinheim und Basel 1996.</ref> Sie dienen dazu, dem Interessierten einen Überblick über die unermessliche Vielfalt des Spielguts zu geben. Dem Theoretiker des Spiels liefern sie einen Orientierungsrahmen, um Vergleiche und Analysen anzustellen. Dem Anwender hilft die Übersicht dabei, Einseitigkeiten des Spielens zu vermeiden und aus dem Arsenal das für die jeweilige Spiel- und Lern-Situation Passende zu finden und auswählen zu können. Wegen der Vielfalt des Spielguts beschränken sich Spielesammlungen häufig auf einen bestimmten Sinn- oder Anwendungsbereich, etwa die Abenteuerspiele.<ref>Christoph Sonntag: Abenteuer Spiel – Eine Sammlung kooperativer Abenteuerspiele, 3. Auflage, Verlag Ziel, Hergensweiler 2011.</ref>

Auch der Lern- und Erziehungsgedanke wurde schon früh mit dem Spielen verbunden. Mit Johann Amos Comenius beginnt bereits 1658 die didaktische Aufbereitung und Illustrierung des Spielguts für die Kindererziehung.<ref>Johann Amos Comenius Comenius: Ludes pueriles 1658, In: Siegbert A. Warwitz, Anita Rudolf: Vom Sinn des Spielens. Reflexionen und Spielideen. 5. Auflage, Baltmannsweiler 2021. S. 196.</ref> 1796 veröffentlicht der Philanthrop Johann Christoph Friedrich GutsMuths seine kommentierte Spielesammlung unter einem bereits ganzheitlichen Erziehungsgedanken.<ref>Johann Christoph Friedrich GutsMuths: Spiele zur Übung und Erholung des Körpers und des Geistes für die Jugend, ihre Erzieher und alle Freunde unschuldiger Jugendfreuden. Schnepfenthal 1796.</ref>

Literatur

  • Ulrich Baer (Hrsg.): 666 Spiele für jede Gruppe, für alle Situationen. Kallmeyer (Edition: Gruppe und Spiel), Seelze 2009, ISBN 3-7800-6100-7.
  • Karl Josef Kreuzer (Hrsg.): Handbuch der Spielpädagogik. Bände I-IV. Schwann, Düsseldorf 1983/1984.
  • Terry Orlick: Neue kooperative Spiele. Mehr als 200 konkurrenzfreie Spiele für Kinder und Erwachsene. 4. Auflage, Weinheim und Basel 1996.
  • Alfred Cammann (Hrsg.): Die Welt der niederdeutschen Kinderspiele, Meissner, Elbschloss Bleckede 1970 {{#if: {{#if: | {{#invoke:TemplUtl|faculty|{{{suffix}}}}} }}
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  • Hanns Petillon: 1000 Spiele für die Grundschule. Von Adlerauge bis Zauberbaum. Beltz, Weinheim 2007, ISBN 3-407-62566-9.
  • Christoph Sonntag: Abenteuer Spiel – Eine Sammlung kooperativer Abenteuerspiele, 3. Auflage, Verlag Ziel, Hergensweiler 2011, ISBN 978-3-940562-52-4.
  • Siegbert A. Warwitz, Anita Rudolf: Vom Sinn des Spielens. Reflexionen und Spielideen. 5. Auflage, Baltmannsweiler 2021. ISBN 978-3-8340-1664-5.

Weblinks

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Siehe auch

Einzelnachweise

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