Soziale Schließung
Soziale Schließung ist ein Grundbegriff der Soziologie, der allgemein die Beschränkung oder das Verbot, Mitglied einer sozialen Gruppe zu werden bzw. an den Handlungs- und Erwerbschancen einer sozialen Gruppe teilzuhaben, beschreibt.<ref name="S1">Werner Fuchs-Heinritz, Schließung, soziale. In: ders. (Hrsg.): Lexikon zur Soziologie, 5. Auflage, Springer, Wiesbaden 2011, S. 598.</ref>
Die Theorie sozialer Schließung beruht auf Max Webers Konzept offener und geschlossener sozialer Beziehungen. Weber definiert soziale Schließungen als traditionell (z. B. Familienbindungen), affektuell (z. B. Liebespaar), wertrational (z. B. Glaubensgemeinschaft) und zweckrational (z. B. wirtschaftliche Monopole). Neben diesen Schließungen nach außen erörtert Weber auch Schließungen nach innen.<ref name="S1" /> Soziale Schließung bedeutet immer auch, dass die Monopolisierung von Chancen bei einer Gruppe zu höherer Ressourcenausstattung und bei anderen Gruppen zur Ressourcenverknappung führt, womit soziale Ungleichheit entsteht.<ref name="Rössel2009_70">Jörg Rössel: Sozialstrukturanalyse. Eine kompakte Einführung. Springer. Wiesbaden 2009, S. 70.</ref>
Grundlagen
Max Weber unterscheidet in Wirtschaft und Gesellschaft zwischen offenen und geschlossenen sozialen Beziehungen.<ref name="Mackert2020">Jürgen Mackert: Schließung, soziale. In: Hans-Peter Müller, Steffen Sigmund (Hrsg.): Max Weber Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. 2. Auflage. J. B. Metzler Verlag, Berlin 2020, S. 156–158.</ref> Soziale Schließung kann im Anschluss an Max Weber als Prozess der Abgrenzung, Identitätskonstruktion und Gemeinschaftsbildung zur Monopolisierung knapper Ressourcen für die eigene Gruppe und zum Ausschluss anderer von deren Nutzung verstanden werden.<ref name="AlbistonGreen18_2"></ref>
Eine soziale Beziehung gilt nach Weber als offen, „wenn und insoweit die Teilnahme an dem an ihrem Sinngehalt orientierten gegenseitigen Handeln, welches sie konstituiert, nach ihren geltenden Ordnungen niemand verwehrt wird, der dazu tatsächlich in der Lage und geneigt ist“.<ref name="Weber1">Max Weber: Grundriss der Sozialökonomik. 11. Abteilung: Wirtschaft und Gesellschaft. J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1922, Soziologische Grundbegriffe, S. 23 ff., § 10.</ref><ref name="Mackert2020" /> Demgegenüber gilt eine soziale Beziehung insoweit und graduell als geschlossen, wie „ihr Sinngehalt oder ihre [geltende] Ordnungen die Teilnahme ausschließen oder beschränken oder an Bedingungen knüpfen“.<ref name="Weber1"/><ref name="Mackert2020" /> Soziale Schließung ist also nicht nur als vollständiger Ausschluss zu verstehen, sondern es handelt sich um einen Prozess, der graduell verläuft, wobei vollständiger Ausschluss durchaus möglich ist.<ref name="Mackert2020" /> Weber unterscheidet zwischen traditional geschlossenen (beispielsweise auf Familienbeziehungen gründenden), affektuell geschlossenen (beispielsweise erotischen oder pietätsmäßigen), wertrational geschlossenen (beispielsweise strikte Glaubensgemeinschaften) und zweckrational geschlossenen (beispielsweise „ökonomische Verbände mit monopolistischem oder plutokratischem Charakter“) Gemeinschaften.<ref name="Weber1"/>
Webers Blick ist hauptsächlich auf rationale Schließung gerichtet. Hierbei können die Interessen der Beteiligten einer sozialen Beziehung an sozialer Schließung in Monopolisierung sozialer Ressourcen bestehen, während die Interessen an der Offenheit einer sozialen Beziehung in Chancenmaximierung durch Teilnahmemöglichkeiten am Marktgeschehen bestehen können.<ref name="Mackert2020" /> Dementsprechend sieht Weber das Ziel sozialer Schließungsprozesse darin, die Zahl der Konkurrenten um spezifische Chancen, Güter oder Ressourcen gering zu halten.<ref name="Mackert2004_16">Jürgen Mackert: Die Theorie sozialer Schließung. Das analytische Potenzial einer Theorie mittlerer Reichweite. In: Jürgen Mackert (Hrsg.): Die Theorie sozialer Schließung. Tradition, Analysen, Perspektiven. 1. Auflage. Springer Fachmedien (ursprünglich erschienin bei VS Verlag fur Sozialwissenschaften), Wiesbaden 2004, S. 9–24, hier: S. 16, doi:10.1007/978-3-663-07912-5.</ref> Auch tatsächlich führt soziale Schließung dazu, dass die Monopolisierung von Chancen bei einer Gruppe zu höherer Ausstattung mit Ressourcen führt, wohingegen anderen Gruppen nur niedrigere Ressourcenausstattung möglich ist. So entsteht aufgrund sozialer Schließungsprozesse soziale Ungleichheit.<ref name="Rössel2009_70" />
Über die Prozesse der sozialen Schließung nach außen hinaus gibt es nach Weber auch die Schließung nach innen, also die soziale Schließung innerhalb geschlossener sozialer Beziehungen.<ref name="Mackert2020" /> Es geht bei der Schließung nach innen also etwa um Einschränkungen der Handlungs- oder Erwerbschancen für Einzelne oder Gruppen innerhalb von Verbänden, Betrieben, Kasten usw.<ref name="S1" />
Theorieentwicklung
Max Weber führte das Konzept offener und geschlossener Gesellschaften zwar an prominenter Stelle ein, arbeitete es jedoch nicht weiter theoretisch aus. Erst 1969 bezog sich mit der Analyse der Gemeinschaft in einem amerikanischen Ghetto von Gertrud Neuwirths erstmals eine empirische Untersuchung auf diesen Ansatz.<ref name="Mackert2004_9">Jürgen Mackert: Die Theorie sozialer Schließung. Das analytische Potenzial einer Theorie mittlerer Reichweite. In: Jürgen Mackert (Hrsg.): Die Theorie sozialer Schließung. Tradition, Analysen, Perspektiven. 1. Auflage. Springer Fachmedien (ursprünglich erschienen bei VS Verlag fur Sozialwissenschaften), Wiesbaden 2004, S. 9–24, hier: S. 9, doi:10.1007/978-3-663-07912-5.</ref>
Mitte der 1970er erregte die Wiederentdeckung des Konzepts Max Webers, das von Frank Parkin als social closure ausgearbeitet wurde, großes Interesse. In den späten 1970er und den 1980er Jahren diente das Konzept der sozialen Schließung dann als Mittel zur Überwindung von Limitationen der Klassenanalyse in hochentwickelten kapitalistischen Gesellschaften: Soziale Schließung wurde als Handlungsstrategie beteiligter Akteure vorgestellt. In Anlehnung an Parkin entwickelte Raymond Murphy einen systematischeren Ansatz, der in der Konzeptskizze Social Closure: The Theory of Monopolization and Exclusion von 1988 gipfelte.<ref name="Mackert2024_21">Jürgen Mackert: A Critical Discussion of the Theory of Social Closure. On Social Closure: Theorising Exclusion, Exploitation, and Elimination. Oxford Academic, New York, S. 21.</ref>
Frank Parkin
Parkin argumentierte bereits 1974, dass die häufigsten Wege, wie Privilegierte ihre Positionen verteidigen und andere ausschließen, erstens in der Fähigkeit bestehen, den Kapitalfluss zu kontrollieren, und zweitens im Kredentialismus liegen, durch den Privilegierte Regeln dafür festlegen, welche Voraussetzungen für den Zugang zu verschiedenen Sektoren des Arbeitsmarktes oder für den Wettbewerb um andere Ressourcen zu erfüllen sind.<ref name="JChristian21">Jennifer Christian: Weber and Social Closure. In: EBSCO Advantage Research Starters. EBSCO Information Services, 2021, abgerufen am 12. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Dominante Schließungskriterien bestehen entsprechend Parkins Weiterentwicklung des Ansatzes in Eigentum, insbesondere dem Eigentum an Produktionsmitteln, und in Bildungszertifikaten.<ref>Reinhold Sackmann: Die Bedeutung institutioneller Auswahlprozesse für die Erzeugung von Bildungsungleichheit. In: Werner Helsper und Heinz-Hermann Krüger (Hrsg.): Auswahl der Bildungsklientel. Zur Herstellung von Selektivität in „exklusiven“ Bildungsinstitutionen. Wiesbaden, Springer VS Wiesbaden 2015, S. 31–68, hier: S. 32, doi:10.1007/978-3-658-09375-4.</ref>
Nach Jürgen Mackert beinhaltet die Weiterentwicklung des Ansatzes von Max Weber durch Frank Parkin sechs Schritte:<ref name="Mackert2004_16f">Jürgen Mackert: Die Theorie sozialer Schließung. Das analytische Potenzial einer Theorie mittlerer Reichweite. In: Jürgen Mackert (Hrsg.): Die Theorie sozialer Schließung. Tradition, Analysen, Perspektiven. 1. Auflage. Springer Fachmedien (ursprünglich erschienin bei VS Verlag fur Sozialwissenschaften), Wiesbaden 2004, S. 9–24, hier: S. 16f, doi:10.1007/978-3-663-07912-5.</ref>
- Erweiterung des Begriffs dahingehend, dass kollektive Gegenaktionen ausgeschlossener Gruppen Berücksichtigung finden können: Während Ausschließungsstrategien auf die Unterordnung, den Ausschluss einer Gruppe von bestimmten Ressourcen zielen, besteht die Reaktion der ausgeschlossenen Gruppe in Usurpationsstrategien.
- Konzipierung einer Schließungsgleichung: Entsprechend dieser Gleichung stehen sich soziale Akteure in Kämpfen um spezifische gesellschaftliche Güter gegenüber. Soziale Schließung wird so als Resultat gesellschaftlicher Konflikte verstanden.
- Befreiung des Konzeptes der sozialen Schließung von der Eingrenzung auf ökonomische Chancenmaximierung und Erweiterung auch des Begriffs der Ausbeutung dahingehend, dass er alle Beziehungen zwischen Klassen und Gruppen, in denen eine dieser Gruppen eine andere von einer beliebigen gesellschaftlichen Chance oder Ressource ausschließt, erfasst.
- Verdeutlichung, dass die Strategien der kollektiven Akteure auf beiden Seiten der Schließungsgleichung als politische Strategien zu begreifen sind: Demnach zielt die Ausschließung auf Stabilisierung und die Usurpation auf Reorganisation einer bestimmten Verteilungsstruktur gesellschaftlicher Güter und Ressourcen.
- Einführung des Konzepts der dualen Schließung, das ein Verständnis wechselseitiger Exklusion oder Usurpation auch innerhalb der beteiligten ausschließenden oder usurpierenden Gruppen möglich macht.
- Verdeutlichung, dass der Staat in Schließungskämpfen eine zentrale Rolle spielt: Rechtliche Definitionen sind häufig eine notwendige Voraussetzung für Schließungsstrategien herrschender Gruppen. Rechtliche Definitonen können aber nicht willkürlich an Kennzeichen anderer Gruppen ansetzen, sondern das ist abhängig davon, ob es Prozesse sozialer Schließung sind, in denen der Staat beteiligter Akteur ist.<ref name="Mackert2004_16f" />
Raymond Murphy
Murphys entscheidende analytische Leistung liegt in der „Idee eines Zusammenwirkens unterschiedlicher Schließungsformen“: Er entwickelte ein Konzept verschiedener Schließungsformen und definiert diese als primär, abgeleitet und kontingent. So wird möglich, zu Mechanismen vorzudringen, wie Ausschlussformen aneinander anschließen und den Ausschluss betroffener Gruppen kumulativ verstärken können. Auf dieser Grundlage unterscheidet er zwischen strukturellen Schließungsbeziehungen erster Ordnung und strukturellen Schließungsbeziehungen zweiter Ordnung. Eine strukturelle Schließungsbeziehung erster Ordnung besteht bei aus Schließungskämpfen resultierender Exklusion. Verfestigt sich eine bereits erfolgte Exklusion, indem weitere Exklusionen daran anschließen, so ist das nach Murphy eine strukturelle Schließungsbeziehung zweiter Ordnung. Nach Murphy wird damit dann die Tiefenstruktur von Herrschaft erkennbar.<ref name="Mackert2004_17f">Jürgen Mackert: Die Theorie sozialer Schließung. Das analytische Potenzial einer Theorie mittlerer Reichweite. In: Jürgen Mackert (Hrsg.): Die Theorie sozialer Schließung. Tradition, Analysen, Perspektiven. 1. Auflage. Springer Fachmedien (ursprünglich erschienin bei VS Verlag fur Sozialwissenschaften), Wiesbaden 2004, S. 9–24, hier: S. 17f, doi:10.1007/978-3-663-07912-5.</ref>
Erweiterungen
Studien zu Bevorzugungen innerhalb von Eigengruppen zeigen, dass die Zuneigung („warmth“) gegenüber der statushohen Eigengruppe oft die Abneigung („coldness“) gegenüber Fremdgruppen überwiegt. Dies kann darauf hindeuten, dass eher positive als negative Gefühle Triebkräfte sozialer Schließung sind. Nach der Argumentation von Anthony Greenwald und Thomas Pettigrew sind solche Handlungen eher als Unterlassung von hilfreichen Handlungen denn als feindselige Handlung zu verstehen, verursachen aber dennoch erhebliche Ungleichheit. Nach Greenwald und Pettigrew ist solche auf die Eigengruppen gerichtete Bevorzugung in den Vereinigten Staaten ein stärkerer Antrieb für Ungleichheit als auf Fremdgruppen gerichtete Feindseligkeit.<ref name="AlbistonGreen18_7f"></ref>
Anknüpfend an den Begriff Habitus entsprechend der Konzipierung durch Pierre Bourdieu kann auch Kultur ein bedeutendes aber eher verdecktes Mittel der sozialen Schließung sein: Habitus ist sowohl Ergebnis als auch Marker der sozialen Position, die zum Teil auch durch Klassenzugehörigkeit, Rassifizierung und Geschlecht mitgeprägt wird. So kann Habitus ein kultureller Mechanismus der sozialen Schließung sein, die auf Grundlage dieser Kategorien einige gegenüber anderen bei Verteilungsfragen im Zusammenhang der Erwerbstätigkeit wie Gehalt oder Beförderung privilegiert.<ref name="AlbistonGreen18_8f"></ref>
Beispiele und Arenen sozialer Schließung
Bereits die Beispiele Webers für sozial geschlossene Beziehungen beinhalten familiäre Bindungen, erotische Beziehungen, religiöse Praktiken und Beziehungen sowie politische Verbände.<ref></ref> Tatsächlich kann soziale Schließung in Familien, Freundeskreisen, Nachbarschaften, Kirchen, Vereinen und anderen sozialen Netzwerken und auch in imaginären Gemeinschaften wie rassifizierten Gruppen, Ethnien, Nationalitäten, Religionen, Geschlechtern oder Berufen auftreten.<ref></ref> In der gesellschaftlichen Wirklichkeit kommen entsprechende Beschränkungen von Konkurrenz oder Monopolisierungen von Chancen und Ressourcen an sehr vielen Stellen vor.<ref name="Rössel2009_70" />
Arbeitsmarkt
Es entspricht bereits einer sozialen Schließung, dass die Möglichkeiten der Beteiligung auf dem Arbeitsmarkt und des Bezugs bestimmter Sozialleistungen von Aufenthaltsstatus und Staatsbürgerschaft einer Person abhängig sind: So sind Personen mit entsprechender Staatsbürgerschaft bzw. Aufenthaltsstatus bevorzugt.<ref name="Rössel2009_70" /> Auch in Regelungen des Arbeitsmarktes, die Beschäftigte vor Kündigungen schützen, besteht soziale Schließung – auf diese Weise werden Inhaber von Arbeitsplätzen vor Konkurrenz durch Arbeitslose und andere Beschäftigte geschützt und somit werden auch die Berufschancen jüngerer Kohorten verschlechtert.<ref name="Rössel2009_70" />
Weiterhin entsteht soziale Geschlossenheit auf dem Arbeitsmarkt wenn Arbeitgeber typischerweise oder ausschließlich Bewerbern mit einem bestimmten beruflichen Titel bestimmte Kompetenzen zuschreiben. Im Hinblick auf das berufliche Wissen ist ein Teilarbeitsmarkt andererseits offener, wenn die beruflichen Abschlüsse erfolgreicher Bewerber sehr unterschiedlich sind.<ref>Andreas Haupt: Zugang zu Berufen und Lohnungleichheit in Deutschland. Springer VS, Wiesbaden 2016, S. 100, doi:10.1007/978-3-658-11296-7.</ref> Besonders in Deutschland gibt es viele Regeln und informelle Erwartungen für Ausbildungsabschlüsse und Zertifikate, die Bewerber für bestimmte Arbeitsstellen benötigen, was als soziale Schließung verstanden werden kann.<ref>Thomas Hinz und Martin Abraham: Theorien des Arbeitsmarktes. In: Martin Abraham und Thomas Hinz (Hrsg.): Arbeitsmarktsoziologie. Probleme, Theorien, empirische Befunde. 3. Auflage. Springer VS, Wiesbaden 2018, S. 9–76, hier: S. 48.</ref>
Bildung
Bildung ist ein sehr komplexer Bereich, in dem soziale Schließung sichtbar wird. Dies liegt unter anderem an der Komplexität des Qualifikationswesens und dem Glauben an eine Leistungsgesellschaft im Bildungswesen.<ref name="JChristian21" /> Im sozial ungleichen Erwerb und in der sozial ungleichen Verwertung von Bildungszertifikaten liegt ein Indiz für soziale Schließung durch Bildung.<ref>Rolf Becker und Wolfgang Lauterbach: Bildung als Privileg. Erklärungen und Befunde zu den Ursachen der Bildungsungleichheit. Hrsg.: Rolf Becker und Wolfgang Lauterbach. 5. Auflage. Springer VS, Wiesbaden 2016, S. VII.</ref>
Ein konkretes Beispiel sozialer Schließung in der höheren Bildung besteht in Programmen von Eliteuniversitäten zur Bevorzugung von Alumni: So wird Studenten, denen aufgrund ihrer akademischen Leistungen der Zugang zu diesen Institutionen nicht möglich wäre, lediglich wegen der Verbindungen der Eltern (zur entsprechenden Eliteuniversität) der Zugang ermöglicht.<ref name="JChristian21" />
Aus einer Perspektive der sozialen Schließung kann schulische Segregation als Ausgrenzungsform, die aus Wettbewerb von Gruppen um Ressourcen entsteht und die Stratifizierung der Gesellschaft fördert, gesehen werden. Nach der Theorie der sozialen Schließung sind solche Prozesse der ausgrenzenden sozialen Segregation ein Mittel zum Zweck: In diesen Prozessen werden Schüler ungleichmäßig auf Schulen verteilt - so wird ein Ungleichgewicht erzeugt, was der Sicherung privilegierter Positionen oder der Monopolisierung des Zugangs zu Ressourcen dient.<ref></ref>
Die Annahme, dass Schulen mit höherem Sozialkapital und einer ausgeprägteren sozialen Schließung Schüler mit besseren Leistungen hervorbringen als Schulen mit größerer Diversität wurde 1999 von Stephen L. Morgan und Aage B. Sorensen geprüft. Sie stellten fest, dass soziale Schließung zwar positiv mit Lernerfolgen korreliert, aber mit dem Erwerb von Leistungsfähigkeit in negativer Korrelation steht.<ref name="JChristian21" />
Literatur
- Jürgen Mackert (Hrsg.): Die Theorie sozialer Schließung. Tradition, Analysen, Perspektiven. VS-Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2004.
- Raymond Murphy: Social Closure: The Theory of Monopolization and Exclusion. Clarendon Press. 1996.
- Frank Parkin: Max Weber, Taylor & Francis Ltd. Überarbeitete Ausgabe. 2002.
- Frank Parkin: Strategien sozialer Schliessung und Klassenbildung. In: R. Kreckel (Hrsg.): Soziale Ungleichheiten. Soziale Welt, Sonderband 2. Göttingen. 1993.
Einzelnachweise
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