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Son Catlar

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Vorlage:Infobox Megalithanlage Son Catlar (vollständiger Name Poblat de Son Catlar) ist eine prähistorische Siedlung auf der spanischen Baleareninsel Menorca. Ihre Anfänge gehen bis in prätalayotische Zeit zurück. Während der posttalayotischen Periode (550–123 v. Chr.) war Son Catlar eine der größten Siedlungen der Insel. Der Verfall erfolgte am Ende der Römerzeit.

Lage

Son Catlar liegt acht Kilometer südlich von Ciutadella und ist über den Camino de Torre Saura zu erreichen. Besuchern steht ein Parkplatz zur Verfügung.

Geschichte

Die Anfänge der Siedlung liegen in der späten Bronze-, ihre Blüte aber in der Eisenzeit. Zwischen dem 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. kam es zu einer explosionsartigen Entwicklung der Siedlung. Son Catlar gehörte nun neben Trepucó und Torre d’en Galmés zu den größten Siedlungen auf Menorca. Nach der römischen Invasion im Jahr 123 v. Chr. und auch in der islamischen Zeit wurden Teile Son Catlars noch immer als Wohnstätte benutzt.<ref name="BCT" />

1924 führte Francesc Hernández i Sanz Grabungen im Bereich der Taula durch. Die Ergebnisse wurden jedoch ebenso wenig veröffentlicht<ref name="P65"/> wie diejenigen Maria Lluïsa Serras und J. Flaquers, die 1957 hinter dem nördlichen Talayot einen Säulenraum ausgruben.<ref name="TM" /> 1958 restaurierten Lluís Pericot (1899–1978) und der Architekt V. Tolós den Sturz des nördlichen Zugangsportals. 1987 wurde der Baumbestand abgeholzt, der die Mauer verdeckte. 1995 leitete Octavi Pons eine neue Grabungskampagne im Bereich des Zugangsportals.<ref name="Pons" /> Nach photogrammetrischen Aufnahmen im Jahr 2015 begann Fernando Prados Martínez von der Universität Alicante ein Jahr später mit Grabungen an der Verteidigungsmauer.<ref name="UA" /><ref name="Prados 2016" /> An einem der Tore wurde im Juli 2021 römisches Militärmaterial aus der Zeit um 100 v. Chr. gefunden, darunter Messer sowie Pfeil- und Speerspitzen, aber auch chirurgische Instrumente und ein Bronzespatel.<ref name="AW" /><ref name="Prados PM 1" />

Am 8. Juni 1931 stellte die Spanische Republik Son Catlar per Dekret unter Denkmalschutz.<ref name="TCM" /> Heute ist das Areal unter der Nummer ARI-55-0000820 als archäologisches Monument (Monument arqueològic) registriert.<ref name="RI-Nummer" /> 2018 wurde es vom Staat erworben.<ref name="Jiménez 2019" />

Son Catlar gehört zu den 24 archäologischen Stätten, die seit 2023 als „Talayotisches Menorca“ zum Weltkulturerbe zählen.<ref name="whc" />

Beschreibung

Datei:Son Catlar Map.jpg
Übersichtskarte der Fundstätte
Datei:Son Catlar - wall with bastion.jpg
Zyklopenmauer mit Bastion
Datei:Son Catlar Les Garites.JPG
Eingang in eine der Kasematten

Son Catlar besitzt als einzige vorgeschichtliche Siedlung Menorcas eine geschlossen erhaltene Zyklopenmauer aus ungewöhnlich großen Steinen, die als Trockenmauerwerk verlegt wurden. Die 870 Meter lange und bis zu drei Meter hohe Ringmauer umschließt die 3,74 Hektar große Siedlung und stammt aus dem 6. Jahrhundert v. Chr.<ref name="Jiménez 2021" /> Sie wurde am Ende des 3. vorchristlichen Jahrhunderts im Zusammenhang mit dem Zweiten Punischen Krieges verstärkt,<ref name ="UA" /><ref name="Jiménez 2021" /> als unter anderem acht Türme mit quadratischem Grundriss an die Fassadenfront angebaut wurden. Einige Mauerabschnitte wurden am Ende des 2. bzw. am Beginn der 1. Jahrhunderts v. Chr. zerstört, als Menorca von den Römern erobert wurde.<ref name="Jiménez 2021" /> Im Nordosten befindet sich ein Zugang, bestehend aus zwei großen senkrecht stehenden Blöcken als Pfosten, auf denen quer eine weitere Steinplatte als Türsturz liegt. Erst im Jahr 2019 wurde ein zweiter Zugang, das sogenannte „Ellbogentor“, entdeckt.<ref name="Prados PM 2" /> Einzigartig sind die im nordwestlichen Teil der Mauer befindlichen Kasematten.<ref name="Vibot" /> An der Außenseite der westlichen Mauer befindet sich ein Monolith mit anthropomorphen Gravuren.

Innerhalb der Mauern gibt es vier Talayots, die zwischen 850 und 650 v. Chr. errichtet und um 500 v. Chr. aufgegeben wurden.<ref name="Infotafel" /> Im nördlichen Talayot, der an der Basis einen elliptische Grundriss von 15,30 m × 13,30 m aufweist, befindet sich ein Raum mit einer zentralen Säule. Die anderen Talayots sind von kreisförmiger Struktur mit 15 bis 17 m Durchmesser.

Datei:Son Catlar Taula enclosure.jpg
Blick in das Taula-Heiligtum

Zentral in der Anlage liegt das hufeisenförmige posttalayotische Taula-Heiligtum, das größte seiner Art auf Menorca.<ref name="TM"/> Der Kapitellstein der Taula, eines aus zwei großen Steinen bestehendes Monuments in T-Form, ist herabgestürzt und zerbrochen. Aufrechte und umgestürzte Monolithen lassen auf radiale Unterteilungen des Raums schließen. Unmittelbar vor dem Heiligtum befindet sich eine Zisterne, die vermutlich eine rituelle Funktion hatte.

Mehrere rechteckige und halbkreisförmige Gebäude warten noch darauf, ausgegraben zu werden. Nahe der nördlichen Mauer wurde ein Säulensaal (Hypostylos) gefunden.

Im Westen, außerhalb der Mauern, befindet sich eine künstliche Begräbnishöhle (Hypogäum) aus der Zeit zwischen 2000 und 1400 v. Chr. Ein 2,45 m langer und 1,40 m breiter Korridor führt in eine Kammer von 5 m Länge und 2,80 m Breite.<ref name="Lagarda i Mata Hypogeums" /><ref name="BCT"/> Ein zweites Hypogäum, das auf das 9. bis 1. Jahrhundert v. Chr. datiert wird,<ref name="Vibot"/> befindet sich unmittelbar südlich der Mauern. Seine Kammer ist 4,30 m lang und 5,20 m lang.<ref name="P65"/>

Literatur

  • Margarita Orfila Pons, Guillem Sintes Espasa, Enric Taltavull Femenías: Guía arqueológica de Menorca. Mahón 1984, ISBN 84-3982134-4

Weblinks

Vorlage:Commonscat

  • Son Catlar auf der Website „The Archaeolgy of Minorca“ (englisch)

Einzelnachweise

<references>

<ref name="BCT">Son Catlar auf der Website BalearsCulturalTour, abgerufen am 18. Februar 2015.</ref>

<ref name="TM">Vorlage:Literatur</ref>

<ref name="P65">Beschluss (PDF; 109 kB) des Exekutivrats des Inselrats zum Schutz der archäologischen Ausgrabungsstätte Son Catlar vom 15. Dezember 2003, Boletín Oficial de las Islas Baleares Num. 20, 24. Februar 2004.</ref>

<ref name="UA">Fechadas las distintas fases de la muralla de Son Catlar en Ciutadella logro de la ultima campana de excavacion de la universidad de Alicante en Menorca. Universidad de Alicante, 21. Juli 2016, abgerufen am 16. Mai 2017 (spanisch).</ref>

<ref name="Prados 2016">Fernando Prados, Helena Jiménez, M. José León, Andrés M. Adroher, Joan C. de Nicolás, José Javier Martínez: Menorca entre Cartago y Roma: Avance de la excavación arqueológica del proyecto modular en el poblado de Son Catlar (Ciutadella). In: VII Jornades d’Arqueologia de les Illes Balears, Maó 30. September bis 12. Oktober 2016, S. 153–160 (spanisch).</ref>

<ref name="AW">Römisches Waffen- und Materiallager auf Menorca gefunden auf der Website der Zeitschrift Antike Welt am 30. Juli 2021, abgerufen am 2. Februar 2022.</ref>

<ref name="Prados PM 1">El equipo de investigadores liderados por el INAPH de la Universidad de Alicante descubre en Son Catlar un depósito completo de materiales romanos. Pressemitteilung der Universität Alicante vom 26. Juli 2021, abgerufen am 2. Februar 2022 (spanisch).</ref>

<ref name="Prados PM 2">Investigadores de la Universidad de Alicante, Granada, Cádiz y Museu de Ciutadella excavan en julio en el yacimiento menorquín de Son Catlar para Proyecto Modular. Pressemitteilung der Universität Alicante vom 5. Juli 2021, abgerufen am 2. Februar 2022 (spanisch).</ref>

<ref name="TCM">Talayotic Culture of Minorca (PDF; 138,4 MB). Consell Insular de Menorca, Januar 2013, S. 45.</ref>

<ref name="RI-Nummer">Kulturerbedatenbank beim spanischen Ministerium für Bildung, Kultur und Sport (Hinweis: Suchen nach „Poblado de Son Catlar“), abgerufen am 18. August 2024.</ref>

<ref name="Jiménez 2019">Vorlage:Literatur</ref>

<ref name="Jiménez 2021">Vorlage:Literatur</ref>

<ref name="whc">Vorlage:Internetquelle</ref>

<ref name="Lagarda i Mata Hypogeums">Ferran Lagarda i Mata: The archaeology of Minorca auf der Webseite www.arqueoguia.com (Hinweis: Auswahl „Prehistoric Archaeology“, „Hypogeums“, „Son Catlar“).</ref>

<ref name="Vibot">Tomàs Vibot: Archäologische Rundreise durch Menorca. El Gall Editor, Pollença 2006, ISBN 978-84-96608-30-6, S. 59f.</ref>

<ref name="Infotafel">Informationstafel in Son Catlar, 6. Oktober 2015.</ref>

<ref name="Pons">Raquel Juan Fraile, Octavi Pons Machado, Querubín Jaun Benejam: Poblat de Son Catlar. Memòria de la campanya juny-setembre de 1995. Associació d’Amics del Poblat de Son Catlar, Ciutadella I998.</ref>

</references>