Zum Inhalt springen

Skaftárkatlar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Vorlage:Infobox See Bei den Skaftárkatlar handelt es sich um ein vulkanisches Hochtemperaturgebiet mit subglazialen Seen im Süden von Island unter dem Vatnajökull. Der westliche Einbruchskessel liegt auf N 64°29′25″, W 17°30′15″, der östliche auf N 64°29′75″, W 17°37′0″.<ref name="BE1">Bergur Einarsson: Jökulhlaups in Skaftá. A study of jökulhlaup from the Western Skaftá cauldron in the Vatnajökull icecap, Iceland. Veðurstofa Íslands, Skyrsla, VÍ 2009-006, 25. (PDF; 5,7 MB) vedur.is (isländisch, englisch); abgerufen am 5. August 2011.</ref>

Name

Die Seen heißen zu Deutsch Kessel der Skaftá, wobei katlar der Plural von ketill (deutsch „Kessel“<ref>H. U. Schmid: Wörterbuch Isländisch – Deutsch. Buske, Hamburg, S. 127.</ref>) ist und Skaftá der Name ihres Abflusses.

Lage und Einflussgebiet

Etwa 10 km nordwestlich der Grímsvötn befinden sich zwei Einbruchskessel im Eisfeld des Vatnajökull, die sog. Skaftárkatlar. Der größere ist der östliche Kessel.<ref name="MTG">Magnús Tumi Guðmundsson, Þórdís Högnadóttir: Skaftárkatlar. Jarðvísindastofnun Íslands (isländisch); abgerufen am 5. August 2011.</ref> Der Durchmesser des größten beträgt knapp 3 km, der westliche hat einen Durchmesser von ca. 2 km.<ref name="BE1" /> Darunter liegt ein ziemlich großes Hochtemperaturgebiet mit einer geschätzten Kapazität von mindestens 500 MW allein für den westlichen kleineren Kessel.<ref name="BE" />

Die Skaftárkatlar entleeren sich regelmäßig durch einen oder mehrere Gletscherläufe, v. a. in den Fluss Skaftá. Eigentlich befinden sich die Skaftárkatlar nahe den Gletscherzungen Tungnaárjökull und Sylgjujökull. Trotzdem fließen ihre Wasser über den Skaftájökull ab. Dies erklärt man sich inzwischen mit geologischen Gegebenheiten: Die Wasser folgen einem Tal und Spalten im Terrain unter dem Gletscher zunächst östlich eines von Südwesten nach Nordosten ausgerichteten Rückens, der eine Verlängerung der Fögrufjöll darstellt. Später quert das Wasser den Rücken und fließt an seiner Westseite in einen westlichen Arm der Skaftá.<ref name="BE2">Bergur Einarsson: Jökulhlaups in Skaftá. A study of jökulhlaup from the Western Skaftá cauldron in the Vatnajökull icecap, Iceland. Veðurstofa Íslands, Skyrsla, VÍ 2009-006, 35. (PDF; 5,7 MB) vedur.is (isländisch, englisch); abgerufen am 5. August 2011.</ref>

Allerdings nähren Forscher auch die Vermutung, dass ein beträchtlicher Teil des aufgetauten Wassers gar nicht in die Gletscherseen fließt, sondern unterirdisch im Gestein versickert, um als sulfatreiche Quellen im Tiefland wieder in Erscheinung zu treten.<ref>Bergur Einarsson: Jökulhlaups in Skaftá. A study of jökulhlaup from the Western Skaftá cauldron in the Vatnajökull icecap, Iceland. Veðurstofa Íslands, Skyrsla, VÍ 2009-006, 28. (PDF; 5,7 MB) vedur.is (isländisch, englisch); abgerufen am 5. August 2011.</ref>

Außerdem hat man in Einzelfällen nachweisen können, dass Wasser aus den Skaftárkatlar bei einem Gletscherlauf in den Flüssen Hverfisfljót und Djúpá zum Vorschein kamen. Erklären lässt sich dies durch den Einfluss von Surges in den betroffenen Gletscherzungen. Auch ein besonders großer Gletscherlauf kann ein Ablenken eines Teiles der Überlaufflüssigkeit bewirken, wie etwa 2006 im Fluss Tungnaá während eines Gletscherlaufes aus dem östlichen Einbruchskessel beobachtet.<ref>Bergur Einarsson: Jökulhlaups in Skaftá. A study of jökulhlaup from the Western Skaftá cauldron in the Vatnajökull icecap, Iceland. Veðurstofa Íslands, Skyrsla, VÍ 2009-006, 37. (PDF; 5,7 MB) vedur.is (isländisch, englisch); abgerufen am 5. August 2011.</ref>

Regelmäßige Gletscherläufe

Ähnlich wie bei den Grímsvötn, nur noch regelmäßiger, entsteht in Abständen von 1 bis 3 Jahren jeweils ein See, genauer gesagt eine Art Wasserblase, unter jedem Einbruchskessel in einer Eishöhle unter der Gletscherdecke. Dabei hebt sich die untere Eisdecke im Kessel um 70–100 m.<ref name="MTG" /><ref name="BE2" /> In letzter Zeit hat sich dies auf einen einjährigen Abstand verkürzt.<ref>vgl. Geschichte der Gletscherläufe</ref>

Diese Seen bilden sich normalerweise durch stetiges Auftauen des Gletschereises über dem darunter liegenden Hochtemperaturgebiet. Dabei produziert der westliche Einbruchskessel etwa 6.000.000 l im Monat, der östliche, größere 9.000.000 l im Monat.<ref name="BE">Bergur Einarsson: Jökulhlaups in Skaftá. A study of jökulhlaup from the Western Skaftá cauldron in the Vatnajökull icecap, Iceland. Veðurstofa Íslands, Skyrsla, VÍ 2009-006, 5. (PDF; 5,7 MB) vedur.is (isländisch, englisch); abgerufen am 5. August 2011.</ref> Wenn der See eine gewisse Höhe erreicht hat, schwimmt das Gletschereis auf ihm auf und unter dem Gletscher Skaftárjökull hervor strömt ein Gletscherlauf<ref>Vegahandbókin. Hrsg.: Landmælingar Íslands.2006, S. 127</ref>, der allerdings im Fluss Skaftá in den letzten Jahren und Jahrhunderten nie katastrophale Ausmaße erreicht hat und meist zwischen 1.000 und 2000 m³/s umfasst.<ref name="BE3">Bergur Einarsson: Jökulhlaups in Skaftá. A study of jökulhlaup from the Western Skaftá cauldron in the Vatnajökull icecap, Iceland. Veðurstofa Íslands, Skyrsla, VÍ 2009-006, 29. (PDF; 5,7 MB) vedur.is (isländisch, englisch); abgerufen am 5. August 2011.</ref>

Andererseits wachsen die Gletscherläufe in der Skaftá immer recht schnell an.<ref name="BE" />

Bei den Gletscherläufen der Skaftá strömen die Wasser zunächst über 40 km unter dem Gletscher hindurch, bis es schließlich im Fluss Skaftá auftaucht. Wenn das Wasser aus den Seen ausströmt, brechen die Kessel (weiter) ein. Man hat dabei 150 m Tiefe im östlichen und 100 m im westlichen gemessen. Kurz vor einem Gletscherlauf hat sich der Boden derart angehoben, dass sie nur 20, 30, 40 m tief sind.<ref name="BE2" />

Die Gletscherläufe der beiden Skaftárkatlar unterscheiden sich jedoch voneinander, wobei der aus dem östlichen Kessel größer wird. Beide halten normalerweise etwa 2 Tage lang an.<ref name="BE3" />

Geschichte der Gletscherläufe der Skaftá

Bis 2015

Seit 1955 hat man 45 Gletscherläufe in der Skaftá gemessen.<ref name="BE" />

Bis 1954 gab es immer wieder kleinere Gletscherläufe, oft verbunden mit vulkanischer Aktivität unter dem Gletscher. Nach 1954 scheint sich diese etwas verstärkt zu haben.

Im Jahr 2010 gab es zwei Gletscherläufe aus den Skaftárkatlar<ref>Skaftárhlaup í júní 2010, Fréttir, Veðurstofa Íslands, 30. November 2011. vedur.is (isländisch); abgerufen am 30. November 2011</ref> mit einer Höchstmenge von ca. 1.400 m³/s am 28. Juni 2010<ref>Afleiðingar Skaftárhlaups. Fréttir, RÚV, 13. Juli 2010 (isländisch).</ref>, Ende Juli 2011 begann wiederum ein kleinerer Gletscherlauf, aus dem westlichen, kleineren Kessel.<ref>Hlaupið í Skaftá, Fréttir, Veðurstofa Íslands, 29. November 2011. vedur.is (isländisch); abgerufen am 30. November 2011</ref><ref>Aukið vatnsmagn í Skaftá, Vísir, 30. November 2011. visir.is (isländisch); abgerufen am 30. November 2011</ref> Der Gletscherlauf aus dem westlichen Kessel war am 5. August weitestgehend abgeklungen. Als höchste Wassermenge hatte man am Sveinstindur 403 m³/s gemessen. Der östliche Kessel hatte sich auch verändert und vergrößert, so dass auch aus ihm ein Gletscherlauf kommen könnte.<ref>Telur líkur á öðru hlaupi. Morgunblaðið, 6. August 2011 (isländisch); abgerufen am 6. August 2011</ref>

2015

Ende September bzw. Anfang Oktober 2015 ist wieder ein Gletscherlauf, diesmal aus dem Eystri Skaftárketill festgestellt worden.<ref>Possibly the largest jökulhlaup. Iceland Met Office, 1. Oktober 2015; abgerufen am 1. Oktober 2015.</ref> Der Eiskessel hat sich bisher um ca. 72 m abgesenkt.<ref>Ice subsidence above eastern Skaftá cauldron. Jökulhlaup – the largest to have occurred. Iceland Met Office; abgerufen am 1. Oktober 2015.</ref> Die höchste an einer Station gemessene Wassermenge betrug bisher ca. 2100 m²/s am Sveinstindur.<ref>vmkerfi.vedur.is Iceland Met Office; abgerufen am 1. Oktober 2015.</ref> Jedoch vermuten Wissenschaftler, dass die Gesamtmenge noch viel größer wäre (bis zu 3.000 m²/s), da bei der Station nur ein geringerer Teil erfasst würde.<ref>Þetta er alveg gríðarlegt flóð, RÚV, 2. Oktober 2015; abgerufen am 13. November 2015.</ref> Das Wasser enthält sehr viel Sedimente.<ref>RÚV við upptökin – mikið sjónarspil. RÚV, 1. Oktober 2015; abgerufen am 13. November 2015.</ref>

Inzwischen hat das vulkanologische Institut der Universität von Island vorläufige Messungsergebnisse mit entsprechenden Zeichnungen (s.Weblinks bzw. Beleg) veröffentlicht. Demnach betrug das tiefste Einsinken des Kessels im Eis 120 m, auf einem Gebiet von 10–12 km² sank der Kessel um mehr als 3 m ein, auf 6,5 km² mehr als 10 m. Der Kessel selbst hat einen Umfang von 300 ± 20 Millionen m³, die Gesamtmenge des ausgelaufenen Wassers 366 ± 44 Millionen m³ incl. des auf dem Wege noch dazugekommenen Tauwassers. Aus den Zeichnungen geht deutlich hervor, dass der Kessel am Boden breiter geworden ist und sich damit insgesamt vergrößert hat.<ref>Vorlage:Webarchiv Vulkanolog. Inst., Univ. v. Island; abgerufen am 13. November 2015.</ref>

Gase

Diese Gletscherläufe der Skaftá bringen meist vulkanische Gase wie Schwefeldioxid mit sich. In höherer Konzentration, d. h. in der Nähe des Gletschers, können diese gesundheitsschädliche Grenzen überschreiten.<ref>Skaftárhlaup: Varað við brennisteinsmengun. Vísir, 20. Juni 2010 (isländisch); abgerufen am 30. Juli 2011</ref><ref>Vorlage:Webarchiv Nat.is (englisch)</ref> Auch beim Gletscherlauf 2015 wird davor gewarnt sich den Gletschern Skaftárjökull, Sylgjujökull und Tungnaárjökull sowie dem Oberlauf der Skaftá zu nähern, weil sich dort gefährliche Gaskonzentrationen befinden können. Auch Ostisland ist bei der derz. Windrichtung betroffen.<ref>Zitat: “Note: Along with the flood water the release of volcanic gases is expected. The gases (i.e. H2S and SO2) move downwind from Skaftá towards the eastern part of Iceland.” IMO, Main page (englisch); abgerufen am 1. Oktober 2015.</ref><ref>Hveralykt berst yfir Austurland. RÚV, 1. Oktober 2015; abgerufen am 1. Oktober 2015.</ref>

Siehe auch

Fotos, Videos und Kartenmaterial

Wissenschaftliche Beiträge

Weblinks

Einzelnachweise

<references />