Der Name „sifridstorff“ findet sich bereits in einer Urkunde vom 3. Juli 1353, als „Claus sifridstorff“ neben anderen Mitgliedern der Schlächtergilde zu Frankfurt (Oder) erwähnt wurde.<ref>Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis, Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Geschichtsquellen für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, erster Hauptteil, 23. Band. G. Reimer Berlin 1862, S. 60.</ref> Im Jahre 1393 wurde der Ort „Syuerstorp“ in einer Urkunde erwähnt, welche Heinrich von Strantz auf Sieversdorf belehnte. Die Familie von Strantz war ebenfalls zu Petersdorf und Petershagen begütert. Sieversdorf, später auch Sifritzdorf<ref>Cornelia Willich: Brandenburgisches Namenbuch. VIII. Die Ortsnamen des Landes Lebus. Hermann Boehlaus Nachf., Weimar 1998, ISBN 3-7400-0918-7, S. 131.</ref> genannt, war ein Dorf mit Rittersitz, Kirche, Pfarre und Schule, und hatte ursprünglich vierundsechzig Hufen. Es blieb in Familienbesitz bis 1777, dann verkaufte der Königliche Major Bogislaw Ehrentreich Wilhelm von Strantz, mangels Erben, Sieversdorf an den Königlichen Geheimen Rath Ludwig von la Motte. Dieser behielt das Dorf nur kurz, 1782 erwarb die Familie von Rohr den Ort und nach dem Tode des Herrn von Rohr gelangte er 1789 in den Besitz des Königlichen Oberamtmanns Philipp Heinrich Karbe (1743–1799), Pächter der Königlichen DomänenChorin und Gramzow. Nach dem Tod des Oberamtmanns 1799 wurde vormundschaftlich verwaltet, 1809 wurde sein Sohn Friedrich Ernst Leopold Karbe Erbherr auf Sieversdorf. Nach seinem Tod 1857 erbte sein ältester Sohn Carl Friedrich Ferdinand Leopold Karbe, ihm sind vermutlich die Umbauten im Schloss und die Neugestaltung des Parks zuzuschreiben. Nach dem 1879 erstmals publizierten Generaladressbuch der Rittergutsbesitzer von Preußen besaß Karbe eine Fläche von 786,25 ha. Man betrieb auch eine Brennerei.<ref>P. Ellerholz, H. Lodemann, H. von Wedell: General-Adressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer im Deutschen Reiche. 1. Band: Das Königreich Preussen, Lfg. 1: Die Provinz Brandenburg. Nicolaische Verlags-Buchhandlung R. Stricker, Berlin 1879, S.62–63, doi:10.18452/377 (hu-berlin.de).</ref>
Karl Julius Wilhelm Ewald von Stünzner-Karbe auf Sieversdorf (1872–1934) war seit 1894<ref>Klaus Gerbet: Carl-Hans Graf von Hardenberg. 1891–1958. Ein preußischer Konservativer in Deutschland. In: Reihe Deutsche Vergangenheit, Band 79, Edition Hentrich, Berlin 1993, ISBN 3-89468-030-X, S. 57.</ref> der Rittergutsbesitzer, da sein Onkel, der Abgeordnete für den Preußischen Landtag,<ref>A. Plate: Handbuch für das preußische Haus der Abgeordneten. Ausgabe Januar 1886. W. Moeser, Berlin 1886, S. 228.</ref> Ferdinand Karbe (* 22. Februar 1825 in Clauswalde; † 11. März 1891 in Berlin), Besitzer der Rittergüter Clauswalde und Sieversdorf, unverheiratet und kinderlos starb. Als Erben wurden die Kinder seines Schwagers Benno Karl Ewald von Stünzner eingesetzt,<ref>Wilhelm Freier: Das Land Sternberg, brandenburgische Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Neumark. Verlag der Rosenzweig’schen Buchhandlung, Zielenzig 1892, S. 98.</ref> bis hin zum Enkel Peter von Stünzner-Karbe, verheiratet mit Brigitta Schulz von Heinersdorf.<ref>Kurt Winckelsesser unter Mitwirkung von Harald Richert: Deutsches Geschlechterbuch 1969. Brandenburger Band 2. In: Gesamtreihe DGB. Brandenburger Band2, DGB Schulz 3 Einzeldruck der Stammfolge. C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1969, DNB456432728, S.39–40.</ref> Im Zeitraum der großen Wirtschaftskrise 1929/1930 beinhaltete das Rittergut Sieversdorf des Ritterschaftsrates und Rittmeisters d. R. a. D. Carl von Stünzner-Karbe genau 926 ha, davon 320 ha Wald. Betrieben wurde eine sehr große Schafsviehwirtschaft, Gesamtverwalter war Hans Splinter.<ref>Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. (1929). Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe über 20 ha. Nach amtlichen Angaben. In: Niekammer (Hrsg.): Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. 4. Auflage. BandVII. Niekammer’s Adressbücher, Leipzig 1929, S.242 (martin-opitz-bibliothek.de).</ref>
Eine weitere Umgestaltung des Gartens wurde 1944 von den Nachkommen angestrebt und der Gärtner Georg Potente am 10. März 1944 zur Gartenberatung eingeladen, zum Aufmaß Ende November und zur Entwurfszeichnung Anfang Dezember 1944 kam es noch,<ref>Jörg Wacker: Georg Potente (1876–1945). Akademie-Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-05-003677-X, S. 14 [Anmerkung: hier fälschlich „Stützner-Karbe“, Sieversdorf]</ref> die Ausführung wurde durch die Umstände des Zweiten Weltkrieges und die folgende Enteignung verhindert.
Gutshaus Der rechteckige, zweigeschossige Putzbau mit Mittelrisalit und neun Achsen, erbaut 1689, war 250 Jahre lang Mittelpunkt des Gutsbetriebes. Ausgestattet mit barocken Stuckdecken, welche der Familie Simonetti zugeschrieben werden, Saal im ersten Stock und barockem Kaminaufsatz, wurde es im 19. Jahrhundert unter Friedrich Ernst Leopold Karbe teilweise um- und ausgebaut. Das große Halbmondfenster in der Mitte des Gebäudes ist Folge des Zeitgeschmacks Gillys, des Vorgängers von Schinkel. Ein Flügel des Hauses enthielt die Schwarze Küche, darüber Gästezimmer und einen Alterssitz der Familie. Seit 1894 im Besitz des Neffen von Ferdinand Karbe (1825–1891), Karl von Stünzner-Karbe, wurde der Betrieb 1945 im Zuge der Bodenreform enteignet und das Gutshaus 1947/1948 zur Hälfte abgetragen. 1993 konnte die Familie von Stünzner-Karbe das Objekt zurück erwerben und sanieren. Die abgerissenen drei Achsen wurden wieder errichtet sowie Dach, Barocksaal und Treppenaufgang renoviert. Bereits seit 1994 finden im Barocksaal regelmäßig Konzerte mit bekannten Künstlern, veranstaltet vom Verein der Kunst- und Denkmalpflege, statt. 2006/2007 war die alte Form, unter Verwendung von EU-Fördermitteln, wiederhergestellt und beherbergt eine Bed & Breakfast Pension. In der alten Hofanlage findet sich die Orgelwerkstatt Scheffler und die Kunst- und Baukeramik Golem, angrenzend ein kleiner Park.<ref>Pausenbeitrag zum Konzert der Reihe GRUNDTON D des Deutschlandfunk vom 21. September 2008 im Gutshaus Sieversdorf</ref> Datei:Gutshaus Sieversdorf Sammlung Duncker.jpgGutshaus Sieversdorf, Sammlung Alexander Duncker
Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaft
Im Ort es gibt diverse Firmen, die international bekannt sind, unter anderem die GOLEM GmbH Kunst- und Baukeramik, welche kunsthandwerklich und restauratorisch tätig ist und die Orgelwerkstatt Scheffler. Die Pension an der Orgelwerkstatt nimmt Pilger des Jakobsweges auf.
Udo Geiseler, Monika Loddenkemper: Sieversdorf. In: Peter Michael Hahn, Hellmut Lorenz (Hrsg.): Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz. Band 2. Nicolaische Verlagsbuchhandlung Beuermann, Berlin 2000, ISBN 3-87584-024-0, S. 546–550; Kommentierte Neuausgabe des Ansichtenwerks von Alexander Duncker (1857–1883), gesamt 2 Bände: Einführung und Katalog, 856 S., 275 farbige, 825 SW-Abb.
Karbe’scher Familienverband e. V. Wülfrath: Geschichte der Familie Karbe. Band I: Zühlen und Blankenburger Linie; Band III: Die Neuendorfer Linie. Die Biegener Linie; insbesondere Band II: Die Gramzower Linie, Der Sieversdorfer Ast. Druckerei Rüss, Potsdam 2005/2006; DNB976743213.