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Siebenmännerhaus

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Das Siebenmännerhaus war eine Gaststätte in der Nähe des Bayerischen Bahnhofs in Leipzig.

Etwa mit der Fertigstellung des Bayerischen Bahnhofs taucht auf Leipziger Plänen und bildlichen Darstellungen westlich des Bahnhofs ein Gebäude auf, dessen Form mit zwei, allerdings unterschiedlich hohen Türmen zunächst an eine Kirche erinnern könnte (Abb. 1 und 2). Es war aber eine Gaststätte, das Siebenmännerhaus. Der Baustil war ähnlich dem des Bayerischen Bahnhofs. Die Adresse lautete Bayrische Straße 1, das ist heute die Arthur-Hoffmann-Straße. Auf späteren Abbildungen (Abb. 3) erscheinen die Türme niedriger.

Das Haus wurde 1845 von einer aus sechs Männern bestehenden Kegelgesellschaft errichtet und im gleichen Jahr an einen Gastwirt verkauft. Dieser sah sich wohl als der siebente Mann an und gab dem Haus den Namen.

Die Gaststätte war bei Vereinen und den studentischen Verbindungen der Universität Leipzig beliebt (Abb. 4). Es wird berichtet, dass die Burschenschaft Roter Löwe Leipzig von den 1880er bis in die 1930er Jahre sich hier versammelte.<ref>Harald Lönnecker: Der Rote Löwe zu Leipzig, Frankfurt am Main 1993, S. 10. (online; PDF; 149 kB)</ref><ref>Amtliche Akademische Auskunftstelle Leipzig (Hrsg.): Verzeichnis der studentischen Verbindungen und Vereine der Universität und Handels-Hochschule Leipzig, 6. Ausgabe, Oktober 1924, Verlag von Alfred Lorentz, Leipzig</ref> Auch die Burschenschaft Alemannia hatte von 1926 bis 1930 ihr Lokal hier.<ref name="GA">Gunnar Auth (Hrsg.): Alemannia sei's Panier! Alte Leipziger Alemannen erinnern sich an ihre Burschenschaft (1861–1935). BoD, Norderstedt 2006, ISBN 3-8334-5068-1, S. 96.</ref> Weiterhin belegt sind:

  • Turnerschaft Albertia,<ref name="UAL">Akte im Universitätsarchiv Leipzig.</ref>
  • Akademischer Turnverein Alemannia,<ref name ="UniKal">Deutscher Universitäts-Kalender, Winter-Semester 1922/23, Verlag Johann Ambrosius Barth, Leipzig.</ref>
  • Landsmannschaft Franconia,<ref name="Eberhard">E. H. Eberhard (Hrsg.): Handbuch der akademischen Vereinigungen an den deutschen Universitäten, Verlag von K. G. Th. Scheffer, Leipzig 1904.</ref>
  • Verbindung Istaevonia (ehem. Juristisch-Staatswissenschaftliche Verbindung),<ref>Buchhandlung Gustav Fock (Hrsg.): Leipziger Universitäts-Kalender, Winter-Semester 1906-07.</ref>
  • Verbindung Mecklenburgia,<ref name="Eberhard" />
  • Akademischer Richard-Wagner-Verein,<ref name="UniKal" />
  • Katholischer Studentenverein Teutonia,<ref name="Eberhard" />
  • Wissenschaftlicher Katholischer Studentenverein Unitas,<ref name="UniKal" />
  • Akademisch-theologischer Verein Vitemberga.<ref name="UAL" />

1899 gründeten russische Studenten an der Leipziger Universität den Russischen Akademischen Verein, der bis 1914 bestand. Auch zu seinen Vereinslokalen gehörte das Siebenmännerhaus.<ref>Dieter Kürschner: Gedankenreisen nach Russland und in die UdSSR, In: Leipzigs Neue, Heft 6 (2011), S. 19. </ref> Das mag wohl auch der Grund dafür gewesen sein, dass Lenin 1914 im Siebenmännerhaus gesprochen hat.<ref>Siegfried Beckert: Als Lenin einst im Leipziger Sieben-Männer-Haus sprach. - Eine wenig bekannte Episode vom Februar des Jahres 1914, In: Neues Deutschland, 1978, Nr. 18, vom 21. Januar 1978, S. 15. (Lit.stelle)</ref>

Noch 1935 konnte der (jüdische) Sportverein Schild Leipzig (im Sportbund des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten) ein geselliges Beisammensein mit rund 300 Teilnehmern im Siebenmännerhaus veranstalten.<ref>Nils Havemann: Fussball unterm Hakenkreuz: Der DFB zwischen Sport, Politik und Kommerz. Campus, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3593379067, S. 273.</ref>

1938 wurde der Betrieb der Gaststätte eingestellt und das Gebäude drei Jahre später abgerissen.<ref>Sebastian Ringel, Vom Wandel der Leipziger Vorstädte, Leipzig 2022, ISBN 978-3-948049-07-2, S. 188.</ref> Das Gelände wurde nicht wieder bebaut und bildet heute zum Teil die Grünfläche am Bayerischen Bahnhof.

Siehe auch

Commons: Siebenmännerhaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Helmut-Henning Schimpfermann: Wirtliches an der Pleiße. Verl. Die Quetsche, Hanau 1991, ISBN 3-9802743-0-6, S. 106.

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 51° 19′ 45,2″ N, 12° 22′ 49,2″ O

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