Shinnyo-En
Shinnyo-En (jap. {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) wörtlich: „Garten der Soheit“) ist eine neue religiöse Gemeinschaft, die im Jahr 1936 in Japan gegründet wurde (offizielle Anerkennung 1953) und gehört zu den Gemeinschaften mit den höchsten Zuwachsraten an Mitgliedern in den letzten Jahrzehnten.<ref>Kawabata und Akiba 2001, S. 5.</ref> Die Gruppe soll 2011 etwa 860 000 Mitglieder gehabt haben.<ref>Pokorny 2011, S. 191.</ref>
Shinnyo-En ist formal zum esoterischen Buddhismus zu rechnen,<ref name="Clarke25">Peter Bernard Clarke: Japanese New Religions: In Global Perspective. Routledge, 2000. ISBN 0700711856. S. 25.</ref> bezieht sich aber in Fragen der Doktrin auf verschiedenste buddhistische Traditionen.
Geschichte
Der Begründer Shinjō Itō ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Itō Shinjō; auch: Kyōshu-sama * 28. März 1906 als Fumiaki Itō, † 19. Juli 1989) stammte aus einer religiösen Familie. Sein Vater war Anhänger des Zen-Buddhismus und der Wahrsagungs-Tradition Kōyōryū ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)). Seine Mutter war eine Tenrikyō-Gläubige. Schon in frühen Jahren soll Shinjō Itō mit der spirituellen Welt Kontakt aufgenommen haben, wie er selbst in seinen späteren Schriften erzählt.<ref>Hubbard 1998, S. 64f.</ref>
1932 heiratete Itō seine Cousine zweiten Grades Tomoji ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), Itō Tomoji; auch Shōjushin’in; geborene Uchida, * 9. Mai 1912, † 6. August 1967). Auch Tomoji hatte einen religiösen, familiären Hintergrund: Als sie vier Jahre alt war, starb ihr Vater, wonach sie von ihrer Großmutter aufgezogen wurde, die zusammen mit ihrer Tochter (Tomojis Tante) als Medium von Kitsune besessene Menschen exorzierte.
Zusammen entwickelten Shinjō und Tomoji Itō ein starkes Interesse für die Lehren der Shingon-shū und ließen sich insbesondere vermittels der Gottheit Fudō Myō-ō in ihre esoterischen Riten initiieren. Nach verschiedenen Visionen im Januar und Februar 1936 kündigte Itō seine Anstellung und widmete sich fortan mit seiner Frau ganz dem religiösen Leben. Zunächst gründeten beide eine religiöse Vereinigung namens Risshōkaku ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)), die aus rechtlichen Gründen mit dem Narita-san Shinshō-ji in Narita assoziiert war; zudem begann Itō Übungen im stark mit Shugendō verbundenen Shingon-Tempel Daigo-ji in Kyōto. Der Tod von Shinjō und Tomoji Itōs damals zwei Jahre alten Sohns Chibun am 9. Juni desselben Jahres gilt als Wendepunkt in der Gemeinde von Shinnyo-En, wonach Shinjō Itō den Tod seines Sohnes als Zeichen für den Beginn einer neuen Zeit verstanden haben soll. Am 8. Juni 1938 erfolgte der erste Spatenstich für das neue Hauptquartier der Bewegung, Shinchō-ji. Wegen der rechtlichen Beschränkungen durch das Gesetz über die Religionsgemeinschaften musste sich dieser Tempel offiziell der Daigo-ji-Linie der Shingon-shū angliedern. Trotz der später erlangten rechtlichen Unabhängigkeit verblieb Shinnyo-En hiernach bis auf den heutigen Tag formal in dieser Linie. Juli 1938 erhielten Shinjō Itō und seine Frau die Erlaubnis zum Bau eines Tempels für die von ihnen gegründete Vereinigung Tachikawa Fudōson Kyōkai ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) in Tachikawa, der spätere Haupttempel von Shinnyo-En. 1941 schloss Shinjō Itō seine Shingon-Studien mit dem Empfang der höchsten Weihen ab.<ref>Hubbard 1998, S. 65f.</ref>
Am 4. November 1946 erhielt erstmals eine Shinnyo-En-Anhängerin von Tomoji Itō die Erlaubnis, als Medium zu agieren. Wenig später wurden auch die Kinder der Itōs zu Medien ausgebildet.<ref>Shiramizu 1979, S. 422f.</ref>
Durch die Lockerungen der religionsrechtlichen Bestimmungen durch den Erlass über die Religionsgesellschaften wurde die Gemeinde schließlich in die 1948 gegründete Vereinigung Makoto Kyōdan ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) überführt.<ref name="Hubbard66f">Hubbard 1998, 66f.</ref> 1950 markierte eine Krise für das Sangha (Gemeinde), als ein Shinnyo-En-Anhänger nach einer vermeintlichen Bestrafung während einer der asketischen Übungssitzungen eine rechtliche Beschwerde gegen Shinjō Itō einreichte, der in der Folge zu einer kurzen Gefängnisstrafe verurteilt wurde.<ref>Shiramizu 1979, S. 423</ref> Medienberichte aus dieser Zeit charakterisierten Makoto Kyōdan neben verschiedenen anderen zeitgenössischen neuen religiösen Bewegungen (wie Sekai Kyūseikyō und Reiyūkai) als die neuen, liberalen Gesetze missbrauchend dar.<ref name="dorman">Benjamin Dorman: “<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />SCAP’s Scapegoat? The Authorities, New Religions, and a Postwar Taboo ( des Vorlage:IconExternal vom 27. September 2007 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.”, in: Japanese Journal of Religious Studies 31/1: S. 133 (PDF-Datei, 296,1 kB; Englisch).</ref> Im Mai 1953 wurde Makoto Kyōdan unter den Bestimmungen des Gesetzes über die Religionsgesellschaft mit dem Namen Shinnyo-En offiziell durch den japanischen Staat anerkannt.<ref name="Hubbard66f" />
1966 erhielt Shinjō Itō vom Daigo-ji den Titel eines Daisōjō ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)), Tomoji den eines Gon-Daisōjō ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)<ref>vgl. Geistlicher Rang in Japan</ref>). Im selben Jahr machte eine Delegation von Theravada-Buddhisten aus Thailand ihre Aufwartung bei der Gemeinde; der Theravada-Einfluss aus dieser Zeit blieb bis heute bestehen (so besteht eine Shinnyo-En-Praxis im Chanting der dreifachen Zuflucht auf Pali<ref>Hubbard 1998, S. 80</ref>). Kurz nach einer Europa-Reise von Shinjō und Tomoji Itō, wo sie den Papst und andere religiöse Würdenträger besuchten, verstarb Tomoji.<ref name="Hubbard67">Hubbard 1998, S. 67.</ref>
1973 wurde der erste Shinnyo-En-Tempel außerhalb Japans auf Hawaii gegründet. Mittlerweile unterhält Shinnyo-En mehrere Dutzend Tempel, davon außerhalb Japans u. a. in Australien, Belgien, Brasilien, Deutschland (Berlin, Frankfurt, Hamburg, München), Frankreich, Hongkong, Italien, Korea, Singapur, Taiwan, Thailand, UK, und den USA.<ref>Shinnyo-En: Shinnyo-En locations around the world. Abgerufen am 21. Dezember 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
1983 wurde die Dharmalinie offiziell den beiden Töchtern von Shinjō und Tomoji Itō, Masako (auch Shinsō; * 25. April 1942) und Shizuko (auch Shinrei; * 5. Oktober 1943) Itō, übertragen. Masako erhielt vom Daigo-ji den Titel Daisōjō und Shizuko den Titel Gon-Daisōjō. Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1989 wurde Masako seine erste Nachfolgerin (Keishū-sama) und Oberhaupt ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), enshu) von Shinnyo-En.<ref name="Hubbard67" />
Lehre
Die Shinnyo-En-Lehre basiert auf dem Mahāparinirvāṇa-Sūtra, mit dem Shinjō Itō sich seit den späten 1950er Jahren intensiv beschäftigt hatte. Shinnyo-En zufolge sind die zentralen Doktrinen dieses Textes<ref>Hubbard 1998, S. 68–70.</ref>
- Die Ewigkeit Buddhas und die Unveränderlichkeit seiner Lehre
- Die Möglichkeit für alle Lebewesen, Buddhaschaft zu erlangen (vgl. Buddha-Natur)
- Die vier Vollkommenheiten (guṇapāramitās), d. h. Permanenz, Freude, Selbst und Reinheit ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), jō-raku-ga-jō)
Eine weitere zentrale Doktrin ist das stellvertretende Leiden ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), bakku-daiju), das in Shinnyo-En vor allem durch die zwei Kinder (Ryōdōji-sama), d. h. die verstorbenen Söhne Chibun (s. o., postum Kyōdōin) und Yuichi († Juli 1952 im Alter von 15 Jahren, postum Shindōin) geprägt ist, die in der Vorstellung von Shinnyo-En durch dieses stellvertretende Leiden in der Geisterwelt als Bodhisattvas die Lebewesen der diesseitigen Welt aus ihren karmischen Verstrickungen erlösen.<ref>Hubbard 1998, S. 70f.</ref>
In Verbindung mit dem Bakku-daiju steht das diesem nachgelagerte Shōju ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); skt. parigraha), die Umarmung und Akzeptanz durch Tomoji, die seit ihrem Tod allen Lebewesen zugeeignet sein und ihnen auf dem Weg zur Erleuchtung helfen soll.<ref name="Clarke25"/><ref>Hubbard 1998, S. 72f.</ref>
Praxis
Ein distinktes Merkmal in der Praxis von Shinnyo-En sind Sesshins (nicht zu verwechseln mit den Sesshins im Zen-Buddhismus), bei dem durch die Geisterworte ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), reigen) von Medien ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), reinōsha) mit der Welt der Geister ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), shinnyo reikai) interagiert werden soll.<ref name="Clarke25"/> Diese (nahezu ausschließlich japanischen) Medien übernehmen auch in der Regel die Leitung von Shinnyo-En-Gruppen ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), suji),<ref name="Clarke26">Peter Bernard Clarke 2000, S. 26.</ref> die aus mindestens einhundert Familien von Gläubigen bestehen.<ref>Nagai 1995, S. 304.</ref>
Ziel der Sesshins ist das Verständnis und die Aufhebung von karmisch bedingtem Leiden, das sich in allen möglichen Formen persönlicher Probleme manifestieren kann. Die mindestens einmal pro Monat zusammentretenden Gruppen, deren Größe bis zu 50-60 beträgt, werden bei den Sesshins von bis zu 12 Reinōsha angeleitet, die durch diverse esoterische Rituale Kontakt mit der Geisterwelt aufnehmen.<ref>Hubbard 1998, S. 74.</ref>
Den Kern der Bemühungen im Alltag bilden drei heilige Übungen ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), mittsu-no-ayumi):<ref name="Clarke26"/><ref>Nagai 1995, S. 308f.</ref>
- Otaske ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) oder {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), otasuke, dt. „Helfen“), d. h. weiterleiten von Segenskraft durch helfende Worte, nicht lügen, Zuhören... und auch Missionierung.
- Kangi ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), auch kanki; dt. „Freudiges Geben“), d. h. Abführen von Spenden an Hilfsorganisationen, die Gesellschaft, und Shinnyo-En
- Gohōshi ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); dt. „Dienst“), d. h. Arbeit für die Gesellschaft, z. B. "Körpereinsatz" durch Dienste in der Gesellschaft oder in den Tempeln, Putzarbeiten o. ä. in den Tempeln oder öffentlichen Plätzen
Das tatsächliche Praktizieren dieser Übungen soll einem innerhalb Shinnyo-En dabei helfen, in den Rang eines Reinōsha aufzusteigen (ein Prozess, der im Durchschnitt ca. 16 Jahre dauert<ref>Kawabata und Akiba 2001, S. 6.</ref>), obwohl dieser Aufstieg als fundamental durch die Geisterwelt bestimmt vorgestellt wird.<ref>Hubbard 1998, S. 77.</ref> Die Entscheidung über die Verleihung des Reinōsha-Titels obliegt jedoch tatsächlich einem ständigen Gremium von Shinnyo-En, dem Sōshōeza ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)).<ref>Shiramizu 1979, S. 434.</ref> Danach durchlaufen die neuen Medien einen 12 bis 18 Monate langen Trainingskurs, an dem nur Medien teilnehmen.<ref>Shiramizu 1979, S. 437.</ref>
Literatur
- Hiroko Shiramizu: “Organizational mediums: A case study of Shinnyo-en.”, in: Japanese Journal of Religious Studies, September 1979, 6/3, pp. 413–44 (PDF-Datei, 456,4 kB; Englisch).
- Mikiko Nagai: “Magic and self-cultivation in a New Religion: The case of Shinnyoen.”, in: Japanese Journal of Religious Studies, Fall 1995, 22/3-4, pp. 301–20 (PDF-Datei, 197,7 kB; Englisch).
- Jamie Hubbard: “Embarrassing Superstition, Doctrine, and the Study of New Religious Movements”, in: Journal of the American Academy of Religion, Vol. 66, No. 1. (Spring, 1998), pp. 59–92.
- Akira Kawabata, Yutaka Akiba: "Deep into the Shinnyo Spiritual World ", in: International Journal of Japanese Sociology, Volume 10 Issue 1, November 2001, pp. 5–15.
- Pokorny, Lukas (2011). <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Neue religiöse Bewegungen in Japan heute ( vom 14. Dezember 2013 im Internet Archive). In: Hödl, Hans Gerald and Veronika Futterknecht, ed. Religionen nach der Säkularisierung. Festschrift für Johann Figl zum 65. Geburtstag, Wien: LIT
- Atsuko Usui: “Women's ’Experience’ in New Religious Movements: The Case of Shinnyoen.”, in: Japanese Journal of Religious Studies, Fall 2003, 30/3–4, pp. 217–241 (PDF-Datei, 226,2 kB, Englisch).
- Shinjo Ito: Shinjo: Reflections, Somerset Hall Press, 2009.
- Schrimpf, Monika (2003). <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Counseling in New Religious Movements - The case of Shinnyo-en and PL Kyodan ( vom 14. Mai 2011 im Internet Archive). Tokyo: Deutsches Institut für Japanstudien.
- Schrimpf, Monika (2004). <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Notions of Secrecy in a New Religious Movement in Japan: A Study of Shinnyo-en ( vom 14. November 2014 im Internet Archive). In: Kleine, Christoph; Schrimpf, Monika; Triplett, Katja (Hrsg.), Unterwegs - Neue Pfade in der Religionswissenschaft, München: Biblion Verlag, S. 309–318
- Schrimpf, Monika (2007). Ein esoterisch-buddhistischer Weg zum Glück - Shinnyoen. In: Michael Pye; Katja Triplett, Streben nach Glück : Schicksalsdeutung und Lebensgestaltung, Berlin: Lit Verlag; S. 107–130
- Jay Sakashita, Shinnyoen and the transmission of Japanese new religions abroad. Thesis, University of Stirling 1998.
Weblinks
- Offizielle Website (deutsch)
- Offizielle Website (englisch)
- Offizielle Website (japanisch)
- Shinnyo-En Foundation (englisch)
Einzelnachweise
<references/>