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Serhane Ben Abdelmajid

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Serhane Ben Abdelmajid Fakhet (* 10. Juli 1968 in Tunesien; † 3. April 2004 in Leganés, Spanien) war ein tunesischer islamistischer Terrorist und der Haupttäter der Madrider Zuganschläge vom 11. März 2004. Er beging Suizid, als die spanische Polizei ihn mit weiteren Terroristen aufspürte.

Biografie

1996 siedelte Abdelmajid aus dem Stadtviertel El Ghazala in Tunis nach Madrid über, um an der dortigen Universidad Autónoma Sprachen und Ökonomie zu studieren.<ref name="suicidas" /> Er schloss das Studium nicht ab, lebte aber in besseren Bedingungen als die meisten Migranten aus dem Maghreb in Wohngemeinschaften und hatte eine französische Freundin. In der Moschee von Madrid arbeitete er als Buchhalter und erhielt dort offenbar über das Al-Qaida-Mitglied Amer Azizi<ref>Al Qaeda confirma la muerte de un terrorista clave del 11-M. In: El País, 8. Mai 2010 (spanisch); Fernando Reinares: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />The Evidence of Al-Qaida’s Role in the 2004 Madrid Attack. (Memento des Vorlage:Referrer vom 13. Juni 2017 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/archiv-bot In: Combating Terrorism Center at West Point, 22. März 2012 (englisch).</ref> Zugang zu islamistischen Kreisen. Während er laut Zeugen noch um das Jahr 2000 geraucht und getrunken habe, radikalisierte sich seine Weltsicht zunehmend, bis er sich von seiner Umgebung weitgehend isoliert und auch moderate Muslime als Ungläubige beschimpft habe.<ref name="figueras">Amanda Figueras: Sarhane ‘el Tunecino’, un radical muy conocido entre los musulmanes. In: El Mundo, 4. April 2004 (spanisch).</ref> 2002 heiratete er die Schwester des in Madrid lebenden Islamisten Mustapha Maymuni, dem eine Beteiligung an den Anschlägen von Casablanca 2003 zur Last gelegt wird. Mitte 2003 begann Abdelmajid für eine Immobilienfirma zu arbeiten.

Abdelmajid formte die Terrorzelle, die die Anschläge vom 11. März 2004 ausführten, zu Beginn des Jahres 2003 maßgeblich mit, wahrscheinlich wegen der spanischen Beteiligung am Irak-Krieg. Ein V-Mann berichtete im späteren Gerichtsprozess gegen Tatbeteiligte, Abdelmajid habe damals „Märtyrer“ gesucht;<ref>Paloma D. Sotero: El confidente ‘Cartagena’ dice que vio a ‘El Tunecino’ con policías de la UCIE. In: El Mundo, 7. März 2007 (spanisch).</ref> er sprach Kontaktpersonen und mögliche Helfer an und sorgte anscheinend für deren Finanzierung, als er den mutmaßlichen Drogenschmuggler Jamal Ahmidan, den vermuteten Operationsleiter der Zuganschläge, an die Terrorzelle heranführte.<ref name="ABC" /> Seit der zweiten Jahreshälfte 2003 deutete er gegenüber Zeugen aus seinem Umfeld an, dass etwas „Großes“ geplant sei. Er galt nach den Erkenntnissen der Ermittler als „dynamisierendes Element“ in der Radikalisierung der Gruppe und als deren „ideologischer Kopf“.<ref name="suicidas">Los Suicidas de Leganés. In: El Mundo, April 2004 (spanisch).</ref> Abdelmajid war bis zum 8. März 2004 von der Polizei überwacht worden, ohne dass diese über den konkreten Verdacht informiert war. Er gilt auch als „Impulsgeber“ der Anschläge, da er die unterschiedlichen beteiligten Gruppen koordinierte und steuerte sowie Kontakt zu Al-Qaida hielt.<ref>José Yoldi, Jorge A. Rodríguez: La autoría intelectual del 11-M corresponde a „líderes de la insurgencia iraquí y de Al Qaeda“. In: El País, 29. September 2006 (spanisch).</ref> Da von ihm kein DNA-Material an den Vorbereitungsorten gefunden wurde, vermuten die Ermittler, dass Abdelmajid nicht selbst an der Ausführung beteiligt war, sondern diese delegierte.<ref name="suicidas" />

Datei:Vivienda en Leganes destruida por los terroristas - 2004.JPG
Gesprengtes Gebäude in Leganés

Mit weiteren sechs Mitgliedern der Terrorzelle, die das Kommandozentrum der Anschläge gebildet hatten, hielt sich Abdelmajid im Lauf des März 2004 in einer konspirativen Wohnung im Madrider Vorort Leganés auf. In der Nacht zum 27. März 2004 nahmen sie eine (unveröffentlichte, später rekonstruierte) Videobotschaft auf.<ref name="ABC">El suicidio colectivo en el piso de Leganés evitó otros atentados del grupo que perpetró el 11-M. In: ABC, 2. April 2005 (spanisch).</ref>

Nachdem die Ermittlungsbehörden Abdelmajid als Hauptverdächtigen ermittelt hatten – vier Tage nach den Zuganschlägen gab die spanische Polizei seinen Namen an Interpol weiter –,<ref name="figueras" /> wurde ab dem 31. März 2004 nach ihm mit Hilfe eines internationalen Haftbefehls gesucht. Die Ermittler glaubten zunächst, dass er und seine Gruppe sich bereits außerhalb Spaniens aufhalten würden. Bei einer Razzia im Madrider Vorort Leganés am 3. April 2004 wurden die sieben Mitglieder der Terrorzelle in der konspirativen Wohnung aufgespürt; es kam zunächst zu einem Schusswechsel mit Polizisten der Spezialeinheit Grupo Especial de Operaciones (GEO), dann sprengte sich der Tunesier mit seinen sechs Komplizen in die Luft.<ref>Madrid ‘Ringleader’ Dies in Blast. In: BBC.co.uk, 4. April 2004 (englisch).</ref> Offenbar hatte die Gruppe weitere Anschläge geplant, die dadurch verhindert wurden. Vor der Explosion rief Abdelmajid offenbar den Europachef von Al-Qaida, Abu Qatada, in London an, vermutlich um Kollektivsuizid anzukündigen, und verabschiedete sich telefonisch von seiner Ehefrau.<ref name="ABC" /> Bei der Explosion starb auch ein Polizeibeamter.

Abdelmajid wurde Anfang 2006 auf dem Friedhof von Leganés bestattet.<ref>F. Javier Barroso: El juez ordena enterrar en Leganés 21 meses después del 11-M a seis de los suicidas. In: El País, 17. Januar 2006 (spanisch).</ref> Er wurde in spanischen Medien auch El Tunecino (dt. „Der Tunesier“) genannt.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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