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Sendergruppe Alpenland

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Vorlage:Österreichbezogen Die Sendergruppe Alpenland war ein Hörfunksender, der von November 1945 bis 1954/55 von der britischen Besatzungsmacht im Nachkriegsösterreich in deren Besatzungszone (heutige Bundesländer Kärnten und Steiermark) betrieben wurde.

Geschichte

Datei:Dobl Sender komplett.jpg
Der Sender in Dobl war der Hauptsender der Sendergruppe Alpenland. (2013)

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde am 8. August 1945<ref>Sendergruppe Alpenland: Neues Rundfunkprogramm, in: Grazer Volkszeitung, 7. August 1945, S. 5. Programm für Mittwoch, den 8. August, in: Grazer Volkszeitung, 8. August 1945, S. 3. (Online bei ANNO).</ref> von der britischen Besatzungsmacht in Österreich in deren Besatzungszone die Sendergruppe Alpenland gebildet. Der Sendebetrieb erfolgte von den bereits davor von den Briten betriebenen Sendern Alpenland (Dobl), Graz und Klagenfurt. Der Sender Dobl war in den Jahren 1939 bis 1941 nach Plänen von Walther Schmidt gebaut worden und diente als besonders leistungsstarker Mittelwellensender für die Sendung von Propaganda in Richtung Balkan. Die Briten nutzen den Sender ebenfalls, um das Programm der BBC in Richtung Jugoslawien zu senden. Am 1. März 1948 kam ein weiterer Sender im Schlosspark von Schönbrunn in Wien hinzu.<ref>am Südende des Schlossparks laut Oesterreichischem Musiklexikon, im Vorgelände des Kurierflugplatzes im Nordosten laut Vorlage:Wien Geschichte Wiki</ref> Dieser hatte anfangs eine Leistung von 0,25 kW und wurde später auf 1,5 kW erweitert. Anfangs noch auf Deutsch und Englisch ausgestrahlt, kamen ab 1948 weitere Sprachen hinzu. In diesem Jahr tauchten auch Unstimmigkeiten betreffend den rechtmäßigen Besitzern des Senders auf.

In NS-Zeiten hatte die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft das heute denkmalgeschützte Gebäude der Villa Ferry (auch Villa Ferri oder Ferrischloß, Zusertalgasse 14a) bezogen und es zu ihren Senderäumen adaptiert.<ref name="Besitzer?">Wem gehört der „Sender Alpenland“?. In: Arbeiterwille. Sozialdemokratisches Organ der Alpenländer / Arbeiterwille. Organ des arbeitenden Volkes der Alpenländer / Arbeiterwille. Organ des arbeitenden Volkes für Steiermark und Kärnten / Arbeiterwille. Organ des arbeitenden Volkes für Steiermark, Kärnten (und Krain) Neue Zeit. Organ der Sozialistischen Partei Steiermarks, 13. März 1948, S. 4 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/awi Abgerufen am 18. Dezember 2020.</ref> Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Sender von den Steirern übernommen und anfangs als „Freiheitssender“ betrieben.<ref name="Besitzer?"/> Von der steirischen Landesregierung wurde Ing. Dietrich Cordes zum Leiter bestellt. Grundbuchlich war im Jahre 1948 noch immer die nicht mehr existierende Reichs-Rundfunk-Gesellschaft der Besitzer der Villa Ferry.<ref name="Besitzer?"/> Offiziell war der Gebäudekomplex auch nie von der britischen Besatzungsmacht beschlagnahmt worden.<ref name="Besitzer?"/> Erschwerend kam hinzu, dass die Sendergruppe Alpenland ausschließlich von den Geldern der Rundfunkteilnehmer erhalten wurde, die Steuern zur Gänze der Finanz abführte und der Sender somit in reiner österreichischer Regie arbeitete.<ref name="Besitzer?"/> Von den Briten war im Jahr 1945 lediglich der Kontrolloffizier Doktor Jan Bronislaw Janovsky beigegeben worden, der dieses Amt zu diesem Zeitpunkt noch immer innehatte.<ref name="Besitzer?"/> Als dieser im Februar 1948 die Kündigung von zwölf Angestellten des Senders unterzeichnet hatte, ging es in weiterer Folge mit einem Einspruch gegen diese Kündigungen vor das Einigungsamt, wo festgestellt wurde, dass der Sender in keinem dienstlichen Verhältnis zu den Briten stehen würde und lediglich österreichische Stellen für Aufnahme und Kündigung der Angestellten verantwortlich sein können.<ref name="Besitzer?"/> Weiters stellte man fest, dass selbst die Zahlungen durch die österreichische Postdirektion erfolgten und nicht über die Briten.<ref name="Besitzer?"/> Dabei wurde auch festgestellt, dass „Sendergruppe Alpenland“ nur eine Schutzmarke sei, aber keine juristische Person.<ref name="Besitzer?"/> Ähnliche Unklarheiten gab es auch bei Radio Wien.<ref>Die „Ravag“ ist nicht die „Ravag“. In: Neues Oesterreich/Neues Österreich. Organ der demokratischen Einigung, 17. November 1948, S. 3 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nos</ref>

Im Februar 1948 wurden bei der Sendergruppe Alpenland Radiobeiräte eingerichtet.<ref>Radiobeiräte bei den Alpenlandsendern. In: Weltpresse. Unabhängige Nachrichten und Stimmen aus aller Welt / Weltpresse, 26. Februar 1948, S. 9 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/dwp</ref> Im Mai 1949 übernahm Peter Goritschnig die Leitung des Klagenfurter Studios,<ref>Wann wird der Sender wirklich österreichisch?. In: Volkswille. Organ der kommunistischen Partei Österreichs. Land Kärnten / Volkswille. Tageszeitung für Kärnten, 8. Mai 1949, S. 3 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/vow</ref> die er bis 1978 innehatte (1954–67 zusammen mit Graz).

Nachdem die BBC Ende August 1948 täglich noch 2,5 Stunden sendete, strahlte sie ihr Programm gegen Jahresende 1948 bereits acht Stunden täglich in den Sprachen Tschechisch, Ungarisch, Serbokroatisch, Slowenisch, Rumänisch und Italienisch über den Sender Dobl aus.<ref name="Dobl" /> Die Zuspielung aus London erfolgte dabei per Kurzwelle und war sehr störungsanfällig.<ref name="Dobl" /> Nach Regulierung durch den Kopenhagener Wellenplan, der bereits 1948 ausgearbeitet worden war, änderte der Sender am 15. März 1950 seine Sendefrequenz auf 1025 kHz und strahlte ab August 1950 ein zweites Programm aus.<ref name="Dobl">Sender Dobl auf wabweb.net, abgerufen am 17. Dezember 2020.</ref> Davor hatte der Sender nach Inkrafttreten des Luzerner Wellenplans im Jahre 1934 die Frequenz 886 kHz verwendet.<ref name="Dobl" /> Ebenfalls 1950 wurde von den Briten geplant die Sendergruppe Alpenland – nach dem Vorbild von Radio Luxemburg – in eine kommerzielle Gesellschaft umzuwandeln.<ref name="Dobl" /> Diese hätte es ihnen erlaubt, weiter Propagandasendungen über Dobl ausstrahlen zu können.<ref name="Dobl" /> Durch den Kopenhagener Wellenplan verlor die BBC den Standort Hamburg-Norden (120 kW), was dem Standort Dobl zugutekam, der dadurch eine Aufwertung erfuhr.<ref name="Dobl" />

Für Graz stand aber nur ein 200-kW-Sender zur Verfügung, der auf 519 kHz betrieben wurde.<ref name="Dobl" /> Ein weiterer 15-kw-Sender in St. Peter erhielt laut Kopenhagener Wellenplan gemeinsam mit Klagenfurt die Frequenz 719 kHz zugewiesen.<ref name="Dobl" /> Da sich diese als völlig unbrauchbar erwies, als hier ab dem 1. Mai 1951 Radio Free Europe aus Holzkirchen mit der zehnfachen Leistung sendete, wurde die Frequenz in weiterer Folge auf 728 kHz gewechselt.<ref name="Dobl" /> Nachdem die österreichischen Behörden bereits seit längerer Zeit bestrebt waren, den starken Sender in Dobl besser selbst nutzen zu können, da es mit dem viel schwächeren Sender in St. Peter nicht einmal möglich war, die gesamte Steiermark vernünftig abzudecken, forderten sie eine Freigabe des Senders durch die Briten.<ref name="Dobl" />

Mit dem 22. Jänner 1954 ging die Sendergruppe Alpenland an den am 19. Mai 1953 gegründeten Österreichischen Rundfunk (ORF) über.<ref name="Dobl" /> Anderen Quellen zufolge gingen die Sender erst mit dem Ende der Besatzungszeit im Jahre 1955 vollständig in den Bestand des Österreichischen Rundfunks, da vom Schönbrunner Sender noch bis 1955 einzelne britisch kontrollierte Sendungen ausgestrahlt wurden.

Radiosender der anderen Besatzungszonen

  • Die Sendergruppe des Radiosenders Rot-Weiß-Rot hatte ihren Sendebetrieb anfangs in Salzburg, ehe im November 1945 der Sendebetrieb auch in Wien aufgenommen und der Schwerpunkt des Senders dorthin verlegt wurde. Anfangs kam dafür ein Mittelwellensender des Militärs auf der Sulzwiese am Kahlenberg zur Verwendung, ehe man den Sender nach Grinzing verlegte, da sich der Sender am Kahlenberg in der sowjetischen Besatzungszone befand. Ebenfalls wurden von der Sendergruppe der Sender am Mönchsberg in Salzburg und der Sender Freinberg in Linz genutzt. 1951 folgte auf den Steinhof-Gründen am Wilhelminenberg in Wien ein neuer stärkerer Sender. Später folgten neue Sendeanlagen in Kronstorf in Oberösterreich und in Salzburg.

Siehe auch

Literatur

  • Reinhold Westphal: Sendergruppe Alpenland. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 4, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, ISBN 3-7001-3046-5.
  • Rainer Hilbrand: Die Sendergruppe Alpenland 1945–1954. Salzburg 1987 (Univ. Salzburg, Diss., 1987).

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 47° 5′ 23″ N, 15° 26′ 24″ O

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