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Semantisches Objektmodell

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Das Semantische Objektmodell (SOM) ist eine Methodik zur konzeptionellen Modellierung von Typen betrieblicher Systeme. Bisher gibt es keine Referenz in der nationalen oder internationalen Standardisierung.

Herkunft

Das Projekt SOM wurde als querschnittliches, permanentes Forschungsprojekt gemeinsam von den Lehrstühlen von Otto K. Ferstl und Elmar J. Sinz an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg durchgeführt, die auch die initialen Forschungsarbeiten in den 1990er-Jahren durchführten<ref>Ferstl O. K., Sinz E.J.: Objektmodellierung betrieblicher Informationssysteme im Semantischen Objektmodell (SOM). In: Wirtschaftsinformatik Band 32, Heft 6 (1990), S. 566–581</ref><ref>Ferstl O. K., Sinz E.J.: Ein Vorgehensmodell zur Objektmodellierung betrieblicher Informationssysteme im Semantischen Objektmodell (SOM). In: Wirtschaftsinformatik Band 33, Heft 6, Dezember 1991, S. 477–491</ref>; aus ihm stammen wesentliche Grundlagen für das Methodenkonzept der „Bamberger Wirtschaftsinformatik“.

Die SOM-Methodik unterscheidet drei Modellebenen eines betrieblichen Systems:

  • den strategischen Unternehmensplan (Außenperspektive),
  • die operationellen Geschäftsprozessmodelle von Prozesstypen (Innenperspektive) und
  • die Spezifikationen zur Implementierung von Anwendungssystem (Ressourcenperspektive).

Die Modellebenen sind verallgemeinernd durch je eine spezifische Metapher und entsprechende Metamodelle definiert. Zum Beispiel werden Geschäftsprozesse auf Aufgabenträgerebene als verteilte Systeme modelliert, bestehend aus Objekten, die sich untereinander in Bezug auf eine gemeinsame operationelle Zielsetzung mittels autonomem Verhandlungsprinzip oder nach geschlossenem Regelungsprinzip koordinieren.

Methodiken

Zum Aufbau eines Semantischen Objektmodells wurden mehrere Methodiken angewendet:

Unternehmensarchitektur

1. Modellebene 2. Modellebene 3. Modellebene
Name Unternehmensplan Geschäftsprozesse Ressourcen
Abbildungsperspektive Außenperspektive Innenperspektive Innenperspektive
Differenzierung keine Trennung von
Aufgabenebene und
Aufgabenträgerebene
ausschließlich
Aufgabenebene
ausschließlich
Aufgabenträgerebene
Betrachtungs-
kategorien
Unternehmensplan Geschäftsprozess Aufbauorganisation,
Anwendungssysteme,
IT-Infrastruktur,
Maschinen und Anlagen
Betrachtungs-
gegenstände
1. Festschreibung der
Unternehmensaufgabe

2. Definition initialer Ziele
(Sachziele und Formalziele)

3a. Analyse der Umwelt auf
exogene Erfolgsfaktoren
(Chancen und Risiken)
3b. Analyse der Diskurswelt
auf endogene Erfolgsfaktoren
(Stärken und Schwächen)

4a. Unternehmensstrategie
4b. Marktstrategie
4c. Formalstrategie

5a. Definition der Leistungs-
beziehungen
5b. Definition der Wert-
schöpfungsketten
5c. Festlegung konkreter Ziele

6a. Entwicklung von Strategien
6b. Definition von Ressourcen
1. Spezifikation von
Lösungsverfahren zur
Umsetzung des
Unternehmensplans

2. Detaillierung der
Leistungsbeziehungen

3. Verfeinerung der
Wertschöpfungsketten
zu Geschäftsprozessen

4a. Darstellung des
Beitrags zur Sachziel-
erfüllung durch
Geschäftsprozesse
4b. Darstellung der
Unterstützung von
Formalzielen, Erfolgs-
faktoren und Strategien
durch Geschäftsprozesse

5. Aufdeckung der
Lenkung von
Geschäftsprozessen
1. Verfeinerung der im
Unternehmensplan
definierten Ressourcen

2. Aufbauorganisation zur
Darstellung der Personal-
ressourcen

3a. fachliche Spezifikation
der Anwendungssysteme
(als objektorientierte oder
objektintegrierte verteilte
Anwendungssysteme) und
ihrer Integration in die An-
wendungssystemarchitektur
3b. Ausweisung der
Beziehungen zwischen
Anwendungssystemen
und Geschäftsprozessen

4. Definition der IT-Infra-
struktur

5. technische Spezifikation
von Maschinen und Anlagen

Vorgehensmodell

1. Modellebene 2. Modellebene 3. Modellebene
Name Unternehmensplan Geschäftsprozesse Ressourcen
strukturorientierte
Sichten
Objektsystem Interaktions-Schema konzeptuelles Objekt-Schema
verhaltensorientierte
Sichten
Zielsystem Vorgangs-Ereignis-Schema Vorgangs-Objekt-Schema

Koordinationsprinzipien

In Systemen nach dem Semantischen Objektmodell wird die Koordination zwischen den zielgerichteten Objekten, insbesondere zwischen den Objekten der Geschäftsprozesse, entweder durch

  • eine Methode nach dem Regelungsprinzip (hierarchische Koordination) mit vorwärtsgerichteten (feed forward) Steuertransaktionen und rückmeldenden (feedback) Kontrolltransaktionen wirken, also das gegebene Regelstreckenobjekt und ein hinzugefügtes Reglerobjekt fest koppeln oder
  • eine Methode nach dem Verhandlungsprinzip (nicht-hierarchische autonome Koordination) mit Anbahnungs-, Vereinbarungs- und Durchführungstransaktionen, also mit autonomen Agenten und einer zusammenhängenden Zielsetzung

abgebildet.

Objektsystem

Das Objektsystem als offenes (interagiert mit der Umwelt) und zielgerichtetes System beinhaltet die im SOM betrachteten Objekte der Diskurswelt und der relevanten Umwelt.

Beispiele dafür sind Aufgabenobjekt (Gegenstand, an dem eine Verrichtung durchgeführt wird), Aufgabe (eine Verrichtung) und Aufgabenträger (personelle oder technische Ressource zur Aufgabenerfüllung).

Werkzeugunterstützung und Verbreitung in der Praxis

Das Semantische Objektmodell wird hauptsächlich in Lehre und Forschung eingesetzt und hat kaum praktische Verbreitung erlangt. Wesentliche Ursache dafür ist die fehlende Verfügbarkeit einer Software zum praktischen Einsatz des SOM.

Die beiden auf C++ basierenden Umsetzungen des SOM durch Software, SOM-V3 und SOMpro der SFB Solutions For Business GmbH, wurden wegen der geringen Verbreitung und des hohen Pflegeaufwandes aufgegeben.

Seit 2014 wurde intensiv an der Umsetzung eines Modellierungswerkzeugs für die SOM-Methodik, basierend auf der ADOxx Metamodellierungsplattform gearbeitet.<ref>Domenik Bork, Elmar J. Sinz: Ein Multi-View-Modellierungswerkzeug für SOM-Geschäftsprozessmodelle auf Basis der Meta-Modellierungsplattform ADOxx Veröffentlicht in: Schriften aus der Fakultät Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Band 9, 2011</ref> Das entstandene Tool ist frei verfügbar im Rahmen des Open Models Initiative Laboratory (OMiLAB).<ref>Dominik Bork, Elmar J. Sinz: Download des SOM Modellierungswerkzeugs 2015</ref> Das Tool wird seit seiner Veröffentlichung in Lehrveranstaltungen zu Geschäftsprozessmodellierung und Unternehmensmodellierung an der Universität Bamberg, der Virtuellen Hochschule Bayern und der Universität Wien eingesetzt.

Kritik

Eine Untersuchung zur vollständigen und wirklichkeitsgetreuen Abbildung der Realität durch SOM kam zu dem Ergebnis, „dass das SOM eine hohe ontologische Abdeckung besitzt, aber auch vereinzelte ontologische Defizite aufweist“<ref>Peter Fettke, Peter Loos: Ontologische Evaluierung des Semantischen Objektmodells (PDF; 220 kB), Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Information Systems & Management, Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik und Betriebswirtschaftslehre</ref>.

Im Vergleich zu anderen Ansätzen der Unternehmensabbildung zeigt SOM Stärken bei der wissenschaftlichen Untermauerung der angewendeten Methodiken und Schwächen in der praktischen Anwendbarkeit aufgrund seiner Komplexität sowie im Umfang der darstellbaren Aspekte.

Im Gegensatz zu Verfahren der Modellierung nach den Konzepten der Petri-Netze liefern die bisherigen Ansätze mit SOM keine bekannten Werkzeuge der syntaktischen und/oder semantischen Prüfung oder zur analytischen Modellierung, anders als beschrieben beispielsweise mit

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  }}</ref> (Event Coordination Notation nach Kindler, 2014), oder mit

Das faktische Beschränken des Konzepts auf Modelltypen ohne Abstraktionsansatz für das Instanziieren von Modellvarianten oder für einzelne Modellinstanzen erlaubt die Verwendung bisher ausschließlich in wenig flexibel organisierter Prozessumwelt. Der Aufwand der Modellierung und der Pflege steigt unweigerlich mit der Komplexität und allemal mit der Verwendung für variante Instanzen des Modells exponentiell an.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />