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Seleukos III.

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Datei:Seleukos III Keraunos, Tetradrachm, 226-223 BC, HGC 3-414c Obverse.jpg
Tetradrachme mit Portrait des Seleukos III.

Seleukos III. Keraunos (Vorlage:GrcS), später auch Soter (Vorlage:GrcS; * 244 oder 243 v. Chr.; † 223 v. Chr. in Phrygien) war der älteste Sohn Seleukos’ II. Kallinikos und der Laodike und für wenige Jahre, von 226/25 bis 223 v. Chr., König im Seleukidenreich. Seine Beinamen bedeuten „Donnerschlag“ und „Retter“, sein Geburtsname war Alexander. 225 v. Chr. wurde er Nachfolger seines Vaters Seleukos II. als König des Seleukidenreiches, nachdem sich dieser bei einem Sturz vom Pferde tödlich verletzt hatte. 223 v. Chr. wurde er in Kleinasien von Höflingen während eines Feldzugs gegen Attalos I. von Pergamon ermordet. Ihm folgte sein Bruder Antiochos als König nach.

Biographie

Seleukos III. wurde in den Jahren 243 oder 244 v. Chr.<ref>Zur Datierung siehe Hatto H. Schmitt: Untersuchungen zur Geschichte Antiochos’ des Großen und seiner Zeit, Wiesbaden 1964, S. 7, 27; und Richard Laqueur: Quaestiones epigraphicae et papyrologicae selectae [Phil. Diss.], Rom 1970 [Straßburg 1904; ND], S. 66.</ref> unter dem Namen Alexandros als Sohn des Seleukos II. und der Laodike geboren. Nach dem Tod seines Vaters 226/25 v. Chr. bestieg er den seleukidischen Thron<ref>Polybios 4,48,6; 51,4; 5,40,5; Kapitelzählung durchgehend nach der Edition von Paton (Polybius. The Histories, 6 Bde. (Loeb Classical Library), London 1922–27); Eusebius, Chronik 1 (Sp. 253, Schöne (Eusebius Chronicon, Bd. 1, Berlin 1875)) = Porphyrios FGrH 260 F32,8–9. Für die Datierung vgl. Julius Beloch: Griechische Weltgeschichte, Bd. 4,2, 2. Aufl., Berlin/Leipzig 1927, S. 196f.</ref> und nahm den Herrschernamen Seleukos an. Von seinen Soldaten erhielt er den Beinamen Keraunos.<ref>Eusebius, Chronik 1 (Sp. 253, Schöne (Eusebius Chronicon, Bd. 1, Berlin 1875)) = Porphyrios FGrH 260 F32,9. Für die möglichen Hintergründe vgl. Federicomaria Muccioli: Seleuco III, i Tolemei e Seleucia di Pieria. In: Simblos, Bd. 2 (1997), S. 135–49.</ref> Nach seiner Thronbesteigung begann er unverzüglich mit militärischen Vorbereitungen zur Rückeroberung der kleinasiatischen Besitzungen, die sich 240 v. Chr. unter Antiochos Hierax vom Reich losgesagt und später von Attalos I. Pergamon einverleibt worden waren.<ref>Polybios 4,48,7. Für eine kurze Zusammenfassung der Vorgeschichte des Rückeroberungszugs vgl. Hatto H. Schmitt: Untersuchungen zur Geschichte Antiochos’ des Großen und seiner Zeit, Wiesbaden 1964, S. 41f.</ref>

Die Strategie, zunächst Feldherren über den Tauros vorauszusenden, wird aus pergamenischen Inschriften<ref>OGIS 272, 277; IvP 36. Diese Inschriften werden gemeinhin als Hinweise für Kriegszüge unter Seleukos III. gewertet; allerdings könnten mit den „Strategen des Seleukos“ auch Generäle des Seleukos II. gemeint sein; Hatto H. Schmitt: Untersuchungen zur Geschichte Antiochos’ des Großen und seiner Zeit, Wiesbaden 1964, S. 43, Anm. 2.</ref> erschlossen, die zwei Siege des Königs Attalos I. über Strategen (στρατηγοί) des Seleukos feiern.<ref>Felix Stähelin: Geschichte der kleinasiatischen Galater, Leipzig 1907, S. 28f.</ref> Der Name eines der besiegten Generäle des Seleukos scheint mit „Ε-“ begonnen zu haben<ref>IvP 36, Z. 4.</ref> und wurde in der älteren Forschung teils als identisch mit dem bei Polybios in anderen Zusammenhängen genannten Epigenes betrachtet, welcher später einer Intrige des Reichsverwesers Hermeias zum Opfer fiel.<ref>Ulrich Köhler: Die Gründung des Königreichs Pergamon. In: Historische Zeitschrift, Bd. 47, N.F. 11 (1882), S. 1–14, hier: S. 13; auch Benedikt Niese: Geschichte der griechischen und makedonischen Staaten seit der Schlacht bei Chaeronea, Bd. 2, Gotha 1899, S. 158.</ref> Diese Auffassung gilt jedoch aus verschiedenen Gründen als widerlegt.<ref>Mit schlüssigen Argumenten bereits Max Fränkel: Die Inschriften von Pergamon, Berlin 1890, S. 30f.; auch Felix Stähelin: Geschichte der kleinasiatischen Galater, Leipzig 1907, S. 27, Anm. 1.</ref> Ein weiterer Feldherr könnte der Onkel<ref>Polybios 4,51,4; 8,20,11.</ref> des Königs, Andromachos, gewesen sein. Eine Gefangennahme durch Attalos und ein anschließendes Verbringen zu den attelidischen Verbündeten nach Alexandreia würde jedenfalls erklären, weswegen er später dort interniert war.<ref>Polybios 4,51,1–4; dazu: Federicomaria Muccioli: Seleuco III, i Tolemei e Seleucia di Pieria. In: Simblos, Bd. 2 (1997), S. 135–49, hier: S. 144f.</ref> Im Zuge dieser Feldzüge kam es möglicherweise zu Bündnissen mit lokalen Dynasten.<ref>John D. Grainger: A Seleukid Prosopography and Gazetteer, Leiden u. a. 1997, S. 63, 101.</ref>

Nachdem diese Kampagnen in Niederlagen geendet hatten, entschied sich Seleukos für ein persönliches Eingreifen. Im Jahre 223 v. Chr. ernannte er den Karer Hermeias zum Reichsverweser und begab sich mit einem starken Heer, unter dem Kommando seines Verwandten Achaios, über den Tauros.<ref>Polybios 5,41,2.</ref> Doch noch bevor es zur entscheidenden Schlacht mit Attalos kam, geriet Seleukos in Phrygien in eine äußerst prekäre Lage. Aufgrund seiner Mittellosigkeit, politischen Schwäche und militärischen Unfähigkeit vermochte er es nicht, das Heer in Disziplin zu halten<ref>Appian, Syriaca 66 (348).</ref> und fiel im Sommer 223 v. Chr. einer Verschwörung des Galaters Apaturios sowie des Nikanor zum Opfer.<ref>Polybios 4,48,7–9; 5,40,6; Appian, Syriaca 66 (348); Justin 29,1,3; Eusebius, Chronik 1 (Sp. 253, Schöne (Eusebius Chronicon, Bd. 1, Berlin 1875)) = Porphyrios FGrH 260 F32,9; Hieronymus, in Danielem 3,10,11 = FGrH 260 F44.</ref> Die Dauer seiner Regierungszeit betrug nach Appian<ref>Appian Syriaca 66 (348).</ref> zwei Jahre, während die eusebianische Überlieferung drei Jahre angibt.<ref>Ol. 138,3–139,1 = 226/5–224/3 v. Chr.; Eusebius, Chronik 1 (Sp. 253 [= Porphyrios FGrH 260 F32,9], 263f., Schöne (Eusebius Chronicon, Bd. 1, Berlin 1875)); dazu Julius Beloch: Griechische Weltgeschichte, Bd. 4,2, 2. Aufl., Berlin/Leipzig 1927, S. 190f., 196f.</ref> Nach seinem Tod führte Epigenes größere Teile des Heeres nach Syrien zurück.<ref>Polybios 5,41,4.</ref>

Der Kultname Σωτήρ findet sich weder auf den Münzen des Seleukos<ref>Ernest Babelon: Les rois de Syrie, d’Arménie et de Commagène, Paris 1890, S. lxxiii–lxxiv u. S. 40–43, Nr. 295–324.</ref> noch im Reichskult seines Bruders Antiochos III.<ref>OGIS 233, Z. 4.</ref> Erst in der Zeit von dessen Sohn Seleukos IV. ist er nachweisbar.<ref>IGLSyr 3,2 1184 / OGIS 245, Z. 16, 38; zu den Quellen Felix Stähelin: Seleukos 5. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Bd. II A,1, Stuttgart 1921, Sp. 1241f., hier: Sp. 1242; und Hatto H. Schmitt: Untersuchungen zur Geschichte Antiochos’ des Großen und seiner Zeit, Wiesbaden 1964, S. 28. Vgl. auch Federicomaria Muccioli: Seleuco III, i Tolemei e Seleucia di Pieria. In: Simblos, Bd. 2 (1997), S. 135–49, hier: S. 146–49.</ref> Seleukos III. starb kinderlos; die von Droysen<ref>Johann Gustav Droysen: Geschichte des Hellenismus, 2. Aufl., Bd. III, 2, Gotha 1878, S. 121f.</ref> auf der Grundlage von numismatischen Befunden<ref>Zu den vermeintlichen Münzen dieses Antiochos vgl. Ernest Babelon: Les rois de Syrie, d’Arménie et de Commagène, Paris 1890, S. lxxiv–lxxvii u. S. 43–45, Nr. 325–334.</ref> und der Priesterliste von Seleukeia Pieria<ref>IGLSyr 3,2 1184 / OGIS 245.</ref> rekonstruierte Existenz eines Sohnes Antiochos ist durch spätere Forschungen widerlegt.<ref>Vgl. Ulrich Wilcken: Antiochos 26. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Bd. I,2 Stuttgart 1894, S. 2470.</ref> Die Münzen des Seleukos zeigen, wie die seines Vaters, eine sehr begrenzte Bandbreite an Typen: sein eigenes Haupt, Apoll oder Artemis auf dem Avers, mit Apoll auf dem Revers.<ref>John D. Grainger: A Seleukid Prosopography and Gazetteer, Leiden u. a. 1997, S. 63.</ref>

Nach dem Tod des Seleukos III. wurde das Diadem zunächst seinem Verwandten Achaios angetragen, der sich das Vertrauen des Heeres durch die Ausschaltung der als verdächtig geltenden Höflinge gesichert hatte. Dieser lehnte jedoch die Königswürde zu diesem Zeitpunkt noch ab und ermöglichte so die Thronbesteigung des jüngeren Bruders des Verstorbenen, Antiochos. In Fortsetzung der von Seleukos III. begonnenen militärischen Unternehmung gelang Achaios daraufhin ein rascher Vormarsch in Kleinasien. Obgleich nach dem Tod des Seleukos ein beträchtlicher Teil des Heeres nach Syrien zurückbeordert worden war, vermochte es Achaios schließlich, Attalos in dessen Residenz Pergamon einzuschließen.<ref>Polybios 4,48,6–11; 5,41,4.</ref>

Literatur

Anmerkungen

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