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Selbstbehauptung

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Selbstbehauptung ist die Fähigkeit, sich nach außen hin (Soziale Interaktion) der eigenen Grenzen und Rechte bewusst zu sein und diese aufgrund des eigenen Selbstwerts kommunizieren zu können. Das Konversationslexikon Brockhaus meint mit Selbstbehauptung diejenige Art von Selbstbehauptung, die nur gegen Interessen anderer durchgesetzt werden kann, von Interessen also, die oft ebenfalls berechtigt sein können.<ref name="BrockhausGBH" details="Bd. 20, S. 46 zu Lemma „Selbstbehauptung“." /> Da aber die individuelle Selbstbehauptung etwa im Falle des Gefühls der Organminderwertigkeit wohl in den meisten Fällen den Interessen anderer zuwiderläuft, ist hier eine besonders geschützte persönliche Zone vor allem für Kinder erforderlich, vgl. Kap. Individualpsychologie.<ref name="BrunnerIWB" details="S. 305, Lemma „Narzißmus“ zu Stw. „Sicherungstendenzen“;" /><ref name="BrunnerIWB" details="S. 408 f. zu Lemma „Sicherungstendenz“;" /> Der Prozess der Entwicklung von Selbstbehauptung ist u. a. an die individuelle Resilienz gebunden.

Beschreibung

Die Selbstbehauptung auch: Ich-Beteiligung, Ego-Involvement, Ich-Bezug – bezeichnet die bewusste und unbewusste Bezugnahme eines Individuums zu situativen, personellen oder anderen Stimuli, die meist von zentraler Bedeutung für sein soziales Verhalten sind. „Selbstbehauptung“ ist ein allgemein beschreibender Begriff mit relativ hoher Unschärfe, da der Begriff das Konstrukt des Ich als außerordentlich komplexe Gegebenheit einschließt. Die Selbstbehauptung wird aufgefasst als Ausmaß des Selbstbezugs (als ein Teil der Motivation für ein bestimmtes Verhalten) oder auch als Grad der auf die eigene Person gerichteten bzw. vom eigenen Ich abhängigen Handlungstendenzen sowie als Umfang, in dem das Selbstkonzept, d. h. das Selbstbild, bei anderen psychischen Prozessen (siehe Wahrnehmungspsychologie, Denken, Handlung) mitbeteiligt bzw. mitbewusst ist. Diesen Auffassungen liegt die Vorstellung zugrunde, dass das "Ich" sowohl zentrale Instanz als auch zentralisierendes Organisationsprinzip ist. Als solches führt es über aktuell veränderte Einstellungen der Person zu sich selbst zu Aktivitäten, die die eigene Person zum Gegenstand haben bzw. in irgendeiner Weise Störungen des Selbstgefühls anzeigen oder regulieren.

Individualpsychologie

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Der Begründer der Individualpsychologie, Alfred Adler (1870–1937), betrachtet den Mensch als wertendes Wesen. Sein Wertesystem entsteht in vergleichender Auseinandersetzung mit den Wertvorstellungen und realen Qualitäten anderer Menschen.<ref name="BrunnerIWB" details="S. 285, Lemma „Minderwertigkeitsgefühl“ zu Stw. „Selbstbehauptungsstreben“;" /><ref name="AdlerSMO" /> Dabei handelt es sich auch um ein allgemeines Entwicklungsprinzip, das nicht nur psychologisch, sondern auch physiologisch bedeutsam sein möchte. Werden Minderwertigkeiten im Vergleich zu den Mitmenschen festgestellt, so setzen Kompensationsprozesse ein, die wieder zu einer Leistungssteigerung und damit zum Ausgleich im Ansehen seitens der Gemeinschaft beitragen. Geht man davon aus, dass jedes Organ nicht nur phylogenetisch, sondern auch ontogenetisch seine volle Funktion und Leistungsfähigkeit nur langsam und schrittweise erzielt, so erscheint die von Adler gemeinte Tragweite seines Konzepts verständlicher. Kompensationen tragen so auch in physiologischer Hinsicht bei zu einer Verbesserung der sich ursprünglich stets als Organminderwertigkeit darstellenden Funktionen.<ref name="BrunnerIWB" details="S. 321 ff. zu Lemma „Organminderwertigkeit“." /><ref name="ArnoldLDP" />

Gegenbeispiel

Auch wenn Hans Walter Gruhle (1880–1958) eher weniger Verständnis für die ganzheitspsychologische Vorstellungswelt Adlers aufbringt, so enthält sein Werk Verstehende Psychologie dennoch das Stichwort „Selbstbehauptung“ im Zusammenhang mit Adlers Lehre.<ref name="GruhleVPS" details="S. 144. zu Stw. „Selbstbehauptung“." /> Hier zeigt sich einmal mehr der Gegensatz zwischen einer Betrachtung auf der Ebene der Elementenpsychologie einerseits und der Gestaltpsychologie andererseits. Das von Gruhle gewählte Beispiel eines Schmetterlinge sammelnden Beamten, der seinen von eintöniger Büroarbeit bedrohten Selbstwert durch Selbstbehauptung erhöht, steht einer dieses persönliche Vergnügen als Hobby eher wissenschaftlich kritisch be- oder verachtenden Fachwelt gegenüber. Das sehr deutlich benannte Beispiel hat allerdings nur einen begrenzten Begriffsumfang, auch wenn es sich vom Begriffsinhalt her um viele Arten gesammelter Schmetterlingsexemplare handelt. Die Lehre von der Organminderwertigkeit umfasst aber nicht nur das menschliche Befinden eines Beamten, sondern u. a. beispielsweise auch die Gestalt eines Menschen. Gruhle lehnt die Gestatpsychologie nicht ab, er fordert aber als Gegenstand einer Verstehenden Psychologie erkennbare komplexere Gestalten, wie etwa die Charakterologie, keine zufälligen Befindlichkeiten.<ref name="GruhleVPS" details="S. 147 f. zu Stw. „Charakterologie“." /> Mit dem weiteren Begriffsumfang der Individualpsychologie hängt aber auch die deutliche und sog. populärwissenschaftlich oft als weniger positiv angesehene Verbreitung der Begriffe wie „Minderwertigkeitskomplex“ zusammen.<ref name="BrunnerIWB" details="S. 287, Lemma „Minderwertigkeitskomplex“ zu Stw. „Selbsterhaltungsstreben“." />

Training

Teilweise entspricht die Forderung nach dauerhaftem Training von Organleistungen denen der Individualpsychologie und den damit verbundenen Bestrebungen zur Kompensation der Organminderwertigkeit.<ref name="ArnoldLDP" /> Selbstbehauptung wird über die Arbeit an häufig auftretenden, teilweise sogar alltäglich stattfindenden Konfliktsituationen trainiert und kann im Alltag kontinuierlich weiter eingeübt werden. Erfahrungsgemäß ist dies eine Grundvoraussetzung, um sich vor sexueller/sexualisierter Gewalt zu schützen. Die Erfahrungen in den Trainings zeigen außerdem, dass bei frühzeitigem Wahrnehmen und Einsetzen der Selbstbehauptungstechniken der Einsatz körperlicher Abwehrtechniken (Selbstverteidigung) oft nicht mehr erforderlich ist. Somit erklärt sich, warum Selbstbehauptung in den kombinierten Trainings den unverzichtbaren Basisteil darstellt. Diese Fordrungen, ebenso wie etwa Forderungen dauerhafter Maßnahemn der Selbstbehauptung gegen Sexismus, Rassismus etc. dürfen jedoch nicht in unkritischer Weise praktiziert werden, vgl. Wokebewegung. Das Bewusstsein des verminderten seelischen Befindens darf nicht in einen Krankheitsgewinn umschlagen.<ref name="BockwytWPK" details="S. 90 zu Stw. „Krankheitsgewinn“./>

Grenzverletzungen

Bewusst / vorsätzlich

Eine bewusste Grenzverletzung ist die intendierte Überschreitung der Intimsphäre einer Person, durch die Grundrechte (Menschen- und Bürgerrechte) berührt werden (Freiheit, Ehre, Gesundheit, Eigentum). Der Mensch, dem die Grenzverletzung widerfährt, muss sie als solche definieren, da die Intimsphäre bei jedem Menschen, bedingt durch seine Sozialisation, seine Erfahrungen, seine Wahrnehmung etc. unterschiedlich ist. Mit Grenzverletzungen sind keinesfalls nur Straftatbestände gemeint, auch das Hervorrufen eines unguten Gefühles in Alltagssituationen kann durchaus schon als Grenzverletzung empfunden werden.

Unbewusst

Im Gegensatz zu der bewussten Grenzverletzung sind unbewusste Grenzverletzungen von der grenzverletzenden Person maximal bedingt vorsätzlich oder unbewusst herbeigeführt. Es gibt Situationen, in denen Betroffene solche Grenzverletzungen bewusst hinnehmen, da sie sich an den betreffenden Örtlichkeiten nicht vermeiden lassen (Enge im Fahrstuhl, Bus u. a.). Im Ergebnis lösen sie bei der von der Verletzung betroffenen Person die gleichen Emotionen aus wie bei den vorsätzlichen Grenzverletzungen, und hier können die Betroffenen sich natürlich auch dafür entscheiden, ihre Grenze deutlich zu machen. Im Vordergrund stehen in jedem Selbstbehauptungstraining Grenzverletzungen unterhalb eines körperlichen Angriffs, die Teilnehmer erlebt haben oder die ihnen alltäglich widerfahren können. Konzentrieren sich Teilnehmer darauf, wie sie sich bei der Konfrontation mit einem Gewalttäter verhalten können, setzen sie ihre eigene Messlatte oft so hoch, dass sie an ihrer Zielsetzung scheitern und handlungsunfähig werden. Trainieren die Teilnehmer aber ein selbstbewusstes Auftreten in alltäglichen Situationen, so wächst mit der erfolgreichen Lösung der Alltagsprobleme ihre Selbstsicherheit und sie sind in der Lage, auch schwierige Situationen überlegt und konsequent anzugehen.

Einzelnachweise

<references>

<ref name="BrockhausGBH"> Der Große Brockhaus. Kompaktausgabe in 26 Bänden. 18. Auflage, Brockhaus, F. A., Wiesbaden 1983, ISBN 3-7653-0353-4.</ref>

<ref name="AdlerSMO"> Alfred Adler: Studie über die Minderwertigkeit von Organen und ihre seelische Kompensation. [Originalausgabe 1907], 2. Auflage Wien, München 1927.</ref>

<ref name="ArnoldLDP"> Wilhelm Karl Arnold et al. (Hrsg.): Lexikon der Psychologie. 2. Bd., Bechtermünz, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-508-8; Sp. 1517 f., Lemma „Organminderwertigkeit“ zu Stw. „Selbstbehauptung, Dauertraining“.</ref>

<ref name="BockwytWPK"> Esther Bockwyt: WOKE. Psychologie eines Kulturkampfs. Westend, Neu-Isenburg 2024, ISBN 978-3-86489-444-2.</ref>

<ref name="BrunnerIWB"> Reinhard Brunner (Hrsg.) u. a.: Wörterbuch der Individualpsychologie. Ernst Reinhard München 1985, ISBN 3-497-01100-2.</ref>

<ref name="GruhleVPS"> Hans Walter Gruhle: Verstehende Psychologie. Erlebnislehre. 2. Auflage, Georg Thieme, Stuttgart 1956.</ref>

</references>

Quelle

  • Landeskriminalamt Niedersachsen - AG Standards polizeilicher Selbstbehauptungs-/ Selbstverteidigungstrainings

Literatur

  • M. Atzenweiler: Kriminelle Gewalt - und plötzlich bist du mittendrin. Eine Anleitung zu Prävention und Selbstschutz in Beruf und Alltag. vdf Hochschulverlag, Zürich 2006, ISBN 3-7281-3022-2.
  • Gudrun Fey: Selbstbehauptung und Grenzen setzen. In: Gudrun Fey: Gelassenheit siegt! Mit Fragen, Vorwürfen, Angriffen souverän umgehen. 12. Auflage. Walhalla Fachverlag, Regensburg 2011, ISBN 978-3-8029-4525-0, S. 131–154.

Weblinks

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