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Seeberger (Unternehmen)

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Seeberger GmbH

colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | LOGO Seeberger Unternehmen RZ 4c.svg
Rechtsform GmbH
Gründung 1844
Sitz Ulm, Deutschland
Leitung Clemens Keller, Ralph Beranek
Mitarbeiterzahl ca. 850<ref name="Konzernabschluss Seeberger GmbH">Seeberger GmbH, Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2021 zum 31.12.2021, veröffentlicht im Bundesanzeiger am 25. Mai 2023, abgerufen am 5. Februar 2024.</ref>
Umsatz 293,2 Mio. EUR<ref name="Konzernabschluss Seeberger GmbH" />
Branche Verarbeitendes Gewerbe
Website www.seeberger-gruppe.de
Stand: 31. Dezember 2021

Die Seeberger GmbH ist ein deutsches Familienunternehmen, das Nüsse, Trockenfrüchte und Kaffee importiert und vertreibt. Der Unternehmenssitz befindet sich in Ulm.<ref name=":0">Peter Hauk lobt Produkte aus dem Land. In: Südwest Presse, S. 18. 11. Juli 2023.</ref>

Geschichte

Der Kaufmann Christoph Seeberger eröffnete im Jahr 1844 einen Kolonialwarenladen in der Ulmer Pfluggasse und begann mit dem Import von Gewürzen, Kaffee und Tee.<ref name=":1">Uwe Marx: „Uns macht der Klimawandel zu schaffen“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 255, S. 21. 2. November 2020.</ref><ref name=":2">Andrea Gregor: Apfel, Nuss und Mandelkern von der Donau. In: Stuttgarter Zeitung, S. 11. 11. November 2014.</ref><ref>Christine Liebhardt: Der Genuss der weiten Welt. In: Südwest Presse, S. 22. 6. Juli 2019.</ref> Sein Sohn Friedrich vergrößerte das Geschäft mit der Eröffnung einer Kaffeegroßrösterei am Ulmer Marktplatz 1882, welcher sich zu der Zeit vom Genuss- zum Volksgetränk entwickelte.<ref name=":10">Dieter Heimig: Dynamisch und ambitioniert. In: Lebensmittel Zeitung, Nr. 36, S. 52. 5. September 2014.</ref> 1902 zog das expandierende Unternehmen in das größere Anwesen von Friedrich Seebergers Schwiegervater in der Ulmer Kronengasse.<ref name=":3">Die Meilensteine unserer Geschichte. In: Seeberger. Abgerufen am 5. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 1924 übernahm Friedrich Seeberger jun. das Unternehmen.<ref name=":3" />

Nach dem Ersten Weltkrieg brach der Kaffeemarkt weitgehend zusammen und Seeberger konnte nur mit dem Verkauf von Lebensmitteln wie Linsen und Hirschhornsalz den Bankrott der Firma verhindern.<ref name=":3" /> Da zum Zeitpunkt von Friedrich Seebergers Tod seine Kinder noch minderjährig waren, trat 1949 der familienfremde Julius Rohm als Gesellschafter in die Seeberger KG ein; er war anfänglich mit der Konsolidierung des Unternehmens beschäftigt.<ref name=":1" /><ref name=":6">Snack-Genuss aus der Tüte seit 175 Jahren. In: Schwäbische Zeitung, S. 25. 20. Juli 2019.</ref> Zu dieser Zeit beschäftigte das Unternehmen nur fünf Mitarbeiter.<ref name=":7">Katrin Terpitz: Clemens Keller und Ralph Beranek – Für die Nuss-Marke Seeberger wird der Klimawandel zum Risiko. In: Handelsblatt. 4. März 2020.</ref> Als Importeur von Kaffee und Trockenfrüchten verlagerte Rohm ab 1952 das Unternehmen auf diese Bereiche.<ref name=":1" /> 1963 bezog Seeberger neue Gebäude in Neu-Ulm.<ref name=":6" /> Im Jahr 1975 trat der gleichnamige Sohn des Inhabers, Julius Rohm jun., in das Unternehmen ein.<ref>Familienfirma mit 171-jähriger Geschichte. In: Schwäbische Zeitung, S. 8. 26. März 2015.</ref>

Im März 1983 erfolgte der Umzug in das neu erbaute Betriebsgelände im Ulmer Industriegebiet Donautal. 1984 führte Rohm ein Mitarbeiterbeteiligungssystem durch Genussrechte am Unternehmen Seeberger ein, das bei langjährigen Mitarbeitern auch durch ein Mitarbeiterguthaben zur Aufstockung der späteren Rente ergänzt wird.<ref name=":3" /><ref>Arbeiter werden Miteigentümer; Beteiligung an der eigenen Firma kann lukrativ sein: Drei Beispiele aus Baden-Württemberg. In: Reutlinger Nachrichten. 27. November 2015.</ref> 1996 wurde Ralph Beranek in die Geschäftsleitung berufen.<ref name=":7" /> 2001 trat Clemens Keller, der Neffe von Julius Rohm, in das Unternehmen ein und wurde 2003 persönlich haftender Gesellschafter.<ref name=":3" /> 2012 zog sich Julius Rohm jun. aus der Geschäftsleitung zurück; zugleich wurde die Rechtsform des Unternehmens von einer KG in eine GmbH umgewandelt.<ref>Iris Tietze: Seeberger passt Einkaufsstrategie an. In: Lebensmittel Zeitung, Nr. 39, S. 17. 26. September 2014.</ref> Im Jahr 2013 hatte das Unternehmen einen Umsatz von 183 Millionen Euro.<ref name=":2" />

In den 2010er Jahren verstärkte Seeberger zunehmend das Exportgeschäft. Aufgrund des erhöhten Transportaufkommens wurde 2013 ein vollautomatisches Rohwarenlager am Standort Ulm in Betrieb genommen sowie neue Büro- und Laborräume.<ref name=":2" /><ref name=":10" /><ref name=":4">Zuverlässige „Arbeiter“ – Lebensmittelhersteller automatisiert innerbetriebliche Palettentransporte. In: F+H Fördern und Heben, Heft 07/2015, S. 18.</ref> 2014 lieferte Seeberger in über 65 Länder, was einem Exportanteil von 20 Prozent entsprach, und eröffnete Büros in Frankreich und China.<ref name=":10" />

2018 wurde mit dem Bau eines neuen Multifunktionsgebäudes begonnen und 2021 die Seeberger Genusswelt inklusive eigenem Ladengeschäft, Café, Schulungszentrum und Veranstaltungsräumlichkeiten eröffnet.<ref name=":3" /><ref name=":6" /><ref name=":12">Seeberger-Genusswelt soll Maßstäbe setzen. In: Schwäbische Zeitung. 18. November 2021.</ref> 2023 investierte das Unternehmen in den Bau einer neuen Nuss-Rösterei.<ref name=":0" /><ref>Delphine Sachsenröder und Tanja Fries: Nüsse: Wie sich Seeberger aus der Flaute kämpft. In: Lebensmittel Zeitung. 8. Dezember 2023.</ref>

Unternehmensstruktur

Im Jahr 2021 erwirtschaftete Seeberger einen Umsatz von 293,2 Millionen Euro und beschäftigte 850 Mitarbeiter.<ref name="Konzernabschluss Seeberger GmbH" />

Das Unternehmen exportiert in über 60 Länder. Zu den wichtigsten Exportmärkten gehören dabei Frankreich, Österreich und die Schweiz.<ref>Seeberger buhlt um Mangos und Mitarbeiter. In: Schwäbische Zeitung, S. 8. 26. März 2015.</ref>

Produkte

Seeberger importiert, verarbeitet und vertreibt getrocknete Früchte, Nüsse und Kaffee und ist im Bereich Nüsse und Trockenfrüchte in Europa Marktführer.<ref>Henryk Hielscher: Lieferengpässe: Bekommt der Handel das Container-Chaos in den Griff? In: Wirtschaftswoche. 9. Juli 2021, abgerufen am 7. Februar 2024.</ref> Das Unternehmen agiert in drei Geschäftsbereichen:<ref name=":13">Tätigkeitsfelder. In: Seeberger. Abgerufen am 7. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Im Bereich Handel vertreibt das Unternehmen 120 verschiedene Produktvarianten an Trockenfrüchten und Nüssen. Die Rohstoffe stammen aus über 60 verschiedenen Ländern.<ref name=":1" /><ref>Delphine Sachsenröder: Zuckerhut-Preisträger 2022: Seeberger: Prinzip Eichhörnchen. In: Lebensmittel Zeitung. 4. November 2022, abgerufen am 6. Februar 2024.</ref> Die Früchte werden dabei bereits in den Ländern, in denen sie geerntet werden, gewaschen, geschält, geschnitten und getrocknet, bevor sie nach Ulm zur Weiterverarbeitung geliefert werden.<ref name=":2" />

Kaffee und Tee vertreibt das Unternehmen als „Seeberger Professional“ an Gastronomie- und Firmenkunden.<ref name=":7" /><ref name=":5">Korbinian Vielmeier: Blick über den Glasrand. In: Unternehmer Edition, Heft 02/2016, S. 48–50.</ref> Dabei werden neben Kaffee- und Snackautomaten auch Dienstleistungen wie bargeldlose Zahlungssysteme angeboten.<ref name=":1" /> Das Kaffeesortiment wird in sechs Labels unterteilt: Black Label, Gold Label, Silver Label, Green Label, Giulio Caffè und Orang Utan Kaffee.<ref>Kaffee-Sorten. In: Seeberger Professional. Abgerufen am 6. Februar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der Kaffee wird in der eigenen Anlage geröstet.<ref name=":11">Jan Paul Stich: Bestmarke: "Zukunft in den Anbaugebieten sichern". In: Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung. 27. Juli 2022, abgerufen am 7. Februar 2024.</ref> Seit 2017 bietet Seeberger zusätzlich Teesorten der Marke Samova an,<ref>Ilona Renner: Seeberger: Präsentiert Teepartner samova. In: Food Service. 1. März 2017, abgerufen am 7. Februar 2024.</ref> außerdem sind Schokoladengetränke Teil des Angebots.<ref>Südback Spezial: Kaffeeröster stellt Bio-Limonaden vor. In: Allgemeine Bäckerzeitung. 21. Oktober 2022, abgerufen am 7. Februar 2024.</ref>

Der Bereich Genusswelt umfasst ein Café, ein Ladengeschäft für Endverbraucher sowie Veranstaltungen und Kurse.<ref name=":12" /><ref name=":13" />

Nachhaltigkeit

Seeberger arbeitet laut eigenen Angaben mit vielen Lieferanten seit Jahrzehnten zusammen, wodurch Lieferketten transparent gehalten und die Produktionsbedingungen vor Ort, besonders in Hinblick auf Umwelt und Sozialstandards, kontrolliert werden können.<ref name=":1" /><ref name=":7" /> Zugleich kann der Lebensunterhalt der Bauern gesichert werden, und durch regionale Projekte, wie Schulen und Kantinen, werden die Mitarbeiter in den Anbaugebieten unterstützt.<ref name=":12" /> Das Unternehmen prüft neue Produzenten über mehrere Erntezyklen auf Qualität und Anbaubedingungen.<ref name=":14">Eva Stoss: Aus dem Urwald in die Tüte. In: Schwäbische Zeitung. 1. Juli 2023.</ref>

Seit 2020 verwendet Seeberger recyclebare Folien als Verpackung für Trockenfrüchte und Nüsse.<ref name=":7" /> Zudem folgte Anfang 2022 der Umstieg auf recyclefähige und ohne Metallisierung auskommende Kaffeeverpackungen.<ref>Seeberger Professional: Nachhaltige Lösung für Röstkaffee-Folie. In: Food-service. 2. Februar 2022.</ref> Am Hauptsitz in Ulm wird der Strombedarf zum Teil durch eigene Photovoltaikanlagen gedeckt.<ref name=":14" />

Kritik

Im Juni 2010 wurde dem Deutschen Kaffeeverband Hamburg vom Bundeskartellamt vorgeworfen, mit einer Pressemitteilung im Februar 2005 ein Kartell von Kaffeeunternehmen gefördert zu haben, weswegen ein Bußgeld von bis zu 90.000 Euro verhängt wurde. Zu den beteiligten Kaffeeröstereien gehörten neben Seeberger die Unternehmen Kraft Foods Außer Haus Service, Bremen, Luigi Lavazza Deutschland, Frankfurt, Tchibo, Hamburg, Segafredo Zanetti Deutschland, München, Gebr. Westhoff, Bremen, Melitta System Service, Minden, und J. J. Darboven, Hamburg. Den letzteren beiden Unternehmen wurden die Geldbußen wegen ihrer Kooperation bei der Aufklärung der Vorwürfe reduziert.<ref>Erneut Bußgelder gegen Kaffeeröster. In: Main Echo. 10. Juni 2010, abgerufen am 7. Februar 2024.</ref><ref>Für Kaffee jahrelang zu viel bezahlt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 21. Dezember 2009.</ref>

Auszeichnungen

  • 2012, 2018–2022: Auszeichnung als „Marke des Jahrhunderts“ von Deutsche Standards und Die Zeit<ref name=":4" /><ref name=":8">Marken des Jahrhunderts – Seeberger. In: Yumpu. Deutsche Standards, abgerufen am 6. Februar 2024.</ref>
  • 2013, 2014: Auszeichnung als „Top-Marke“ durch das Branchenmagazin Lebensmittel Zeitung im Bereich „Nüsse“<ref name=":4" />
  • Seit 2014: Auszeichnung im Rahmen des Employer Branding Award der Hochschule Neu-Ulm<ref>Ehinger Liebherr Werk als bester Arbeitgeber ausgezeichnet. In: Schwäbische Zeitung, S. 17. 29. November 2018.</ref><ref>Employer Branding Award (2012–2021). In: Hochschule Neu-Ulm. Abgerufen am 12. Februar 2024.</ref>
  • 2022: Auszeichnung als „Unternehmen des Jahres“ von Focus Money<ref name=":9">Seeberger. In: Lebensmittel Zeitung direkt, S. 46. 1. Februar 2023.</ref>
  • 2022: Auszeichnung „Goldener Zuckerhut“ der Lebensmittel Zeitung<ref name=":9" />
  • 2023: Ulmer Marketingpreis<ref>Ulmer Marketingpreis 2023. In: IHK Ulm. Abgerufen am 6. Februar 2024.</ref>

Weblinks

Commons: Seeberger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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Koordinaten: 48° 21′ 31,5″ N, 9° 56′ 58,8″ O

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