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Schwarzer Kelchpilz

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Schwarzer Kelchpilz
Datei:Urnula craterium closeup.jpg

Schwarzer Kelchpilz (Urnula craterium)

Systematik
Unterabteilung: Echte Schlauchpilze (Pezizomycotina)
Klasse: Pezizomycetes
Ordnung: Becherlingsartige (Pezizales)
Familie: Gallertkugelverwandte (Sarcosomataceae)
Gattung: Kelchpilze (Urnula)
Art: Schwarzer Kelchpilz
Wissenschaftlicher Name
Urnula craterium
(Schwein. : Fr.) Fr.

Der Schwarze Kelchpilz (Urnula craterium) ist eine seltene Pilzart aus der Familie der Gallertkugelverwandten (Sarcosomataceae).

Merkmale

Datei:Urnula craterium xsection.jpg
Längsschnitt durch einen Fruchtkörper

Makroskopische Merkmale

Der Schwarze Kelchpilz bildet erst runde, bald pokalförmige Fruchtkörper mit gekerbten Rändern. Sie sind 4–8 cm breit und besitzen einen 3–7 cm langen Stiel. Die feinfilzige Außenseite ist schwarzgrau, die innen liegende Fruchtschicht schwarz gefärbt.<ref name="Ryman1992" />

Mikroskopische Merkmale

Die zylindrischen Schläuche werden bis zu 600 Mikrometer lang und 15–17 μm breit. Darin reifen jeweils 8 Sporen heran.<ref name="Huffman2008" /> Die schmal-elliptischen, farblosen und glattwandigen Sporen messen 25–35 × 13–14 µm.<ref name="Ryman1992" /> Die ebenso farblosen Paraphysen haben eine fadenförmige Gestalt und sind an der Spitze verzweigt.<ref name="Wolf1958" />

Artabgrenzung

Der ähnliche Winter-Kelchpilz (Urnula hiemalis) besitzt keinen richtigen Stiel, sondern wächst trichterartig und hat kleinere Sporen. Die Sporen- und Fruchtkörper entwickeln sich sehr langsam im Winter und zeitigen Frühjahr. Die Art ist selten.<ref name="Zettur2011" />

Ökologie und Phänologie

Datei:Urnula craterium (Schweinitz) Fries 206313.jpg
Aus dem am Boden liegenden Aststück sprießen zahlreiche Fruchtkörper des Schwarzen Kelchpilzes (U. craterium).

Der Schwarze Kelchpilz wächst auf am Erdboden liegenden Laubholzästen in Bachschluchten und Auwäldern.<ref name="Ryman1992" /> Er steht im Verdacht, durch seine Nebenfruchtform (Conoplea globosa) Krebs an Eichen auszulösen.<ref name="Zettur2011" />

Der Schwarze Kelchpilz erscheint in milden Wintern und im Frühjahr.<ref name="Ryman1992" />

Verbreitung

Der Schwarze Kelchpilz ist vor allem aus Skandinavien aber auch aus Nordamerika und Japan bekannt.<ref name="GBIF" /> Er kommt in Deutschland sehr zerstreut vor.<ref name="Ryman1992" /> In Österreich sind Funde aus Niederösterreich und Burgenland gemeldet.<ref name="austria.mykodata.net" /> Die Rote Liste der Großpilze Deutschlands listet die Art als vom Aussterben bedroht (Gefährdungskategorie 1).<ref>Redaktion: Rote-Liste-Zentrum: Detailseite - Rote Liste. Abgerufen am 29. März 2020.</ref>

Bedeutung

Inhaltsstoffe

Der Schwarze Kelchpilz produziert in Kultur bioaktive Substanzen, die das Wachstum pathogener Pilze wie den Espen-Feuerschwamm (Phellinus tremulae) hemmen.<ref name="Ayer1995" />

Systematik

Der Schwarze Kelchpilz wurde 1822 von Lewis David von Schweinitz als Peziza craterium erstbeschrieben.<ref name="Schweinitz1822" /> Elias Magnus Fries stellte ihn dann 1851 als Typusart in die zwei Jahre zuvor aufgestellte Gattung Urnula.<ref name="Fries1851" />

Quellen

Einzelnachweise

<references> <ref name="austria.mykodata.net"> Mykologische Datenbank. Österreichische Mykologische Gesellschaft, 2021, abgerufen am 7. November 2023. </ref> <ref name="Ayer1995"> William A. Ayer: Application of natural products chemistry to a biological problem. In: Canadian Journal of Chemistry. 73 (4), 1995, S. 465–470, doi:10.1139/v95-061. </ref> <ref name="Fries1851"> Elias Magnus Fries: Novae symbolae mycologicae, in peregrinis terris a botanicis danicis collectae. In: Nova Acta Regiae Societatis Scientiarum upsaliensis. Band 1(3), 1851, S. 17–136. </ref> <ref name="GBIF"> Urnula craterium, distribution map. GBIF Portal, abgerufen am 6. Dezember 2019. </ref> <ref name="Huffman2008"> Donald M. Huffman, Lois H. Tiffany, George Knaphaus, Rosanne A. Healy: Mushrooms and Other Fungi of the Midcontinental United States (Bur Oak Guide). 2nd edition Auflage. University of Iowa Press, Iowa City 2008, ISBN 978-1-58729-627-7, S. 295 (384 S.). </ref> <ref name="Ryman1992"> Svengunnar Ryman, Ingmar Holmåsen: Pilze. Bernhard Thalacker, Braunschweig 1992, ISBN 3-87815-043-1, S. 633 (718 S.). </ref> <ref name="Schweinitz1822"> Lewis David von Schweinitz: Synopsis fungorum Carolinae superioris. In: Schriften der naturforschenden Gesellschaft in Leipzig. Band 1, 1822, S. 20–131. </ref> <ref name="Wolf1958"> Frederick A. Wolf: Mechanism of apothecial opening and ascospore expulsion by the cup-fungus Urnula craterium. In: Mycologia. Band 50. The Mycological Society of America, 1958, S. 837–843, doi:10.2307/3755908 (online). </ref> <ref name="Zettur2011"> Irma Zettur, Bellis Kullman: Urnula hiemalis – a rare and interesting species of the Pezizales from Estonia. In: Folia Cryptog. Estonica. Band 48, ISSN 1736-7786, S. 149–152 (ut.ee [PDF; 396 kB]). </ref> </references>

Weblinks

Commons: Schwarzer Kelchpilz (Urnula craterium) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien