Schräge Wand
| Schräge Wand
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|---|---|---|---|---|---|---|
| Lage: | Neudorf, Weismain, Fränkische Schweiz, Deutschland | |||||
| Geographische Lage: |
50° 3′ 1,2″ N, 11° 16′ 26,5″ O
{{#coordinates:50,05034|11,27403|primary
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dim=200 | globe= | name=Schräge Wand | region=DE-BY | type=mountain
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| Katasternummer | C 288 | |||||
| Geologie | Dolomit | |||||
| Typ | Felsdach | |||||
| Gesamtlänge | 5 m | |||||
| Niveaudifferenz | 0 m | |||||
| Besonderheiten | Jahrtausendealter Siedlungsplatz | |||||
Die Schräge Wand oder das Jägerdach<ref name="dechant2010-22">Dechant (2010), S. 22–23</ref> ist ein Abri im Bärental in der Nähe von Weismain im Landkreis Lichtenfels in Bayern. Während der Mittelsteinzeit wurde der Bereich unter dem Felsdach vom Menschen als Jagd- oder Raststation benutzt.<ref name="lms">Die Ausgrabungen bei der "Schrägen Wand", landschaftsmuseum.de, abgerufen am 5. November 2012</ref> Der archäologische Fundplatz ist als Bodendenkmal D-4-5933-0035 in der Bayerischen Denkmalliste eingetragen.<ref name="blfd">Freilandstation des Mesolithikums bei Neudorf, Weismain, geodaten.bayern.de, abgerufen am 6. Dezember 2012</ref> Im Höhlenkataster Fränkische Alb (HFA) ist der Abri mit der Katasternummer C 288 ausgewiesen.
Beschreibung
Am Rande des Wanderweges durch das Tal findet man im hinteren, südlichen Bereich, etwa 500 Meter südlich der Krassachquelle einen großen Dolomitblock mit ca. 2 m tiefen Felsvorsprung vor. Die Breite des gesamten Felsens beträgt etwa 10 Meter, wovon rund 8 Meter auf die begehbare Fläche entfallen. Die maximale Tiefe, die von dem relativ ebenen, schrägeinfallendem Felsdach überdeckt wird, beträgt ca. 5 Meter.<ref name="lms" /> Damit ergibt sich ein geschützter Unterstand von etwa 30 m².<ref name="hoppe">Hoppe (2011), S. 76</ref> Eine Holztafel am Weg weist auf die Stätte hin.
Geschichte
Erstmals von Menschen als Unterschlupf genutzt wurde die Schräge Wand vermutlich in einer frühen Phase der Mittelsteinzeit.<ref name="hoppe" /> Aus dieser Zeit konnte man in etwa 1,4 m Tiefe<ref name="hoppe" /> Spuren eines Windschutzes aus Fell oder Ästen und einer Feuerstelle nachweisen.<ref>Die Schräge Wand im Bärental, archaeologie-oberfranken.de, abgerufen am 5. November 2012</ref> Die Bearbeitungsspuren an Knochen von Hirsch und Wildschwein sowie die dafür verwendeten Mikrolithen wurden der Kultur des Tardenoisien zugeordnet.<ref name="hoppe" /> Der Windschutz war als halbkreisförmige Reihe großer Steine um die Öffnung des Felsdachs angelegt worden.<ref name="hoppe" /> Die Steine könnten zur Befestigung oder als Widerlager einer Windschutzwand aus Ästen und Zweigen oder einer fellbespannten Konstruktion gedient haben.<ref name="hoppe" /> Die so gebildete Wohn- oder Aufenthaltsfläche war vermutlich eine der vielen nur kurzfristig besiedelten Rast- oder Jagdstationen, welche in relativ regelmäßigen Abständen immer wieder aufgesucht wurden.<ref name="lms" />
Aus einer jungsteinzeitlichen Nutzungsperiode konnten schnurkeramische Scherben geborgen werden.<ref name="lms" /> Weitere Scherben stammen aus der Übergangszeit der Jungsteinzeit zu diversen Epochen der Metallzeit, darunter befinden sich auch einige keltischen<ref name="dechant2010-22" /> bzw. hallstattzeitlichen<ref name="blfd" /> Ursprungs.<ref name="lms" /> Funde in jüngeren Erdschichten, vorwiegend aus dem Mittelalter und der Neuzeit,<ref name="blfd" /> dokumentieren die Nutzung des Felsvorsprungs als Ausgangsort für Rotwildjagd im Bärental.<ref name="dechant2010-22" />
Ausgrabungen
Zunächst war zum Jahresbeginn 1963 vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Erlangen, unter der Leitung von Friedrich B. Naber,<ref name="hoppe" /> eine Ausgrabung auf dem Vorplatz der nur etwa 100 Meter entfernt gelegenen kleinen Höhle „Fuchsenloch“ geplant.<ref name="lms" /> Nachdem eine Versuchsgrabung dort wegen technischer Schwierigkeiten abgebrochen werden musste,<ref name="lms" /> wurde im Frühjahr 1963 unter dem Abri „Schräge Wand“ eine neue Grabung auf 13 m² Bodenfläche gestartet.<ref name="lms" /> Nachdem der erste Schnitt eine reich gegliederte Schichtenfolge mit typischen Kleinfunden gezeigt hatte, wurden die Ausgrabungen im Herbst 1963 und im Frühjahr 1964 unter der Leitung von Friedrich B. Naber fortgesetzt.<ref name="lms" />
Literatur
- Alois Dechant, Gerhard W. Peetz: Wanderführer Weismain. Marie Link Verlag, Kronach, 2010
- Michael Hoppe: Ein Streifzug durch die Vor- und Frühgeschichte Weismains. In: Günter Dippold (Hrsg.): Weismain – Eine fränkische Stadt am nördlichen Jura 1. Dechant Bau GmbH, Weismain 2011, ISBN 978-3-9814302-0-2
- Friedrich B. Naber: Die "Schräge Wand" im Bärental, eine altholozäne Abrifundstelle im nördlichen Oberfranken. In: Quartär, Band 19, 1968, S. 289–321
Weblinks
Einzelnachweise
<references />