Schneckenhaus-Sackträger
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| Schneckenhaus-Sackträger | ||||||||||||
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| Datei:Apterona helicoidella MRKVICKA.jpg
Schneckenhausförmiges Schutzgehäuse des Schneckenhaus-Sackträgers (Apterona helicoidella) parth. | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Apterona helicoidella | ||||||||||||
| (Vallot, 1827) |
Der Schneckenhaus-Sackträger (Apterona helicoidella) ist ein Schmetterling aus der Familie der Echten Sackträger (Psychidae), der nördlich der Alpen in einer parthenogenetischen Form, die als Apterona helicoidella parth.<ref name="Sauter"> Willi Sauter & Peter Hättenschwiler: Zum System der palaearktischen Psychiden (Lep.Psychidae). Nota lepid., 14: 69-89, 1991</ref> bezeichnet wird, vorkommt und die nachfolgend schwerpunktmäßig behandelt wird.
Merkmale
Die kleinen, grauen, flugfähigen Männchen kommen bei der in Südeuropa existierenden bisexuellen Form vor, dagegen besteht Apterona helicoidella parth. nur aus weiblichen Individuen, die eine madenartige Gestalt haben. Ihnen fehlen Beine, Fühler, Augen und Mundwerkzeuge. Sie sind graugelb gefärbt, haben bräunliche Brustschilde, am Hinterleib einzelne weißliche Härchen, werden etwa fünf Millimeter lang und zeigen eine leicht gekrümmte Haltung. Die Raupen haben eine gelbliche Färbung. Der Kopf ist schwarzbraun mit einer gelblichen Zeichnung. Auch die hell geteilten Brustschilde sind ansonsten schwarzbraun gefärbt.<ref name="Forster">Walter Forster, Theodor A. Wohlfahrt: Die Schmetterlinge Mitteleuropas. Band 3: Spinner und Schwärmer. (Bombyces und Sphinges). Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1960, DNB 456642196.</ref> Jede Raupe spinnt sich in eine schneckenhausförmige Wohnröhre ein, die an der Außenseite hauptsächlich aus Erde sowie Sandkörnern gebildet wird und die bis zu zweieinhalb Schraubenwindungen aufweist, wobei der schraubige Windungssinn konstant zu sein scheint, so wie auch bei Schneckengehäusen üblich – allerdings spiegelbildlich zum Windungssinn beispielsweise bei den Weinbergschnecken. Der äußere Durchmesser der Windungen beträgt durchschnittlich zwei Millimeter und verjüngt sich zum oberen Ende hin zu einer Spitze. Das gesamte Gehäuse hat einen Durchmesser von ca. fünf Millimetern. Je nach der Farbe des Untergrundes werden auch verschiedenfarbige Baumaterialien verwendet, so dass die Farbe von hellgrau bis rostbraun variiert werden kann.
Verbreitung und Vorkommen
Die parthenogenetische Form des Schneckenhaus-Sackträgers ist in Europa weit verbreitet und reicht von Portugal durch den größten Teil Mitteleuropas, einschließlich des Alpenraums, bis zum Ural sowie auch auf die Balkanhalbinsel und in die Türkei.<ref name="Ebert">Günter Ebert, Thomas Esche, Rene Herrmann, Axel Hofmann, Hans Georg Lussi, Ingo Nikusch, Wolfgang Speidel, Axel Steiner, Jürgen Thiele: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs Band 3, Nachtfalter I (Wurzelbohrer (Hepialidae), Holzbohrer (Cossidae), Widderchen (Zygaenidae), Schneckenspinner (Limacodidae), Sackträger (Psychidae), Fensterfleckchen (Thyrididae)), Ulmer Verlag Stuttgart 1993, ISBN 3-8001-3472-1</ref> Die Art wurde aus Europa auf Holz transportierenden Schiffen auch nach Amerika eingeschleppt.<ref name="Davies">D.R.Davies: Bagworm Moth of the Western Hemisphere (Lepidoptera:Psychidae). -Bull.U.S.natu.Mus., 244: I-233, 1964</ref><ref name="Hättenschwiler"/> Hinsichtlich des Vorkommens im asiatischen Raum besteht noch Klärungsbedarf. Sie fehlt in höheren Lagen der Gebirge.<ref name="Forster"/> Die Tiere sind überwiegend in warmen oder heißen Regionen anzutreffen, so auch auf Wärmeinseln mit geschützten, südexponierten Felsen.
Lebensweise
Die Raupen haben eine einjährige Entwicklungszeit. Die Weibchen schlüpfen im Juni oder Juli. Die parthenogenetischen Tiere sind in Baden-Württemberg unter anderem im Einzugsgebiet der Flüsse Rhein, Main, Neckar und Donau zu finden, aber auch entlang der Autobahnen.<ref name="Ebert"/> Eine weiterreichende Ausbreitung der Art ist durch Verschleppung möglich. Mit lebenden Raupen besetzte Säcke auf Schwemmholzästen wurden in Flüssen schwimmend beobachtet, ebenso in Lawinen, so dass trotz der Flugunfähigkeit durchaus auch neue Gebiete erschlossen werden können. Weiterhin ist ein Transport der Säcke im Gefieder von Vögeln oder im Fell von Tieren bekannt.<ref name="Hättenschwiler"> Peter Hättenschwiler: Informationen zur Biologie der Psychidenlarven und interessante Details zu ihren Säcken (Lepidoptera, Psychidae). Entomo Helvetica, Bd. 1, ISSN 1662-8500, 2008</ref> Die Art wurde aber selbst innerhalb von Städten in teilweise sehr kleinen Arealen, dort aber durchaus zahlreich, so einige Tausend Stück an einer Eisenbahnbrücke in Sinsheim<ref name="Ebert"/> oder mitten in Berlin<ref name="Cleve"> Karl Cleve: Die Schmetterlinge Westberlins. Berliner Naturschutzblätter, Volksbund Naturschutz e.V. Nr. 55, 1975</ref> gefunden. Es werden immer wieder die gleichen Verpuppungsplätze gewählt, was wahrscheinlich auf attraktive mikroklimatische Verhältnisse zurückzuführen ist. Während des gesamten Raupenstadiums bleibt die Raupe in ihrer Schutzhülle und verpuppt sich auch darin. Unmittelbar nach dem Schlüpfen kommt es zur parthenogenetischen Vermehrung und die Lebensdauer der Weibchen beträgt oft nur wenige Stunden. Die Raupen ernähren sich polyphag von vielen verschiedenen Pflanzen, von denen hier nur eine Auswahl genannt ist:<ref name="Ebert"/><ref name="Bergmann">Arno Bergmann: Die Großschmetterlinge Mitteldeutschlands. Band 3: Spinner und Schwärmer. Verbreitung, Formen und Lebensgemeinschaften. Urania-Verlag, Jena 1953, DNB 450378365.</ref>
- Frühlings-Fingerkraut (Potentilla neumanniana),
- Reiherschnabel (Erodium cicutarium),
- Gamanderarten (Teucrium),
- Beifuß (Artemisia vulgaris),
- Gelbes Sonnenröschen (Helianthemum nummularium),
- Berg-Steinkraut (Alyssum montanum)
und andere. Das Larvengehäuse der Tiere wird bevorzugt an Felsen, Gemäuern, Straßenleitplanken und Stämmen angesponnen. In laubfreien Jahreszeiten kann es aber auch in teilweise großer Anzahl an Ästen und Zweigen befestigt gefunden werden.
Gefährdung
Die Art ist in Deutschland nur in einigen Bundesländern nachgewiesen, dort aber meist zahlreich, so dass sie auf der Roten Liste gefährdeter Arten<ref name="BuNa">Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere Deutschlands. Landwirtschaftsverlag, Münster 1998, ISBN 3-89624-110-9</ref> als nicht gefährdet eingestuft wird.
Quellen
Einzelnachweise
<references />
Literatur
- Günter Ebert, Thomas Esche, Rene Herrmann, Axel Hofmann, Hans Georg Lussi, Ingo Nikusch, Wolfgang Speidel, Axel Steiner, Jürgen Thiele: Die Schmetterlinge Baden-Württembergs Band 3, Nachtfalter I (Wurzelbohrer (Hepialidae), Holzbohrer (Cossidae), Widderchen (Zygaenidae), Schneckenspinner (Limacodidae), Sackträger (Psychidae), Fensterfleckchen (Thyrididae)), Ulmer Verlag Stuttgart 1993, ISBN 3-8001-3472-1
- Walter Forster, Theodor A. Wohlfahrt: Die Schmetterlinge Mitteleuropas. Band 3: Spinner und Schwärmer. (Bombyces und Sphinges). Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1960, DNB 456642196.
Weblinks
- www.lepiforum.de Fotos
- www.schmetterlinge-deutschlands.de Gefährdung
- Apterona helicoidella bei Fauna Europaea. Archiviert vom Original im Internet Archive.