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Schloss in Pułtusk

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Schloss Pułtusk
Datei:6 Pultusk 77.jpg
Frontansicht

Frontansicht

Staat Polen
Ort Pułtusk
Entstehungszeit nach 1400
Burgentyp Schloss
Erhaltungszustand Erhalten
Geographische Lage 52° 42′ N, 21° 6′ OKoordinaten: 52° 42′ 13,5″ N, 21° 5′ 41,7″ O
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Blick etwa von der Narew auf den Ostflügel des Pułtusker Schlosses

Das Schloss in Pułtusk (auch Schloss der Bischöfe von Płock in Pułtusk – polnisch: Zamek Biskupów Płockich w Pułtusku – genannt) war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ein Sitz der Bischöfe von Płock.<ref>gem. Peter H. Baumgarten (Leitung), Polen. Baedeker Allianz Reiseführer. Verlag Karl Baedeker, ISBN 3-87504-542-4, Ostfildern 1993, S. 347</ref> Heute beherbergt die auf einem Hügel oberhalb von Pułtusk gelegene Anlage ein von einer Organisation für Auslandspolen (Polonia) betriebenes Hotel-, Gastronomie- und Konferenzzentrum.

Lage

Das Schloss liegt im Südosten der Stadt und Altstadt, sein Park (der ehemalige, heute verfüllte Burggraben) grenzt an die Narew. Rund 150 Meter südwestlich verläuft die Ulica Gajkowicza über den Fluss. Dem Schloss in nordwestlicher Richtung vorgelagert befindet sich die ehemalige Schlosskapelle, die den südlichen Endpunkt des langgestreckten Pułtusker Marktplatzes darstellt.

Geschichte

Ursprünglich stand hier auf einem zwei bis drei Meter hohen abgeflachten Hügel mit einem Plateau von 60 × 90 Metern<ref name="Infotafel">gem. einer Infotafel Zamek Biskupów Płockich w Pułtusku in der Eingangshalle (in Polnisch und Englisch)</ref> ein hölzerner Wehrturm mit Verteidigungswällen. Bischof Florian Laskary ließ zu Beginn des 14. Jahrhunderts erste Steingebäude errichten.<ref name="Infotafel"/> Im Jahr 1368 wurde diese Anlage von Litauern<ref>gem. Józef Matusik und Jerzy Miszalski (Verantw.), Burgen und Schlösser in Polen, Polskie Przedsiębiorstwo Wydawnictw Kartograficznych, Nr. 300 194 3, Warschau, o. J.</ref> unter Großherzog Kęstutis zerstört. Nach Jan Długosz verbrannten damals die Burgbewohner mit der Burg. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ließ das Bistum Płock unter dem Bischof Paweł Giżycki<ref>Paweł Giżycki (ca. 1400–1463) war ein Bischof in Płock</ref> an dieser Stelle auf dem unregelmäßigen Grundriss der alten Holzanlage eine gemauerte Burg im gotischen Stil errichten, die den unterhalb liegenden Übergang über den Narew sichern sollte.

16. und 17. Jahrhundert

Die Bauarbeiten mit verschiedenen Erweiterungen und Umbauten zogen sich bis in das 17. Jahrhundert hin. Bauherren waren vor allem Rafal Leszczynski<ref>Rafał Leszczyński (1480–1527) war ein polnischer Kronsekretär von Sigismund dem Alten und Bischof</ref>, Andrzej Krzycki und Piotr Myszkowski<ref>Piotr Myszkowski (ca. 1510–1591) war ein polnischer Bischof, Unterkanzler und Sekretär der Krone</ref>. Ab 1522 erhielt die Burg eine Renaissancefassade. Im Jahre 1530 wurde auf der Burg die erste Druckerei von Masowien eingerichtet. 1618 wurde die noch existierende Arkadenbrücke unter Bischof Henry Firlej<ref>Henryk Firlej (1574–1626) war ein polnischer Geistlicher, ab 1624 als Erzbischof von Gnesen der Primas von Polen, später auch Unterkanzler der Krone</ref> errichtet.

Unter dem Bischof Marcin Szyszkowski<ref>Marcin II Szyszkowski (1554–1630) war ein polnischer Jesuit und Bischof sowie (in Personalunion mit dem Bischofstitel in Krakau) Herzog von Siewierz</ref> wurden in der ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts die Außenmauern durch den Anbau massiver Strebepfeiler verstärkt.

18. und 19. Jahrhundert

Während der „Schwedischen Sintflut“ wurde die Burg von schwedischen Truppen mehrfach besetzt und geplündert. Dabei entstanden erhebliche Schäden. Unter Andrzej Stanisław Załuski wurde das Gebäude wieder hergestellt.

Im Jahre 1773 kam es auf der Burg auf Geheiß von Michał Jerzy Poniatowski<ref>Michał Jerzy Poniatowski (1736–1794), der jüngste Bruder von König Stanisław August Poniatowski, war Kronsekretär, Płocker Bischof und letzter Primus der Ersten Republik</ref> zu einer Inventarisierung. Der Zustand der Anlage war verhältnismäßig gut. Im Park wurden 85 Buchsbäume, 300 Apfelbäume, 150 Birnbäume, 35 Pfirsichbäume sowie 100 Zitronenbäumchen gezählt. Gemäß dem Bericht war die Burg damals von Ställen, Remisen, einer Schmiede und einer Scheune umgeben.

Unter Bischof Hilary Szembek<ref>Krzysztof Hilary Szembek (1722–1797) war ein polnischer Jesuit, Bischof und Nuntius</ref> wurde die Burg von 1786 bis 1794 zu einem Schloss im Barockstil umgebaut. Es erhielt dabei einen weiteren Flügel an der Flussseite.<ref name="DomPol">gem. Information Die Geschichte des Schlosses auf der Webseite von Dom Polonia</ref> Bereits während des Kościuszko-Aufstands und dann in den nachfolgenden napoleonischen Kriegen wurde das Schloss erneut beschädigt. Als Napoleon Bonaparte nach seiner Schlacht gegen die Russen 1806/07 in Pultusk übernachtete, wählte er statt des unbewohnbaren Schlosses ein Bürgerhaus am Marktplatz.<ref>Napoleon wohnte vom 29. Dezember 1806 bis zum 1. Januar 1807 im heutigen Haus Ulica Rynek 29, gem. einer Gedenktafel am Gebäude</ref>

Nach der dritten polnischen Teilung fiel die Anlage an das Herzogtum Warschau. Nach einer Renovierung im Jahr 1812 wurde hier ein Militärkrankenhaus eingerichtet, welches bis 1914 bestand. Im Jahr 1841 brannte das Schloss und wurde wieder instand gesetzt.

Datei:Pultusk - plaque - Dom Polonii.jpg
23. Juli 1974: Dieses Objekt übergab die Volksrepublik Polen zur Nutzung an das „Haus der Polen“

20. und 21. Jahrhundert

Nach 1918 wurde das Schloss zum Starosteisitz. Mit Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg (die deutschen Besatzer brachten hier eine eigene Behörde unter) behielt es diese Funktion bis 1975.<ref name="Infotafel"/>

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss im (früheren) Stil der Renaissance grundlegend neu errichtet, im Innenhofbereich teilweise mit modernistischen Details. Die Anlage ist ein ovaler Rundbau in Hufeisenform, die nach Süden offen ist. Sie umgibt einen ovalen Innenhof. Die Arkadenbrücke ist an der Schlossseite mit zwei kleinen Rundtürmen bewehrt, das Schloss selbst verfügt im Westflügel über einen hohen viereckigen Wehrturm mit abgeschrägten Ecken.

1974 wurde mit einer erneuten Restaurierung des Gebäudes begonnen, im Jahr 1989 konnte es dem Verein „Die polnische Gesellschaft“ (polnisch: Stowarzyszenia „Wspólnota Polska“) zur Nutzung als Sitz des Hauses der Auslandspolen in Pułtusk (polnisch: Dom Polonii w Pułtusku) übergeben werden. Außer den gewerblichen Hotel- und Gastronomieeinrichtungen wird hier auch das Dokumentationszentrum der polnischen Emigration (polnisch: Ośrodek Dokumentacji Wychodźstwa Polskiego) geführt.

Aus früheren Bauperioden verblieben im Original nur die unterhalb des Schlosses liegende ehemalige Schlosskapelle (genannt „Magdalenka“<ref>Schlosskapelle St. Maria Magdalena (polnisch: Kościół sw. Marii Magdaleny) 1538 erbaut, heute Ausstellungssaal</ref>) im Renaissancestil sowie die Arkadenbrücke und das Kellergeschoss. Die darüber liegenden Innenräume wurden dem zugedachten Erwerbszweck entsprechend neu gestaltet.

Bedeutende Besucher der Anlage waren unter anderen der polnische König Sigismund III. Wasa, der schwedische König Karl XII., Napoleon Bonaparte und die Zaren Alexander I. sowie Alexander II.<ref name="DomPol"/>

Ansichten im Jahr 2011

Siehe auch

Einzelnachweise und Anmerkungen

<references />

Literatur

  • Beata Konopska und Michał Starzewski (Chefred.), Polen, Karte der Schlösser, aus der Reihe: Copernicus, ISBN 83-7329-621-2, Polskie Przedsiębiorstwo Wydawnictw Kartograficznych S.A., Warschau, Erstausgabe ohne Jahresangabe, S. 44
  • Reinhold Vetter: Mazowsze/Masowien, in: Polen. Geschichte, Kunst und Landschaft einer alten europäischen Kulturnation. DuMont Kunst-Reiseführer, 3. Auflage, DuMont Buchverlag, ISBN 3-7701-2023-X, Köln 1991, S. 222

Weblinks

Commons: Schloss in Pułtusk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Website von „Dom Polonii“ (mehrsprachig)