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Schliff (Schneide)

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Datei:Scalpel 00.jpg
Skalpellklinge mit sichtbarer Fase

Der Schliff ist die durch Schleifen erzeugte Form der Schneide einer Klinge bzw. eines Schneidteils. Der Schliff bestimmt wesentlich die Schneideigenschaften der Schneide.<ref>Ron Hock: Handbuch Schärfen: Grundlagen, Ausrüstung, Anwendung. HolzWerken, 2018, ISBN 978-3-86630-530-4, S. 9. (books.google.de)</ref>

Die verschiedenen Teile der Klinge werden fachsprachlich nicht einheitlich benannt. So werden für die geschliffene Fläche die Begriffe Schneide, Fase, Facette und Wate oft synonym verwendet.<ref name="Stüdemann">Hans Stüdemann: Entwicklung eines Verfahrens zur zahlenmäßigen Bestimmung der Schneideigenschaften von Messerklingen. Springer, 1956, ISBN 978-3-663-04804-6, S. 6–8. (books.google.de)</ref><ref name="Langsner" /><ref>Maria Mulisch, Ulrich Welsch (Hrsg.): Romeis - Mikroskopische Technik. Ausgabe 18, Springer Spektrum, 2010, ISBN 978-3-8274-2254-5, S. 121. (books.google.de)</ref>

Eine Schneide umfasst aufeinander zulaufende Flächen, die sich an der Schneidkante treffen. Geschliffene Flächen werden dabei Fasen genannt. Die Schneidkante kann dabei das Zusammentreffen zweier Fasen (beidseitiger Schliff) oder einer Fase mit der Klingenrückseite (einseitiger Schliff) sein. Die Formen der Fasen sind dabei flach bzw. gerade, hohl bzw. konkav oder ballig bzw. konvex.<ref name="Langsner">Drew Langsner: Das große Buch vom Stuhlbau: Ein Kompendium des Holzhandwerks. HolzWerken, 2006, ISBN 3-87870-575-1, S. 38–39. (books.google.de)</ref><ref>Georg Eisner: Augenchirurgie: Einführung in die operative Technik. Springer, 2013, ISBN 978-3-642-96413-8, S. 23. (books.google.de)</ref><ref name="Stüdemann" /><ref name="Tesolin" /> Pro Seite kann es mehrere Fasen mit unterschiedlichen Winkeln geben, so z. B. Primär- und Sekundärfase. Vielfach ist die Sekundärfase sehr schmal und wird daher Mikrofase genannt.<ref name="Tesolin">Vic Tesolin: Einfach Holzwerken!: Die wichtigsten Handwerkzeuge und clevere Projekte für die kleine Werkstatt. HolzWerken, 2017, ISBN 978-3-86630-543-4, S. 46. (books.google.de)</ref><ref>W. Ferdinand Klingelnberg: Klingelnberg Technisches Hilfsbuch. Springer, 1967, ISBN 3-642-88367-2, S. 58. (books.google.de)</ref> Dadurch verliert die Schneide etwas an Schärfe, nutzt sich aber nicht so schnell ab.<ref name="Mitchell" /> Es muss nicht viel Material zum Schärfen abgetragen werden, doch es ist schwierig, ohne Werkzeug den korrekten Winkel der Mikrofase nachzuschärfen.<ref>Joe O’Leary: Wilderness Survival Guide: The Practical Skills You Need For The Great Outdoors, Duncan Baird Publishers, 2012, ISBN 978-1-78028-235-0, S. 48–49. (books.google.de)</ref>

Die meisten Schneidteile von Zerspanungswerkzeugen sind asymmetrisch, z. b. das Hobeleisen. Das Schneidteil wird in der Regel schräg zum Werkstück geführt.<ref>Christian Gottlöber: Zerspanung von Holz und Holzwerkstoffen: Grundlagen – Systematik – Modellierung – Prozessgestaltung. Carl Hanser, 2014, ISBN 978-3-446-44003-6, S. 35–38 (books.google.de)</ref> Auch manche Messer haben asymmetrische Schneiden. Die Seiten der Schneide bieten dem Schneidgut dabei unterschiedlichen Widerstand. Gegenüber symmetrischen Messern ist es schwieriger, einen geraden Schnitt zu machen, da das Messer zu einer Seite zieht.<ref name="Eckstine" />

Messer und Werkzeuge

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Querschnittsflächen der Klingen mit verschiedenen Schliffen
  • Symmetrisch
  1. Beidseitiger voller Flachschliff, auch Keilschliff bzw. konischer Schliff genannt,<ref name="Pohl" /> mit Sekundärfase: Der Schliff beginnt am Rücken der Klinge oder kurz unterhalb davon und führt in einem flachen Winkel bis zur Sekundärfase. Vielfach verwendet bei Küchen- oder Jagdmessern.<ref name="Böker_Flach">Böker: Flachschliff</ref>
  2. Beidseitiger hoher Flachschliff mit Sekundärfase, auch Säbelschliff genannt: Ähnlich wie der volle Flachschliff, im Unterschied setzt der hohe Flachschliff etwa im ersten Drittel der Klingenbreite ein.<ref name="Böker_Flach" /> Dadurch ist das Material am Klingenrücken breiter, was die Klinge schwerer und verwindungssteifer macht.<ref name="Eckstine">Roger Eckstine: Shooter's Bible Guide to Knives, Verlag Skyhorse Publishing, 2017, ISBN 978-1-5107-1129-7, S. 63–64. (books.google.de)</ref>
  3. Skandinavischer Schliff: Wie beidseitiger voller und hoher Flachschliff, setzt aber noch tiefer an, etwa im letzten Drittel der Klinge.<ref name="Böker_Flach" /> Außerdem hat der skandinavische Schliff keine Sekundärfase. Er kann deshalb leicht geschärft werden, da die große Primärfase, flach auf einen Schleifstein aufgelegt, eine hohe und einfach beizubehaltende Winkeltreue bietet.<ref name="Eckstine" />
  4. Hohlschliff: Der Hohlschliff hat eine sehr schmale Schneide. Vorteil ist die extrem scharfe Schneide, welche sich auch relativ einfach nachschärfen lässt. Nachteil ist eine geringe Stabilität der Klinge; diesem wirkt oft ein breiter Klingenrücken entgegen. Der Schliff ist nur für Klingen zum Schneiden geeignet, da beim Hacken oder Hebeln die dünne Schneide zerstört werden kann.<ref name="Pohl">Dietmar Pohl: Taktische Einsatzmesser. 2. durchgesehene Auflage, Motorbuch Verlag, 2003, ISBN 3-613-02149-8, S. 146–147.</ref>
  5. Ballenschliff: Der Ballenschliff ist sehr widerstandsfähig und wird deshalb für Äxte, Beile und Haumesser verwendet.<ref name="Pohl" />
  • Asymmetrisch
  1. Einseitiger Flachschliff bzw. Meißelschliff: Nur auf einer Seite geschliffen, dadurch wird eine hohe Schärfe erreicht.<ref>Böker: Meißelschliff</ref>
  2. Eine Seite konvex, andere Seite flachschliff: Kombiniert die Haltbarkeit des konvexen Schliffs mit der Einfachheit des Nachschärfens des Flachschliffs.<ref name="Mitchell">Mitch Mitchell: The Razor’s Edge: The secret of a supersharp hunting knife. In: African Expedition Magazine. Volume 4, Issue 4, 2012, S. 11. (books.google.de)</ref>
  3. Asymmetrischer Flachschliff: Beständiger als Meißelschliff, jedoch nicht so scharf.<ref name="Mitchell" />
  4. Eine Seite konkav (Hohlschliff), andere Seite Flachschliff: Verwendet bei japanischen Küchenmessern.<ref name="Mitchell" />

Trennzangen

Datei:Wate.png
Schneide ohne und mit Wate

Bei Trennzangen wie Seitenschneidern erhöht ein beidseitiger Schliff, in der Regel ein asymmetrischer Flachschliff mit einer Mikrofase, die Haltbarkeit und damit die Lebensdauer der Schneide.<ref>Hinkel-Elektronik: Schneidenform und Schneidleistung</ref>

Watenfreie Seitenschneider können nur für relativ dünne und weiche Objekte verwendet werden, erzeugen dafür aber auf der watenfreien Seite einen geraden Schnitt. Sie sind vor allem in Bereichen beliebt, in denen ein Schnitt ohne Krafteinwirkung auf das Schneidobjekt gewünscht ist, z. B.:<ref>Florian Schäffer: Lizenz zum Löten. In: Make: Sonderheft 2017, S. 81. (books.google.de)</ref><ref>Knipex: Schneidenform</ref>

  • für das Abschneiden von Bauteilanschlüssen in Lötverbindungen. So wird verhindert, dass die weiche Lötverbindung beschädigt und zur kalten Lötstelle wird.
  • für Hautzangen. So wird vermieden, dass Haut an der Schnittkante verdrängt wird.

Einzelnachweise

<references />