Schlangenkönig
Der Schlangenkönig wurde im Spreewald als Schutzgeist verehrt und ist bis heute ein wesentlicher Teil der örtlichen Folklore.<ref>Spreewald-Marketing, Ringelnatter – siehe letzter Abschnitt</ref><ref name="Vetschau">Vetschauer Mitteilungsblatt vom 1.12.2021, Abschnitt „Sagen aus Vetschau und Umgebung und dem Spreewald“</ref>
Möglicher realer Kern
Vor allem Ringelnattern legen ihre Eier an Stellen, die weniger von Überflutungen betroffen sind. So war das Auftreten von Ringelnattern ein Indikator für einen sicheren Bauplatz, oft nur wenige Zentimeter über dem umliegenden Gelände. Daher wurde auch das Vorhandensein von Schlangen als gutes Omen für einen Wohnort gesehen.<ref name="Beckersblog">Peter Beckers Spreewaldblog – Woanders verteufelt – im Spreewald verehrt</ref>
Die Sage vom Schlangenkönig und den Grafen zu Lynar
Die am häufigsten zitierte Sage, auch in mehreren Varianten überliefert, handelt von einem Grafen, der hörte, dass die Schlangen im Spreewald oft auf einer bestimmten Wiese spielten. Auch der Schlangenkönig gesellte sich häufig dazu und legte dabei seine goldene Krone auf einen hellen, sonnigen Fleck. Der Graf wollte sich der Krone bemächtigen. Er legte ein weißes Tuch an eine sonnige Stelle der Wiese in der Nähe eines Verstecks, in dem er wartete. Als der Schlangenkönig erschien, legte dieser die Krone auf dem hellen Tuch ab.
Der Graf ergriff das Tuch samt Krone und ritt so schnell wie möglich davon. Die Schlangen stürzten sich zwar sofort auf ihn und verfolgten ihn, doch er konnte mit seinem Pferd über eine Mauer springen, sodass die Schlangen ihm nicht mehr folgen konnten. Mit der Krone wurde der Graf reich und baute sich ein Schloss.
Diese Sage wird häufig mit einem Vorfahren des Adelsgeschlechts Lynar in Verbindung gebracht, das im Schloss Lübbenau beheimatet ist und dessen Wappen Schlangen und Türme enthält, die als Schlangenkönig und Mauern interpretiert werden.<ref name="Vetschau"/><ref name="Lynar">Das Wappen der Grafen von Lynar oder die Sage vom Schlangenkönig im Schlosse zu Lübbenau (Wikisource)</ref><ref name="Raddusch">Die Sage vom Schlangenkönig</ref>
Weitere Erzählungen aus dem Spreewald
Im Spreewald gibt es weitere Sagen über Schlangenkönige.
Schlangen wurde nachgesagt, dass sie den Kühen die Milch aussaugen, ansonsten jedoch harmlos seien. In einer Erzählung soll ein Fischer eine riesige Schlange mit etwas Weißem auf dem Haupt gefangen haben und wollte sie als Schädling töten. Es handelte sich jedoch um den Schlangenkönig, der sofort nach seinem Volk pfiff. Der Fischer konnte den herbeieilenden Schlangen nur knapp entkommen, indem er seinen Mantel zurückwarf, in den sich die Schlangen verbissen.<ref name="Lynar"/>
Gemäß anderer Erzählungen erinnern die Darstellungen des Schlangenkönigs an einen Mann, der bei dem Versuch, die Spreewälder von einer Schlangenplage zu befreien, ums Leben kam.<ref name="Vetschau"/><ref name="Raddusch"/>
In vielen Erzählungen macht der Schlangenkönig armen, redlichen Menschen eine Krone zum Geschenk und hilft ihnen so aus der Armut.<ref name="Vetschau"/><ref>Sagen im Spreewald – Der Schlangenkönig</ref> Eine solche Krone, die ein Spreewälder Mädchen an August den Starken verkauft haben soll, befinde sich in einem goldenen Ei aus dem Besitz Augusts des Starken, das im Grünen Gewölbe zu sehen ist.<ref>Das goldene Ei im Grünen Gewölbe</ref>
Schlangenkönig im Spreewald heute
Im Spreewald ist es Tradition, dass vor allem an alten Spreewaldhäusern an den Giebelspitzen zwei gekreuzte Schlangen mit Kronen angebracht sind, die den Bewohnern Glück und Schutz spenden sollen.
Aus touristischen und Marketinggründen ist der Schlangenkönig im Spreewald inzwischen nahezu allgegenwärtig. Es gibt Denkmäler des Schlangenkönigs<ref name="Beckersblog"/>, er ist vielfach Namensgeber, etwa von mindestens einem Hotel<ref>Hotel zum Schlangenkönig</ref> und einem Kräuterlikör<ref>Spreewald-Mosterei, Abschnitt Liköre</ref>.
Auch das 2007 genehmigte Wappen der Gemeinde Burg (Spreewald) enthält eine Mischung aus Schlangenkönig und der Schlange der Hygieia, Tochter des Asklepios, als Hinweis auf den Luftkurort.
Einzelnachweise
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