Schlacht bei Pollentia
Die Schlacht bei Pollentia fand am 6. April 402 in Norditalien zwischen Truppen des Weströmischen Reiches und den aus dem Osten eindringenden Westgoten statt.
Italien war zum Zeitpunkt, als sich die Westgoten unter König Alarich I. näherten, weitgehend ohne militärischen Schutz, da die meisten Truppen zum Kampf gegen die Alamannen an der unruhigen Nordgrenze eingesetzt wurden. Somit konnten die Westgoten die Julischen Alpen weitgehend ungehindert überqueren, Aquileia belagern und Istrien und Venetien besetzen. Daraufhin riet der sehr einflussreiche weströmische magister militum Stilicho dem Kaiser Honorius, sich im befestigten Mediolanum (heute Mailand) zu verschanzen. Ein zentrales Problem stellte die mangelnde Truppenstärke des weströmischen Heeres dar, verursacht durch Rekrutierungsprobleme und verschlimmert durch logistische Schwierigkeiten. Stilicho konnte sich nur auf relativ wenige kampfstarke Verbände stützen.
Stilicho selbst überquerte im Winter 401/402 mit seinen Truppen die Alpen und sorgte für rasche weitere Aushebungen bzw. rief Legionen aus entfernteren Provinzen herbei. Angesichts des scheinbar unaufhaltsamen Vormarsches der Westgoten wich Stilicho zunächst bis nach Arelate (Arles) zurück, entschloss sich im Frühjahr aber doch, südlich von Turin am Fluss Tanaro die Schlacht zu wagen, wo er den Belagerungsring, den Alarich um die Stadt Asti gelegt hatte, aufbrechen wollte. Den Angriffstermin legte Stilicho auf den Morgen des 6. April, also zu Ostern, da er damit rechnete, so die Westgoten beim Morgengebet überraschen zu können. Der Überraschungsangriff gelang zunächst, doch konnte Alarich den Ausbruch einer Panik vermeiden. Es gelang ihm sogar, die alanischen Hilfstruppen Stilichos unter deren Anführer Saul, der dabei umkam, zu schlagen. Doch der darauffolgende Angriff der Haupttruppen Stilichos auf das westgotische Lager erwies sich als Erfolg. Wenngleich der Kampf insgesamt unentschieden ausging (Stilicho musste feindliche Truppen abziehen lassen), erlitten die Goten hohe Verluste. Mehrere Stammeskönige fielen, ebenso wurden Angehörige zurückgelassen.
Alarich sah sich gezwungen, das Schlachtfeld zu räumen und am Abend mit den verbleibenden Truppen nach Ligurien abzuziehen. Er konnte sich im östlichen Nord-Italien behaupten und seine Truppen reorganisieren, mit denen er dann im gleichen Jahr erneut eine militärische Konfrontation (→ Schlacht bei Verona) wagte. Hierbei erlitt Alarich jedoch seine schwerste Niederlage und musste Italien vorerst räumen. Wenngleich sich die Regierung in Ravenna und Alarich später wieder vorläufig annäherten, war der offene Bruch nur eine Frage der Zeit. Dies führte zur Plünderung Roms (410).
Heute ist im Stadtteil Pollenzo der Stadt Bra eine archäologische Stätte mit den Überresten des antiken Pollentia zu finden.
Literatur
- Thomas S. Burns: Barbarians within the Gates of Rome. A Study of Roman Military Policy and the Barbarians (ca. 375–425). Indiana University Press, Bloomington/Ind. 1994, S. 183 ff. (wichtig für die allgemeine politische Lage und hinsichtlich der logistisch-militärischen Probleme Westroms in dieser Zeit)
- Herwig Wolfram: Das Römerreich und seine Germanen. Eine Erzählung von Herkunft und Ankunft. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2018, S. 214 f.