Schillingbrücke
| Schillingbrücke | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Nutzung | Straßenverkehr | |||||
| Überführt | An der Schillingbrücke (Engeldamm – Andreasstraße) | |||||
| Querung von | Spree | |||||
| Ort | Berlin-Friedrichshain | |||||
| Konstruktion | fünfbogige Ziegelgewölbebrücke | |||||
| Gesamtlänge | 74,77 m | |||||
| Breite | 23,16 m | |||||
| Längste Stützweite | 12,55 m | |||||
| Konstruktionshöhe | Mittelfeld 0,80 / Seitenfelder 0,90 | |||||
| Lichte Höhe | 4,9 m<ref>„Brücken über die Spree“ private Homepage</ref> | |||||
| Fahrzeuge pro Tag | 410 Lkw<ref>Verkehrsmengen LKW 2014. (PDF) Straßenverkehrszählung 2014 mit Stand 16. Oktober 2015.</ref> 17.700 Kfz<ref>Verkehrsstärkenkarte DTV 2014: Kfz in 24 Stunden</ref> | |||||
| Baukosten | für die Sanierung 1991–1994: 6,8 Mio. DM | |||||
| Baubeginn | 1870 | |||||
| Fertigstellung | 1874 | |||||
| Eröffnung | April 1874 | |||||
| Lage | ||||||
| Koordinaten | 52° 30′ 33″ N, 13° 25′ 45″ O
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Brückenfläche: 1750 m² | ||||||
Die Schillingbrücke in Berlin überspannt die Spree und bildet eine wichtige Verbindung zwischen den Ortsteilen Friedrichshain im Norden sowie Kreuzberg und Mitte im Süden. Die Ziegelgewölbebrücke liegt zwischen der Oberbaumbrücke im Osten und der Michaelbrücke im Westen, verlängert die Andreasstraße über die Spree und verbindet die Holzmarktstraße und die Köpenicker Straße, die jeweils parallel zur Spree verlaufen. Seit 1990 steht die Brücke unter Denkmalschutz.
Geschichte
Der Maurermeister und Stadtdeputierte Johann Friedrich Schilling (1785–1859)<ref>Schillingbrücke private Friedrichshainer Homepage</ref> gründete 1839 eine private Brückenbau-Aktiengesellschaft (AG), um an der heutigen Stelle eine Klappbrücke aus Holz bauen und finanzieren zu können.<ref>Genehmigt durch Kabinettsorder vom 27. Oktober 1839, GStA I. HA Rep. 89 Nr. 29178</ref> Nach Fertigstellung nannte man das Bauwerk Schillingbrücke nach dem Initiator und Vorstand dieser AG. Die Brücke wurde privat unterhalten und konnte gegen einen Brückenzoll genutzt werden. Die Brücke wurde 1848 unter Abfindung der Aktionäre verstaatlicht.<ref>Kabinettsorder vom 28. November 1848, GStA I. HA Rep. 89 Nr. 29178</ref> Die Stadt Berlin übernahm 1862 die Brücke und schaffte die Benutzungsgebühr ab. Vielfache Reparaturen verhinderten nicht, dass die Brücke schnell baufällig wurde.
Ein Neubau wurde beschlossen, der unter Leitung des Stadtbauinspektors Leopold Seeck zwischen 1870 und 1874 realisiert wurde. Trotz komplizierter Anforderungen, die aus dem Zufluss des Luisenstädtischen Kanals (1926 zugeschüttet) in Höhe der Brücke resultierten, konnte die neue Spreequerung mit einer Länge von 75 m und einer Breite von 15 m in der vorgesehenen Bauzeit fertiggestellt werden. Das Ziegelmauerwerk erhielt Verkleidungen aus schlesischem Sandstein und als Schmuck an den Pfeilern, Ansichtsflächen und Brückengeländern allegorische Reliefs aus der Werkstatt des Bildhauers Emil Hundrieser. Über jedem Pfeiler wurde eine Brückenleuchte installiert.
Das gestiegene Verkehrsaufkommen zu Beginn des 20. Jahrhunderts machte eine Verbreiterung der Schillingbrücke erforderlich. Dazu fertigten die Architekten Lasker und Kolleck Umbaupläne, nach denen 1912 beiderseits 4,10 Meter breite Stahlkonsolen für die Aufnahme neuer Gehwege und der Versorgungsleitungen angebaut wurden. Die Kragarme auf vorgezogenen Strompfeilern verdecken seitdem die Reliefverzierungen. An die Stelle der steinernen Balustraden kam ein einfaches eisernes Stabgeländer.
Die alliierten Bombenangriffe und die Endkämpfe um Berlin im Zweiten Weltkrieg hatte die Schillingbrücke überstanden. Das südliche Spreeufer bildete ab 1945 die Grenze zwischen Ost- und West-Berlin, die Brücke selbst lag jedoch im Ostteil. Nach dem Mauerbau im Jahr 1961 diente sie nicht mehr dem öffentlichen Verkehr und war mit einer breiten Sperrzone gegen eventuelle Flüchtlinge gesichert.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Detaildarstellung ( vom 31. Mai 2008 im Internet Archive) auf berlin.de</ref>
Vor allem in den 1960er Jahren unternahmen einige Menschen in der Umgebung der Schillingbrücke Versuche, in den Westteil der Stadt zu fliehen. Die meisten kamen dabei zu Tode. So wurde der 25-jährige Werner Probst im Oktober 1961 in der Spree nahe der Schillingbrücke erschossen,<ref>Chronik der Mauer 1961</ref> die Leiche des bei einem Fluchtversuch in der Spree ertrunkenen 20-jährigen Philipp Held wurde im April 1962 an der Schillingbrücke geborgen.<ref>Chronik der Mauer 1962</ref>
Der Fall der Mauer ermöglichte 1990 die Wiedereröffnung der Schillingbrücke. Sie musste in den Jahren 1991–1994 grundinstandgesetzt werden, da sie Korrosionsschäden sowie Splittereinschläge und Risse aufwies, die teilweise noch aus dem Zweiten Weltkrieg herrührten. Die Steinreliefs wurden gesäubert und konserviert, bleiben aber weiterhin kaum sichtbar. Die bogenförmigen Straßenleuchten und das Geländer aus Schmiedeeisen und Stahlguss mit Schmuckelementen entstanden neu. Die Brückendecke erhielt Abdichtungen und eine neue Stahlbetonplatte.<ref>Schillingbrücke Senatsverwaltung für Stadtentwicklung</ref> Das Bauunternehmen Ed. Züblin führte den größten Teil der Arbeiten durch.
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Teilansicht des originalen Sandsteinschmucks hinter der Stahlkonstruktion
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Rankenguss am Geländer
Benachbartes
An der Schillingbrücke, mit der Hauptfront in der Bauflucht der Andreasstraße und mit der sichtbaren Seitenfront an der Spree, hatte die Stadt Berlin Ende des 19. Jahrhunderts eine Volksbadeanstalt für eine Gesamtbausumme von 497.000 Mark errichten lassen. Der Entwurf für das dreiteilige Gebäude stammte von Fridolin Zekeli (1846–1901), einem Mitarbeiter des Büros von Hermann Blankenstein sowie dem Architekten Schmidt und wurde am 12. Juni 1890 genehmigt.<ref name="Bericht">Erläuterungsbericht zum Entwurf der Volksbadeanstalt an der Schillingsbrücke. Vorlagen für die Stadtverordneten Berlins, S. 343; zlb.de</ref> Im Jahr 1893 erfolgte die Einweihung.<ref>W[ilhelm] Schleyer: Bäder und Badeanstalten. Scholtze, Leipzig 1909, S. 471; Textarchiv – Internet Archive.</ref>
Sie enthielt zahlreiche Umkleidemöglichkeiten, 49 Wannenbäder, 70 Zellen für Brausebäder (jeweils getrennt für Frauen und Männer) sowie einen Schwimmsaal mit 19,50 m Länge und 15,90 m Breite. Der Haupteingang zum Erdgeschoss befand sich in der Straße An der Schillingsbrücke.<ref name="Bericht" /> Die Badeanstalt wurde bereits im ersten Betriebsjahr von mehr als 325.000 Personen besucht und entwickelte sich rasch zu einer gern genutzten Einrichtung. Der Magistrat hatte bald vor allem wegen der rasch wachsenden Bevölkerungszahl in der Umgebung eine Erweiterung geplant und dazu weitere Flächen an der Holzmarktstraße von den Wasserbetrieben angekauft.<ref>Zahlen aus einer Badeanstalt. In: Berliner Tageblatt, 19. September 1905.</ref><ref>Schnittdarstellung der Volksbadeanstalt an der Schillingsbrücke, 1900. bildindex.de; abgerufen am 28. März 2021.</ref>
Zwischen der Schillingbrücke und der Oberbaumbrücke steht parallel zum nördlichen Spreeufer das längste erhaltene Stück der Hinterlandmauer, das im Frühjahr 1990 von Künstlern aus aller Welt mit großflächigen Motiven gestaltet wurde und seitdem East Side Gallery genannt wird. Auf der Freifläche zwischen dieser Mauer und dem Spreeufer fanden mehrfach mediale Aktionen statt.<ref>Tanzveranstaltung (Fête de la Musique) im Jahr 2007 an der Schillingbrücke auf YouTube, abgerufen am 24. April 2021.</ref> So gab es 2003 hier das 1. Sandskulpturen-Festival „Sandsation“ am Spreeufer hinter der East Side Gallery. Am nördlichen Ufer neben der Brücke befand sich der Szeneclub Maria am Ostbahnhof, direkt an der Brücke steht ein Ibis-Hotel und flussabwärts dahinter das Radialsystem V.
Das südliche Ufer wird von der 2002 erbauten Ver.di-Bundeszentrale dominiert. Die Brücke erfüllt eine wichtige Verkehrsfunktion für die Anbindung des Ostbahnhofs. Beiderseits der Schillingbrücke erstreckt sich das Investorenprojekt Mediaspree, mit dem eine großstädtische ufernahe Bebauung geplant war. Nach einem Bürgerentscheid („Mediaspree versenken“) im Herbst 2008 werden die Pläne durch alle Beteiligten unter Verantwortung des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg überarbeitet, sodass am Ende mehr freie Flächen bleiben sollen. Im März 2009 entstand ein neuer Bebauungsplan.<ref>Karin Schmidl: Mehr Grün an der Schillingbrücke. Mediaspree-Grundstück: Bezirk beugt sich einer Senatsanweisung und sieht das dennoch als Erfolg. In: Berliner Zeitung, 25. März 2009.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. ad-hoc-news.de, Wirtschaft und Börse online, abgerufen am 11. Januar 2016.</ref> Der Stralauer Platz befindet sich ebenfalls unweit der Schillingbrücke.
Radverkehr
Auf der Brücke befinden sich beidseitig aufgemalte Radfahrstreifen. Im Oktober 2019 wurde auf der Nordseite für die Einfahrt auf die Holzmarktstraße ein Radfahrstreifen in Mittellage aufgemalt und einige Tage später mit roter Farbe ausgemalt. Radaktivisten kritisierten die Maßnahme, da Fahrradweichen grundsätzlich Unsicherheit erzeugen und insbesondere Menschen mit höherem Sicherheitsbedürfnis vom Radfahren abhalten würden.<ref>Claudius Prößer: Berliner Mobilitätsgesetz: Ginge doch alles noch radikaler. In: Die Tageszeitung: taz. 2. November 2019, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 2. November 2019]).</ref> Gegen die Einrichtung der Fahrradweiche wurde ein Widerspruch eingelegt, da sie in mehreren Punkten gegen das Mobilitätsgesetz verstoßen würde.<ref>Claudius Prößer: Kampf ums Mobilitätsgesetz: Die Weiche soll weichen. In: Die Tageszeitung: taz. 11. November 2019, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 17. November 2019]).</ref>
Literatur
- Eckhard Thiemann, Dieter Deszyk, Horstpeter Metzing: Berlin und seine Brücken. Jaron Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-89773-073-1, S. 38–39.
- Werner Lorenz, Roland May, Hubert Staroste, unter Mitwirkung von Ines Prokop: Ingenieurbauführer Berlin. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2020, ISBN 978-3-7319-1029-9, S. 66–67.
Weblinks
- Eintrag zu Schillingbrücke (Obj.-Dok.-Nr. 09010026) in der Berliner Landesdenkmalliste mit weiteren Informationen
- Schillingbrücke Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
- Schillingbrücke. In: Structurae
Einzelnachweise
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(stromabwärts; die kursiv geschriebenen Namen sind Brücken, die nicht mehr existieren)
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