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Scharn

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Datei:ScharnDuisburg1566.png
Die Markthalle mit Scharn in Duisburg im Corputius-Plan von 1566

Die Scharn (auch Scharne, Scharren, Scharrn) waren in mittelalterlichen Städten Stände, an denen Brot (Brotscharren, Brodscharren) oder Fleisch (Fleischscharren) angeboten wurden. Oft befanden sich die Scharren in einer Markt- oder Fleischhalle. Als Scharn sind solche Orte beispielsweise in Berlin, Braunschweig, Duisburg, Dortmund oder Minden überliefert.

In Alsfeld wurde das Erdgeschoss des 1564 errichteten städtischen Hochzeitshauses als Fleischschirn konzipiert, es existiert bis heute. In Warendorf hat sich das 1653 erneuerte Gebäude bis heute erhalten.

Etymologie

Laut Aufzeichnungen der Brüder Grimm kamen in Deutschland unterschiedliche Schreibweisen für diese Verkaufsstellen für Brot oder Fleisch vor.

  • neben Scharre auch Scherne oder Scharn
  • Der Begriff „die Scharre[n]“ kommt von „Scharne“ oder „Schranne“.
  • Es kann auch als „der Scharren“ (Scharn) vorkommen.
  • Daraus konnte „Scherne“ werden, was wiederum im 15. Jahrhundert zu „Schirn“ umgelautet wurde.<ref>Vorlage:Deutsches Wörterbuch</ref>

Das Wort hat vermutlich keinen Bezug zu dem Verb „scharren“, sondern ist wohl durch eine Umstellung des Buchstaben „r“ aus „schranne“ ({{#if:|ahd.|althochdeutsch}}{{#if:scranna| {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}}}{{#if:| ‚{{{de}}}‘}}) entstanden. Dies steht im Zusammenhang mit {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=it|SCRIPTING=Latn|SERVICE=italienisch}} („Bank, auf die Verbrecher bei der Züchtigung geschnallt werden“, oder Sitzbank der Beisitzer bei Gericht) und ist eventuell verwandt mit {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=fr|SCRIPTING=Latn|SERVICE=französisch}}.

  • „Schranne“ ist die Bezeichnung für einen Verkaufsstand, eine gedeckte Halle, ein Laden oder ein Sammelbegriff für Bank, Tisch, Anstalt, Local, Gebäude, die zum Kauf und Verkauf, insbesondere von Brot, Getreide oder Fleisch gedacht waren.
  • In Hamburg und anderen Orten war es in der Form „Schrange“ für den Fleischmarkt oder eine Fleischbank üblich.<ref>Vorlage:Deutsches Wörterbuch</ref>

Erhalten ist das Wort auch in den Bezeichnungen für Straßen und Plätze (Schrangen, Schrangenplatz, Schrangenstraße; in Riga: Skārņu iela = Scharrenstraße). Verwandt sind die Schranke als Absperrung eines Bereiches und der Schrank als Aufbewahrungsplatz von Waren.

Vorkommen als Schar(re)n oder Schirn

Datei:Frankfurt Am Main-Scharnhaeuser-Reiffenstein-1875.jpg
Schirnen unter einem Scharnhaus in Frankfurt um 1875

Vorkommen als Schrange oder Schranne

Literatur

  • {{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}
  • scharne. In: Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. Band 2: N–U. Hirzel, Leipzig 1876, Sp. 666 bis 668 (woerterbuchnetz.de).
  • Vorlage:Deutsches Wörterbuch
  • Vorlage:DtRechtswörterbuch
  • Vorlage:DtRechtswörterbuch
  • Fred Kaspar: Die Scharne auf dem Markt. In: Laurenz Sandmann (Hrsg.): Handel, Hanse, Warendorf (= Stadt- und Stadtmuseum: Schriften der Altstadtfreunde Warendorf. Band 2), Michael Imhof Verlag, Petersberg 2019.
  • Fred Kaspar: Krambude, Marktstand, Laden und Boutique – Arbeiten, Handeln und Wohnen im Stadtzentrum. In: Fred Kaspar (Hrsg.): Krambude, Boutique und Laden (Einblicke – Schriften der Stiftung Kleines Bürgerhaus), Michael Imhof Verlag, Petersberg 2021, S. 12–101.

Einzelnachweise

<references />