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Saufang (Glocke)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
eine kompakte, sehr schlicht aussehende Bronzeglocke an einer Steinsäule im Innenraum einer Kirche (nur angedeutet sichtbar) angebracht.
Saufang in St. Cäcilien (Museum Schnütgen)
Datei:WP - Saufang - Hugo Rahtgens.jpg
„Saufang“ mit Läuteschnur (1916)

Der Saufang ist die älteste erhaltene „GlockeDeutschlands; da sie nicht gegossen, sondern geschmiedet und genietet wurde, sollte man eher von einer Schelle sprechen.

Gestalt

Der sogenannte Saufang ist 42 cm hoch und weist einen Durchmesser von 33 cm auf. Er wurde nicht gegossen, sondern aus drei geschmiedeten Eisenplatten hergestellt, die mit kupfernen Nägeln roh zusammengenietet sind. Als Rostschutz und zur Verbesserung des Klangs ist sie mit einer Kupferlegierung überzogen.<ref name=":0">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Geschichte

Zeitpunkt und Umstände der Entstehung des Saufangs, der über Jahrhunderte in der Kirche St. Cäcilien in Köln hing, sind unklar. Ältere lokale Überlieferungen bringen die „Glocke“ mit Bischof Kunibert von Köln in Verbindung, was einen Ursprung im 7. Jahrhundert bedeuten würde. Dieser Datierungsvorschlag kann auch mit formalen Vergleichen begründet werden, die etwa der Archäologe Heiko Steuer in den 1980er Jahren mit kleineren irischen Glocken vornahm.<ref name=":0" />

Die heutige Glockenkunde hingegen datiert den Saufang auf das 9. Jahrhundert. Diese Datierung begründete Jörg Pöttgen 2005 mit der Ähnlichkeit zu der 904 geweihten Bell of Armagh (bzw. Bell of Ballinabeck), einer Bronzeglocke aus dem nordirischen Kloster von Armagh.<ref name=":0" />

Legenden

Der ungewöhnliche Name soll Sagen zufolge darauf zurückgehen, dass die „Glocke“ von Schweinen in einem Sumpf nahe der Cäcilienkirche aufgespürt wurde. Die Hintergründe variieren dabei je nach Version der Erzählung geringfügig: Mal wird der Saufang als heidnische „Glocke“ aus alten Zeiten dargestellt, die man nach ihrer Auffindung im Kirchturm aufhängte. Beim Versuch, sie zu läuten, blieb sie jedoch erst stumm und stürzte dann vom Turm wieder in den Sumpf hinab, aus dem sie erneut geborgen werden musste. Erst nachdem sie durch Bischof Kunibert geweiht und somit dem Heidentum entzogen worden war, soll es möglich gewesen sein, die „Glocke“ zu läuten. Eine andere Fassung der Sage behauptet, die „Glocke“ sei bereits vor Kuniberts Zeit durchaus als Kirchenglocke entstanden, man habe sie jedoch ungeweiht im Turm aufgehängt, wodurch sie beim Läuten stumm blieb und schließlich in den Sumpf fiel. Als sie nach langer Zeit von einem Schwein wieder ausgegraben worden war, holte Bischof Kunibert die versäumte Weihe nach und übergab sie sodann St. Cäcilien.

Eine ähnliche Sage von eichelsuchenden Schweinen, die eine Glocke aus dem Boden gewühlt haben sollen, existiert in Mittelfranken für den „Wildenberg“ bei Münchsteinach.<ref>Alexander Schöppner: Glocke am Wildenberg.</ref><ref>Max Döllner: Entwicklungsgeschichte der Stadt Neustadt an der Aisch bis 1933. Ph. C. W. Schmidt, Neustadt a.d. Aisch 1950. (Neuauflage 1978 anlässlich des Jubiläums 150 Jahre Verlag Ph. C. W. Schmidt Neustadt an der Aisch 1828-1978.) S. 69 f.</ref>

Verbleib

Kölner Chronist Aegidius Gelenius beschrieb die Glocke in St. Cäcilien im Jahr 1645.<ref name=":0" /> Bis ins frühe 19. Jahrhundert hing der „Saufang“ dort und wurde regelmäßig geläutet. Später wurde sie ins Wallraf-Richartz-Museum verbracht, wo sie bis mindestens 1892 verblieb. Heute gehört die Glocke zur Sammlung des Kölnischen Stadtmuseums, hängt aber seit 2003 als Leihgabe im Museum Schnütgen, also wieder in St. Cäcilien.<ref name=":0" />

Literatur

  • Monika Lustig, Kurt Kramer: Glocken und Glockenspiele: 17. Musikinstrumentenbau-Symposium in Michaelstein, 8. bis 10. November 1996. Stiftung Kloster Michaelstein, 1998
  • Hans Weininger: Ueber Kirchenglocken, in: Westermann's Illustrirte Deutsche Monatshefte, Nr. 70, Juli 1862. Verlag G. Westermann, 1862

Weblinks

  • Saufang – Fotografien bei bildindex.de (mit Datierung 10. Jahrhundert)

Einzelnachweise

<references />