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SOS … rao rao … Foyn

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SOS … rao rao … Foyn – „Krassin“ rettet „Italia“ ist die älteste komplett erhaltene Hörspielproduktion in deutscher Sprache. Der Text stammt von Friedrich Wolf. Das Hörspiel ist in 20 Szenen gegliedert und handelt von der Rettung eines Teils der Mannschaft der im Mai 1928 gescheiterten Nordpolexpedition des italienischen Generals Umberto Nobile durch den sowjetischen Eisbrecher Krassin. Das Hörspiel wurde 1929 von der Deutsche Welle GmbH und der Funk-Stunde AG produziert und (wahrscheinlich) am 5. November 1929 um 20:30 Uhr als Livesendung uraufgeführt. Seine Länge beträgt 64 Minuten und 11 Sekunden.

Hintergrund

Datei:Bundesarchiv Bild 102-05738, Stolp, Landung des Nordpol-Luftschiffes "Italia" (cropped).jpg
Landung des Luftschiffes Italia

Das Hörspiel beruht auf einer wahren Begebenheit. 1928 hörte der russische Funkamateur Nikolai Reinholdowitsch Schmidt (1906–1942) in Wochma nachts über einen selbst gebastelten Kurzwellenempfänger den verstümmelten Notruf „SOS … rao … rao … Foyn …“ der Überlebenden des am 25. Mai abgestürzten Luftschiffs Italia. Das Luftschiff des italienischen Polarforschers Umberto Nobile war beim Flug über den Nordpol in einen Schneesturm geraten und nördlich von Spitzbergen abgestürzt. Die neun Überlebenden trieben auf einer Eisscholle und setzten mit einer tragbaren Notfunkanlage immer wieder ihren Notruf samt Positionsangabe ab: „SOS Italia. Auf dem Packeis, nahe der Foyn-Insel, nordöstlich Spitzbergens, 80°37′ Breite, 26°50′ Länge.“<ref>SOS im Eis – Das Luftschiff „Italia“ verunglückt in der Arktis, Zeppelin-Museum am 30. Mai 2018, Zugriff am 12. Februar 2019</ref><ref name=":1">»S.O.S. rao rao Foyn – ›Krassin‹ rettet ›Italia‹« von Friedrich Wolf (1929). In: ARD Höhrfunkdatenbank. Abgerufen am 6. Januar 2026.</ref> Nachdem Schmidt den verstümmelten Hilferuf nach Moskau gemeldet hatte, setzte eine internationale Rettungsaktion ein, die ohne das Medium Funk nicht möglich gewesen wäre. Letztendlich gelang am 14. Juli die Rettung der Männer durch den damals stärksten russischen Eisbrecher Krasin.<ref name=":1" /> Von den neun Überlebenden des Absturzes hatten drei am 29. Mai das Lager verlassen (zwei überlebten), während Umberto Nobile als einziger schon am 23. Juni von einem Flugzeug gerettet wurde.

Über das Hörspiel

Die älteste komplett erhaltene Hörspielproduktion des deutschen Rundfunks wurde 1929 von der Deutsche Welle GmbH und der Funk-Stunde AG produziert.<ref name=":0" /> Es macht das Radio und den Funk selbst zum Thema. Der Nordpol-Flug des Luftschiffs Italia war von Benito Mussolini als faschistische Propaganda-Aktion geplant. Dass ausgerechnet der sowjetische Eisbrecher Krassin die Verunglückten rettete, war für Friedrich Wolf Anlass zu einem Appell an die Weltsolidarität. Wolf hatte im August 1929, als er sich auf Langeoog aufhielt, die Grundlage des Textes innerhalb weniger Tage geschrieben.<ref name=":1" /> Er erklärte hierzu: „Dies Spiel – eine Synthese von Bühne, Funk und Film – wurde geschrieben, weil der Stoff hierzu herausforderte. Die Tragödie des Luftschiffs Italia, das vergebliche Suchen sämtlicher großen Funkstationen, die Aufnahme des verstümmelten Hilferufes: ‚SOS ...rao rao ...Foyn‘ durch den selbstgebastelten Kurzwellenapparat des Amateurfunkers Nikolai Reinholdowitsch Schmidt in einem einsamen Dorf im Norden der Murmansk ist wohl das erste Heldenlied unserer Zeit, unserer Technik, unserer Solidarität“.<ref name=":0" />

Die Uraufführung des später auch von ausländischen Stationen mit Erfolg gespielten Hörspiels erfolgte am 5. November 1929. Die Livesendungen wurden in Köln unter der Regie des Oberspielleiters Rudolf Rieth und in Berlin unter der von Alfred Braun produziert.<ref name=":1" /><ref name=":0" /> Das Hörspiel wurde am 5. November 1929 über die Sendestationen in Königs Wusterhausen, Frankfurt, Kassel, Stuttgart, Freiburg, Breslau, Gleiwitz, München, Nürnberg, Augsburg sowie Kaiserslautern ausgestrahlt. Warum einige Stationen abweichende Anfangszeiten angaben (z. B. 20:20 Uhr für Berlin, Frankfurt, Stuttgart und München),<ref>Radio-Programm. Montag, 4. November. Berlin, Frankfurt, Stuttgart und München. 20.20: Uraufführung „S.O.S. Rao Rao… Foyn“: Krassin rettet Italien (sic!). In: Salzburger Wacht. Sozialdemokratisches Organ für Salzburg / Salzburger Wacht. Organ für das gesamte werktätige Volk im Kronlande/Lande Salzburg, 2. November 1929, S. 8 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/sbw</ref> bleibt ungeklärt.<ref group="Anm.">In gedruckten zeitgenössischen Programmen findet sich teilweise auch das Datum 4. November, siehe z. B.

Allerdings kündigt dieselbe Programmzeitschrift auch eine Sendung am 5. November an:

Daher lässt sich das genaue Datum der Erstsendung derzeit nicht eindeutig feststellen. </ref> Am 8. November erfolgte um 20:30 Uhr eine „Wiederholung der Uraufführung“ aus Berlin<ref>Wiederholung der Uraufführung: S.O.S. – rao, rao – Foyn. Krassin rettet Italia, von Friedrich Wolf. In: Radio Wien, 1. November 1929, S. 63 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/raw Freitag, 8. November 20,30 Berlin 713 kHz</ref> und Köln über die Sendestationen Aachen, Langenberg, Münster, Königsberg sowie Danzig.<ref name=":0" /><ref>In gedruckten zeitgenössischen Programmen findet sich teilweise auch das Datum 4. November, siehe z. B.

Allerdings kündigt dieselbe Programmzeitschrift auch eine Sendung am 5. November an:

Daher lässt sich das genaue Datum der Erstsendung derzeit nicht eindeutig feststellen. </ref>

Das Deutsche Rundfunkarchiv (DRA) besitzt von dem Hörspiel 14 einseitig bespielte Schellackplatten (Gesamtlänge 64:11 Minuten). Die Aufnahme stammt wahrscheinlich vom 8. November (Aufnahmedatum im Katalog der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft). Es ist jedoch nicht gesichert, ob es sich bei den Berliner Sendungen vom 5. und 8. November wirklich um zwei verschiedene Inszenierungen desselben Hörspielmanuskripts handelt, also um zwei Live-Sendungen. Wahrscheinlich wurde erst die zweite Sendung aufgezeichnet.<ref name=":0" />

Die letzte derzeit nachweisbare zeitgenössische Ausstrahlung erfolgte am 19. Dezember 1929 um 20:45 Uhr auf dem Sender Langenberg.<ref>Radio-Programme. Donnerstag, 19. Dezember. Langenberg. In: Prager Tagblatt, 18. Dezember 1929, S. 13 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/ptb</ref>

Die Inszenierung von Alfred Braun des Deutschen Rundfunkarchivs wurde von dem DRA-eigenen Verlag Ende 2013 als Audio-CD zusammen mit einigen weiteren Arbeiten und Reden des Autors Friedrich Wolf veröffentlicht.<ref>Friedrich Wolf - Ein Rundfunkpionier: 'S.O.S. … rao rao … Foyn – ›Krassin‹ rettet ›Italia‹' und andere ausgewählte Tondokumente, Audio CD – Hörbuch, 18. Dezember 2013, Deutsches Rundfunkarchiv (Herausgeber), Friedrich-Wolf-Gesellschaft e.V. (Herausgeber), ISBN 978-3-92607-249-8 </ref> Die Radio-Begeisterung der 1920er Jahre, die das Hörspiel transportiert, erinnert an den Kommunikationsrausch des Internets der 1990er.

Die Szenen

Einleitung / I Überfällig / II Nachtredaktion im Tageblatt / III Eisscholle / IV Russisches Dorf Wosnessenskoje im Gouvernement Wjatka<templatestyles src="FN/styles.css" /> 1 / V Straße in Berlin / VI Funkstation Rom-Sao Paolo / VII Wissenschaftliche Abteilung beim Kommissariat des Äußeren in Moskau / VIII Das rote Zelt auf der Eisscholle / IX Funkstation Rom-Sao Paolo / X Arbeiterrat eines Eisenwalzwerks bei Leningrad / XI An Bord des Eisbrechers Malygin vor Kap Leighsmith / XII Bericht der Prawda / XIII Café Telschow am Bahnhof Zoo Berlin / XIV Das rote Zelt auf der treibenden Eisscholle / XV Große Eisscholle bei der Halbinsel Wrede am 10. Juli / XVI An Bord des Krassin / XVII Funkstation Christiania / XVIII Eisscholle mit rotem Zelt / XIX Eisscholle bei der Insel Brook / XX Zwei Briefe von Italia zum Krassin<ref name=":0">S.O.S. rao rao Foyn - "Krassin" rettet "Italia" (Mai bis Juli 1928). Hörspiel in 20 Szenen. In: ARD Hörspieldatenbank. Abgerufen am 6. Januar 2026.</ref>

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1 
in Wirklichkeit ursprünglich Gouvernement Wologda, zum Zeitpunkt der Expedition bereits unter dem Namen Wochma im Gouvernement Nördliche Dwina

Sendungen im Ausland

Am 20. März 1931 wurde das Hörspiel von der BBC um 22:35 Uhr über den Sender Daventry ausgestrahlt. In der deutschen Programmzeitschrift Radiowelt wurde es unter dem Titel „Krassin rettet Italia“, Hörspiel von Fr. Wolf angekündigt. Ob es sich tatsächlich um die deutsche Fassung handelt, ist unklar.<ref>Das Interessanteste aus dem Auslandprogramm. Vom 15. bis 21. März 1931. In: Radiowelt / Radiowelt. Illustrierte Wochenschrift für Jedermann, Heft 11/1931, S. 327 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/rwl</ref>

Gesichert ist hingegen die Verbreitung einer von Susan Behn und Cecil Lewis adaptierten englischsprachigen Fassung am 19. März 1931 um 21:00 Uhr vom Sender London.<ref>'Krassin' saves 'Italia'. A Radio Play of the Ice, the Air, and the Ether by Friedrich Wolf. The English Version by Susan Behn and Cecil Lewis. In: Radiowelt / Radiowelt. Illustrierte Wochenschrift für Jedermann, Heft 11/1931, S. XXVII (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/rwl Donnerstag, 19. März 1931 21 [Uhr]</ref>

Die Schweizer Sender Beromünster und Bern strahlten das Hörspiel am 4. Mai 1934 um 21:10 Uhr aus.<ref>21.10: Berom. „Krassin rettet Italia“, Hörsp. In: Radio Wien, 27. April 1934, S. 27 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/raw</ref><ref>21.10: Bern: „KRASSIN“ RETTET „ITALIA“. Hörspiel von Wolf. In: Radio Wien, 27. April 1934, S. 47 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/raw</ref> Ob es sich hierbei um eine Neuinszenierung handelt, ist nicht bekannt.

Rezensionen

In der Zeitschrift Der Deutsche Rundfunk ist zu lesen: „Das Stück ist kein Drama im Sinne des normalen, aktmäßig aufgebauten Bühnenstückes. Es ist eine Reihenfolge von kleinen Szenen, Gesprächen, Radiomeldungen, eine szenische Reproduktion des wirklichen Geschehens der Rettung der Nobile-Mannschaft durch den russischen Eisbrecher Krassin. Eine neue Form des spezifisch akustischen Hörspiels“.<ref>Programm-Einleitung. In: Der Deutsche Rundfunk. Heft, Nr. 44, 1. November 1929, S. 1404.</ref>

Ebenfalls in der Zeitschrift Der Deutschen Rundfunk heißt es etwas später: „Friedrich Wolf kommt es jedoch auf den einen Grundgedanken an, die Herrschaft des Menschen über die Technik, ihre künftigen Möglichkeiten in den Händen überstaatlicher Organisationen zu zeigen. … Wie jedoch die Dokumente, Funksprüche und Dialoge konzentriert sind und trotzdem die Bewegung durch ganz Europa spiegeln, darin ist der Dichter … zu erkennen. Jede Szene treibt die gemeinsame Arbeit von Mensch und Technik weiter und bleibt dabei nur ein Teil des großen europäischen Dramas, das für Friedrich Wolf den Auftakt einer neuen Gesellschaftsepoche repräsentiert“.<ref>Felix Stiemer: Hörspiel um Nobile. In: Der Deutsche Rundfunk. Heft, Nr. 46, 15. November 1929, S. 1465.</ref>

Das hoerspieltipps.net fasst zusammen: „Die technische Umsetzung stößt natürlich an ihre Grenzen. Hier ist die Verständlichkeit der Sprache ein wichtigerer Aspekt, so dass viele Sequenzen überdeutlich und nur wenig authentisch wirken. Hinzu kommt, dass hier vieles als Funkverkehr dargestellt wird, der in gradliniger, fast monotoner Sprache abgebildet wird. Ungewöhnlich, aber auch dem Live-Aspekt geschuldet, sind das etwas schleppende Tempo und die Pausen zwischen den Sequenzen“.<ref>SOS rao rao Foyn - "Krassin" rettet "Italia" (Mai bis Juli 1928). In: hoerspieltipps.net. Abgerufen am 7. Februar 2026.</ref>

Neuinszenierungen

1953 produzierte der Rundfunk der DDR eine 46-minütige Neuinszenierung des Stückes unter dem Titel Krassin rettet Italia, Regie: Joachim Witte, Komposition: Günter Lossau, Ursendung: 21. Dezember 1953.<ref>Krassin rettet Italia. In: ARD Hörspieldatenbank. Abgerufen am 7. Januar 2026.</ref>

2021, zum 90-jährigen Jubiläum des Berliner Haus des Rundfunks, produzierte die Künstlergruppe Limited Blindness in Kooperation mit rbbKultur eine Neubearbeitung unter dem Titel Funken der Liebe. Regie und Text: Heiko Michels. Musik und Sound: Marc Weiser. Die Arbeit spielte als Live-Hörspiel vor Publikum im Haus des Rundfunks und später u. a. im Theater im Delphi Berlin und war von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste zum Hörspiel des Monats März 2022 nominiert.<ref>Stefan Fischer: Sprachgewitter. In: Süddeutsche Zeitung vom 25. März 2022</ref>

Anmerkung zu Amateurfunker Nikolai Reinholdowitsch Schmidt

Schmidt (* 31. Oktober 1906) war von Beruf Kommunikations-Ingenieur und Funkamateur. Ihm wurde für seine Initiative, seine geschickte Arbeitsorganisation und seine hervorragenden Arbeitsergebnisse am 17. April 1941 der Titel „Meister der Kommunikation“ verliehen. Am 6. Dezember 1941 wurde er verhaftet und der Spionage beschuldigt. Auf Beschluss einer Sondersitzung (der sogenannten Troika) des Innenministeriums der UdSSR vom 1. August 1942 wurde Nikolai Schmidt wegen antisowjetischer Agitation in Kriegszeiten (er hatte verbotenerweise Bauteile für Radiosender in seiner Wohnung) zum Tod durch Erschießung verurteilt. Das Urteil wurde am 26. August desselben Jahres vollstreckt.<ref name=":2" /> „Sein deutscher Name war in dem Prozess sicher nicht hilfreich.“<ref name=":2">Sergey J. Iljukhin: Nikolai Schmidt – Pionier von ARES. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 19. November 2011; abgerufen am 7. Februar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Mitwirkende

Anmerkungen

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Literatur

  • Friedrich Wolf: SOS … rao rao … Foyn – Krassin rettet Italia. (1929) In: Bodo Würffel (Hrsg.): Frühe sozialistische Hörspiele. Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-596-27032-4, S. 41–66.
  • Helmut Kreuzer: Deutschsprachige Hörspiele 1924–1933. Frankfurt am Main 2003, S. 46 ff. (Vergleich der Pol-Hörspiele von Friedrich Wolf, Walter Erich Schäfer und Arno Schirokauer)
  • Katja Rothe: Katastrophen hören Experimente im frühen europäischen Radio. Kulturverlag Kadmos Berlin 2009, ISBN 978-3-86599-093-8

Weblinks

Einzelnachweise

<references/>

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