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Süßer die Glocken nie klingen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Kritzinger Süsser die Glocken 1866.jpg
Süßer die Glocken nie klingen. Text in: Weihnachtsbüchlein für Schule und Haus (1866).

Süßer die Glocken nie klingen ist ein bekanntes deutsches Weihnachtslied aus dem 19. Jahrhundert, das erstmals 1860 veröffentlicht wurde.

Geschichte

Den Text verfasste der deutsche Theologe und Pädagoge Friedrich Wilhelm Kritzinger (1816–1890), der Direktor der Lehrerinnenbildungsanstalt in Droyßig. Veröffentlicht wurde das Lied erstmals unter dem Titel Die Weihnachtsglocken in der Sammlung Liederstrauß von Bernhard Brähmig, der ebenfalls an den Droyßiger Anstalten als Musiklehrer tätig war.<ref>Bernhard Brähmig: Liederstrauß. Auswahl heiterer und ernster Gesänge für Töchterschulen. Heft 3. Merseburger, Leipzig 1860. 18. Auflage 1897, S. 84 f. (Textarchiv – Internet Archive).</ref> Kritzinger veröffentlichte den Text 1866 nochmals in seinem Weihnachtsbüchlein für Schule und Haus.<ref name="Kritzinger">Wilhelm Kritzinger: Weihnachtsbüchlein für Schule und Haus. Webel, Zeitz 1866, OCLC 246776240, S. 12.</ref>

Die Melodie, der Kritzinger sein Gedicht ausdrücklich unterlegte, stammt von dem Volkslied Seht, wie die Sonne dort sinket, das seit 1841 in Thüringen sowie seit 1847 in Schlesien überliefert ist.<ref name="Böhme">Franz Magnus Böhme: Volksthümliche Lieder der Deutschen im 18. und 19. Jahrhundert. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1895, S. 180 (Textarchiv – Internet Archive).</ref> Gelegentlich wird eine Entstehungszeit vor 1826 vermutet.<ref>Hildegard Meyberg (Hrsg.): Laßt uns singen in der Weihnachtszeit. Auer, Donauwörth 1985, ISBN 3-403-01602-1, S. 248.</ref> Karl Kummerel (1822–1857) schuf 1847 eine Umdichtung des Liedes, weswegen er oft fälschlich als Autor angegeben wird.<ref name="Böhme" /><ref>Seht wie die Sonne dort sinket bei volksliederarchiv.de, abgerufen am 18. November 2021</ref><ref>August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Karl Hermann Prahl: Unsere volkstümlichen Lieder. 4. Auflage. W. Engelmann, Leipzig 1900, S. 217 (Textarchiv – Internet Archive).</ref> Als Vorlage dieses Volkslieds gilt seinerseits das volkstümliche Kunstlied Dort sinket die Sonne im Westen<ref>Dort sinket die Sonne im Westen bei volksliederarchiv.de, abgerufen am 1. Dezember 2019</ref> auf einen Text des Zittauer Lehrers Ernst Heinrich Schwabe (1787–1818),<ref>Karl Goedeke, Edmund Goetze: Grundrisz zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen. Siebentes Buch: Zeit des Weltkrieges (1790–1815): Phantastische Dichtung. Abteilung II. 2. Auflage. Ehlermann, Dresden 1900, S. 307 (Textarchiv – Internet Archive).</ref> zu dem der Komponist August Harder 1808 eine (allerdings andere) Melodie veröffentlichte.<ref name="Böhme" /><ref>August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Karl Hermann Prahl: Unsere volkstümlichen Lieder. 4. Auflage. W. Engelmann, Leipzig 1900, S. 60 (Textarchiv – Internet Archive).</ref> Die Melodie des Volksliedes war auch in zahlreichen weiteren Varianten (u. a. Das Liebchen im Grabe) verbreitet.<ref>Ludwig Erk, Franz Magnus Böhme (Hrsg.): Deutscher Liederhort. Band 2. Breitkopf und Härtel, Leipzig 1893, S. 539 f. (Digitalisat).</ref><ref>Bernd Pachnicke (Hrsg.): Deutsche Volkslieder. Singstimme und Klavier. Edition Peters, Leipzig 1976, DNB 1006936580, S. 337.</ref> Bezeichnenderweise ist auch schon in den älteren Texten zu der Melodie von Glocken die Rede, was Kritzinger als Anregung gedient haben mag.<ref></ref>

In den Niederlanden kennt man das Lied unter dem Titel „Het avondklokje ('t zonnetje gaat van ons scheiden)“.

Spätestens seit den 1890er Jahren,<ref>Julius Hofmann (Hrsg.): Deutsches Liederbuch: Sammlung von Chorälen und Liedern für Schule und Haus. Sonntags-Schule der Zions-Gemeinde, Baltimore, Md. 1895, S. 126 (online bei hymnary.org);
Ludwig Tiesmeyer, Paul Zauleck (Hrsg.), Helias Putsch (musikalisch bearb.): Das Buch der Weihnachtslieder. 2., völlig neu bearbeitete Auflage. Heinsius, Bremen 1896, S. 106 f. (Wikisource).</ref> und von da an sehr häufig, ist das Lied in Gebrauchsliederbüchern zu finden.<ref>deutscheslied.com, abgerufen am 9. Juli 2020</ref>

Eine weitere Vertonung des Textes von einem gewissen Wilhelm Ritzmann ist 1893 im Liederbuch Frohe Lieder der deutschen baptistischen Gemeinde in Cleveland (Ohio) nachgewiesen.<ref>Süsser die Glocken nie klingen. hymnary.org (englisch), abgerufen am 8. Juli 2020.</ref>

Das Lied schafft eine hoffnungsvolle und heilsame Stimmung. Der Glockenklang steht als Symbol für Friede, Freude und Weihnachtswonne.

Liedtext

Datei:Suesser die Glocken nie klingen.pdf
Süßer die Glocken nie klingen, Text und NotenDatei:Süßer die Glocken nie klingen.mid

Der Text ist in mehreren, leicht voneinander abweichenden Fassungen überliefert. Im Folgenden ist Kritzingers Originaltext abgedruckt: <poem> Süßer die Glocken nie klingen, Als zu der Weihnachtszeit, Ist, als ob Engelein singen Wieder von Frieden und Freud’, 𝄆 Wie sie gesungen in seliger Nacht! 𝄇 Glocken mit heiligem Klang, Klingt doch die Erde entlang!

O wenn die Glocken erklingen, Schnell sie das Christkindlein hört: Thut sich vom Himmel dann schwingen, Eilet hernieder zur Erd’. 𝄆 Segnet den Vater, die Mutter, das Kind; 𝄇 Glocken mit heiligem Klang, Klingt doch die Erde entlang!

Klinget mit lieblichem Schalle Ueber die Meere noch weit, Daß sich erfreuen doch Alle Seliger Weihnachtszeit, 𝄆 Alle aufjauchzen mit einem Gesang! 𝄇 Glocken mit heiligem Klang, Klingt doch die Erde entlang!<ref name="Kritzinger" /> </poem>

Melodie

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% Stimmen ohne angehängtes "A" können für eine alternative Harmonisierung verwendet werden. soprano = \relative c {

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} altoA = \relative c' {

 \global \set Voice.midiPanPosition = 0.5 \set midiInstrument = "vibraphone"
 r8\pp f f r f f | g4 g8 c, e g |
 r d d r e e | f4 f8 f c f |
 r a a r c, c | d d f g4 g8 |
 g4 g8 e4 e8 | f4 c8 c4 r8 |
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 a4 f8 c4 c8 | f4 f8 g4 g8 | g4 e8 e4 e8 | f4.~ f4 r8 \bar "|."

} % (Alternative) tenor = \relative c' {

 \global \autoBeamOff \set midiInstrument = "clav"
 c8.\pp c16 c8 c bes c | g4. g4. |
 c8. c16 c8 c4 c8 | c4.~ c4 r8 |
 a8. a16 a8 a c a | d4 (bes8) bes4. |
 a8. bes16 a8 g c bes | a4.~ a4 r8 |
 \repeat volta 2 { c8. c16 c8 c a f | g8. g16 f8 c'4. | }
 c8. c16 c8 c bes a | d4. (bes) |
 a8. bes16 a8 g c bes | a4.~ a4 r8 \bar "|."

} tenorA = \relative c {

 \global \set Voice.midiPanPosition = -1 \set midiInstrument = "clav"
 f8\pppp a c c a f | g e c' c g e |
 g bes d c g bes | a f c' c bes a |
 f4 c'8 f,4 f8 | f4 a8 bes4 bes8 |
 c g c c e, g | a4 f8 f a bes |
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 c4 c8 bes4 bes8 | a4.~ a4 r8 \bar "|."

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} bassA = \relative c {

 \global \set Voice.midiPanPosition = 1 \set midiInstrument = "orchestral harp"
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 g'4 r8 c4 r8 | f,4 g8 a g f |
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 f4 r8 es4 r8 | d4 bes8 g bes d |
 e4 r8 c4 r8 | f4.~ f4 r8 \bar "|."

} verse = \lyricmode {

 Sü -- ßer die Glo -- cken nie klin -- gen,
 Als zu der Weih -- nachts -- zeit,
 Ist, als ob En -- ge -- lein sin -- gen
 Wie -- der von Frie -- den und Freud',
 Wie sie ge -- sun -- gen in se -- li -- ger Nacht,
 Glo -- cken mit hei -- li -- gem Klang,
 Klingt doch die Er -- de ent -- lang!

}

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Literatur

  • Franz Xaver Erni, Heinz Alexander Erni: Stille Nacht, heilige Nacht. Die schönsten Weihnachtslieder. Herder, Freiburg im Breisgau 2002, ISBN 3-451-27367-5, S. 120 u. 190.
  • Gottfried Natalis, Ernst Klusen: Das Weihnachtsbuch der Lieder. Insel, Frankfurt am Main 1975, ISBN 3-458-31857-7.
  • Ingeborg Weber-Kellermann: Das Buch der Weihnachtslieder. 10. Auflage. Atlantis, Zürich 2003, ISBN 3-254-08213-3, S. 260–262.

Weblinks

Commons: Süßer die Glocken nie klingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />