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Rundblättriges Hasenohr

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Rundblättriges Hasenohr
Datei:Bupleurum rotundifolium sl5.jpg

Rundblättriges Hasenohr (Bupleurum rotundifolium)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Doldenblütlerartige (Apiales)
Familie: Doldenblütler (Apiaceae)
Unterfamilie: Apioideae
Gattung: Hasenohren
Art: Rundblättriges Hasenohr
Wissenschaftlicher Name
Bupleurum rotundifolium
L.

Das Rundblättrige Hasenohr<ref name="FloraWeb" /> (Bupleurum rotundifolium, Syn.: Bupleurum perfoliatum Lam.), auch als Acker-Hasenohr, Durchwachskraut, Durchwachs-Hasenohr oder Durchwachsenes Hasenohr bezeichnet, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Hasenohren (Bupleurum) innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae).

Beschreibung

Datei:Bupleurum rotundifolium sl21.jpg
Früchte
Datei:Bupleurum rotundifolium — Flora Batava — Volume v19.jpg
Illustration aus Flora Batava, Volume 19

Blühende Pflanzen haben eine frappante, wenn auch bloß sehr oberflächliche Habitusähnlichkeit mit manchen Wolfsmilch-Arten.

Vegetative Merkmale

Das Rundblättrige Hasenohr wächst als einjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von meist 15 bis 50 (10 bis 75) Zentimetern.<ref name="Thellung1965" /> Der aufrechte Stängel ist kräftig, am Grund bis 4 Millimeter stark und im oberen Teil gabelig verzweigt.<ref name="Thellung1965" />

Die bläulich-grünen Blattspreiten sind eiförmig. Die unteren Laubblätter sind an der Spreitenbasis etwas verschmälert und gestielt oder sitzend, bis etwa 7 Zentimeter lang und 2 bis 3 Zentimeter breit.<ref name="Thellung1965" /> Die mittleren und oberen Laubblätter sind durchwachsen und elliptisch oder elliptisch-eiförmig<ref name="Thellung1965" /> und ganzrandig.

Generative Merkmale

Die Blütezeit liegt vorwiegend in den Monaten Juni bis August. Der doppeldoldige Blütenstand ist meist fünf- bis sieben, selten bis zu zehnstrahlig und besitzen keine Hülle. Die Doldenstiele sind 2 bis 4 Zentimeter lang. Die Doldenstrahlen sind 0,5 bis 1,5 Zentimeter lang.<ref name="Thellung1965" /> Die in der Regel fünf oder sechs Hüllchenblätter sind gelb-grün und rundlich-eiförmig mit spitzem oberen Ende; Sie sind zwei- bis dreimal so lang wie das Döldchen. Die Döldchen enthalten zehn bis zwölf Blüten.<ref name="Thellung1965" />

Die Blüte ist zwittrig. Die gold-gelben Kronblätter sind bei einer Länge von 0,5 bis 0,7 Millimetern sowie bei einer Breite von etwa 1 Millimetern quer-rechteckig bis rundlich, mit einem kurzen eingeschlagenen Läppchen.<ref name="Thellung1965" /> Das Griffelpolster überragt den Rand des Fruchtknotens weit, den der reifen Frucht nur wenig.<ref name="Thellung1965" />

Die schwarze Teilfrucht ist bei einer Länge von 3 bis 3,5 Millimetern elliptisch und besitzt wenig hervortretende Rippen.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16, seltener 22.<ref name="Oberdorfer2001" />

Ökologie

Als Blütenbesucher wurden Dipteren, die Käfer Bruchus olivaceus und Spermophagus cardui sowie auch Hymenopteren (Ichneumoniden, Tenthrediniden und Sphegiden) beobachtet.<ref name="Thellung1965" /> Üblich ist Insektenbestäubung, es ist aber auch Selbstbestäubung möglich.<ref name="BönselEtAl2014">Dirk Bönsel, Petra Schmidt, Uwe M. Barth: Von Venuskamm, Finkensame und Hasenohr. – Vom Aussterben bedrohte Ackerarten in Hessen. FENA Skripte Band 4. Hessen-Forst, Gießen, 2014.</ref> Als Parasit wurde auf dem Rundblättrigen Hasenohr der Pilz Puccinia bupleuri-falcati genannt.<ref name="Thellung1965" />

Vorkommen und Schutz

Das Rundblättrige Hasenohr kommt in Mittel- und Südeuropa, in Marokko und Algerien vor.<ref name="Euro+Med" /> Östlich reicht sein Verbreitungsgebiet bis in den Kaukasusraum, den Iran und Kirgisistan. Adventiv ist es auch in Nordamerika, Nordeuropa, Südafrika und Japan zu finden.<ref name="GRIN" /> Das Rundblättrige Hasenohr ist in Europa wohl erst mit dem Menschen eingewandert. Die ursprüngliche Heimat ist vermutlich Vorderasien. Das Rundblättrige Hasenohr kommt in Mitteleuropa selten bis sehr selten vor. Es steigt in Graubünden bei Obervatz bis 1200 Meter, im Kanton Wallis bis 1315 Meter auf.<ref name="Thellung1965" />

Bupleurum rotundifolium wächst in Ackerunkrautgesellschaften. Es gedeiht meist auf trockenen, nährstoff- und kalkreichen, lehmigen oder tonigen Böden. Es kommt in Mitteleuropa besonders in der Gesellschaft des Sedo-Neslietum vor und ist pflanzensoziologisch eine Charakterart des Verbands Caucalidion.<ref name="Oberdorfer2001" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Wegen der Intensivierung der Ackerbewirtschaftung ist in Mitteleuropa das Rundblättrige Hasenohr stark zurückgegangen. In der Schweiz ist das Rundblättrige Hasenohr selten und „stark gefährdet“, gebietsweise auch „vom Aussterben bedroht“. Bupleurum rotundifolium ist in Deutschland im mittleren Gebiet sehr selten zu finden; darüber hinaus kommt das Rundblättrige Hasenohr nur gelegentlich verschleppt vor. In Österreich tritt das Durchwachs-Hasenohr selten bis sehr selten insbesondere im pannonischen Gebiet auf. Die Vorkommen erstrecken sich auf die Bundesländer Wien, Niederösterreich und das Burgenland sowie unbeständig oder nur lokal auf die Steiermark und Kärnten. In Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg ist die Art ausgestorben.<ref name="EfÖLS2008"/> Das Rundblättrige Hasenohr hat in Mitteleuropa praktisch nur in Ackerrandstreifen bzw. im Sinne des Ackerwildkrautschutzes bewirtschafteten Äckern eine Möglichkeit zu überleben. So wurde im Landschaftsschutzgebiet Freiflächen um Giershagen die in Nordrhein-Westfalen bereits „ausgestorbene Art“ 2019 auf einem Acker des Verein für Natur- und Vogelschutz im Hochsauerlandkreis, der im Sinne eines Schutzes der Segetalflora bewirtschaftet wurde, wiederentdeckt.<ref name="Götte2019">Richard Götte: Der Kalkofenacker, eine Schatzkiste für seltene Ackerwildkräuter. Irrgeister 36, 2019, S. 10–16.</ref>

In der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Deutschlands nach Metzing et al. 2018 ist das sehr seltene Rundblättrige Hasenohr in Kategorie 2 = „Stark gefährdet“;<ref>Detailseite - Rote-Liste-Zentrum. In: Rote-Liste-Zentrum. Abgerufen am 4. Oktober 2023.</ref> diese ist eine Verbesserung gegenüber der Roten Liste nach Korneck et. al. 1998 in der es noch in Gefährdungskategorie 1 = „vom Aussterben bedroht“ war.<ref name="FloraWeb" /> In der Schweiz ist Bupleurum rotundifolium „stark gefährdet“.<ref name="InfoFlora" />

Das Durchwachs-Hasenohr gilt in Österreich als „stark gefährdet“ und im nördlichen Alpenvorland als „vom Aussterben“ bedroht.<ref name="EfÖLS2008"/>

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung von Bupleurum rotundifolium erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 236.<ref name="Euro+Med" /><ref name="GRIN" />

Bilder

Trivialnamen

Für das Rundblättrige Hasenohr (lateinisch früher Perfoliata<ref>Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 150 (Perfoliata, „Durchwachskraut“).</ref> oder herba perfoliata<ref>Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 178 („Durchwachs […] herba perfoliata“).</ref>) bestehen bzw. bestanden, zum Teil auch nur regional, auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Bruchwurz, Dürwachs (Berner Oberland), Durchkrant, Durchwachs, Hasenöhrlein (Thüringen), Nabelkraut und Stopsloch (im Westrich).<ref>Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 70, online.</ref>

Einzelnachweise

<references> <ref name="FloraWeb"> Bupleurum rotundifolium L., Rundblättriges Hasenohr. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Bupleurum rotundifolium L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="EfÖLS2008"> </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Thellung1965"> Albert Thellung: Umbelliferae. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 2. Verlag Carl Hanser, München 1965. S. 1106–1108. </ref> <ref name="Euro+Med"> Ralf Hand (2011+): Apiaceae. Datenblatt Bupleurum rotundifolium In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> </references>

Literatur

Weblinks