Rudolf Wirth
Rudolf Karl Maria Wirth (* 21. Juli 1900 in München; † 1980 ebenda) war ein deutscher Graphiker, Holzschnittkünstler, Buchgestalter und Architekt. Als langjähriger künstlerischer Leiter der graphischen Abteilung des Verlags Kösel & Pustet<ref name="Murken1983" details="S. 86">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> prägte er in den 1920er und 1930er Jahren das Erscheinungsbild eines der ältesten katholischen Verlagshäuser Deutschlands und gestaltete zahlreiche Buchumschläge sowie Buchillustrationen<ref>Zahlreiche Buchumschläge und Originalentwürfe befinden sich in der Sammlung Curt Tillmann im Deutschen Literaturarchiv Marbach sowie im Gutenberg-Museum Mainz.</ref>. Seine Holzschnitte, die stilistisch zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit anzusiedeln sind, wurden unter anderem 1929 im Landesgewerbemuseum Stuttgart und im Art Institute of Chicago ausgestellt. Zur Reichstagswahl 1930 schuf er im Auftrag der Bayerischen Volkspartei politische Illustrationen gegen den aufkommenden Nationalsozialismus. Nach 1933 zog er sich zunehmend als Künstler zurück und war nach Kriegsende vor allem als Architekt und Kinderbuchillustrator tätig.
Leben
Herkunft und Ausbildung
Rudolf Wirth wurde am 21. Juli 1900 in München geboren<ref name="SRuhwinkel" details="S. 82">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>. Noch als Achtzehnjähriger wurde er zum Militärdienst einberufen, ein Fronteinsatz im Ersten Weltkrieg blieb ihm jedoch erspart. So konnte er bereits 1919 ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule München beginnen, das er 1923 als Diplomingenieur abschloss<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>.
Tätigkeit für Kösel & Pustet und andere Verlage (1924–1937)
1924 trat Wirth als Graphiker und Architekt in den Verlagskonzern Kösel & Pustet ein, wo er bis 1937 als künstlerischer Leiter der graphischen Abteilung tätig war<ref name="Murken1983" details="S. 86" />. Neben zahlreichen Buchumschlägen und Buchillustrationen übernahm er als Architekt die bauliche Ausgestaltung der Buchhandlungsfilialen des Verlages<ref name="SRuhwinkel" details="S. 82" />.
1928 wurden mehrere seiner Arbeiten in der Publikation Modern Book Production der Londoner Gesellschaft für Buchkunst The Studio Ltd. veröffentlicht, darunter ein Holzschnitt-Frontispiz und die Titelseiten zu Heinrich Luhmanns Die Heiligen in Holzschuhen und Vogel Wunderlich sowie die Bucheinbände zu Die Abendstube, Der Heilige Franziskus, Die Braut des Alexius und Marte Schlichtegroll<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>. Im selben Jahr erschienen Holzschnitte in den Zeitschriften Der Holzschnitt und Jugend<ref name="Murken1983" details="S. 87–88" />. 1929 erhielt Wirth eine Ausstellung im Landesgewerbemuseum Stuttgart und wurde zur ersten internationalen Lithographie- und Holzschnittausstellung im Art Institute of Chicago mit einem seiner Holzschnitte eingeladen<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>.
Zu den bedeutendsten Buchillustrationen zählen Walter Schmidkunz' Die Geschichten vom Christuskind (1927), Heinrich Luhmanns Die Heiligen in Holzschuhen (1927), Charlotte Ursinas Erasmus (1933, mit ca. 50 Holzschnitten) sowie Hans Hümmelers Helden und Heilige (1934), für das er die gesamte Buchausstattung samt 366 individueller Vignetten schuf<ref name="Murken1983" details="S. 86–88" /><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>.
Politische Graphik (1930)
Zur Reichstagswahl am 14. September 1930 schuf Wirth im Auftrag der Bayerischen Volkspartei eine Reihe politischer Illustrationen, darunter Flugblätter und Plakatentwürfe, die sich unter anderem gegen den Nationalsozialismus und explizit gegen die Person Adolf Hitlers richteten. Eine dieser Arbeiten trägt den Titel „Nun bin ich Diktator im Reich der Trümmer und der Toten“ und zeigt eine Darstellung Hitlers inmitten von Flammen und brennenden Ruinen. Insgesamt sind 13 Druckfahnen überliefert, die Jahrzehnte später in einem doppelten Boden eines Schranks in der Wohnung des Künstlers entdeckt wurden. Ihre politisch-ikonographische Bedeutung wurde 2023 erstmals in der Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte wissenschaftlich aufgearbeitet<ref name="SRuhwinkel" details="S. 79–148" />.
Die NS- und Kriegszeit (1933–1945)
Nach der Machtergreifung 1933 ging Wirths freies künstlerisches Schaffen deutlich zurück. 1937 verließ er den Kösel & Pustet Verlag, dessen wirtschaftliche Lage sich unter dem wachsenden Druck des Regimes auf katholische Verlage zunehmend verschlechtert hatte und wurde leitender Hochbauingenieur bei der Luftwaffenbauverwaltung (Luftgaukommando VII) in München, wo er bis Kriegsende unter anderem Flugplätze und Flakstellungen errichtete<ref name="Murken1983" details="S. 88" />. Er war der NSDAP nie beigetreten.
Nachkriegszeit und späte Jahre (1945–1980)
Von 1947 bis 1949 war Wirth als Diplomingenieur beim Stadtbauamt Freising tätig<ref name="Murken1983" details="S. 88" />.
Daneben wandte er sich wieder der Buchillustration zu. 1950 veröffentlichte er das Kinderbuch Doktor Bär im Schwabenverlag. 1954 folgte Der Mäusetag<ref name="Murken1983" details="S. 85, 92" />. Darüber hinaus entstanden weitere Kinderbuchprojekte, darunter Die Wiesenleute und Der trübe Winter ist vorbei sowie eine 417 Bilder umfassende Comic-Serie Rico – der entwischte Affe und seine gefährlichen Abenteuer<ref name="Murken1983" details="S. 88, 92" />.
1964 erbat der Mannheimer Buchumschlagsammler Curt Tillmann die Zusendung aller von Wirth gefertigten Buchumschläge für seine Sammlung, die heute im Deutschen Literaturarchiv Marbach aufbewahrt wird<ref name="Tillmann">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>.
Rudolf Wirth starb 1980 in München<ref name="SRuhwinkel" details="S. 82" />.
Künstlerisches Werk
Holzschnitte
Der Holzschnitt bildete das zentrale Medium in Wirths künstlerischem Schaffen<ref name="SRuhwinkel" details="S. 86" />. Stilistisch erinnern seine expressiven Holzschnitte an die Graphiken von Frans Masereel<ref name="Murken1983" details="S. 87" />. Albert Aschinger, Herausgeber der Fachzeitschrift Der Holzschnitt, stellte Wirths Arbeiten 1929 auf eine Stufe mit denen Masereels und zählte sie zu den besten Arbeiten des damaligen modernen Holzschnitts<ref>Albert Aschinger: Besprechung des Zyklus „Die Nacht“ von Rudolf Wirth. In: Der Holzschnitt – Monatszeitschrift zur Pflege und Förderung des Holzschnitts, Mai 1929, S. 1–15, hier S. 4.</ref>. Neben Der Holzschnitt und The Studio (London) veröffentlichte auch die Jugend seine Arbeiten: 1929 den Holzschnitt Hafengasse als Illustration zu Ernst Römers Zufallsgeschichte<ref>Jugend – Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben 34 (1929), Heft 36, S. 570 (Digitalisat).</ref> und 1930 Nächtlicher Besuch zu Leo Am Bruhls Erzählung Konsultation um Mitternacht<ref>Jugend – Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben 35 (1930), Heft 3, S. 34 (Digitalisat).</ref>.
Zwei Holzschnitte Wirths – Schiff im Sturm und Landschaft mit Sonne – wurden 1996 in die Publikation Holzschnitte des deutschen Expressionismus aus den Beständen der Stiftung Museum Schloss Moyland aufgenommen<ref name="Moyland">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>. Bereits 1942 hatte Howard Simon in seiner Überblicksdarstellung 500 Years of Art in Illustration Wirths Holzschnitte zu Die Heiligen in Holzschuhen gewürdigt und ihre Nähe zur Tradition der frühen deutschen Holzschneider hervorgehoben<ref name="Simon1942">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>.
Buchkunst und Buchgestaltung
Als Buchgestalter schuf Wirth zahlreiche Buchumschläge für Kösel & Pustet und weitere Verlage, darunter Amstutz & Herdeg, Benziger Verlag, Butzon & Bercker und Hallwag<ref name="Tillmann" />. Darüber hinaus war Wirth auch publizistisch tätig und setzte sich in verschiedenen Aufsätzen im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel unter anderem mit Fragen der Buchgestaltung auseinander<ref name="Murken1983" details="S. 86" />.
Kinderbücher
Bereits in den späten 1920er und frühen 1930er Jahren hatte Wirth Kinder- und Jugendbücher illustriert, darunter Aenne Meys Flips und Flitsch, die beiden Auswanderer, ein Mäusemärchen (1931) und Grete Thomas’ Tüftel und andere bunte Geschichten (1930)<ref name="Murken1983" details="S. 87" />. In der Nachkriegszeit wandte er sich verstärkt der eigenständigen Kinderbuchillustration zu. 1950 erschien Doktor Bär im Schwabenverlag, in dem Wirth das Milieu von Arzt und Krankenhaus kindgemäß und humorvoll darstellte<ref name="Murken1983" details="S. 85–91" />. Murken hob hervor, dass das Buch den medizinischen Kinderbüchern seiner Zeit weit voraus war, da es sich wohltuend von den autoritären Gesundheitsbüchern der Vorkriegs- und frühen Nachkriegszeit abhob<ref name="Murken1983" details="S. 89–91" /> und bezeichnete es als „eines der schönsten Nachkriegsbücher im deutschsprachigen Raum“<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>. 1954 folgte mit Der Mäusetag ein weiteres Kinderbuch, in dem Wirth den Alltag einer Mäusefamilie in vermenschlichter Form schilderte. Im Nachlass befinden sich weitere Kinderbuchprojekte, darunter Die Wiesenleute und Der trübe Winter ist vorbei sowie eine 417 Bilder umfassende Comic-Serie Rico – der entwischte Affe und seine gefährlichen Abenteuer<ref name="Murken1983" details="S. 88, 92" />.
Rezeption und kunsthistorische Einordnung
Wirth wurde bereits zu Lebzeiten in mehrere Standardwerke aufgenommen: 1934 in Der Große Herder<ref>Der Große Herder. Nachschlagewerk für Wissen und Leben, 4. Auflage, Freiburg im Breisgau 1934.</ref>, 1942 in Howard Simons 500 Years of Art in Illustration<ref name="Simon1942" />, 1959 in Kürschners Graphiker-Handbuch<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> und 1962 in das Allgemeine Lexikon der bildenden Künstler des 20. Jahrhunderts<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>. 1983 veröffentlichte der Kunsthistoriker und Medizinhistoriker Axel Hinrich Murken einen grundlegenden Aufsatz über Wirth als Buchkünstler und Kinderbuchillustrator; in einer weiteren Publikation ordnete er dessen Kinderbuch Doktor Bär in den Kontext der medizinischen Kinder- und Jugendliteratur ein<ref name="Murken1983" details="S. 85–94" />.
Eine umfassende kunsthistorische Aufarbeitung seines Gesamtwerks wurde möglich, nachdem der über 1000 Exponate umfassende Nachlass zur wissenschaftlichen Bearbeitung zur Verfügung gestellt worden war<ref name="SRuhwinkel" details="S. 82" />. 2023 wurden die politischen Illustrationen von 1930 erstmals in der Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte analysiert<ref name="SRuhwinkel" details="S. 79–148" />. 2024 wurde eine Holzschnittillustration Wirths in der Ausstellung Wo die wilden Striche wohnen (Oktober 2024 bis Januar 2025) in der Pinakothek der Moderne (Die Neue Sammlung) gezeigt<ref>Ausstellung Wo die wilden Striche wohnen, Die Neue Sammlung – The Design Museum, Pinakothek der Moderne, München, Oktober 2024 bis Januar 2025.</ref>.
Künstlerischer Nachlass
Der künstlerische Nachlass von Rudolf Wirth umfasst über 1000 Exponate, darunter Holzschnitte, Zeichnungen, Aquarelle, Buchgestaltungen, persönliche Dokumente und Korrespondenzen<ref name="SRuhwinkel" details="S. 82" />. Er wird vom gemeinnützigen Verein Bayerische Künstlernachlässe e. V. betreut.
Ausstellungen (Auswahl)
- 1929: Ausstellung buchkünstlerischer Arbeiten, Landesgewerbemuseum Stuttgart<ref name="Murken1983" details="S. 88" />
- 1929/30: Erste internationale Lithographie- und Holzschnittausstellung, Art Institute of Chicago
- 1971: Buchumschläge 1900–1950, Schiller-Nationalmuseum, Marbach am Neckar
- 2024/25: Wo die wilden Striche wohnen, Pinakothek der Moderne, München
Werke in öffentlichen Sammlungen
- Deutsches Literaturarchiv Marbach (Sammlung Curt Tillmann: Buchumschläge)<ref name="Tillmann" />
- Gutenberg-Museum, Mainz (Buchumschläge)
- Museum Schloss Moyland (Holzschnitte, Sammlung van der Grinten)<ref name="Moyland" />
- Pinakothek der Moderne, München (Die Neue Sammlung)
Einzelnachweise
<references />
{{#ifeq: p | p | | {{#if: 13129654603391170292147077690000 | |
}} }}{{#ifeq:||{{#if: | [[Kategorie:Wikipedia:GND fehlt {{#invoke:Str|left|{{{GNDCheck}}}|7}}]] }}{{#if: | {{#if: | | }} }} }}{{#if: | {{#ifeq: 0 | 2 | | }} }}{{#if: | {{#ifeq: 0 | 2 | | }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 1312965460 | | {{#if: {{#statements:P227}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 1312965460 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P227}} | | }} }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: | | {{#if: {{#statements:P244}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P244}} | | }} }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 3391170292147077690000 | | {{#if: {{#statements:P214}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 3391170292147077690000 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P214}} | | }} }} }} }}Vorlage:Wikidata-Registrierung
{{#if: Wirth, Rudolf | {{#if: Wirth, Rudolf Karl Maria | {{#if: deutscher Kinderbuchautor und Illustrator | {{#if: 21. Juli 1900 | {{#if: München | {{#if: 1980 | {{#if: München || Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wirth, Rudolf
}} |
| ALTERNATIVNAMEN | Wirth, Rudolf Karl Maria
}} |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Kinderbuchautor und Illustrator
}} |
| GEBURTSDATUM | 21. Juli 1900
}} |
| GEBURTSORT | München
}} |
| STERBEDATUM | 1980
}} |
| STERBEORT | München
}} |
- Wikipedia:GND fehlt
- Wikipedia:Normdaten-TYP falsch oder fehlend
- Wikipedia:GND in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Wikipedia:GND in Wikipedia vorhanden, fehlt jedoch in Wikidata
- Wikipedia:LCCN in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Wikipedia:LCCN in Wikipedia vorhanden, fehlt jedoch in Wikidata
- Wikipedia:VIAF in Wikipedia fehlt, in Wikidata vorhanden
- Wikipedia:VIAF in Wikipedia vorhanden, fehlt jedoch in Wikidata
- Grafiker (Deutschland)
- Holzschneider (Deutschland)
- Illustrator (Deutschland)
- Buchgestalter
- Kinder- und Jugendliteratur
- Architekt (München)
- Künstler (München)
- Innere Emigration
- Person (München)
- Deutscher
- Geboren 1900
- Gestorben 1980
- Mann