Rudolf Großmann wuchs in künstlerischem Milieu auf. Sein Großvater war der badische HofmalerWilhelm Dürr der Ältere, seine Mutter Bildnismalerin und sein Onkel Wilhelm Dürr der Jüngere Professor an der Kunstakademie in München. Er studierte zunächst von 1902 bis 1904 in München Medizin und Philosophie und ging dann für fünf Jahre nach Paris, unter anderem als Schüler von Lucien Simon.<ref>Rudolf Großmann. In: Biographical information. RKD Netherlands Institute for Art History, abgerufen am 3. Juni 2015.</ref> Dort widmete er sich zunächst, unter dem Einfluss von Paul Cézanne, der Landschaftsmalerei und verbrachte viel Zeit im Café du Dôme, die er in seiner Autobiografie „Manege des Lebens“ behandelt.
Mit Jules Pascin reiste er nach Belgien und Holland. Weitere Studienreisen führten ihn nach Nord- und Südfrankreich und nach Wien, Budapest und Stockholm. 1910 blieb er eine Weile in Berlin, um dann – zum Teil mit seinem Freund Hans Purrmann – weiterzureisen: ins Engadin, nach München, zum Tegernsee, nach Italien.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland lebte Großmann in Berlin und betätigte sich fortan als Graphiker, u. a. mit Buchillustrationen und Porträts von Berühmtheiten, letztere erschienen unter anderem im Simplicissimus. 1928 wurde er Professor an der Staatlichen Kunstschule Berlin.<ref name="Klee201">Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 201.</ref><ref>„Rudolf Großmann, der bekannte Berliner Maler und Zeichner, hat von der dortigen Staatlichen Kunstschule einen Lehrauftrag erhalten.“ Münchener Zeitung, Nr. 100, vom 12. April 1929, S. 4.</ref> Großmann war Mitglied der Berliner Secession und des Deutschen Künstlerbundes.
Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde er 1934 als Professor abgesetzt, und er zog sich nach Freiburg zurück. Er konnte jedoch vorerst weiter ausstellen. Bis 1936 ist seine Teilnahme an 10 Gruppenausstellungen sicher belegt<ref>Martin Papenbrock, Gabriele Saure (Hrsg.): Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in deutschen Ausstellungen. Teil 1. Ausstellungen deutsche Gegenwartskunst in der NS-Zeit. VDG, Weimar, 2000; S. 439 und passim</ref>, aber seine Werke wurden dann von den Nationalsozialisten als „entartet“ diffamiert. 1937 wurden in der deutschlandweiten konzertierten Aktion „Entartete Kunst“ mehr als 500 seiner Arbeiten aus einer Vielzahl von Museen und öffentlichen Sammlungen beschlagnahmt. Ein Teil davon wurde vernichtet.<ref>Stale Session. Abgerufen am 10. Juli 2022.</ref> Drei seiner Werke wurden in der NS-Propagandaausstellung Entartete Kunst gezeigt.<ref name="Klee201"/>
Darstellung Großmanns in der bildenden Kunst
Lovis Corinth: Porträt des Malers Rudolf Großmann (Öl, 99 × 59 cm, 1924; WV Berend-Corinth 965; 1937 als „entartet“ aus dem Nassauischen Landesmuseum Wiesbaden beschlagnahmt; nach 1945 im Bestand der Stiftung Insel Hombroich, Neuss)<ref>Stale Session. Abgerufen am 10. Juli 2022.</ref>
Thomas Levy, Carl-Jürgen Tohmfor: Das Café du Dome und die Académie Matisse, 1988, Verlag Schimper, Schwetzingen, ISBN 3-87742-033-8.
Alessandra Cacace: Großmann, Rudolf. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 63, Saur, München u. a. 2009, ISBN 978-3-598-23030-1, S. 200 f.