Zum Inhalt springen

Ruch Chorzów

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Ruch Chorzów
Logo Ruch Chorzów
Basisdaten
Name Klub Sportowy Ruch Chorzów
Spółka Akcyjna
Sitz Chorzów
Gründung 20. April 1920
Präsident PolenDatei:Flag of Poland.svg Seweryn Siemianowski
Website ruchchorzow.com.pl
Erste Fußballmannschaft
Cheftrainer PolenDatei:Flag of Poland.svg Dawid Szulczek
Spielstätte Stadion Śląski
Plätze 54.378
Liga 1. Liga
2024/25 10. Platz

Ruch Chorzów ist ein Sportverein aus der polnischen Großstadt Chorzów (deutsch: Königshütte) im Oberschlesischen Revier, der vor allem für seine Fußballabteilung bekannt ist. Der Verein ist 14-maliger polnischer Fußballmeister und somit, gemeinsam mit dem Lokalrivalen Górnik Zabrze, Vizerekordmeister Polens. Zuletzt konnte Ruch im Jahre 1989 den Meistertitel erringen. Infolge finanzieller Schwierigkeiten stieg der Verein dreimal in Folge ab, spielt aber seit 2022/23 wieder in der zweitklassigen 1. Liga. Die Frauenhandballabteilung des Vereins ist neunmaliger polnischer Meister.

Geschichte

Gegründet wurde der Verein im Jahre 1920 vor dem Hintergrund der Volkstumskämpfe in Oberschlesien in der damals noch preußischen Ortschaft Bismarckhütte von der Sportabteilung des polnischen Plebiszitkommissariats unter Wojciech Korfanty als Ruch Bismarkhuta.<ref>Chorzowianin nr 22 (398) vom 28. Mai 2008, s. 17</ref> („Ruch“ bedeutet auf Deutsch „Bewegung“.) Er galt somit als Verein der Schlesischen Aufständischen.<ref>80 lat OZPN Katowice. Hrsg. A. Gowarzewski. Katowice 2000, S. 16.</ref> Nach dem Anschluss Ostoberschlesiens an Polen 1922 wurde die deutsche Ortsbezeichnung durch die polnische im Vereinsnamen ersetzt – Wielkie Hajduki. 1923 setzten die polnischen Behörden die Fusion von Ruch mit dem deutschen Verein Bismarckhütter Ballspielclub (BBC) durch, der über ein eigenes Stadion verfügte. Schon ein Jahr später (1924) wurde das Kürzel BBC aus dem Namen gestrichen.<ref>75 lat OZPN Katowice. Hrsg. A. Gowarzewski. Katowice 1995, S. 44–45.</ref>

Nachdem am 1. April 1939 die bis dahin selbständige Gemeinde Wielkie Hajduki an die benachbarte Stadt Chorzów angeschlossen worden war, nannte sich der Verein KS Ruch Chorzów.<ref>naukowy.pl: Ruch Chorzów</ref> Mit dem Einmarsch der Wehrmacht in Polen im September 1939 wurde er von den deutschen Besatzungsbehörden für aufgelöst erklärt. Faktisch aber wurde er nur umbenannt: Er bekam eine deutsche Vereinsleitung und wurde unter dem alten Namen Bismarckhütter Ballspielclub neu registriert.<ref>A. Gowarzewski, J. Waloszek: Ruch Chorzów. Katowice 1995, S. 54.</ref> Für ihn traten in der Gauliga Schlesien auch die bisherigen polnischen Nationalspieler Eryk Tatuś, Teodor Peterek und Gerard Wodarz an, die die deutsche Volksliste unterzeichnet hatten. Im November 1939 erhielt er den Namen der Anfang der zwanziger Jahre von den polnischen Behörden aufgelösten Bismarckhütter SV 99 (BSV).<ref>Kattowitzer Zeitung, 20. November 1939, S. 3.</ref> 1941, 1942 und 1944 wurde die BSV jeweils Vizegaumeister, 1943 erreichte er den 4. Platz.

Im Februar 1945 lösten die neuen polnischen Behörden den deutschen Verein offiziell auf. Faktisch bekam er seinen alten polnischen Namen zurück, ein Großteil der Spieler, die im Krieg in der Gauliga gespielt hatten, blieb.<ref>A. Gowarzewski, J. Waloszek: Ruch Chorzów. Katowice 1995, S. 67–69.</ref> In ihren offiziellen Biografien blieb die Besatzungszeit ausgespart.<ref>z. B. T. Peterek: Z butami piłkarskimi na boiskach Europy. Chorzów 1957.</ref>

Mit der Welle der Liquidierung von Traditionsvereinen unter dem Stalinismus wurde der Klub 1948 nach sowjetischem Vorbild als KS Chemik Chorzów an ein Industriekombinat angeschlossen. Nach der Vereinigung mit anderen Betriebsmannschaften hieß er von 1949 an ZS Unia Chorzów. Erst mit dem politischen Tauwetter von 1956 konnte er zum alten Namen Ruch zurückkehren.<ref>A. Gowarzewski, S. Szczepłek, B. Szmel: Legia to potęga. Katowice 2004, S. 40.</ref> Seit dem Jahr 2004 ist Ruch Chorzów in die Aktiengesellschaft Sportowa S.A. eingebunden.

Für die Saison 2007/08 erhielt der Verein vom polnischen Fußballverband zunächst keine Lizenz, da ein Schuldentilgungsplan aus dem Vorjahr vorgelegt wurde.<ref>Artikel bei goalgate.de vom 18. Juli 2007</ref> Nachrücken sollte dafür die bereits abgestiegene Mannschaft von Wisła Płock. Diese Entscheidung wurde jedoch kurz darauf aufgehoben, so dass der Verein erstmals seit 2003 wieder in der Ekstraklasa spielte. Am 18. November 2008 teilte der Verein mit, dass er schuldenfrei sei.<ref>Ruch Chorzów spłacił długi. Gazeta Katowice, 18. Nov. 2008, (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Webcite) (Memento vom 28. Dezember 2008 auf WebCite)</ref> Größter Vereinserfolg nach der Jahrtausendwende war der Einzug ins polnische Pokalendspiel 2009, was jedoch im Stadion Śląski mit 0:1 gegen Lech Posen verloren ging. Auch im Jahr 2012 konnte man erneut das polnische Pokalendspiel erreichen, unterlag jedoch in Kielce mit 0:3 Legia Warschau. Insgesamt war es eine der besten Spielzeiten der letzten Jahrzehnte, da man neben dem Pokalfinaleinzug auch in der Ekstraklasa Vize-Meister wurde und mit nur einem Punkt Rückstand auf Śląsk Wrocław den großen Coup nur denkbar knapp verpasste. Von diesen Erfolgen unbeflügelt entpuppte sich die Ekstraklasa-Saison 2012/2013 als Achterbahnfahrt und so konnte man erst am letzten Spieltag den Klassenerhalt realisieren. Zwar war man als 15. sportlich abgestiegen, konnte jedoch aufgrund des direkten gewonnenen Duells gegen GKS Bełchatów und des Lizenzentzugs von Polonia Warschau die Klasse doch noch halten. In der folgenden Saison wurde man Dritter und qualifizierte sich für die Europa League, in der man in der Playoff-Runde an Metalist Charkiw scheiterte.

Am 2. Juni 2017 stieg der Verein, in einer turbulenten Saison, erneut in die Zweitklassigkeit ab. Zuvor wurde dem Verein bereits die Lizenz für kommende Saison entzogen. In der Saison 2017/18 folgte dann der Sturz in die Drittklassigkeit. Die Saison 2018/19 beendete Ruch auf dem letzten Platz und war somit erneut abgestiegen und spielte seitdem in der viertklassigen 3. Liga. Nach zwei Aufstiegen in Folge spielt der Verein seit 2022 wieder zweitklassig.

Erfolge

Fans

Datei:Ruch-Jagiellonia 8.11.2009.JPG
Spieler begrüßen die Fans, November 2009

Der KS Ruch Chorzów gilt als Club der Oberschlesier, vor allem für die Jugend, die sich mit und durch die Mannschaft zu ihrer oberschlesischen Identität bekennen (unter anderem durch Spruchbänder, Gesänge, Flaggen etc.). Die Fans von Ruch pflegen Fahnen mit dem deutschen Wort „Oberschlesien“ mit sich zu führen. Durch den polnischen Fußballverband PZPN wurde das Zeigen dieser Fahnen in den polnischen Stadien 2009 verboten.<ref>katowice.gazeta.pl: PZPN: Fani Ruchu mają kibicować po polsku</ref>

Stadion

Ruch Chorzów spielte im Stadion Miejski, das im Jahr 1935 erbaut wurde und eine Zuschauerkapazität von rund 10.000 Besuchern bot. 2025 wurde es abgesrissen. Ein Neubau mit 22.000 Plätzen ist in Planung.<ref>Tak ma wyglądać nowy stadion Ruchu Chorzów. Obiekt robi wrażenie. In: portalsamorzadowy.pl. 16. Dezember 2025, abgerufen am 16. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> In der Zwischenzeit weicht Ruch in das Stadion Śląski mit 54.378 Plätzen aus.<ref>Ruch w przypadku awansu do PKO Ekstraklasy będzie grać na Stadionie Śląskim. In: 90minut.pl. 14. April 2023, abgerufen am 16. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Platzierungen der letzten Spielzeiten

  • 2002/03 – 14. Platz (Ekstraklasa, Abstieg)
  • 2003/04 – 11. Platz (2. Liga)
  • 2004/05 – 14. Platz (2. Liga)
  • 2005/06 –07. Platz (2. Liga)
  • 2006/07 –01. Platz (2. Liga, Aufstieg)
  • 2007/08 – 10. Platz (Ekstraklasa)
  • 2008/09 – 10. Platz (Ekstraklasa)
  • 2009/1003. Platz (Ekstraklasa)
  • 2010/11 – 12. Platz (Ekstraklasa)
  • 2011/1202. Platz (Ekstraklasa)
  • 2012/13 – 15. Platz (Ekstraklasa)
  • 2013/1403. Platz (Ekstraklasa)
  • 2014/15 – 10. Platz (Ekstraklasa)
  • 2015/1608. Platz (Ekstraklasa)
  • 2016/17 – 16. Platz (Ekstraklasa, Abstieg)
  • 2017/18 – 18. Platz (1. Liga, Abstieg)
  • 2018/19 – 18. Platz (2. Liga, Abstieg)
  • 2019/20 – 3. Platz (3. Liga, bei Abbruch)
  • 2020/21 – 1. Platz (3. Liga)

Trainer

Spieler

Europapokalbilanz

Saison Wettbewerb Runde Gegner Gesamt Hin Rück
1969/70 Messestädte-Pokal 1. Runde OsterreichDatei:Flag of Austria.svg Wiener Sport-Club 6:5 2:4 (A) 4:1 (H)
2. Runde NiederlandeDatei:Flag of the Netherlands.svg Ajax Amsterdam 1:9 0:7 (A) 1:2 (H)
1970/71 Messestädte-Pokal 1. Runde ItalienDatei:Flag of Italy.svg AC Florenz 1:3 1:1 (H) 0:2 (A)
1972/73 UEFA-Pokal 1. Runde TurkeiDatei:Flag of Turkey.svg Fenerbahçe Istanbul 3:1 3:0 (H) 0:1 (A)
2. Runde Deutschland Demokratische Republik 1949Datei:Flag of East Germany.svg Dynamo Dresden 0:4 0:1 (H) 0:3 (A)
1973/74 UEFA-Pokal 1. Runde Deutschland BundesrepublikDatei:Flag of Germany.svg Wuppertaler SV 8:6 4:1 (H) 4:5 (A)
2. Runde Deutschland Demokratische Republik 1949Datei:Flag of East Germany.svg FC Carl Zeiss Jena 3:1 3:0 (H) 0:1 (A)
3. Runde Ungarn 1957Datei:Civil Ensign of Hungary.svg Honvéd Budapest 5:2 0:2 (A) 5:0 (H)
Viertelfinale NiederlandeDatei:Flag of the Netherlands.svg Feyenoord Rotterdam 2:4 1:1 (H) 1:3 n. V. (A)
1974/75 Europapokal der Landesmeister 1. Runde DanemarkDatei:Flag of Denmark.svg Hvidovre IF 2:1 0:0 (A) 2:1 (H)
2. Runde TurkeiDatei:Flag of Turkey.svg Fenerbahçe Istanbul 4:1 2:1 (H) 2:0 (A)
Viertelfinale FrankreichDatei:Flag of France.svg AS Saint-Étienne 3:4 3:2 (H) 0:2 (A)
1975/76 Europapokal der Landesmeister 1. Runde FinnlandDatei:Flag of Finland icon.svg Kuopion PS 7:2 5:0 (H) 2:2 (A)
2. Runde NiederlandeDatei:Flag of the Netherlands.svg PSV Eindhoven 1:7 1:3 (H) 0:4 (A)
1979/80 Europapokal der Landesmeister 1. Runde Deutschland Demokratische Republik 1949Datei:Flag of East Germany.svg BFC Dynamo 1:4 1:4 (A) 0:0 (H)
1989/90 Europapokal der Landesmeister 1. Runde BulgarienDatei:Flag of Bulgaria.svg ZSKA Sofia 2:6 1:1 (H) 1:5 (A)
1996/97 Europapokal der Pokalsieger Qualifikation WalesDatei:Flag of Wales (1959–present).svg TNS Llansantffraid 6:1 1:1 (A) 5:0 (H)
1. Runde PortugalDatei:Flag of Portugal.svg Benfica Lissabon 1:5 1:5 (A) 0:0 (H)
1998 UEFA Intertoto Cup 1. Runde OsterreichDatei:Flag of Austria.svg FK Austria Wien 3:2 1:0 (A) 2:2 (H)
2. Runde SchwedenDatei:Flag of Sweden.svg Örgryte IS (a)2:2(a) 1:2 (A) 1:0 (H)
3. Runde PortugalDatei:Flag of Portugal.svg CF Estrela Amadora 2:2
(4:2 i. E.)
1:1 (H) 1:1 n. V. (A)
Halbfinale UngarnDatei:Flag of Hungary.svg Debreceni VSC 4:0 1:0 (H) 3:0 (A)
Finale ItalienDatei:Flag of Italy.svg FC Bologna 0:3 0:1 (A) 0:2 (H)
2000/01 UEFA-Pokal Qualifikation Litauen 1989Datei:Flag of Lithuania (1988–2004).svg FK Žalgiris Vilnius 7:2 1:2 (A) 6:0 (H)
1. Runde ItalienDatei:Flag of Italy.svg Inter Mailand 1:7 0:3 (H) 1:4 (A)
2010/11 UEFA Europa League 1. Qualifikationsrunde KasachstanDatei:Flag of Kazakhstan.svg Schachtjor Qaraghandy 3:1 2:1 (A) 1:0 (H)
2. Qualifikationsrunde MaltaDatei:Flag of Malta.svg FC Valletta (a)1:1(a) 1:1 (A) 0:0 (H)
3. Qualifikationsrunde OsterreichDatei:Flag of Austria.svg FK Austria Wien 1:6 1:3 (H) 0:3 (A)
2012/13 UEFA Europa League 2. Qualifikationsrunde NordmazedonienDatei:Flag of North Macedonia.svg FK Metalurg Skopje 6:1 3:1 (H) 3:0 (A)
3. Qualifikationsrunde TschechienDatei:Flag of the Czech Republic.svg FC Viktoria Plzeň 0:7 0:2 (H) 0:5 (A)
2014/15 UEFA Europa League 2. Qualifikationsrunde LiechtensteinDatei:Flag of Liechtenstein.svg FC Vaduz 3:2 3:2 (H) 0:0 (A)
3. Qualifikationsrunde DanemarkDatei:Flag of Denmark.svg Esbjerg fB (a)2:2(a) 0:0 (H) 2:2 (A)
Play-offs UkraineDatei:Flag of Ukraine.svg Metalist Charkiw 0:1 0:0 (H) 0:1 (A)
Legende: (H) – Heimspiel, (A) – Auswärtsspiel, (N) – neutraler Platz, (a) – Auswärtstorregel, (i. E.) – im Elfmeterschießen, (n. V.) – nach Verlängerung

Gesamtbilanz: 66 Spiele, 22 Siege, 17 Unentschieden, 27 Niederlagen, 91:105 Tore (Tordifferenz −14)

Handball

Datei:Chorzow hala sportowa MORiS.jpg
Die Hala MORiS, die Heimspielstätte der Handballerinnen

Seit 1951 besitzt der Verein eine Abteilung für Handball der Frauen. Sie gewann bislang neun polnische Meistertitel in den Jahren 1962, 1963, 1964, 1973, 1974, 1975, 1977, 1978 und 1980.<ref>O klubie auf der Vereinswebsite. Abgerufen am 15. Januar 2023 (polnisch).</ref>

Literatur

  • Thomas Urban, Fußball und nationale Verortung in Oberschlesien. Das Beispiel Königshütte – Królewska Huta – Chorzów. In: Stephan Krause, Christian Lübke, Dirk Suckow (Hrsg.): Der Osten ist eine Kugel. Fußball in Kultur und Geschichte des östlichen Europa. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2018, S. 246–260, ISBN 978-3-7307-0388-5

Weblinks

Commons: Ruch Chorzów – Sammlung von Bildern und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Klappleiste/Anfang

Vorlage:Klappleiste/Ende