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Rosmarin-Weidenröschen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

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Rosmarin-Weidenröschen
Datei:Chamerion dodonaei.jpg

Rosmarin-Weidenröschen (Epilobium dodonaei)

Systematik
Eurosiden II
Ordnung: Myrtenartige (Myrtales)
Familie: Nachtkerzengewächse (Onagraceae)
Unterfamilie: Onagroideae
Gattung: Weidenröschen (Epilobium)
Art: Rosmarin-Weidenröschen
Wissenschaftlicher Name
Epilobium dodonaei
Vill.

Das Rosmarin-Weidenröschen (Epilobium dodonaei <templatestyles src="Person/styles.css" />Vill., Syn.: Chamaenerion dodonaei (<templatestyles src="Person/styles.css" />Vill.) <templatestyles src="Person/styles.css" />Schur) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Weidenröschen (Epilobium) innerhalb der Familie der Nachtkerzengewächse (Onagraceae).

Beschreibung

Datei:Epilobium dodonaei Atlas Alpenflora.jpg
Illustration aus Atlas der Alpenflora
Datei:Chamerion dodonaei, Saint-Gervais-les-Bains fg05.jpg
Blüte im Detail

Vegetative Merkmale

Das Rosmarin-Weidenröschen wächst als ausdauernde krautige Pflanze bis Halbstrauch und erreicht Wuchshöhen von 50 bis 110 Zentimetern. Es besitzt eine mehrköpfige Grundachse, sowie unterirdische Ausläufer, die lang, fleischig und rot sind. Die Stängel können am Grund verholzt sein, rund, sowie oben schwach behaart; zur Blütezeit sind sie kurz verzweigt.

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind sitzend oder sehr kurz gestielt und starr. Die einfache Blattspreite ist bei einer Länge von 2 bis 2,5 Zentimetern sowie einer Breite von 0,1 bis 0,35, selten bis zu 0,5 Zentimetern linealisch bis linealisch-lanzettlich. Der Blattrand ist ganzrandig oder schwielig gezähnt. Eine Behaarung fehlt oder es gibt schwach angedrückte Haare (Indument). Beide Blattseiten sind grün, nur die Mittelrippe tritt hervor. Der deutsche Trivialname „Rosmarin-Weidenröschen“ leitet sich von den rosmarinartig schmalen, grau-grünen Blättern ab.

Blütenstand und Blüte

Die Blütezeit reicht von Juli bis August. Die Blüten stehen in einem endständigen, lockeren traubigen Blütenstand zusammen. Die zwittrige Blüte ist leicht zygomorph, groß, etwa 15 Millimeter lang<ref name="Hegi1965" /> mit kurzer Röhre. Der Achsenbecher ist kurz und außen dicht angedrückt behaart. Die Kelchblätter sind rot und anliegend kurz behaart. Die Krone ist flach ausgebreitet. Die hellrosafarbenen Kronblätter sind kaum genagelt und rund 1½-mal so lang wie die Kelchblätter. Der abwärts geneigte Griffel ist 7 bis 15 Millimeter lang, fadenförmig und etwa so lang wie die längeren Staubblätter. Im untersten Drittel ist der Griffel weiß-zottig behaart.<ref name="Hegi1965" /> Die Narbe ist vierteilig.<ref name="Hegi1965" />

Frucht und Samen

Die Kapselfrüchte sind anfangs dicht weißfilzig, später rötlich überlaufen und kurz angedrückt behaart. Die papillösen Samen sind bei einer Länge von 1,5 bis 2 Millimetern länglich.

Chromosomensatz

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 36.<ref name="Oberdorfer2001" />

Datei:Epilobium dodonaei 2.jpg
Habitus im Habitat im französischen Jura
Datei:2017-10-12 (275) Epilobium (Chamerion, Chamaenerion) dodonaei (rosemary willowherb) in the railroad tracks of Main Station in Wiener Neustadt, Austria.jpg
Vorkommen auf den Gleisanlagen des Hauptbahnhofs Wiener Neustadt, Österreich

Ökologie

Beim Rosmarin-Weidenröschen handelt es sich um einen Hemikryptophyten. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten.

Das Rosmarin-Weidenröschen ist Raupen-Futterpflanze u. a. für den Nachtkerzenschwärmer (Proserpinus proserpina) und den Fledermausschwärmer (Hyles vespertilio).<ref name="FloraWeb-Schmetterlinge" />

Vorkommen

Das Rosmarin-Weidenröschen ist in Eurasien von Frankreich bis zum nordwestlichen Iran verbreitet.<ref name="GRIN" /> In Europa gibt es ursprüngliche Vorkommen in den Ländern Frankreich, Deutschland, Italien, die Schweiz, Österreich, Tschechien, Polen, die Slowakei, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Albanien, Nordmazedonien, Griechenland, Kreta, Bulgarien, Rumänien, Moldau und die Ukraine.<ref name="Euro+Med" /> In Deutschland ist es in Nordrhein-Westfalen<ref name="Bochumer Botanischer Verein 2014">Bochumer Botanischer Verein: Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2013. Jahrbuch des Bochumer Botanischen Vereins. Bd. 5, 2014, S. 130–163 (PDF 6,5 MB)</ref><ref name="Bochumer Botanischer Verein 2015">Bochumer Botanischer Verein: Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2014. Jahrbuch des Bochumer Botanischen Vereins. Band 6, 2015, S. 141–174 (PDF 5,5 MB)</ref>, Rheinland-Pfalz und im Saarland nur als Neophyt bekannt. In Österreich fehlt es in Salzburg und ist in Nordtirol ausgestorben, ansonsten kommt es zerstreut bis selten vor. In der Türkei wächst es nur an den nördlichen Abhängen des Pontus in Höhenlagen von 1100 bis 1500 Metern.<ref name="Pils2006" />

Es wächst an kiesigen und sandigen Standorten sowie an felsigen Abhängen. Meist besiedelt es kalkreiche, humus- und feinerdearme Kies- und Sandböden. Es kommt von der collinen bis zur montanen Höhenstufe vor. In Baden-Württemberg steigt das Rosmarin-Weidenröschen bei Bittelschieß und Göggingen bis zu einer Höhenlage von 630 Meter auf.<ref name="Philippi1992" /> Aufgrund seiner unterirdischen Ausläufer ist es eine ausgesprochene Pionierpflanze. Es ist pflanzensoziologisch eine Charakterart des Epilobio-Scrophularietum caninae aus dem Verband Epilobion fleischeri.<ref name="Oberdorfer2001" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 1+w (trocken aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Dörr und Lippert beobachteten, dass das Rosmarin-Weidenröschen zu Unbeständigkeit neigt. Sie verschwindet auch ohne menschliche Einwirkung aus nicht geklärter Ursache nach wenigen Jahren, tritt aber manchmal später in der Nähe neu auf.<ref name="Dörr-Lippert2004" />

Systematik

Die Erstveröffentlichung von Epilobium dodonaei erfolgte 1779 durch Dominique Villars in Prospectus de l'Histoire des Plantes de Dauphiné, S. 45.<ref name="Villars1778" /> Das Artepitheton dodonaei ehrt den flämischen Arzt und Botaniker Rembert Dodoens (latinisiert Rembertus Dodonaeus), Professor in Leyden und Leibarzt von Kaiser Rudolf II. Synonyme für Epilobium dodonaei <templatestyles src="Person/styles.css" />Vill. sind: Chamaenerion dodonaei (<templatestyles src="Person/styles.css" />Vill.) <templatestyles src="Person/styles.css" />Schur, Chamaenerion palustre auct. mult., non (<templatestyles src="Person/styles.css" />L.) <templatestyles src="Person/styles.css" />Scop., Chamaenerion rosmarinifolium (<templatestyles src="Person/styles.css" />Haenke) <templatestyles src="Person/styles.css" />Moench, Chamaenerion angustissimum (<templatestyles src="Person/styles.css" />Weber) <templatestyles src="Person/styles.css" />Sosn., Epilobium rosmarinifolium <templatestyles src="Person/styles.css" />Haenke nom. illeg., Epilobium angustissimum <templatestyles src="Person/styles.css" />Weber, Chamerion dodonaei (<templatestyles src="Person/styles.css" />Vill.) <templatestyles src="Person/styles.css" />Holub

Innerhalb der Gattung Epilobium wird Epilobium dodonaei aufgrund der wechselständigen Blätter und der großen Blüten in die Untergattung Chamaenerion gestellt, die nach molekular­systematischen Untersuchungen Gattungsrang einnimmt.<ref name="Wagner2007" /><ref name="Sennikov2011" />

Literatur

Einzelnachweise

<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="InfoFlora"> Epilobium dodonaei Vill. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Pils2006"> Gerhard Pils: Flowers of Turkey. A photo-guide. Selbstverlag 2006, S. 257. </ref> <ref name="Dörr-Lippert2004">Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching bei München, 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 246. </ref> <ref name="FloraWeb-Schmetterlinge"> Schmetterlinge bei FloraWeb. </ref> <ref name="Villars1778"> Dominique Villars: Prospectus de l'Histoire des Plantes de Dauphiné. Imprimérie royale, Grenoble 1778, S. 45 eingescannt. </ref> <ref name="Wagner2007"> Warren L. Wagner, Peter C. Hoch, Peter H. Raven: Revised Classification of the Onagraceae In: Systematic Botany Monographs. Volume 83, American Society of Plant Taxonomists, Ann Arbor, Mich. 2007, ISBN 978-0-912861-83-8. (PDF-Datei). </ref> <ref name="Sennikov2011"> Alexander N. Sennikov: Chamerion or Chamaenerion (Onagraceae)? The old story in new words. In: Taxon. Band 60, Nr. 5, 2011, S. 1485–1488. {{doi:10.1002/tax.605028}} (Abstract). </ref> <ref name="Philippi1992"> Georg Philippi: "Onagraceae". In Oskar Sebald u. a.: Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. 1. Auflage Band 4, Seite 33–64. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1992, ISBN 3-8001-3359-8. </ref> <ref name="Hegi1965"> Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 2. Verlag Carl Hanser, München 1965. S. 819–821. </ref> <ref name="Euro+Med"> E. von Raab-Straube (2018+): Onagraceae. Datenblatt Epilobium dodonaei In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> </references>

Weblinks